Zeitschrift-Artikel: William MacDonald: Christus und die Gemeinde

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Titel: William MacDonald: Christus und die Gemeinde
Typ: Buchbesprechung
Autor: Alois Wagner
Autor (Anmerkung):

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Titel

William MacDonald: Christus und die Gemeinde

Vortext

Text

Endlich auch in deutscher Sprache ein Buch über die Gemeinde, das nicht nur theoretische Grundsätze aufzeigt, sondern von der Freude und Begeisterung durchdrungen ist, mit der das Neue Testament über diesen dem Herzen Gottes so kostbaren Gegenstand redet, geschrieben von einem Autor, dem man ab-spürt, daß dieses "Herzensanliegen" Gottes auch sein eigenes ist, und daß er nichts mehr möchte, als es auch zu unserem zu machen.

In einer Zeit wo mehr denn je über "Gemeinde" ge­redet wird, aber so erschreckend wenig von ihren in der Schrift niedergelegten Charakterzügen zu hören, geschweige denn zu sehen ist, erscheint "Christus und die Gemeinde" als wahre Erquickung, da William MacDonald nicht nur knappe und klare Gemeinde­lehre bringt, sondern vor allem auch biblische Gemeindepraxis beschreibt. Letztere nimmt den weitaus größten Teil des Buches ein. In einem kurzen ersten Teil werden wesentliche Züge der universalen Gemeinde dargelegt, die dann nach dem Leitgedan­ken, "daß jede einzelne dieser 'theoretischen' Wahr­heiten in der örtlichen Gemeinde praktisch zur Dar­stellung kommen sollte", im Hauptteil des Buches auf das praktische Gemeindeleben angewandt werden.

Damit ist der Schwerpunkt des Buches gekennzeichnet. Es geht nicht primär um Wahrheiten über die Gemeinde an sich. Und so ist auch z. B. das Problem von "Gläubigen, die sich entschlossen haben, die Ein­heit des Leibes Christi zu bezeugen" und es deswegen "sehr schwer finden, sich einerseits von allen Spal­tungen in der Gemeinde Gottes zu trennen und sich dabei gleichzeitig eine Haltung aufrichtiger Liebe zu dem ganzen Volk Gottes zu bewahren" nicht so gründlich behandelt ("Sie können dieses Zeugnis
verwirklichen, indem sie sich zu allen ihren Mitgläu­bigen im Geist, im Grundsatz und in der Praxis be­kennen"), wie es sich mancher vielleicht wünschen würde.

Aber dieser vielleicht empfundene Mangel wird weit ausgeglichen durch die lebendige und packende Dar­stellung neutestamentlicher Gemeindepraxis und die direkt und indirekt immer wieder an unser Herz ge­richtete Frage nach ihrer Verwirklichung in der Ge­genwart. Alle Abschnitte wirken außerordentlich greifbar und plastisch, nicht zuletzt weil sie von zahlreichen ausführlichen Zitaten bekannter Gottes­männer von C. H. Mackintosh bis C. H. Spurgeon durchwebt sind. Von daher klingt es auch nicht übertrieben, wenn ein Freund MacDonalds mir sagte, daß dieses Buch auf die Christen der Vereinigten Staaten wahrscheinlich mehr Einfluß ausgeübt hat als "Wahre Jüngerschaft", das bekannteste Buch des Au­tors.

"Christus und die Gemeinde" ist ein nötiges und hof­fentlich auch "not - wendiges" Buch. Die Not wird darin schonungslos offengelegt:

"Auf allen Seiten finden wir Versagen, Abfall, Ruin. Wir finden riesige Kirchenorganisationen, die mate­riellen Reichtum mit politischem Einfluß verbinden, aber bar jeder geistlichen Kraft sind. Wir finden im Freikirchentum Denominationalismus und Parteisucht, wobei jede kleine Gruppe die Loyalität und Unter­stützung ihrer Anhänger ausschließlich für sich for­dert, und dabei ein völlig unzutreffendes und ver­zerrtes Bild der Gemeinde darbietet. Wir finden die Gottesdienste der Kirchen überladen mit lebloser Li­turgie und seelentötendem Ritualismus, wobei den Menschen Schatten vorgestellt werden anstatt Chri­stus. Wir finden ein klerikales System, das den soge­nannten 'Laien' zu einem stummen Priester, wenn nicht gar zu einem bloßen Geldautomaten reduziert hat".

Und wie sieht die "Wende" dieser Not aus?

"Es ist sinnlos, zu argumentieren, daß ein Christ in­nerhalb eines verdorbenen Kirchensystems bleiben sollte, um darin eine Stimme für Gott zu sein. 'Da ist kein einziger Held oder Heiliger, dessen Name auf den gottgehauchten Seiten leuchtet, der sein Zeitalter von innen her umgewälzt hätte: sie alle erhoben ohne Ausnahme den Ruf: Laßt uns hinausgehen außerhalb des Lagers! . . Der Mann, der in die Welt geht, um ihr Niveau anzuheben, wird bald feststellen, daß sein eigenes Niveau gesenkt wird . Die sicherste und stärkste Stellung ist außerhalb des Lagers. Archimecles sagte, daß er die Welt aus den Angeln heben könne, wenn er nur einen festen Punkt außerhalb von ihr hätte. So kann auch eine Handvoll von Knechten Gottes ihre Zeit beeinflussen, wenn sie nur Elia gleichen, der sein Leben völlig außerhalb der Grenzen des Hofes und der Welt seiner Zeit verbrachte".

Wenn wir auch nur ein wenig von dem Charakter und der Bedeutung der Kirche oder Gemeinde mit dem Herzen erfaßt haben (vgl. auch die anderen Artikel in diesem Heft) - wozu dieses Buch sicher viel bei­tragen kann - werden wir diesen brennenden Fragen nicht ausweichen können.

"Es gibt keinen Grund, warum nicht Hunderte von (örtlichen) Gemeinden durch das große Haupt der Gemeinde gebildet werden könnten, wenn Sein Volk bereit ist, aufopfernd und betend mitzuarbeiten. Wo Christen einmal den Blick dafür bekommen haben und auch bereit sind, dafür zu leiden, wird der Herr ihre Übungen und Anstrengungen gewiß belohnen und ihre Sehnsucht nach Seiner Verherrlichung stillen".

Wärmstens empfehle ich dieses Buch sowohl zum persönlichen Studium als auch zur möglichst weiten Verbreitung.

Nachtext

Quellenangaben

CVD/Hänssler, Tabu, 120 S., DM 6.80