Zeitschrift-Artikel: 151 Jahre - C.H. Spurgeon

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Titel: 151 Jahre - C.H. Spurgeon
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

151 Jahre - C.H. Spurgeon

Vortext

Text

 

Den meisten Lesern wird Spurgeon bekannt sein, so daß es nicht nötig ist, diesen originellen und begnadeten Erweckungsprediger vorzustellen. Inzwischen ist auch die sehr wertvolle Autobiographie Spurgeons im Oncken-Verlag erschienen (siehe Buchbesprechung), in welcher das Leben und der Dienst dieses Mannes ausführlich beschrieben wird.

Ich habe mich oft gefragt, woran es wohl liegt, daß die Predigten und Schriften Spurgeons nun bald 100 Jahre nach seinem Tod in immer neuen Auflagen und verschiedenen Sprachen erscheinen. Kein anderer Erweckungsprediger des vergangenen Jahrhunderts hat einen solch großen und dankbaren Le­serkreis.

Nun kann man diese Tatsache wahrlich nicht darauf zurückführen, daß Spurgeon etwa nur das ge­predigt hat, was den Hörern "in den Ohren kitzelt". Viele haben deutliche Kritik an seiner "herben" Erwählungslehre - wovon der folgende Artikel eine Probe bietet - ausgesprochen. Spurgeon pflegte auch ansonsten nicht durch die Blume zu reden und liebte eine unmißverständliche, kernige Sprache. Er hat nie eine farblose Theologie des kleinsten gemeinsamen Nenners vertreten, um nur ja keinen zu verletzen.

Im Gegenteil. Er scheute sich nicht, den "Papst" den "Vielgeliebten des Teufels" zu nennen und äußerte bezüglich, gewisser "Charismatiker", daß ihm eine Frömmigkeit, die auf Golgatha wächst, lieber sei als diejenige, die auf dem Vesuv wuchert. Mit Vertretern der Säuglingstaufe ging er fast grob um und die Baptisten, zu denen er bis heute gezählt wird und die damals schon liberale Auf­fassungen über die Heilige Schrift und die Person Jesu tolerierten, blieben am wenigsten ungescho­ren.

Und doch: In den Verlagen der Baptisten erscheint eine Spurgeon-Ausgabe nach der anderen, viele "Charismatiker" lesen eifrig Spurgeon und manche lutherische Pfarrer bekennen im Vertrauen, daß die Predigten dieses Mannes zu ihrer Lieblingslektüre gehören. Und selbst in kath. Buchläden findet man Spurgeons "Kleinode göttlicher Verheißungen"

Worin liegt nun das Geheimnis seiner großen Beliebtheit?

Ich persönlich glaube, daß Spurgeon deswegen ein so großes Vertrauen von dem Volk Gottes entge­gengebracht wird, weil die Kraft seiner Predigten nicht in seiner außergewöhnlichen Redebegabung sondern in den biblischen Wahrheiten liegt, die er ohne Schnörkel sehr direkt und aus eigener, oft sehr schmerzlicher Erfahrung heraus verkündigte. Dabei spürt man, daß er bei aller Deutlichkeit und Kompromißlosigkeit ein demütiger Mann war, der keine hohe Meinung von sich hatte und dessen Herzenswunsch es war, nicht sich selbst oder eine Denomination, sondern die Person seines gelieb­ten Heilandes in den Mittelpunkt zu stellen. Das diese Herzensfrömmigkeit mit geistreichem Humor und Schlagfertigkeit verbunden sein kann, dafür ist Spurgeon ein leider sehr seltenes Beispiel.

Wenn ich die Predigten dieses Mannes lese, dann habe ich den Eindruck, daß hier jemand - aus der Gegenwart Gottes kommend - nichts als die Wahrheit sagen möchte, ohne Nebenabsichten für seine eigene Person. Darin ist er für alle Christen und besonders für die Verkündiger ein leuchtendes Beispiel.

Nachtext

Quellenangaben