Zeitschrift-Artikel: Trachtet zuerst ... (Schluss)

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Titel: Trachtet zuerst ... (Schluss)
Typ: Artikel
Autor: William MacDonald
Autor (Anmerkung):

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Titel

Trachtet zuerst ... (Schluss)

Vortext

Kurze Betrachtungen für junge Menschen

Text

Spenden
Nach welchen Prinzipien treffen wir eigentlich die Entscheidung, wohin wir unser Geld geben, mit dem wir die Arbeit des Herrn unterstützen wollen?

Es wird uns heutzutage wirklich nicht leicht gemacht, weil wir von so vielen Seiten um Hilfe gebeten werden. Rundfunksprecher, nied­liche Waisenkinder, Evangelisten, treue Missio­nare und Pionierarbeiter in der Heimat, um nur einige der Notrufe zu nennen, die uns täglich erreichen.

Es ist wohl selbstverständlich, daß unser Geben geistgeleitet sein sollte als Antwort auf ein ernstes, gläubiges Gebet. Und es ist wohl ebenso selbstverständlich, daß wir zuerst uns selbst dem Herrn geben sollten, und dann erst unser Geld (2. Kor. 8,5).

Darüber hinaus gibt es aber einige Hinweise, die uns vielleicht helfen können, unsere Ent­scheidung nach Gottes Willen zu treffen.

Zuerst einmal haben wir unserer eigenen Ver­sammlung gegenüber eine feste Verpflichtung. Wenn wir teilhaben an ihren Vorrechten, dann sollten wir auch bereit sein, ihre Ausgaben mitzutragen, und ihre evangelistischen Tätig­keiten auf dem inneren und äußeren Missions­feld zu unterstützen. Einige sind der Ansicht, daß alles Geld, das wir spenden möchten, durch die örtliche Gemeinde weitergeleitet werden sollte, Vielleicht ist diese Haltung zu extrem, aber die andere, bei der man für je­des extravagante, populäre evangelistische Un­ternehmen Geld gibt und die örtliche Gemeinde dabei unberücksichtigt bleibt, ist genau so ex­trem.

Des weiteren haben wir eine besondere Ver­pflichtung jenen gegenüber, die in Überein­stimmung mit den neutestamentlichen Prinzipien versuchen, unter den Heiden Gemeinden aufzu­bauen.

Wenn wir wirklich galuben, dass die Gemeinde Gottes Werkzeug auf erden ist, durch die ER Seine Gemeinde vergrößert, dann sollten wir uns jenen in Treue verbunden zeigen, die nach neutestamentlichem Muster am Reich Gottes mitbauen.

Vor einigen Jahren besuchte ein reicher Bruder auf der Fahrt in sein Urlaubsland einen anderen Bruder, der sich dort als Pionier abmühte. Nachdem er die winzige Versammlung gesehen hatte, meinte en "Du liebe Zeit, Bud, mit deiner Arbeit geht es hier aber auch gar nicht voran. Ich gebe mein Geld lieber erfolgreiche­ren Unternehmungen wie . . ." und nannte ir­gendeine christliche Jugendinitiative, bei der so richtig etwas los war. Bud sagt, dies sei eines der entmutigendsten Erlebnisse in seinem ge­samten Dienst für den Herrn gewesen.

Wenn wir an die neutestamentlichen Grundsätze für die Gemeinde glauben, sollten wir auch jene unterstützen, die danach handeln.

Dann denke ich, daß wir eine besondere Ver­pflichtung, jenen gegenüber haben, die im Glauben hinausziehen, ohne finanziellen Rück­halt, deren Augen allein auf den Herrn gerich­tet sind, und die ihre Nöte nicht an die große Glocke hängen.

Christliches Betteln hat sich richtiggehend zu einer Kunst entwickelt. Adressenlisten von gut­gläubigen Spendern werden verkauft; emotionale Appelle werden bewußt dazu eingesetzt, erst die Herzen zu erreichen und dann die Brief­tasche locker zu machen. Ich habe eine beson­dere Ablage für Bettelbriefe; sie wird täglich geleert.

Wenn wir einer christlichen Organisation Geld geben, haben wir ein Recht darauf, zu erfah­ren, wieviel von unserer Gabe von den allge­meinen Unkosten verschlungen wird, und wieviel davon schließlich .noch die hungernden Völker erreicht. Einige bekannte Evangelisten, die herzerweichende Appelle an uns richten kön­nen, leben selbst in königlichem Prunk und ziehen von einem Nobelhotel zum anderen. Und das geschieht alles im Namen des Einen, Der um unseretwillen freiwillig ganz arm wurde!

Wir haben auch ein Recht darauf, zu erfahren, ob unser Geld vernünftig und wirkungsvoll ein­gesetzt wird. Von Zeit zu Zeit dreht man den Christen immer wieder einige ziemlich hirn­verbrannte Projekte an. Selbst Dinge, die ja an und für sich gut wären, sind eben oft Feinde des Besten.

Bestimmte christliche Unternehmen versprechen, die Namen von Spendern zu veröffentlichen. Das sollte für uns schon Grund genug sein, dorthin nichts zu geben. "Du aber, wenn du Almosen gibst, so laß deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut; damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten" (Matth. 6,3.4).

Und noch etwas! Ich halte nichts davon, Ange­hörigen aus Entwicklungsländern Geld zu geben, die hierzulande von einer Versammlung zur an­deren ziehen und um finanzielle Unterstützung bitten. Nur zu oft werden sie dadurch für einen wirkungsvollen Dienst unter ihrem eigenen Volk verdorben, weil sie finanziell besser gestellt sind. Einheimische Arbeiter sollten von ein­heimischen Gemeinden unterstützt werden. Wenn wir helfen wollen, können wir unsere Gabe jederzeit über vertrauenswürdige Missio­nare weiterleiten lassen, die mit den örtlichen Verhältnissen am besten vertraut sind.

Steuerfreiheit ist nicht das richtige Motiv für eine Geldspende. Dennoch sollten wir wissen, welche Rechte uns die Gesetze unseres Landes diesbezüglich einräumen. So kann man in den USA z.B. bis zu 30% des Bruttoeinkommens steuerfrei für die Arbeit des Herrn spenden, in der BRD sind es derzeit bis zu 5% des Brut­toeinkommens. Es ist keine besondere Tugend, wenn wir an den Staat Geld verschenken, das er gar nicht fordert, und das zum ewigen Segen anderer eingesetzt werden könnte.

Mit diesen wahllos herausgegriffenen Hinweisen ist das Thema "Wohin gebe ich mein Geld?" sicherlich noch lange nicht erschöpft, aber vielleicht hat sich durch diese Anstöße ein neues Bewußtsein für unsere Verantwortung auf diesem Gebiet zu entwickeln begonnen.


Kleidung

Die meisten Menschen leben für Essen und Kleidung. Ihr kleines Leben dreht sich nur um diese beiden Achsen. Tag für Tag gehen sie zur Arbeit, um Geld zu verdienen, das sie dann dafür ausgeben. Deshalb ist es auch nicht er­staunlich, daß die meisten Geschäfte entweder Nahrungsmittel oder Kleidung verkaufen.

Jesus lehrte seine Jünger, sie sollten sich mit diesen Dingen nicht zuviel beschäftigen. Ein Christ hat wichtigere Aufgaben. Er hat hier die Interessen seines Herrn zu vertreten. Setzt er Gott an die erste Stelle, wird auch für seinen Lebensbedarf gesorgt werden (Matth. 6,31-33).

Wenn ein Christ nicht auf der Hut ist, wird er merken, daß das Ausmaß, in dem er Zeit und Geld für Lebensmittel und Kleidung investiert, lawinenartig ansteigt. Es bedarf hier einer ständigen Wachsamkeit und Disziplin, damit diese Bereiche im Leben eines Christen unter der Herrschaft Jesu Christi bleiben.

Wir wollen uns einmal ansehen, was das Neue Testament darüber aussagt, wie sich ein Christ kleiden sollte. Zwei der wichtigsten Stellen hierzu finden wir im Timotheusbrief sowie im 1. Petrusbrief:

"Desgleichen auch, daß die Frauen in beschei­denem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sitt­samkeit sich schmücken, nicht mit Haarflechten oder Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung,
sondern was Frauen geziemt, die sich zur Got­tesfurcht bekennen, durch gute Werke"
(1. Tim. 2,9.10).

". .deren (der Frauen) Schmuck nicht der auswendige sei durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Klei­dern, sondern der verborgene Mensch des Her­zens in dem unverweslichen Schmuck des sanf­ten und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist" (1. Petr. 3,3-6).

Obwohl sich diese Bibelstellen an Frauen wen­den, enthalten sie Grundsätze, die für alle -Frauen und Männer - gelten. Wie sehen einige dieser Grundsätze aus? Die erste Frage, die grundsätzlich aufgeworfen wird, ist die Frage nach den Kosten. Wieviel Geld geben wir für Kleidung aus? Ist das wirklich alles nötig? Könnten wir das Geld nicht besser verwenden?

Aus 1. Tim. 2,9 geht klar hervor, daß teure Kleidung verboten ist; es heißt "nicht mit ... kostbarer Kleidung". Es geht hier nicht darum, ob wir es uns leisten können oder nicht.

Für einen Christen ist es Sünde, Geld für teure Kleidung auszugeben weil das Wort Gottes es verbietet.

Aber auch das menschliche Mitgefühl verbietet es uns. Die verzweifelte Lage vieler Völker in der ganzen Welt, ihre ungeheueren geistlichen und leiblichen Bedürfnisse lassen uns deutlich erkennen, daß es hart und gefühlos wäre, un­nötig Geld für Kleidung auszugeben.

Und dies bezieht sich nicht nur auf die Quali­tät der Kleidung, die wir kaufen, sondern auch auf die Menge. Manche unserer Kleiderschränke sehen aus wie Miniaturausgaben von Boutiquen und Geschäften wie Etienne Aigner oder Betty Barkley. Wenn wir in Urlaub fahren, trägt eine Kleiderstange auf dem Rücksitz unseres Wagens eine ganze Palette von Anzügen, Hemden oder Kleidern, die der Musterkollektion eines Reise­vertreters Konkurrenz machen könnte.

Weshalb treiben wir überhaupt einen solchen Aufwand? Ist nicht unser Stolz der Grund? Wie gerne haben wir es doch, wenn man uns Komplimente über unseren guten Geschmack und unser elegantes Auftreten macht. Aber wie ist das mit der anderen Stimme, die uns leise mahnt: "Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind mortenfräßig geworden . . . Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Ta­gen . . . Ihr habt in Üppigkeit gelebt auf der Erde und geschwelgt; ihr habt eure Herzen gepflegt wie an einem Schlachttage" (Jak. 5,2-5).

Doch die Kostenfrage ist nur ein Grundsatz, von dem wir uns leiten lassen sollten. Ein weiterer ist Bescheidenheit. Paulus schreibt "in bescheidenem Äußern". Eine Bedeutung dieser Aussage ist "zurückhaltend".

Kleidung hat unter anderem die Aufgabe, die Nacktheit des Menschen zu verbergen. Dies war zumindest der anfängliche Zweck. Heutzutage scheint der Trend aber eher in die entgegen­gesetzte Richtung zu gehen, denn die Kleidung ist meist so beschaffen, daß sie zunehmend mehr vom Körper enthüllt, anstatt ihn zu be­decken. Auf diese Weise rühmt sich der Mensch seiner Schande. Es ist ja nicht verwunderlich, wenn Ungläubige dies so halten, aber es ist doch ziemlich schockierend, wenn Christen sie nachahmen.

Ein bescheidenes Äußeres bedeutet auch ein ordentliches Äußeres, was darauf hinweist, daß ein Christ nicht schäbig, unordentlich oder schlampig gekleidet herumlaufen sollte. Er sollte vielmehr saubere Kleidung tragen, die gut sitzt und in einem ordentlichen Zustand ist.

Im allgemeinen wird also ein Christ jegliche Art von Kleidung vermeiden, durch die er die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, denn dazu ist er nicht da.

Er wurde nicht als Schmuckstück auf die Erde gesetzt, sondern seine Lebensaufgabe besteht darin, eine fruchtbare Rebe am Weinstock zu sein.

Wir können auf vielerlei Art die Aufmerksam­keit auf uns lenken: Durch altmodische oder auch auffallend schmucklose, einfache Klei­dung, durch grelle Farben oder seltsame Kom­binationen - so etwas sollten wir alles ver­meiden.

Schließlich sollte ein Christ - und besonders ein junger Gläubiger - aufreizende Kleidung jeder Art vermeiden. Ich habe ja schon von gewissen "enthüllenden" Modetrends gesprochen. Kleider können aber auch den ganzen Körper bedecken und dennoch zu sündigen Begierden verleiten. Die derzeitigen Modeerscheinungen sind nicht dazu angetan, geistliches Verhalten zu ermun­tern. Im Gegenteil, sie bringen die sexbesessene Einstellung unserer Zeit genau zum Ausdruck. Wir sollten es uns zum festen Grundsatz ma­chen, niemals Kleidung zu tragen, durch die Begierde geweckt werden könnte, oder die es anderen schwermacht, ein Leben im Sinne Christi zu führen.

Das Hauptproblem ist natürlich, daß in der Gesellschaft ein enormer Druck zum Konfor­mismus herrscht. Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern. Ein Christ braucht jede' Menge Rückgrat, um Extremen zu wider­stehen, gegen den Strom der öffentlichen Mei­nung zu schwimmen und sich so kleiden zu können, wie es uns das Evangelium nahelegt. Wir wollen Christus den Herrn über unseren Kleiderschrank sein lassen, dann wird es keine Probleme geben.


Soziales Bewußtsein

Heutzutage beklagen sich so viele darüber, daß die Gemeinde ihr soziales Bewußtsein verloren hätte. Evangelikalen Christen wirft man vor, sie engagierten sich zu wenig in Reformbewegun­gen. Man hält uns oft vor, daß Gläubige an der vordersten Front im Kampf um Bürgerrechte, politische Integrität und atomare Abrüstung stehen müßten. Wenn wir nicht ganz energisch gegen die Kommunisten vorgehen oder den Kandidaten der konservativen Partei nicht fa­natisch unterstützen, dann sieht es so aus, als stimme etwas mit unserem Glauben nicht.

Diese Einstellung ist völlig absurd. Sie ist ein­fach ein Trick Satans, um unsere Blicke vom Wichtigsten auf untergeordnete Dinge zu len­ken. Es ist Satans Methode, mit der er die Gemeinde auf ein weltliches Niveau herunter­zieht und die Gläubigen ihrer Kraft beraubt.

Die größte Wohltat, die ein Christ der Gesell­schaft erweisen kann, besteht darin, ihr Chri­stus als die alleinige Hoffnung des Menschen zu verkündigen.

Es gibt keinen Ersatz für die Wiedergeburt. Politik, Bildung und Sozialreformen haben in den letzten Jahrhunderten ihre völlige Machtlo­sigkeit, die menschliche Natur zu verändern, zur Genüge unter Beweis gestellt. Aus welchem Grund sollte ein Christ die einzig zuverlässige Methode zugunsten dieser schwachen und armseligen Elemente aufgeben (Gal. 4,9)?

Der Apostel Paulus wußte besseres zu tun, als seine Zeit im politischen Feldzug für die Ab­schaffung der Sklaverei einzusetzen. Er predigte das unverfälschte Evanglium zur Zeit und zur Unzeit, und die Sklaverei ist fast völlig ver­schwunden.

Lebten wir in dem völligen Bewußtsein der Würde unserer christlichen Berufung, so stün­den wir weit über der armseligen Politik dieser Welt. Wären Gottes Gedanken über die Sendung der Gemeinde unsere Gedanken, so würden wir uns nie für die fleischlichen Reformbemühungen der Menschen hergeben.

Wenn wir Wert und Macht des Wortes Gottes wirklich als kostbar erachten würden, so gäben wir sie niemals zugunsten irgendeiner schwä­cheren Waffe auf.

Gottes Ziel ist es heute, Sich um Seines Na­mens willen ein Volk aus den Heiden zu rufen (Apg. 15,14).

Wir genießen das Vorrecht, bei diesem Vorhaben Gottes mitwirken zu dürfen. Aber soll unsere Mitwirkung etwa darin bestehen, dafür zu sorgen, daß die Heiden sich in ihrem Dreck und ihrer Verderbtheit noch wohler fühlen? Sollen wir ihr irdisches Dasein für ein paar Tage er­leichtern? Oder sollten wir sie nicht lieber mit dem Einen bekanntmachen, Der starb, um sie von dieser gegenwärtigen bösen Welt zu be­freien und ihre Seelen auf ewig zu retten (Gal. 1,4)?

Christen sind Fremde und Pilger in dieser Welt. Sie reisen durch fremdes Land, aber sie sind auf dem Weg nach Hause. Auf ihrer Reise durch die Welt sollen sie aber nicht den Cha­rakter dieser Welt annehmen, sondern vielmehr durch ihr Zeugnis andere für Christus und das ewige Leben gewinnen. Christen sind in der Tat der Gesellschaft etwas schuldig, Wir sind die Schuldner aller Menschen (Röm. 1,14). Derje­nige Christ begleicht diese Schuld am besten, der seine Zeit dafür einsetzt, Menschen für Christus zu gewinnen. Ein wahrhaft erlöster, geisterfüllter Christ ist die größte Segnung, die einer Gesellschaft zuteil werden kann.


Unser Vorbild

Eines der erhabensten Prinzipien des geistlichen Lebens ist die Tatsache, daß wir Kinder nach unserem Ebenbild zeugen. Das Sprichwort "Wie der Vater, so der Sohn" trifft nicht nur auf das Aussehen, sondern ebenso auf den geistli­chen Charakter zu.

Wenn es in meinem Leben eine dunkle Stelle gibt, eine Wahrheit, unter die ich mich nicht gebeugt habe, so kann ich meinem Schützling auf diesem Gebiet bestimmt nicht weiterhelfen. "Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten?" (Luk. 6,39).

Ich kann doch nicht ernstlich erwarten, daß meine Schüler sich über mein eigenes Niveau erheben (obwohl es - Gott sei Dank - viele tun). Im allgemeinen gilt jedoch: "Ein Jünger ist nicht über den Lehrer; jeder aber, der vollendet ist, wird sein wie sein Lehrer" (Luk. 6,40). Wenn mein Schüler einen Splitter des Ungehorsams im Auge hat, kann ich diesen wohl kaum entfernen, wenn sich in meinen eigenen Augen ein wahrer Telegraphenmast des Starrsinns befindet.

Der Lehrer, der ein Leben völlig hingegebenen Gehorsams gegenüber den klaren Geboten der Schrift führt, wird auch solche Söhne hervor­bringen. Genauso wird aber auch jede Neigung meinerseits, Bereiche meines Lebens vor der Herrschaft Christi zu verschließen, an meine Nachkommenschaft weitergegeben werden.

Dasselbe gilt für das Leben innerhalb christlicher Gemeinschaften. Junge Leute haben eine lästige Art und Weise, ältere Christen in ihrem Verhalten und ihrer Sprechweise nachzuahmen. Ihr geistlicher Barometerstand wird ganz ent­scheidend von ihrer Umgebung beeinflußt.

Dasselbe gilt auch für die Methoden christli­cher Arbeit im Dienst für Christus zuhause und im AuSland. Die meisten der gerade zum Glauben gekommenen Christen sind nicht so sehr originell. Sie schauen auf uns, damit wir ihnen zeigen, wie sie sich verhalten sollen. Wenn sie an uns nur eine verblaßte, abgegrif­fene Fälschung des Originals zu sehen bekom­men, dann leidet die Sache Christi darunter ganz massiv.

Wir wollen doch alle, daß die jungen gläubigen Geschwister zur Ehre Gottes und zum Segen der Menschheit leben. Es erschreckt uns, wie wichtig ihnen materielle Dinge sind und wie apathisch sie sich geistlichen Wahrheiten ge­genüber zeigen. Es scheint uns gar nicht ein­zufallen, daß gerade wir der größte und einzige Hinderungsgrund dafür sein könnten, daß sie ein Leben führen, das so wenig Hingabe an Christus zeigt. Wenn wir Älteren ihnen ein brennendes christliches Leben vorleben, können wir auch erwarten, daß diese "unmöglichen Teenager" eine Kehrtwendung vollziehen.

Ich bekenne, daß mich diese Tatsachen über die Weitergabe geistlicher Ähnlichkeit zutiefst ge­troffen und herausgefordert haben. Ich beuge mich ständig unter der Frage: "Bist du glück­lich, solche Jünger wie dich zu zeugen?" Und ich verlange immer mehr danach, ihnen diesen Vers auslegen zu dürfen, den ich in meinem Dienst immer etwas vernachlässigt hatte: "Seid meine Nachahmer" (1. Kor. 4,16).


Nachtext

Quellenangaben

Aus: W. MacDonald: "Licht für den Weg", siehe Buchbesprechung