Zeitschrift-Artikel: Honduras - Land der fröhlichen Armen

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Titel: Honduras - Land der fröhlichen Armen
Typ: Artikel
Autor: Christine Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Honduras - Land der fröhlichen Armen

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Text

Vor etwa 18 Monaten wußte ich nicht einmal, daß es einen Staat namens Honduras überhaupt gibt. Und als ich die Adresse von Jim Haesemeyer bekam, der dort als Missionar arbeitet, mußte ich erst einmal auf dem Weltatlas nachsehen, wo Honduras liegt.
Ich wollte gerne ein Jahr in einem anderen Land mit Missionaren zusammenleben, um im geistlichen Leben verändert und mir über meine Zukunftspläne sicher zu werden. Dazu kam auch ein wenig Abenteuerlust, einmal eine ganz andere Kultur und Lebensweise ken­nenzulernen.
So flog ich am 1. Oktober in dieses kleine, mittelame­rikanische Land. Glücklicherweise konnte ich am Flug­hafen die mir bis dahin noch unbekannten Haesemeyers identifizieren.

Land und Leute
Die ersten drei Monate wohnte ich mit diesem Mis­sionars-Ehepaar auf einem der Hügel Tegucigalpas, der Hauptstadt Honduras. Durch die vielen Hügel ist eine Modernisierung der Stadt sehr schwer und so ist Tegu­cigalpa wirklich nicht die schönste Stadt im Land.
In einigen Vierteln wohnen die Reichen, aber viel zahlreicher sind die Armenviertel. Die Armen auf dem Land können wenigstens die Natur beanspruchen, um zu überleben, aber die Armen der Städte haben fast nichts. Sie leben sehr unhygienisch in kleinen Holzhüt­ten und oft sieht man die Kinder das nötige Wasser von irgend einer Quelle heranschleppen.
Ein großes Problem sind die fehlenden Arbeitsplätze. Und da man in der Stadt schwer als Bauer leben kann - fast alle Honduraner sind Bauern - ist das Elend der ärmeren Menschen dort groß. Von seiten des Staates gibt es keine Unterstützung und viele von ihnen sterben in Folge der Unterernährung, besonders die Kinder sind davon betroffen. Diese Menschen können es sich auch nicht leisten, zum Arzt zu gehen. Die durchsclmittliche Lebenserwartung beträgt ca. 50- 60 Jahre.

Ich selbst bin nicht ständig mit der starken Armut konfrontiert gewesen, weil die Missionare ihre Aufgabe vor allem darin sehen, die Christen zu betreuen und nicht so sehr in sozialer Arbeit.
Es hat mich oft erschüttert, die vielen verkrüppelten Menschen zu sehen, die bettelnd an der Straße sitzen -eine Folge der vielen Erbschäden, bedingt durch das schlechte Leben. Wie gut, daß es wenigstens immer einigermaßen warm ist, so daß man quasi draußen leben kann. Den oft leimschnüffelnden Straßenkindern fehlt es viel mehr an der inneren Wärme als an der äußeren. Die Sommerzeit dauert von Januar bis Juni, die Winter­zeit (= Regenzeit) von Juli bis Dezember.
Der Staat ist demokratisch aufgebaut, aber trotz der guten Gesetze - um die man sich herzlich wenig küm­mert - herrscht Korruption und Bestechung.
Natürlich ist es schwer ein Land zu regieren, in dem viele Erwachsene Analphabeten geblieben sind und sich wenig für höhere Politik interessieren. Dazu sind viele Dörfer so abgelegen, daß man sie nur zu Fuß oder per Pferd erreichen kann. Sie haben keine Elektrizität und die Menschen dort stehen mit der Sonne auf und gehen auch mit ihr ins Bett.
Normalerweise laufen sie barfuß herum, aber allge­mein kann man über Kleidung sagen, daß sie das einzi­ge ist, in das die Honduraner viel Geld stecken. Eine honduranische Freundin sagte mir dazu: "Wir täuschen vor, was wir nicht haben."
Einmal waren die Soldaten, die hier gleichzeitig auch Polizisten sind, unterwegs, um junge Männer einzure­krutieren. Pedro, ein junger Christ, war auf der Straße. Als die Soldaten ihn festhalten wollten, kam eine ihm unbekannte Frau angelaufen und rief: "Mein Mann, mein Mann!" Es gibt nämlich ein Gesetz, daß Verheira­tete und Studierende nicht in den Kriegsdienst müssen. So konnte Pedro, allerdings durch die Lüge dieser Frau, entwischen.

Die Situation der Christen
Es gibt neben der Katholischen Kirche, zahlreichen Sekten und Freikirchen etwa 120 Versammlungen in Honduras, von denen die meisten noch recht jung sind. Immer noch entstehen viele neue. Die Tradition unter­scheidet sich ein wenig von der unserer Versammlun­gen.
Einer der vollzeitlichen Arbeiter, der jeden Tag 4 - 6 Stunden die Bibel studiert und ein hervorragender Leh­rer ist, sagte mir, daß die Versammlungen hier sehr zahlreich, aber sehr schwach seien. Die Ältesten sind oft sehr alt und können ihre Aufgabe als Hirten der Gemeinde nicht immer erfüllen. Nur wenige junge Brü­der wachsen in diese Aufgabe hinein, außerdem fehlt es an Unterweisung der Christen und Jüngerschaftsarbeit. Was Gemeindezucht betrifft, handelt man teilweise leider unbiblisch. Es kommen viele moralische Sünden auch unter den Christen vor. Außerdem ist es traurig, daß nur sehr wenige der Geschwister eine wirkliche Stille Zeit mit dem Herrn kennen und pflegen.
Andererseits zeigen die honduranischen Christen sehr viel Liebe und Interesse füreinander, haben zum Teil auch großen evangelistischen Eifer, und ihre Gast­freundschaft und ihre Bereitschaft, miteinander zu tei­len, ist einfach vorbildlich. Man kann sich hier nur wohlfühlen.
Allerdings sollte man bereit sein, alles zu essen, was einem vorgesetzt wird, wobei das Essen im allgemeinen super ist. Man ißt alle Arten von Tieren: Echsen, Haie, Krebse, hauptsächlich aber ernährt man sich von Reis, Bohnen und Tortilla (ein Maisfladen). Außerdem kann man in dem sogenannten "Bananenstaat" natürlich Ba­nanen in allen Formen finden. Die gekochte und unreife Banane ersetzt die Kartoffel. Früchte gibt es in Über­maß und Hunderte von verschiedenen Sorten.
Die Honduraner erwarten, daß man sich so verhält wie sie. Man kann sie sehr leicht verletzen. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß sie sich minderwertiger als andere Menschenrassen fühlen, wie man aus einigen Äußerungen spüren kann. Ansonsten aber sind es sehr fröhliche Leute, die gerne Witze machen und einen mit ihren Sprachspielen verwirren.
Allerdings sind die Honduraner nicht besonders flei­ßig. Es geht hier alles etwas gemächlich zu.

Die Missionare

David und Lourdes Dominguez, ursprünglich aus Ar­gentinien, leiten eine christliche Druckerei, die vor al­lem die Emmauskurse verbreitet. Sie können jetzt sogar Kuba mit diesen Kursen erreichen! Dazu ist David der Leiter eines der drei Freizeitheime, die es in Honduras gibt. Von den Freizeiten geht ein großer Segen aus.
Mark und Fay Plaza kommen von der Missionsarbeit in Zaire. Sie sind erst einige Monate hier und noch seufzen die einheimischen Geschwister über die sprachlichen Unverständlichkeiten in Marks Predigten.
Grant und Kany Ferrer waren vorher Missionare in Spanien. Sie mußten schon einiges durchleiden (z.B. verlor Grant leztes Jahr sein Gehör im rechten Ohr), aber das hat sie Gott ähnlicher gemacht. Ihr Schwer­punkt ist die Jüngerschaftsschulung. Von ihrem Vor­bild habe ich viel gelernt. Sie zeigen echte Hingabe für andere Christen und helfen ihnen, im geistlichen Leben zu wachsen.
Ein weiteres Missions-Ehepaar sind Jim und Sharon Haesemeyer. Jim hat die Gabe, die Bibel tiefgehend auszulegen und weiß zu jedem Thema unzählige Ge­schichten.
Plazas, Ferrers und Haesemeyers sind für ihren Dienst entscheidend von dem "Internprogram" von William MacDonald und Jean Gibson in San Leandro geprägt worden.
Bis auf Hannas wohnen alle Missionare fest in Tegu­cigalpa. Sie überlegen allerdings, in andere Gebiete zu ziehen, denn besonders in den vielen Gemeinden an der Küste ist sehr viel Leben und Arbeit und so werden sie dort besonders gebraucht.
Die letzten Monate habe ich in der Jüngerschafts­schulung von Stan und Esma Hannah zugebracht. Sie arbeiten schon sehr lange als Missionare in Honduras und führen eine tolle Ehe (obwohl er Amerikaner und sie Araberin ist). Sie waren durch die Schulung schon für viele junge Geschwister eine große Hilfe, indem sie jeweils etwa 6 Monate mit ihnen zusammenleben und dadurch zur Nachfolge motivieren. Jeden Tag gibt es 4 bis 5 Bibelstunden und an drei Nachmittagen pro Wo­che geht man von Haus zu Haus, um zu evangelisieren. Abends werden Gemeinden in der Umgebung besucht.
Der einzige Nachteil dieser Schulung ist, daß man fast keine Zeit für persönliche Dinge hat.

Es gäbe noch vieles zu erzählen. Für euch hört sich wahrscheinlich alles ein wenig fremd an, aber wenn man in diesem Land lebt, wird alles ganz normal. Ich habe mich auch nicht so sehr als Ausländer gefühlt, denn schließlich verbindet uns Christen unser gemein­samer Herr. Nur kam ich mir unter den dunklen Mesti­zen oft schrecklich bleich vor und mein Spanisch war dem ihren fast genauso wenig ähnlich.

In dem vergangenen Jahr habe ich viel lernen dürfen und (hoffentlich!) eine veränderte Sicht für viele Dinge bekommen. Oft habe ich über die perfekte Planung und Führung des Herrn gestaunt.

Gebetsanliegen
Wenn ihr für Honduras beten wollt, dann betet für die Christen, daß sie die Bibel liebgewinnen und die große Offenheit im Land für den Herrn nutzen.
Betet besonders für die Missionare, daß sie ihren Platz klar erkennen und ihre Kinder die Missionsarbeit schätzen lernen und zu Christen werden, die den Herrn echt liebhaben.
Einen herzlichen Dank an alle, die in dieser Zeit für mich gebetet haben!

Nachtext

Quellenangaben