Zeitschrift-Artikel: Verborgene Schätze - gefunden im griechischen NT

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Titel: Verborgene Schätze - gefunden im griechischen NT
Typ: Artikel
Autor: G.C. Willis
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1402

Titel

Verborgene Schätze - gefunden im griechischen NT

Vortext

aus dem Englischen übersetzt von Gerrit Alberts

Text

»Piprasko« —
In Knechtschaft verkauft


In Röm. 7,14 ruft der "elende Mensch" aus: "Ich bin fleischlich, unter die Sünde verkauft."Das griechische Wort, das hier für "verkauft" gebraucht wird, ist "piprasko", und wenn es in Verbindung mit einer Person gebraucht wird, bedeutet es "zur Sklaverei verkaufen". In einer alten griechischen Übersetzung des Alten Testamentes, der Septuaginta, wird es sinnbildlich gebraucht, wenn sich jemand un­ter die Sünde verkauft, wie Ahab in 1. Kön. 21,20 und 25. Siehe auch 2. Kön. 17,17 und Jesaja 50,1 und 52,3. So mag Paulus sich die­ser Stellen vielleicht bewußt gewesen sein, als er den Menschen in Röm. 7 verzweifelt aus­rufen läßt: "Ich bin unter die Sünde verkauft!" Aber es ist nicht nur die Erfahrung von Pau­lus. Es ist die Situation von uns allen, obwohl wir es nur erkennen können, wenn das Licht des Evangeliums auf unseren gefallenen Zu­stand scheint.

Der Herr gebraucht dasselbe Wort in seinem Gleichnis am Ende von Matthäus 18. Der Kö­nig fing an, mit seinen Knechten abzurechnen und fand heraus, daß einer ihm eine unwahr­scheinliche Summe von zehntausend Talenten schuldete. (Ein Talent hat 6000 Denare. Ein Denar war damals nach Matth. 20,2 ff der Tageslohn eines Arbeiters.) Und der Knecht hatte nichts, um zu bezahlen. Genau meine Situation! Die Verurteilung war gerecht: - Er werde als Sklave verkauft mit allem, was er hat! Und selbst das wäre nur eine geringe Anzahlung auf diese riesige Schuld gewesen.
Was konnte er tun? In dem Gleichnis ver­sprach der schuldige Knecht, alles zu bezahlen •nd wurde freigelassen. Aber kaum hatte er den König verlassen, da offenbarte sich sein böses Herz und der Zorn des Königs traf ihn. Er wollte die Gnade des Königs in Anspruch nehmen, aber doch noch seine eigenen Werke hinzufügen. Er traute dieser Gnade nicht ganz.

Es hat keinen Zweck zu denken, daß man sich durch Teilzahlungen befreien könne. Die ganze Schuld kann man nie zurückzahlen. Es hat auch keinen Zweck, Versprechungen zu ma­chen und Vergebung aufgrund seiner eigenen Verdienste zu suchen. "Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden. . . . Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart . . . Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die da glauben" (Röm. 3,20-22).

Aber wie kann Gott gerechterweise unsere Schuld vergeben? Wieder können wir die Antwort im Zusammenhang mit dem Wort finden, das wir untersuchen. In Matthäus 13 benutzt der Herr das Gleichnis vom Kaufmann. Der Kaufmann ist nach der wörtlichen Be­deutung "ein Mann auf einer Reise", einer, der von weither gekommen ist. Dieser Kauf­mann ist herabgekommen aus des Himmels größter Herrlichkeit, um Perlen in den Tiefen des Völkermeeres zu suchen. Dort fand er eine sehr kostbare Perle, und er verkaufte al­les was er hatte, um diese Perle zu kaufen. Hier wird nicht dasselbe Wort gebraucht wie in Vers 44, wo von dem Mann gesprochen wird, der alles verkaufte, um den Acker zu erwerben. Hier steht das Wort "piprasko", "als Sklave verkaufen". Der Kaufmann verkaufte nicht nur alles, was er besaß; er verkaufte sich auch selber als Sklave. "Er machte sich selbst zu nichts und nahm Sklavengestalt an" (Phil. 2,7) und kaufte die Perle.

Das Wort wird in dreifacher Beziehung ge­braucht:

1. für meinen verlorenen Zustand,
2. für meine gerechte Verurteilung,
3. für den wunderbaren Befreiungsweg meines Heilandes.

Darüber hinaus wird es noch sechsmal benutzt im Neuen Testament, dreimal in den Evange­lien in Verbindung mit Marias kostbarer Nar­de, die teuer hätte verkauft werden können, und dreimal in der Apostelgeschichte in Bezug auf solche, die "ihre Güter und ihre Habe verkauften". Maria hatte ihren eigenen, priva­ten Schatz, jene Flasche mit Salbe. Und jeder von uns hat einige Schätze, einige Ziele und Absichten. Jener Schatz hätte teuer verkauft werden können, wenn Maria ihn für sich selbst behalten hätte; aber es wäre ein Verkauf in die Sklaverei gewesen. Und wenn wir unsere Schätze zurückbehalten, wenn wir Gott unser Bestes verweigern, dann sind wir auch in die Sklaverei des Besitzes verkauft. Es mag keine Sünde sein, aber es ist eine Belastung; wir müssen eine Kugel und eine Kette der Knechtschaft mit uns herumschleppen, anstatt in der vollen Freiheit der Söhne Gottes zu leben. Aber wenn wir wie Maria unseren Schatz dahingeben, wenn wir wie jene ersten Christen unsere Güter und unsere Habe aus­liefern, dann ist es der Besitz, der in Knechtschaft ist, wir aber sind frei.

In Apostelgeschichte 4,34 wird gesagt, daß sie ihren Besitz verkauften. Dort steht das ge­wöhnliche Wort für "verkaufen"; aber dann: und sie brachten den Preis der Dinge, "die in Knechtschaft verkauft" waren. Es ist eine wunderbare Sache, frei zu sein von der Knechtschaft des Besitzes, der Herr zu sein, nicht der Knecht des Hauses oder Landes, der Möbel, der Bücher und aller Schätze_ Dann können wir den Raub unserer Güter mit Freuden aufnehmen, da wir wissen, daß wir für uns selbst eine bessere und bleibende Habe besitzen (Hebr. 10,34). Die beste Übersetzung mag hier vielleicht sein: "wissend, daß ihr euch selbst habt als eine bessere und blei­bende Habe". Wir besitzen unsere Seelen in vollkommener Weise in Seinem Dienst, nicht länger verkauft unter die Sünde oder verkauft unter die Knechtschaft des Besitzes. Wir ha­ben das Vorrecht, unser weniges zu geben für Den, der Seinen unergründlichen Reichtum aufgegeben und uns geschenkt hat.

Nachtext

Quellenangaben