Zeitschrift-Artikel: Gesegnete Unterbrechungen

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Titel: Gesegnete Unterbrechungen
Typ: Artikel
Autor: James O. Fraser
Autor (Anmerkung):

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Titel

Gesegnete Unterbrechungen

Vortext

James O. Fraser wurde von Gott berufen, im Alter von 22 Jahren in den Süd-Westen Chinas zu reisen, um unter den Bergstämmen der Lisus, die seit Generationen in der Dämonen-Anbetung
versunken waren, das Evangelium zu verkündigen.
Er gab eine vielversprechende Karriere auf und ließ ein wohlhabendes Elternhaus zurück, um in
größter Bescheidenheit und auf gefährlichen und äußerst mühsamen Wegen die kleinen Dörfer der
Lisus aufzusuchen um Kontakt zu dieser bisher unerreichten Volksgruppe zu bekommen.
In seinen Briefen und Tagebüchern berichtet er sowohl von vielerlei Schwierigkeiten als auch Gebetserhörungen, aber auch von seinem Umgang mit Alltagsproblemen, die uns nicht unbekannt sein dürften …

James O. Fraser (1886 - 1938)

Text

Irgendwie fühle ich, dass meine beste Gelegenheit zum Chinesisch-Studium für immer verloren ist. Unterbrechungen, Besuche und die Beschäftigung mit Details verschlingen den größten Teil meiner Zeit. Nicht dass ich mich beklagen würde – ganz im Gegenteil bin ich sehr froh, so vollständig in die Missionsarbeit hinein versetzt zu werden. Aus diesem Grund sind wir nach China gekommen.
Aber ich habe herausgefunden, dass es ein Fehler ist zu planen, in einer vorbestimmten Zeit ein gewisses Pensum an Arbeit zu erledigen. Es endet in Enttäuschung, außerdem ist es meiner Meinung nach nicht der rechte Weg, an solche Dinge heranzugehen. Es macht einen ungeduldig bei Unterbrechungen und Verzögerungen. Gerade wenn man dabei ist eine Arbeit zu beenden, kommt jemand herbei und will mit dir plaudern!
Nun denkst du sicher, es ist unmöglich, bei solch einer guten Möglichkeit, das Evangelium
weiterzugeben, ungeduldig zu sein. Aber genau das ist man.
Vielleicht wolltest du dich gerade in Ruhe zum Mittagessen hinsetzen oder du schreibst rasch einen Brief, der noch die Post erreichen soll oder du warst gerade im Begriff, dringend benötigte frische Luft zu schnappen. Aber der Besucher muss begrüßt werden, und ich denke es ist gut, eine innere Haltung heranzubilden die einen fähig macht, zu jederzeit jemanden herzlich willkommen zu heißen. „Kein Zutritt außer bei geschäftlichen Angelegenheiten“ zeugt wohl kaum von einem missionarischen Geist.
Und damit nicht genug – in letzter Zeit merke ich, dass diese persönliche Arbeit genauso wichtig ist wie das Predigen. Einen Mann zu haben, der dich in deinem Haus sehen will, wo du offen und direkt mit ihm über sein Seelenheil sprechen kannst, was könnte besser sein? Ich denke, dass ein Appell unter diesen Umständen viel beeindruckender ist.
Natürlich hat die Verkündigung vor der Menge ihren Platz, aber es ist nicht der einzige Weg, um Menschen zu Christus zu führen, weder in der Schrift steht es so, noch außerhalb ist dies bewiesen.
Es scheint eigenartig zu sein, dass ein Missionar so etwas sagt, aber wenn Gott mir eine Geistesgabe gegeben hat, dann ist es nicht die der Verkündigung. Ich kenne meine eigene Dummheit und alles andere … Aber der Herr hat mir immer in der ‚Mann-zu-Mann-Arbeit‘ geholfen, und genau solche Arbeit gibt er mir hier.

Nachtext

Quellenangaben

Aus: Eileen Crossman: „James O. Fraser – Der Bergsteiger Gottes“, CLV, S. 61.62