Zeitschrift-Artikel: Seelen gewinnen

Zeitschrift: 132 (zur Zeitschrift)
Titel: Seelen gewinnen
Typ: Artikel
Autor: William MacDonald
Autor (Anmerkung): Aus dem Nachlass von William MacDonald

online gelesen: 1138

Titel

Seelen gewinnen

Vortext

Andreas Lindner fand diesen Artikel in den Unterlagen von William MacDonald, ist aber nicht sicher, ob er ihn selbst geschrieben hat.

Text

Es ist unmöglich, mit kaltem Herzen oder trockenen Augen für Christus zu arbeiten und zu zeugen. Christen müssen lernen, wie wichtig eine Gebetskammer ist, deren Fußboden vom Knien abgenutzt und immer mit Tränen feucht ist.


Wir haben uns an die Tritte der Verlorenen gewöhnt …

Je eher wir bekennen, dass wir unsere Last für Seelen verloren haben, desto besser ist es für die
Evangelisation der Welt. Lasst uns der Tatsache ins Auge schauen, dass wir uns an das Getrappel
der Tritte der Verlorenen gewöhnt haben, die auf dem Weg zu ihrem Grab ohne Christus sind. Wir
haben keine Kraft mehr, um wegen der Verlorenen zu weinen – es bedrückt uns nicht mehr. Die
Massen ohne Christus sind nicht überzeugt, dass sie verloren gehen, einfach weil wir selbst auch keine tiefe Überzeugung davon haben, in was für einem schlimmen Zustand sie sich befinden und wie furchtbar ihr ewiges Schicksal ist.
Das Herz von Paulus blutete alle Zeit unter dieser Last. „Wozu ich mich auch bemühe, indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft. Denn ich will, dass ihr wisset, welch großen Kampf ich habe um euch und die in Laodicäa“ (Kol 1,29; 2,1; 4,12).
Das Wort, das Paulus hier für „kämpfen“ benutzt, deutet den harten Kampf in einer Arena an, das Rennen, das Ringen. Arthur Way übersetzt den Abschnitt so: „Mit diesem Ziel mühe ich mich ab, ich ringe hart, mit all der übermäßigen Kraft, mit der Gott mich in seiner Kraft entflammt.“ Mit dem Wort „kämpfen“ betont der Apostel hier, dass es um einen echten Kampf geht, hart und andauernd. Dieser Kampf geht um die Seelen von Menschen, ein Ringen um ihr ewiges Heil. John Knox empfand diese Last von Gott als er ausrief: „Herr, gib mir Schottland, sonst sterbe ich!“


Unsere Evangelisationen sind zu professionell

Ja, wir haben eine Vielfalt von evangelistischen Veranstaltungen. Aber trotzdem werden so wenige vor dem Feuer des Gerichts gerettet. Evangelisationen werden durchgeführt, aber die Städte und Dörfer sind so verloren wie zuvor. Evangelisationen sind zu professionell, zu mechanisch – und zu kalt. Unser persönliches Zeugnis ist unbeständig, lahm, lustlos. Die Menschen, die wir gewinnen wollen, bemerken keine Wärme, kein Mitgefühl, kein Mitleid, keine Tränen. Sie sehen keine Anzeichen von Bemühungen auf unserer Seite, wenn wir sie vor ihrem falschen Weg warnen. So setzen sie ihren Weg ohne Gott fort.
Der Herr hat seine Gebete mit Geschrei und Tränen vor Gott gebracht (Hebr 5,7). Kann es sein, dass unsere Gebete und unsere Botschaften zu trocken sind? Es ist sicher gut, wenn wir davon singen und reden, dass wir die Verlorenen retten wollen und über sie weinen, aber weinen wir wirklich?
Paulus litt für die, die er gewinnen wollte. Darüber schreibt Bischof Moule: „Er führte einen andauernden, verwegenen, mutigen Kampf; eine Schlacht gegen alles und jedes, das sich seinen
Gebeten widersetzte.“
Es war ein Kampf im Gebet um die, welche er für Christus gewinnen wollte. Hören sich solche Worte für uns unecht an? Mag sein, dass die Leidensnot Christi im Garten Gethsemane zu hoch für uns ist, aber erleben wir was es heißt, von der Leidenschaft von Golgatha mitgerissen zu werden und Mitleid für die Verlorenen zu haben?


Der Preis, ein Seelengewinner zu sein

Wer sich nach einer tieferen Liebe für Seelen sehnt, muss bereit sein, den Preis zu zahlen.
Was ist dieser Preis, dieses Leiden? Was bedeutete es für Paulus, als Seelengewinner zu arbeiten?
Er verlor Ansehen und Freunde, er verlor Reichtum und Ruhe, er verlor seine Stellung und seine Verwandten. Welche Einsamkeit, Tränen, Wunden, Sehnsucht er erlebte – es geschah alles, damit Verlorene gerettet werden sollten.
Er hatte eine Leidenschaft für Menschen, die vehement brannte, die trotz aller Entmutigung nicht erlosch.
Möge der Herr sich über uns erbarmen, wenn wir damit zufrieden sind, Evangelisationen durchzuführen, Konferenzen einzuberufen, Menschen und Geld für evangelistische oder missionarische Zwecke zu sammeln. Wir versuchen ohne Leidenschaft zu überzeugen, andere
ohne Weinen anzurühren, Seelen ohne Kampf zu gewinnen. Unterweisung in Evangelisation ist
sehr wichtig.

Bist du bereit, die Last des Apostels für die Seelen der Menschen mitzutragen? Du kannst diese Last dort finden, wo Paulus und andere Seelengewinner sie gefunden haben, am Fuß des Kreuzes.
Wenn wir wirklich verstehen, was es für Christus bedeutet hat, sein Blut dafür zu vergießen, dass Sünder vor der Hölle gerettet werden, dann ist es unmöglich, mit kaltem Herzen und trockenen Augen für Christus zu arbeiten oder von ihm zu zeugen.
Als William Booth die Heilsarmee in den Slums von London gründete, dauerte es nicht lange, bis er einige hingegebene junge Leute um sich scharte, die seine Last für die Ausgestoßenen teilten. Bald hatte er ein Training für sie – mit dem einzigen Zweck, ihnen beizubringen, wie sie Menschen gewinnen könnten. Eines Tages unterrichtete er zum Thema Evangelisation.
Dabei unterbrach er sich und sagte in seiner dramatischen Art:

„Ich würde euch am liebsten alle für zwei Wochen in die Hölle schicken!“

Es ist klar, was er meinte. Wenn diese jungen Leute für einige Tage inmitten all der Schreie und dem Seufzen der Verdammten gelebt hätten, dann wären sie mit einer unauslöschlichen Leidenschaft zurück gekommen. Mit Eifer hätten sie die Menschen gewarnt und ihnen gezeigt, wie sie vor dem kommenden Zorn fliehen könnten.

Nachtext

Quellenangaben