Zeitschrift-Artikel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 17

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Titel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 17
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 17

Vortext

Und der König von Syrien führte Krieg gegen Israel; und er beriet sich mit seinen Knechten und sprach: An dem und dem Ort soll mein Lager sein. Da sandte der Mann Gottes zum König von Israel und ließ ihm sagen: Hüte dich, an diesem Ort vorbeizuziehen; denn dort kommen die Syrer herab. Und der König von Israel sandte an den Ort, den der Mann Gottes ihm gesagt und vor dem er ihn gewarnt hatte, und er nahm sich dort in Acht; und das geschah nicht einmal und nicht zweimal. Da wurde das Herz des Königs von Syrien über diese Sache beunruhigt; und er rief seine Knechte und sprach zu ihnen: Könnt ihr mir nicht kundtun, wer von den ­Unsrigen für den König von Israel ist? Und einer von seinen Knechten sprach: Nicht doch, mein Herr König; sondern Elisa, der Prophet, der in Israel ist, tut dem König von Israel die Worte kund, die du in deinem Schlafgemach redest. Da sprach er: Geht hin und seht, wo er ist; und ich werde hinsenden und ihn holen. Und es wurde ihm berichtet und gesagt: Siehe, er ist in Dothan. (2Kö 6,8–13)

Text

Wo man sich „in Acht“ nehmen muss … Soeben noch berichtete Gottes Wort die merkwürdige Szene, in welcher einer der Prophetensöhne sich nicht „in Acht“ nahm und beim Bäume fällen seine geliehene Axt verlor. Das Eisen hatte sich vom Stiel gelöst und war in den Fluten des Jordan versunken. Übermut oder Leichtsinnigkeit waren wahrscheinlich die Ursache. Aber der Mann Gottes war in unmittelbarer Nähe und brachte das verlorene Eisen zum Schwimmen. Eigentlich eine schlichte, lokale Alltagserfahrung aus dem Kreis einiger junger Männer, die sich um Elisa geschart hatten. Aber dennoch mit wichtigen, wertvollen, geistlichen Lektionen für jeden, der in irgendeiner Weise daran beteiligt ist, am Haus Gottes mitzuarbeiten. Die darauf folgende und nun vor uns liegende Geschichte spielt sich in einem ganz anderen Rahmen mit größter außenpolitischer Bedeutung ab. Es geht um die Könige von Syrien und Israel, die miteinander verfeindet waren, wobei der König von Syrien mit einem großen und starken Heer einen ausgeklügelten Kriegszug gegen das Volk Israel verwirklichen wollte. Hier ist also nicht – wie im vorigen Kapitel – die Rede von einer „Streifschar“, die eines der Dörfer oder Städte Samarias überfallen soll, sondern um einen handfesten Kriegszug mit Pferden und Wagen und einem starken Heer (V. 14). Hier war „Achtsamkeit“ auf Seiten des israelischen Königs gefragt. Interessant ist, dass in diesem Bericht nicht die Namen der betroffenen Könige erwähnt werden. Auch nicht der Name des Dieners Elisas, ebenso wenig wie der Name des Knechtes, der dem König von Syrien von den über­natürlichen Fähigkeiten des Elisa berichtete. Der Kontext macht zwar deutlich, dass es sich wohl um die Könige Ben-Hadad II. und Joram, den Sohn Ahabs, handelt – aber es scheint so, als wolle der Geist Gottes die Aufmerksamkeit auf den Gott Israels und auf seinen Propheten Elisa lenken. Was einen Propheten Gottes ausmacht Während der König Syriens sich mit seinen Knechten berät und genau die strategischen Orte bestimmt, wo er mit seinem Heer lagern und von wo aus er Israel angreifen will, weiß Elisa bereits von seinen Plänen und läßt dem König Israels die Warnung überbringen: „Hüte dich, an diesem Ort vorbeizuziehen; denn dort kommen die Syrer herab.“ Eine sehr eindeutige Warnung an Joram, der nun wirklich nicht das Vertrauen und die Wertschätzung Elisas besaß, wie aus Kapitel 3,13 deutlich wird, und der in einer späteren Situation schwören wird, den Mann Gottes zu enthaupten (Kap. 6,31). Aber Elisa anerkannte ihn als den König Israels, obwohl Joram ein Götzendiener war. Das Volk Israel stand in akuter Gefahr, aus dem Hinterhalt heraus überfallen zu werden und das war Grund genug für Elisa, trotz aller schlechten Erfahrungen mit dem Königs Israels, diesen und seine Untertanen deutlich und unmissverständlich zu warnen. Genau das ist auch in unserer Zeit eines der Kennzeichen eines Propheten Gottes. Egal wie abtrünnig das Volk Gottes und seine Repräsentanten sind – wenn Gefahr droht, darf der Prophet nicht schweigen, egal wie die Folgen aussehen könnten. Zu Hesekiel sprach der Herr: „Du nun, Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel zum Wächter gesetzt: Du sollst das Wort aus meinem Mund hören und sie in meinem Namen warnen.“ (Hes 33,7) Heute wird das Volk Gottes von Bibelkritik, Unmoral, Gleichgültigkeit, Selbstsucht und Materialismus bedroht. Schenke Gott uns Männer und Frauen, die nicht zu diesen Entwicklungen schweigen, sondern in Liebe und ungeschminkter Deutlichkeit konkret auf diese Gefahren aufmerksam machen. Tragisch, wenn Gottes Urteil über die Propheten Israels zur Zeit Jesajas auch auf uns zutreffen sollte: „Seine Wächter sind blind, alle ohne Erkenntnis; sie alle sind stumme Hunde, die nicht bellen können; sie träumen, liegen da, lieben den Schlummer …“ (Jes 56,10) Gefährliche Orte Sicher dürfen wir diesen Bibeltext auch auf unser persönliches Leben anwenden. Wir haben es auch mit einem Feind zu tun, der über eine jahrtausendelange Erfahrung mit der Verführung von Menschen verfügt und seine Intelligenz einsetzt, um uns zu „verschlingen“ (1Petr 5,8). Damals ahnte Joram nicht, was sich hinter seinem Rücken zusammenbraute und so ähnlich ergeht es uns auch. Satan kennt aus guter Beobachtung unsere Schwachstellen, während wir uns nichtsahnend in Sicherheit wiegen und meist unsere eigenen Charakterschwächen und Angriffsflächen nicht oder nur kaum kennen. Oft ist es so, dass wir ein völlig falsches Bild von uns selbst haben und auf gewisse allgemeine Schwachstellen in unserem Leben acht haben, während wir für unsere wirklichen und typischen Charakterschwächen und Sünden blind sind. Wir reagieren dann mit Erstaunen und manchmal mit Empörung, wenn jemand die Liebe und den Mut hat, uns auf Schwächen und Gefährdungen in unserem Charakter hinzuweisen, unter denen unsere Mitmenschen vielleicht schon jahrelang leiden und die unsere Glaubwürdigkeit schwächen. Wir sollten dankbar sein, wenn es dann solche „Propheten“ wie Elisa gibt, die uns darauf hinweisen, wo wir gefährdet sind und welche Orte, Begegnungen, Einflüsse usw. wir entweder meiden sollten oder denen wir entsprechend präpariert entgegentreten müssen. Petrus hätte besser einen weiten Bogen um den Hof des Hohenpriesters gemacht, denn dann wäre er nicht in die schreckliche Sünde der Verleugnung Jesus geraten. Und derjenige Jünger (wahrscheinlich Johannes), der an diesem Ort keine Probleme bekam, war dem Petrus keine Hilfe, als er durch seine Beziehung zu der Türhüterin für Petrus den Eintritt in den Hof ermöglichte, obwohl ihm dessen Charakterschwäche möglicherweise gut bekannt war. Hätte Simson seine „Schwachpunkte“ bedacht, dann hätte er sowohl die Philister-Stadt Gaza, wie auch das Tal Sorek (Ri 16) wie die Pest gemieden. So aber fiel er in Sünde, verlor seine Kraft, sein Sehvermögen und schließlich vorzeitig sein Leben. Ein wütender König und ein freimütiger Soldat Während der israelitische König immerhin die Warnung des Propheten ernst nahm und sich jeweils dort „in Acht nahm“, wo Ben-Hadad einen Überfall geplant hatte, kochte dieser bald vor Zorn und sprach den Verdacht aus, dass unter seinen vertrauten Soldaten ein „Maulwurf“, also ein Verräter sei, der den feindlichen König Joram jedes Mal über den geheimen Schlachtplan unterrichtete und ihn damit der Lächerlichkeit preisgab. Plötzlich meldet sich einer seiner Untertanen zu Wort. In einer verblüffenden Offenheit und ohne eine Spur von Verlegenheit machte er seinem König klar, dass der israelische Prophet Elisa alle Worte Ben-Hadads, die er in seinem Schlafzimmer redet, dem König Joram mitteilt. Äußerst peinlich und höchst beängstigend, eine solche Analyse der Situation im Beisein seiner Hauptleute und Berater präsentiert zu bekommen! Es ist tatsächlich zum Schmunzeln, wenn man sich diese Situation bildlich vorstellt und es drängt sich die Frage auf: Wer war dieser mutige Soldat, der den König so unbekümmert über die übernatürlichen Fähigkeiten Elisas informieren konnte und ihn also offensichtlich gut kannte? Einige Ausleger vermuten, dass es der Heeroberste Naaman gewesen sein könnte, denn der hatte die Fähigkeiten Elisas aus eigener Erfahrung kennengelernt. Aber die Bibel schweigt darüber und lenkt unsere Gedanken dahin zur Kenntnis zu nehmen, dass Gott nicht nur unsere Worte und Taten, sondern auch unsere Gedanken und Motive kennt: „HERR, du hast mich erforscht und erkannt! Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst meine Gedanken von fern. Du sichtest mein Wandeln und mein Liegen und bist vertraut mit allen meinen Wegen. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge, siehe, HERR, du weißt es ganz.“ (Ps 139,1–4) Ist die Tatsache der Allgegenwart und Allwissenheit Gottes bedrückend oder befreiend für uns? Eine Horror-Vorstellung? „… denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich!“ Für den gottlosen König Ben-Hadad war das Wissen darüber, dass jemand seine privaten und geheimen Gedanken, Worte und Handlungen kennt, eine Horror-Vorstellung! Diese äußerst unangenehme Person musste eliminiert werden! Eine grenzenlose und totale Überwachung unseres Lebens scheint uns schließlich jede Art von Freiheit, Lebensfreude und Selbstbestimmung zu nehmen … Es ist ein aktuelles Thema. Bereits seit einigen Jahren hört oder liest man immer wieder in bekannten Zeitschriften oder Büchern von Zeugnissen verschiedenster Persönlichkeiten aus dem meist freikirchlich-evangelikalen Raum, in denen beklagt wird, dass man als kleines Kind in der Sonntagschule oder im Elternhaus z.B. das bekannte Kinderlied „Pass auf, kleines Auge, was du siehst!“ so oft gesungen hat, dass man es nicht mehr vergessen kann. Dieses Lied soll Schuld daran sein, dass man als kleines Kind ein völlig falsches und angstbesetztes Bild von einem drohenden Gott bekommen habe, was angeblich zu erheblichen psychischen und geistlichen Störungen wie z.B. „gebrochenem Selbstwert“ geführt haben soll. Ein Beispiel für viele andere aus jüngerer Zeit von dem ehemaligen „JesusHouse“- und „Christival“-Evangelisten Torsten Hebel: „Es gab ein Lied, das wir damals immer in der Sonntagschule gesungen haben. Das Lied lautete: ‚Pass auf, kleines Auge, was du siehst!‘ Ein krasser Text. Siehst du? Ich kann den Text immer noch auswendig. Genau wie viele andere Texte und Verse aus der Bibel, die mich auffordern: ‚Pass bloß auf, was du im Leben machst. Denn Gott schaut auf dich herab! Und es ist nicht gut, wie du dein Leben lebst. Denn du bist ein sündiger, schlechter Mensch!‘ Das ist eines meiner Lebensthemen. Ich habe noch heute Probleme mit meinem Selbstwert und damit, mich selbst anzunehmen, weil ich es als Kind nicht gelernt habe, verstehst du?“1 Wenige Seiten zuvor hatte der gleiche Autor seine neue Erkenntnis zu Papier gebracht: „Ich, Torsten Hebel, bin gut! Klingt komisch, ist aber so! Ich kann stolz auf mich sein. Ich bin begabt und darf mich des Lebens freuen. Ich muss mich nicht ständig schlecht fühlen, weil ich ja angeblich ein Sünder bin und Gott allein gut ist. Nein. Ich bin auch gut! Ich bin gut! Ich bin gut!“2 Eigentlich sollte für uns Christen das Wissen um die Allgegenwart und Allwissenheit Gottes ein großer, mutmachender Trost und natürlich auch ein Ansporn zur Heiligung sein. David, der in dem zitierten Psalm über diese Eigenschaften Gottes nachgedacht und gestaunt hat, kam zu dem Bekenntnis: „Und wie kostbar sind mir deine Gedanken, o Gott! Wie gewaltig sind ihre Summen … Ich erwache und bin noch bei dir.“ (Ps 139,17–18) Für Jakob dagegen, der wegen seines Betruges auf der Flucht vor der Rache seines Bruders Esau war, bedeutete die Erfahrung der Gegenwart Gottes trotz aller Verheißungen, die Gott ihm im Traum gegeben hatte, ein äußerst furchterfülltes Erlebnis. Als er in dieser denkwürdigen Nacht erwachte, rief er aus: „Gewiss, der Herr ist an diesem Ort und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Das ist nichts anderes als Gottes Haus und dies ist die Pforte des ­Himmels.“ (1Mo 28,17–18) Watchman Nee schreibt in seiner Betrachtung über das Leben Jakobs treffend an dieser Stelle: „Das Haus Gottes ist tatsächlich furchterregend für solche, an deren natürlichem Menschen nicht gearbeitet worden ist.“3 Wenn wir als Nachfolger Jesu bewusst unbereinigte Sünden in unserem Reisegepäck haben, wird uns das Wissen um die Allgegenwart Gottes keine Freude, sondern immer nur Bedrückung auslösen. Ben-Hadads Reaktion auf die Information über die Fähigkeiten des Propheten Elisas führte nicht zu der Erkenntnis seiner Schuld, sondern veranlasste den Befehl an sein „starkes Heer“ (V. 14), den unbequemen Mahner und Zerstörer seiner Pläne zu suchen und zu beseitigen. Gottes deutliches Eingreifen hat ihn nicht zur Buße geführt.

Nachtext

Quellenangaben

Torsten Hebel, Daniel Schneider, Freischwimmer, Holzgerlingen: SCM 2015, S. 69 ebd. S. 67 Watchman Nee, Der Spiegel Gottes, Wuppertal: Brockhaus Verlag 1969, S. 97