Zeitschrift-Artikel: Der wiedergefundene Sohn

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Titel: Der wiedergefundene Sohn
Typ: Artikel
Autor: Roland Jungwirth
Autor (Anmerkung):

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Titel

Der wiedergefundene Sohn

Vortext

Text

Wer hätte damals auch nur im Traum daran gedacht, daß aus mir kleinem Blondschopf einmal ein gemeiner Rauschgiftdealer, Einbre­cher, Dieb und Lügner werden würde! Nein, solche Geschichten liest man doch bestenfalls in billigen Romanen. Und doch, genau das ist meine persönliche Lebensgeschichte.

Soweit ich mich erinnern kann, war ich schon als kleiner Junge sehr unruhig, sensibel, schutzsuchend und ängstlich; ich fühlte mich wie ein kleiner Vogel, der versehentlich aus dem Nest gefallen ist. Schon früh lernte ich, mich auf der Straße durchzuschlagen. Ich schwänzte die Schule, rauchte heimlich, log wie gedruckt und entzog mich sehr schnell dem Einfluß meiner Eltern. Nirgends hielt es mich lange, und mit einer schon damals quä­lenden Unruhe im Herzen zog es mich in den Rummel des Lebens. So kam es bald zu den ersten Ladendiebstählen - von dem gestohlenen Schnaps betrank ich mich - und Schlägereien, die im Jugendarrest endeten. Irgendwie ging alles ineinander über. Mein immer wieder er­wachendes Gewissen betäubte ich mit Alkohol und irgendwelchen fadenscheinigen Entschul­digungen. Ein Gott, in Dessen Augen mein ganzes Tun Greuel und Sünde sein mußte -darüber konnte ich nur müde lächeln. Junge Leute in meiner Nachbarschaft erzählten mir von Jesus Christus, doch statt zuzuhören, trak­tierte ich sie mit den schlimmsten Beschimp­fungen. Aber schon damals wußte ich, daß sie etwas besaßen, was mir fehlte: Frieden.

Irgendwann landete ich dann in der Drogensze­ne, die mir damals so vielversprechend frei und sinnerfüllt erschien. Aber es sollte die Hölle für mich werden. Aus dem frischgebackenen Hippie wurde in kurzer Zeit ein totales Wrack. Heroin, für dessen Konsum ich dealte, und an­dere Verbrechen, die ich beging, hatten das Ruder meines kaputten Lebens übernommen. Völlig vergammelt und von der Sucht ge­zeichnet, landete ich schließlich für 17 Monate im Gefängnis. An diesem Haltepunkt rief ich aus höchster innerer Not zu dem vielbelächel­ten Gott und versprach ihm, ein neues Leben anzufangen.

In meinem ersten Hafturlaub war der nächste Schuß Heroin wichtiger als mein Versprechen an Gott. Wieder auf "freiem" Fuß, fiel ich aufs neue von einem Extrem ins andere und vergaß Gott ganz und gar. Ich mußte noch weiter sinken, doch das wußte ich damals noch nicht. Im ständigen Wechsel zwischen Gefängnis und suchtbedingten Krankheiten vegetierte ich in irgendwelchen Kommunen vor mich hin.

Selbstmordversuche, mehrere fast tödlich ver­laufende Oberdosen Rauschgift, krank an Leib und Seele - so trieb das Boot meines Lebens völlig verloren und ruhelos dahin.

Als Gott mich erneut deutlich rief, war ich tiefer gefallen als je zuvor. Mit der jungen Frau (mit der ich nun verheiratet bin) fing alles an. Beide drogensüchtig und unglücklich, fanden wir den Weg in eine Zeltevangelisation. An jenem denkwürdigen Abend sprach der Pre­diger über das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Luk. 15,11). War ich nicht ein total verlore­ner Sohn? Ich wußte, daß Gott mich mit Seiner ganzen Liebe rief und suchte. Nach einigen heftigen inneren Kämpfen übergaben meine Freundin und ich unser Leben Jesus Christus, und alles wurde neu (1. Kor. 5,17).

Das ist nun inzwischen einige Jahre her, und es ist wirklich so, daß alles neu wurde. Frei von Bindungen aller Art, dürfen wir jetzt täglich die Liebe und den Frieden unseres Herrn er­fahren. Keine Schuld ist so groß, daß Gott sie nicht vergeben, kein Leben ist zu kaputt, daß Er es nicht neu machen könnte.

Lieber Leser, wie steht es mit Dir? Du mußt nicht unbedingt so ein kaputtes Leben geführt haben wie ich. Und doch: Gott sagt in Seinem Wort, der Bibel, daß auch Du ein verlorener Mensch bist (Röm. 3,23). Aber unsere Schuld ist bereits von einem anderen bezahlt worden_ Jesus Christus wurde auf Golgatha von uns Menschen ans Kreuz genagelt. Aber gleichzei­tig wurde Er von Gott gerichtet; als Er in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz auch meine Sünden auf Sich genommen und die gerechte Strafe dafür stellvertretend erlitten hat.

Deshalb darf jeder Hoffnung haben, egal, wie schlecht er auch sein mag. Ich möchte Dir in allem Ernst zurufen: Vergiß Deine Selbstge­rechtigkeit, die bestenfalls an Deinem Arbeits­platz oder bei Deinen Nachbarn Eindruck schindet, und komme in Reue und Buße zu Dem, Der allein Gerechtigkeit ist (Röm. 3,4). Tue es gleich, denn jemand sagte einmal sehr treffend: "Der Weg 'Irgendwann' führt zu der Stadt 'Niemals'."

Nachtext

Quellenangaben