Zeitschrift-Artikel: Davids Umgang mit Saul

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Titel: Davids Umgang mit Saul
Typ: Artikel
Autor: Henk P. Medema
Autor (Anmerkung):

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Titel

Davids Umgang mit Saul

Vortext

Was kann man als Christ tun, wenn man in seiner Glaubensgemeinschaft mit dem fleischlichen Auftreten eines oder mehrerer Leiter konfrontiert wird? Die allgemein gut bekannte Geschichte von David und Saul gibt uns darauf zehn Antworten. David ist der Mann nach dem Herzen Gottes, aber er steht (noch) nicht in einer Position der Leiterschaft. Saul dagegen wohl, aber er zeigt alle Charak­terzüge eines fleischlichen Mannes; mit Eifersucht beobachtet er das Wirken Gottes im Leben Davids und den Segen, der dadurch zum Volk Gottes kommt. Es ist der Mühe wert, auf die Haltung Davids in diesem Konflikt zu achten.

Text

Zehn Antworten auf fleischliche Leiterschaft

Ein Geist des Lobpreises

So wie David seine Harfe spielte, als er mit seinen Schafen auf der Weide war, so tut er das auch jetzt in der Gegenwart des Königs Saul. Ein Geist des Lobpreises für Gott den Herrn ist die absolute Vorbedin­gung, um in einer solchen erstickenden, fleischlichen Umgebung überleben zu können. Gerade unter schwierigen Um­ständen ist das sehr mühsam, aber gerade dort ist es auch unentbehrlich. Laßt die Freude am Herrn unsere Stärke sein!


Freundschaft

Vertikal ist die Beziehung zu Gott eine vorrangige Notwendigkeit, aber auf der horizontalen Ebene haben wir Freunde nö­tig, mit denen wir alles teilen können. Ach­te auf Davids Freundschaft mit Jonathan (1Sarn 18,1ff; 20,1ff) und sieh, wie er sein Herz bei Samuel ausschütten kann (19,18ff). In zahlreichen Situationen wird immer wieder deutlich, wie Brüder und Schwestern einander ungeheuer nötig ha­ben in den ungesunden Zuständen, die sich auch heutzutage unter dem Volk Got­tes zeigen können. Als Freunde muß man zueinander kommen können, wenn man in einem Moment nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll; dann muß man jeman­den haben, bei dem man sein Herz aus­schütten kann und eine Ermutigung be­kommt, um wieder weiter zu gehen.


Konfrontation ohne Streit

Beeindruckend ist die Weise, in der Da­vid reagiert, als zum zweiten Mal ein Speer in Richtung auf seinen Kopf geschleudert wird (18,10ff; 19,9ff). Genau wie David können auch wir Konfrontationen nicht vermeiden, und das soll auch nicht unser oberstes Ziel sein. David hätte bestimmte Aktivitäten unterlassen können; er wußte zum Beispiel sehr gut, daß sein erfolgrei­cher Kampf gegen die Philister und der anschließende Jubel der Frauen Saul maß­los irritierte. Aber in den Dingen, die Gott ihm auftrug, machte er einfach weiter. So­gar sein Harfenspiel irritierte Saul, aber auch das konnte er nicht aufgeben. Aber David schleuderte den Speer nicht zurück auf Saul! Die Konfrontation war unver­meidlich, aber es war keine Rede davon, >Fleisch gegen Fleisch einzusetzen<.


Der gute Kampf

David wußte übrigens hervorragend mit Waffen umzugehen; er gebrauchte sie jedoch nicht gegen Saul, sondern gegen die Feinde des Volkes Gottes, die Philister (18,5ff). Auch wir müssen uns ständig be­wußt sein, daß unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut gerichtet ist, sondern ge­gen die Autoritäten und Mächte in den himmlischen Regionen (Eph 6,10ff).


Standhaftigkeit

Zur Waffenrüstung Gottes gehört auch die Parole >Standhalten!<. Im allgemeinen ist der beste Rat für Gläubige, die mit fleischlicher Leiterschaft zu tun bekom­men: Einfach dort bleiben, wo Du bist, bis Du hinausgeworfen wirst. So weit kam es bei David schließlich auch (19,9ff). Es gibt sicher manchmal Gründe, eine Glaubens­gemeinschaft zu verlassen, aber in dem Maß, wie der Heilige Geist das Leben Jesus in uns offenbart, wird es wohl von selbst deutlich werden, zu welchem Zeitpunkt es unmöglich wird, noch länger zu bleiben. Die allen Schläuche werden den neuen Wein nicht ertragen können, aber das be­deutet doch, daß wir der neue Wein sein müssen, die sichtbaren Beweise der Wirk­samkeit des Geistes Gottes! Wenn es zu ei­ner Trennung der Wege kommt, muß der Grund dafür sein, daß wir geistlich sind, und nicht, daß wir fleischlich sind.

Ausdauer

Der Allerhöchste steht über der Zeit, aber Er wirkt in der Zeit. Eine der schwie­rigsten Lektionen, die David lernen mußte, war: Warten — und wir können vor dieser Lektion ebenso davonlaufen. Geheimnis­voll, aber in einer prächtigen Symbolik liegt die Botschaft in den Worten verbor­gen, die Jonathan zu dem kleinen Jungen sprechen mußte, der ihm als Waffenträger zur Seite stand, als er David auf dem Feld begegnete: >Die Pfeile liegen weiter ent­fernt!< (20,18ff; 35ff).


Gemeinschaft

In Zeiten und Situationen fleischlicher Leiterschaft ist es nötig, eine >Höhle Adullam< zu haben — wie David. (vgl. 22,1ff). Das ist nicht ein Ort, wo man bittere Lästerreden untereinander austauscht, im Gegenteil. Es ist ein Ort, wo geistlich ge­sinnte Gläubige, die alle im gleichen Boot sitzen, einander aufbauen und ermutigen können. Ganz praktisch und konkret be­deutet das: in größeren und kleineren Gruppen zusammenkommen, zu Hause oder an anderen Orten, um zusammen zu beten und sich durch Gottes Wort ermuti­gen zu lassen.


Respekt

Überaus bekannt, aber bewunderns­wert ist die Weise, wie David seinen Re­spekt gegenüber Saul erkennen läßt (24,1ff; 26,7ff), sogar bis zu allerletzt, ja sogar als dieser in Gilboa gefallen ist (2Sam 1,44 Wie ungeistlich manche Leiter unter Got­tes Volk sich auch aufführen können, es gehört sich für uns, ihnen immer noch mit Achtung zu begegnen. Die Widersacher zurechtzuweisen, ist nötig, aber immer mit Sanftmut (2Tim 2,25). Konfrontation ist manchmal unvermeidlich, aber sie muß stets in Liebe und mit Respekt geschehen.


Realismus

Demgegenüber steht etwas, das ebenso nötig ist: mit beiden Beinen am Boden ste­hen zu bleiben, und nicht naiv anzuneh­men, daß die Probleme ganz schnell wie­der vorbei sein werden. Das sehen wir bei David in den Momenten, wenn Saul seine Gedanken scheinbar änderte: Er ging ein­fach seinen erkannten Weg (24,23; 26,25b). Fleischliche Leiterschaft verändert sich nicht so leicht; wie schlimm es auch ist, das sagen zu müssen, es ist die Realität, vor der wir unsere Augen nicht verschließen dür­fen.


Mut

Hatte David denn keine schwachen Momente? Ganz sicher doch — und es ist wichtig zu sehen, wann diese Augenblicke waren. Zweimal hatte er wirklich Angst, zweimal trieb die Furcht ihn dazu, seine Zuflucht zu den Philistern in Gath zu neh­men (21,10-15; 27,1-12). Furcht vor Men­schen ist eine der größten Gefahren, die uns bedrohen. Wie Churchill im Zweiten Weltkrieg gesagt haben soll: >Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst.< Geistlicher Mut ist dringend erforderlich in einer Situation, in der fleischliche Leiter­schaft die Überhand inmitten von Gottes Volk hat. Nur dann kann das Endziel er­reicht werden — und in der Geschichte Da­vids sehen wir, daß genau dieser Weg auch der Weg ist, auf dem echte geistliche Leiter geformt werden, die das Volk Gottes wei­den können wie ein Hirte seine Schafe. Es ist ein schwieriger Weg, aber wie Gott diese Schulung für David als nötig erachtete, so können auch wir diesen Unterricht nicht schwänzen.


 


 

Nachtext

Hierin liegt das wahre Geheimnis von Beständigkeit und Frieden für alle Zeiten und alle Umstände: Die Autorität Gottes für den Boden, den wir in Besitz nehmen, und seine Gegenwart mit uns darauf — das Wort des Herrn als Garant für das, was wir tun, und das Licht seiner Ermutigung dann, wenn wir es tun. Es ist nicht möglich voranzugehen, wenn man die­se Dinge nicht besitzt.

C. H. Mackintosh

Quellenangaben

Aus: Bode van het heil in Christus 1995, S. 30-32;
Übersetzung: Frank Schönbach