Zeitschrift-Artikel: Bereit und aufrichtig Zum 500. Geburtstag von Johannes Calvin

Zeitschrift: 127 (zur Zeitschrift)
Titel: Bereit und aufrichtig Zum 500. Geburtstag von Johannes Calvin
Typ: Artikel
Autor: Gerrit Alberts
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1547

Titel

Bereit und aufrichtig Zum 500. Geburtstag von Johannes Calvin

Vortext

Teil 2: Calvins Persönlichkeit und seine Lehren

Text

Calvins Eifer für die Majestät Gottes

Die Zeit, in der wir leben, ist davon geprägt, dass der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden. Auch in christlicher Hinsicht ist der Angelpunkt der Betrachtung oft der Mensch in seiner Hilfs- und Erlösungsbedürftigkeit. Gott wird – etwas übertrieben ausgedrückt – auf die Rolle des Managers eines himmlischen Dienstleistungs-Betriebes reduziert, in welchem der Kunde König ist und der Himmel ihm zu Diensten steht. Calvin dagegen legt in seinen Schriften Gewicht auf die biblische Wahrheit, dass die Verherrlichung Gottes das Ziel der Heilsgeschichte ist. Mit großer Kraft beschreibt er die Majestät des Allmächtigen und die Vortrefflichkeit Christi, von dem alles ausgeht, dem wir alles zu verdanken haben und für den alle Dinge sind. „Dem Herrn gehört das Regiment, und für die Menschen wie für die ganze Welt gibt es außerhalb seiner Ehre nichts Erstrebenswertes. Was Gottes Ruhm und Ehre mindern könnte, ist töricht, unvernünftig und frevelhaft.“ 1 Erst indem wir die Größe Gottes erkennen, wird uns bewusst, wer wir selbst sind: „Menschen, die zuvor, ohne seine Gegenwart, sicher und stark dastanden – jetzt, da er seine Majestät offenbart, sehen wir sie derart von Schrecken und Entsetzen gejagt, dass sie geradezu in Todesangst niederfallen, und der Mensch erst dann die Erkenntnis seiner Niedrigkeit recht ergreift, wenn er sich an Gottes Majestät gemessen hat.“ 2 Für Calvin ist der Garant der biblischen Rechtgläubigkeit die Leidenschaft für die Herrlichkeit und Einmaligkeit Gottes in Christus. Wo sich das Zentrum von Gott weg bewegt, kommt alles ins Rutschen. Das lässt nichts Gutes ahnen in Bezug auf die lehrmäßige Treue in unserer auf den Menschen ausgerichteten, anthropozentrischen Zeit.3 Nach der Verbannung Calvins und Farels aus Genf versuchte die katholische Seite im Jahr 1539, die Stadt durch einen Brief von Kardinal Sadoleto zurückzugewinnen. Sadoleto beschrieb in etwa einem Drittel seines Briefes die Kostbarkeit des ewigen Lebens, um dann die Reformatoren des Abfalls von den kirchlichen Lehren und der Kirchenspaltung zu bezichtigen. Der Rat der Stadt Genf wandte sich schließlich an Calvin mit der Bitte, den Brief zu beantworten, woraufhin dieser binnen sechs Tagen seine Responsio ad Sadoletum schrieb. Luther schrieb über die Erwiderung Calvins: „Hier ist ein Brief, der Hand und Fuß hat. Ich bin glücklich, dass Gott solche Männer erweckt.“4 Calvin machte deutlich, dass ein grundlegender Unterschied zwischen ihm und Sadoleto darin bestand, dass letzterer die Heilsinteressen des Menschen in den Mittelpunkt stellte, Calvin jedoch die Ehre Gottes zum Leitmotiv seiner Existenz erheben wollte: „Es wäre nicht der Mühe wert, wollte ich mich in meiner Antwort lange mit Deiner Vorrede abgeben, die den Wert der ewigen Seligkeit preist und damit fast das erste Drittel Deines Briefes füllt. Denn gewiss ist der Preis des zukünftigen ewigen Lebens eine Sache, wohl würdig, dass sie uns Tag und Nacht in den Ohren klingt, dass wir uns immer wieder ihrer erinnern, dass wir uns ohne Ende in ihrer Betrachtung üben. Aber warum Du an dieser Stelle so viele Worte darum machst, weiß ich nicht … Doch will ich nicht erst lange herumraten, was Du damit beabsichtigt haben könntest. Jedenfalls scheint es mir wenig und schlechte Theologie zu verraten, wenn man den Menschen immer nur auf sich selbst zurückstößt und ihm nicht einmal den Eifer um Gottes Ehre als den Leitgedanken für die Gestaltung seines Lebens vor Augen stellt. Denn für Gott, und nicht für uns selbst sind wir in erster Linie da, wie ja nach den Worten Pauli alle Dinge nicht nur von ihm ausgehen und in ihm bestehen, sondern auch auf ihn als auf ihr Ziel bezogen sind. Nun hat zwar der Herr selbst, wie ich zugebe, um uns die Ehre seines Namens noch wertvoller erscheinen zu lassen, den Eifer um ihre Ausbreitung und Vermehrung so geordnet, dass er immer mit unserem Heil zusammenfällt. Aber er hat auch gelehrt, dass dieser Eifer hinausgehen müsse über alle Sorge um eigenen Vorteil und alle Gedanken an eigenen Nutzen, und auch das natürliche Gefühl sagt es jedem, dass, wenn Gott nicht allem übergeordnet wird, man ihm nicht gibt, was ihm gebührt. So muss der Christ wahrhaftig sich höher erheben als bis zur Sorge und Arbeit um das Heil der eigenen Seele. Daher kann ich niemanden für wirklich fromm halten, der eine so lange und ausführliche Ermahnung zum Streben nach dem ewigen Leben nicht abgeschmackt findet, die den Menschen immer unten bei sich selbst festhält und sich zum Gedanken an die Heiligung des göttlichen Namens auch nicht mit einem Wort erhebt.“5

Calvins Fleiß und Beständigkeit

Der Mitstreiter, Colladon, schreibt über Calvins Arbeitseifer: „Calvin schonte sich ganz und gar nicht und arbeitete weit über seine Kräfte und mehr, als es seiner Gesundheit gut tat. Er predigte gewöhnlich … zehn Mal innerhalb von vierzehn Tagen. Jede Woche lehrte er drei Mal Theologie … Er war an bestimmten Tagen im Konsistorium und erledigte alle Beschwerden … An jedem Freitag hielt er, nachdem der Leiter seine Erklärung abgegeben hatte, eine Bibelstunde, die auch beinahe eine Vorlesung war. Niemals versäumte er, die Kranken zu besuchen, Einzelne zu warnen oder zu beraten und all die zahllosen Dinge zu erledigen, die sich aus der gewöhnlichen Ausübung seines Amtes ergaben. … Er unterrichtete, ermahnte und beriet die Verfolgten in Frankreich durch seine Briefe. (Insgesamt schrieb Calvin etwa 5000 Briefe. Anm. d. Verf.) … Doch all dies hielt ihn nicht davon ab, seine privaten Studien zu betreiben und viele prächtige und höchst nützliche Bücher zu verfassen.“6 Um ein deutlicheres Bild von seiner eisernen Beständigkeit zu gewinnen, muss man seine anhaltend schwache Gesundheit bedenken. Als er dreiundfünfzig war, schrieb er seinen Ärzten von seinen Koliken und dass er Blut spuckte, von Schüttelfrost und Gicht und von unerträglichen Leiden durch Hämorrhoiden. Hinzu kamen Nierensteine, die ohne jedes Schmerzmittel ausgeschieden wurden: „Sie verursachten mir außergewöhnliche Schmerzen … – Endlich und nicht ohne schmerzhafteste Anstrengungen wurde ich den Stein los, was meine Leiden zum Teil erleichterte; aber er war so groß, dass er die Harnröhre aufriss, worauf ein reichlicher Blutverlust folgte.“7 Zu den körperlichen Leiden kamen die Auseinandersetzungen mit den Gegnern und die Drohungen gegen sein Leben. „Ihm war das Geschrei des Pöbels draußen vor seinem Haus nicht unbekannt, der ihm drohte, ihn in den Fluss zu werfen und mit Musketen auf ihn zu feuern.“8 Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen überlegte er mitunter, welcher Art von Folter man ihn aussetzen würde, falls die feindlichen Heere in Genf einzögen. Eine besondere Last war für Calvin die Auseinandersetzung mit der Sittenlosigkeit in Genf. Als er mit 27 Jahren seinen Dienst dort begann, gab es ein Gesetz, nachdem ein Mann sich nur eine Mätresse halten durfte. Gegner Calvins lebten auch 17 Jahre später noch in Ehebruch und beanspruchten gleichzeitig die Teilnahme am Abendmahl. 1553 kam es zu einer dramatischen Zuspitzung, als ein Führer der Enfants de Genève (der Oppositionspartei) namens Berthelier durch das Konsistorium vom Abendmahl ausgeschlossen wurde, der Rat der Stadt diesen Beschluss jedoch aufhob. In dem folgenden Abendmahls- Gottesdienst schlang Calvin die Arme um Brot und Wein und rief: „Diese Hände könnte ihr zerbrechen, diese Arme mögt ihr abschlagen, ihr könnt mir das Leben nehmen; aber ihr werdet mich nicht dazu zwingen, das Heilige den Gemeinen zu geben und den Tisch meines Gottes zu entehren!“ Danach, schrieb Beza, wurde das Mahl des Herrn mit tiefem Schweigen gefeiert. Alle waren mit großer Ehrfurcht erfüllt, als wäre die Gottheit selbst sichtbar unter ihnen gewesen.9

Die „fünf Punkte des Calvinismus“

Wer sich heute – vor allem im anglo-amerikanischen und niederländischen Sprachraum – zum Calvinismus bekennt, macht dies häufig an fünf Punkten der Lehre Calvins fest, die auf der calvinistischen Synode in Dordrecht 1618/19 formuliert wurden. Die Synode setzte sich damals mit den Lehren des Professors Arminius von Leyden (1560–1609) auseinander. Dieser hatte ab 1582 bei Beza, dem Nachfolger Calvins, in Genf studiert und war zunächst ein überzeugter Calvinist. Doch dann entwickelte er, ausgehend von der Erwählungslehre Calvins, abweichende Auffassungen. Die Vertreter seiner Lehren werden als Arminianer bezeichnet. Seine in Dordrecht verhandelten Dogmen waren, vereinfacht dargestellt, folgende:10

1. Der Wille des Menschen ist nicht so weit verdorben, dass er nicht in freier Willensentscheidung der Botschaft des Evangeliums zustimmen oder sie ablehnen kann.
2. Die Vorherbestimmung und Erwählung Gottes beruht auf seinem Vorherwissen, ob jemand zum Glauben kommt oder nicht (bedingte Erwählung).
3. Der Herr Jesus litt nicht nur stellvertretend für die Erlösten, sondern für alle Menschen.
4. Die Gnade Gottes kann nur wirksam werden durch die Zustimmung des Menschen.
5. Das Heil ist verlierbar, der Gläubige kann wieder verloren gehen.

Die Synode von Dordrecht hat in Anlehnung an Calvin folgende Dogmen formuliert (hier vereinfacht dargestellt):11

1. Der Mensch ist völlig verdorben, auch sein Wille, und er kann aus eigener Kraft nichts zu seiner Erlösung beitragen (Total Corruption).
2. Die Vorbestimmung und Erwählung geht von Gott aus und hat allein seinen Ursprung in Gott und richtet sich nicht nach irgend welchen Verdiensten und Eigenschaften der Erwählten (Unconditional Election).
3. Das stellvertretende Leiden des Herrn Jesus beschränkt sich auf die Erlösten (Limited Atonement).
4. Wenn Gott seine zum Heil Erwählten durch das Evangelium beruft, ist seine Gnade unwiderstehlich (Irresistable Grace).
5. Das Heil ist nicht verlierbar, der Erlöste kann nicht wieder verloren gehen (Perseverance of the Saints).

In Anlehnung an die Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe hat man diese Dogmen auch mit dem Akronym TULIP bezeichnet. Im Rahmen dieses Aufsatzes kann ich unmöglich auf alle Punkte der Kontroverse eingehen. Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass die genannten Thesen des Calvinismus richtig, aber in manchem einseitig sind. Ich möchte dies kurz anhand der dritten These deutlich machen: Ist der Herr Jesus stellvertretend für alle Menschen oder nur für die Erlösten gestorben? Der entscheidende hermeneutische Schlüssel liegt für mich in der Unterscheidung zwischen dem sühnenden und dem stellvertretenden Aspekt des Werkes Christi, den die Lehrer der Brüderbewegung sehr deutlich aus der Heiligen Schrift gezeigt haben.12

Sühne und Stellvertretung

J. N. Darby veranschaulicht diese Unterscheidung anhand des großen Versöhnungstages in 3. Mo 16: „Der Unterschied zwischen Sühnung und Stellvertretung tritt uns klar in den Opfern des großen Sühnungstages entgegen. Aaron schlachtete den jungen Stier und den Bock, das ‚Teil des HERRN‘, wie es genannt wurde, und sprengte sein Blut auf den Gnadenstuhl, auf den Deckel und vor den Deckel, wie auch auf den Altar. Das Blut wurde dadurch Gott dargebracht, dessen heilige Gegenwart durch die Sünde verunehrt und verletzt worden war. Diesem Vorbild entsprechend hat Christus auf der Erde Gott vollkommen verherrlicht, indem Er sich in vollkommenem Gehorsam und aus Liebe zu seinem Vater hingab und zur Sünde gemacht wurde – Er, der Sünde nicht kannte (2Kor 5,21). Unsere Sünden waren die Veranlassung zu diesem Werk, aber Gottes Majestät, Seine Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit, ja alles, was Er ist, wurde durch Christus vollkommen verherrlicht. Sein Blut, mit dem er in das Heiligtum einging, ist das Zeugnis und der Beweis dafür. Daher kann nun an alle die gute Botschaft ausgehen, dass Gott befriedigt, ja mehr als befriedigt, verherrlicht worden ist; und ein jeder, der sich nun Gott im Vertrauen auf dieses Blut naht, wird von Ihm umsonst und völlig angenommen. Auf den Kopf des Bockes, der dieses vorbildete, wurden keine Sünden bekannt, obschon er wegen Israels Sünde geschlachtet wurde. Das Blut wurde einfach Gott dargebracht, zum Zeichen, dass die Sünde Seiner Herrlichkeit und Ehre gemäß beurteilt und gerichtet worden war. Und nie traten Gottes Majestät und seine Liebe, aber auch sein Hass gegen die Sünde so klar ans Licht, nie wurde Er so völlig verherrlicht wie in dem Tod Christi. Gott konnte aufgrund desselben dem umkehrenden Sünder nach Seiner Gnade und Liebe begegnen, ja in der Unendlichkeit derselben die Menschen bitten, zu Ihm zurückzukehren. Außer diesem aber war noch persönliche Schuld vorhanden, bestimmte persönliche Sünden, für die Israel und alle Menschen heutzutage noch verantwortlich sind, gemäß der Forderung, die gerechterweise an jeden gestellt werden kann. Demnach bekannte der Hohepriester am großen Versöhnungstag die Ungerechtigkeiten des Volkes auf den Kopf des Bockes Asasel, indem er beide Hände darauf legte. Ihre persönliche Schuld wurde durch ihn, der das ganze Volk darstellte, auf den Bock der Abwendung (Asasel) gelegt und durch diesen fortgetragen, um nie wieder gefunden oder in Erinnerung gebracht zu werden. Christus nun ist sowohl Hoherpriester als auch Opfer. Er hat alle die Sünden der Seinigen bekannt, als ob es Seine eigenen wären und hat unsere Sünden an Seinem Leib auf dem Holz getragen (1Petr 2,24). Wir finden in ihm die Verwirklichung dessen, was die zwei Böcke uns vorbildlich darstellen. Sein Werk hat einen doppelten Charakter, indem er sich opferte zur Verherrlichung Gottes, und um unsere Sünden zu tragen. Daher lautet die Botschaft an die Welt: »Wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.« In dieser Hinsicht kann man sagen, dass Christus »für alle gestorben ist« (2Kor 5,15), dass Er »für alles (oder jeden) den Tod schmeckte« (Hebr 2,9), dass Er »sich selbst zum Lösegeld gab für alle« (1Tim 2,6), das heißt, dass Sein Opfer für die Sünde die völlige, genügende Sühnung für jeden ist, der da kommt. … Wenn es sich aber um Christus als den Sündenträger handelt, so finden wir stets eine gänzlich verschiedene Sprache. Er hat unsere Sünden getragen: Er ist einmal geopfert worden, um vieler Sünden zu tragen (1Petr 2,24; Hebr 9,28). Der Ausdruck ‚alle‘ wird sorgfältig vermieden. Ich sage ‚sorgfältig‘, weil in Römer 5,18-19 der Unterschied sorgfältig beachtet wird. Es heißt ‚alle‘, wenn von dem Spielraum der Handlung die Rede ist; es heißt ‚die Vielen‘, wenn es um die eindeutige Auswirkung in Bezug auf die Menschen geht, d.h. auf die Vielen, die mit dem, der die Handlung vollbrachte, verbunden waren. Nirgends wird man in der Schrift finden, dass Christus die Sünden aller getragen habe. Hätte Er dies getan, so könnte nie mehr von ihnen die Rede sein, noch könnten die Menschen nach ihren Werken gerichtet werden. Andererseits lesen wir in der Bibel oft, dass Christus für alle gestorben sei – und mit dieser Botschaft können wir zu allen Menschen gehen und ihnen in dem Tod Christi den Grund, ja den einzigen Grund zeigen, auf dem sie Gott nahen können, und zugleich die Liebe Gottes, die sich darin offenbart. Wenn jemand dann glaubt, kann ich weiter sagen: »Christus hat jede einzelne deiner Sünden getragen, so dass ihrer nie mehr gedacht werden kann.« Wenn wir den Unterschied zwischen der sogenannten arminianischen und calvinistischen Lehre betrachten, so erkennen wir sofort die Wichtigkeit einer genauen Auffassung der Dinge. Die Arminianer sehen in dem Tod Christi nichts weiter als ein Opfer für alle und verbinden damit gewöhnlich auf allgemeine Weise das Tragen der Sünden. Dadurch wird alles unklar in Bezug darauf, dass Christus die Sünden des Einzelnen wirklich und vollgültig getragen oder ein besonderes Werk für die Seinigen getan hat. Sie sagen, dass, wenn Gott alle liebte, er nicht einige insbesondere lieben konnte. Die Errettung wird somit unsicher gemacht und der Mensch nicht selten erhoben, während die Lehre des Vorbildes, die wir in dem Bock der Abwendung haben, gänzlich außer Acht gelassen wird. Die Calvinisten dagegen halten fest daran, dass Christus die Sünden der Seinigen getragen habe und ihre Errettung somit ganz gewiss sei. Sie bleiben aber bei dem Schluss stehen, dass, wenn Er die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben habe, Seine Liebe außer ihr keinen anderen Gegenstand gehabt haben könne. Sie übersehen den unverkennbaren Charakter der Sühnung, sein Sterben für alle und alles. Sie sehen nur die Stellvertretung und berücksichtigen nicht die Bedeutung des Blutes auf dem Gnadenstuhl.“13 Der Schluss dieser Arbeit folgt in der nächsten Ausgabe mit folgenden Themen:
• Die Lehre der „doppelten Prädestination“
• Ist es in unserer Zeit richtig, einen „Gottesstaat“ zu errichten?
• Calvins Vertrauen auf die Vollkommenheit der Heiligen Schrift
• Schlussbemerkungen

Nachtext

Quellenangaben

1 Calvin, Auslegung der Heiligen Schrift, Römerbrief und Korintherbriefe,
Neukirchen-Vluyn, 1960, S. 240
2 Calvin, Institutio, Neukirchen-Vluyn, 1955/1988, S. 2
3 Siehe dazu Piper, J: Überwältigt von Gnade, Bielefeld, 2006, S. 171
4 Zitiert in Piper, S. 168
5 http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:calvin:calvin-antwort_
an_kardinal_sadolet (27.07.09)
6 zitiert in Piper, S. 187
7 zitiert in Piper S. 189
8 Parker, Portrait of Calvin, S. 29, zitiert in Piper, S. 189
9 zitiert in Pieper, S. 191 f
10 Einige Autoren weisen darauf hin, dass die Dogmen in dieser Zuspitzung nicht von Arminius selbst stammen, sondern von seinen Nachfolgern, er selbst aber gemäßigter über die Punkte dachte.
11 Eine ausführliche Darstellung der fünf Punkte des Calvinismus siehe z.B. Hanko, Hoeksema, van Baren: Die fünf Punkte des Calvinismus in: http://www.calvinianum.de/Artikel/5_Punkte/index.html (27.07.09)
12 siehe z. B. W. Kelly: Verzoening – Voordrachten over de Grote Verzoendag, Winschoten o. J., S. 66 ff., H. L. Heijkoop: Die Opfer, Schwelm 1973, S. 52 ff. J.
N. Darby: Die zwei Seiten der Sühnung in: http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=956 (27.07.09) ausführlich: J. N. Darby: Collected Writings, Volume 19, (Hints of the Day of Atonement), S. 242 ff, Writings of J. N. Darby, formated in pdf, Present Truth Publishers, Jackson, USA und: J. N. Darby: Propritiation and Substitution, CW Vo. 27, S. 318ff (Die Seitenzahlen der elektronischen Ausgabe weichen von der gedruckten Ausgabe ab)
13 J.N. Darby, op. cit. in: http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=956 (27.07.09)


BILDNACHWEIS
Jacobus Arminius: http://dontwastewine.files.wordpress.com/2008/07/jacobusarminius.jpg