Zeitschrift-Artikel: Keine krummen Touren mehr

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Titel: Keine krummen Touren mehr
Typ: Artikel
Autor: Georg Walter
Autor (Anmerkung):

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Titel

Keine krummen Touren mehr

Vortext

„Manchmal kam es bei Personen im Metropolitan Tabernacle (Gemeinde von C.H. Spurgeon) zum Abfall vom Glauben. Wenn sich so etwas ereignete, reagierte die Gemeinde schnell und übte Gemeindezucht. Aber es war wichtig, dass Gemeindezucht immer erlösenden Charakter hatte. Die Person, welche ermahnt werden musste, wurde nicht einfach ausgeschlossen. Stets wurde Wiederherstellung angestrebt. Die Ältesten wurden zu der Person gesandt, um sie zur Umkehr zu bewegen. Jegliche Gemeindezucht gründete sich auf 1. Korinther 5. Für Spurgeon hatte die Herrlichkeit Christi und seines Königreiches die oberste Priorität. Die Wiederherstellung eines Sünders war wichtig, aber sie spielte nur eine untergeordnete Rolle gegenüber der Herrlichkeit Christi. Wenn ein Sünder sich weigerte, mit Gott und der Gemeinde versöhnt zu werden, endete seine Mitgliedschaft. Die Gemeinde folgte den biblischen Regeln von Gemeindezucht äußerst sorgfältig.“1
(Lewis Drummond)

Text

Die inner-charismatische Auseinandersetzung um Gemeindezucht


Die in der pfingstlich-charismatischen Bewegung unter dem Namen „Lakeland-Erweckung“ bekannt gewordenen Ereignisse begannen am 2. April 2008 in Lakeland, im US-Bundesstaat Florida, unter dem kanadischen Charismatiker Todd Bentley und zogen in kürzester Zeit mithilfe des charismatischen Senders GodTV und des Internet weltweit über eine Million Zuschauer in den Bann. Nachdem sowohl die Alkoholprobleme Bentleys als auch seine außereheliche Beziehung zu Jessa Hasbrook bekannt wurde, fand dieses charismatische Spektakel am 12. August 2008 abrupt sein Ende. Niemand hatte bis dahin auch nur im Traum daran gedacht, dass eine Erweckung, die von so vielen Charismatikern euphorisch als die letzte globale Endzeit- Erweckung und Geistesausgießung begrüßt und von führenden charismatischen „Propheten“ wie Paul Cain und Bob Jones als „Erfüllung“ ihrer eigenen Prophetien angesehen worden war, auf diese Weise enden könnte. Noch am 23. Juni 2008 wurde unter der Leitung von „Apostel“ C. Peter Wagner eine Ordinations-Zeremonie vor laufender Kamera organisiert, welche der Charismatiker und Chefredakteur des US-amerikanischen Charisma Magazins, J. Lee Grady, mit der zu voreiligen und völlig überzogenen „Krönungszeremonie eines Königs“ verglich2. Das vierteilige Video dieser völlig verfrühten Zeremonie ist im Internet einzusehen3. Neben C. Peter Wagner, Che Ahn und John Arnott waren auch Rick Joyner, Wesley und Stacey Campbell (mit einer ekstatischen Prophetie über Bentley), Bill Johnson und andere führende charismatische Leiter anwesend. Chuck Pierce konnte nicht zugegen sein und sandte stattdessen eine Flasche mit „speziellem Salböl“ für die Zeremonie. Peter Wagner wies in seiner Einsetzungspredigt darauf hin, dass Che Ahn, Bill Johnson und John Arnott über Jahre Todd Bentleys „geistliche Väter“ gewesen waren. Von Beginn an wurde die Lakeland-Erweckung unter den renommiertesten charismatischen Leitern kontrovers diskutiert. Während Peter Wagner, Haupt der Neuen Apostolischen Reformation (einer von ihm gegründeten Apostel- Vereinigung), und seine „Apostel“ und „Propheten“ fast durchweg positiv eingestellt waren, gehörte der Charismatiker J. Lee Grady von Anfang an zu den Kritikern Bentleys. Später sollte sich der bekannte Charismatiker und „Prophet“ Dutch Sheets mit einer äußerst scharfen Verurteilung anderen Pfingstlern und Charismatikern anschließen, welche von Anfang an in Lakeland nichts als „Arroganz, Selbstdarstellung und ein substanzloses reißerisches Spektakel“ sahen.4

„Größte Erweckung“ oder „größte Schande“?

Dutch Sheets hielt sich bis zum Bekanntwerden des Skandals zurück, was seine Beurteilung Todd Bentleys anging. Dann aber wartete er mit einer Stellungnahme von einer solchen Schärfe auf, die selbst Charismatiker nicht erwartet hatten. Am 21. August 2008 veröffentlichte er seine „Stellungnahme und Aufruf bezüglich Lakeland“5. Dutch Sheets schreibt darin, dass die „Erweckung“ in Lakeland – als größte Erweckung seit der Azusa Street (Beginn der amerikanischen Pfingstbewegung 1906) angekündigt – sich nun vielleicht als „größte Schande“ erweisen könnte. Er kritisiert die fragwürdigen Lehren und Erfahrungen, die Übertreibungen und die Sensationsgier, die jugendliche Überheblichkeit und Charakterschwäche Todd Bentleys ebenso wie die Einsetzungs-Zeremonie mit „Proklamationen“ und „Prophetien“ über Todd Bentleys weltweiten Einfluss und einer weltweiten Erweckung unter seiner Leitung durch führende Charismatiker. Er bescheinigte seiner eigenen Bewegung ein Tiefstmaß an Unterscheidungsvermögen und bemängelte, dass unbeschreiblich leichtgläubige Leiter leichtgläubige Schafe hervorgebracht hätten. Mit jenen Leitern (John Arnott, Che Ahn, Phil Johnson – die „geistlichen Väter“ Bentleys), die seit längerem von den Ehe- und Alkoholproblemen Todd Bentleys wussten und ihn dennoch gewähren ließen, geht er besonders hart ins Gericht und bezeichnet ihr Handeln als gewissenlos, dumm und unverantwortlich. Er bezeichnete es als eine Lüge, wenn unter Charismatikern jegliche Kritik an gefallenen Leitern als ein „Schießen auf Verwundete“ bezeichnet wird und sieht den moralischen Verfall unter Charismatikern als eine Epidemie an. Dutch Sheets benennt schonungslos die schlechten Früchte und Tendenzen einer Bewegung, der er selbst seit Jahrzehnten angehört und mit welcher er durch und durch vertraut ist:

• Oberflächlichkeit 
• zu junge, unreife und unbewährte Leiter 
• Mangel an biblischer Lehre
• Dienste und Gemeinden, die Menschen, statt Christus in den Mittelpunkt stellen
• humanistische, selbstsüchtige Christen, ohne Hingabe und Opferbereitschaft
• Christen ohne Unterscheidungsvermögen
• Menschenkult um christliche Superstars
• ein pervertiertes und kraftloses Evangelium
• gebetslose und schwache Christen
• Menschenfurcht statt Gottesfurcht

J. Lee Grady kommentierte die Vorgänge in Lakeland in ähnlicher Weise und ging unter anderem auf den Mangel an Unterscheidungsvermögen und die in vielen charismatischen Kreisen so üblich gewordene Haltung ein, andere nicht kritisieren zu dürfen: „Um es offen zu sagen: Wir sind einfach total leichtgläubig … Die Botschaft war klar: ‚Das ist Gott. Stelle keine Fragen.‘ … Tatsächlich wurde auch die Warnung ausgesprochen, dass jeder, der auf Kritik an Bentley hören würde, seine Heilung verlieren könne. Dies ist sektiererische Manipulation in schlimmster Form … Es ist uns geboten, die Geister zu prüfen. Jesus will, dass wir Ihn mit unserem Herz und unserem Verstand lieben …“6

Der Skandal einer „billigen Gnade“

Nachdem es um Todd Bentley nach seinem moralischen Fall schlagartig ruhig geworden war, wurde nach Wochen bekannt, dass er sich unter Leitung von Rick Joyner in einem seelsorgerlichen Wiederherstellungsprozess befand. Monatelang hörte man nichts mehr. Als im März 2009 erste Gerüchte durchsickerten, Bentley habe sich endgültig von seiner Frau und den drei Kindern getrennt und die Scheidung eingereicht, stellten viele Charismatiker die Frage, was hier vor sich ging. Sie waren der Ansicht, dass die seelsorgerliche „Wiederherstellung“ auf eine Heilung der Ehe der Bentleys und nicht auf eine Scheidung hinauslaufen würde. Noch im März 2009 bestätigten sich nicht nur die Gerüchte einer endgültigen Scheidung Bentleys, sondern es wurde überdies bekannt, dass Bentley erneut geheiratet hatte; seine zweite Frau war Jessa Hasbrook, jene Mitarbeiterin in seinem Team, mit der er bereits während der „Erweckung“ ein Verhältnis hatte. Im März 2009 wurde ebenfalls bekannt, dass Rick Joyner erste Spendengelder sammelte, die Bentley den Wiedereinstieg in seinen „Dienst“ ermöglichen sollten; die Diskussion um Bentleys Person flammte erneut auf. Der Charismatiker Jerrell Miller hierzu: „Viele würden Todd wieder im Dienst akzeptieren, genau so wie er ist. Wenn er ein Zelt aufstellen würde, würden Tausende wieder erscheinen, aber es wäre falsch. Gott schuf zuerst die Familie, bevor er die Gemeinde ins Leben rief. Wenn wir Todds Fehler einfach übersehen, wird das all jenen die Freiheit geben, ihre Ehefrau zu verlassen, wenn sie sich mit ihr nicht mehr verstehen. Die Ehe ist ein Bund, und zerbricht eine Ehe wird dies Auswirkungen auf drei Generationen haben. Gott will Erweckung, aber er will eine heilige Erweckung.“7 Auch J. Lee Grady meldete sich zu Wort, nachdem das Comeback und die Wiederverheiratung Bentleys nach über einem halben Jahr Stille plötzlich in die Öffentlichkeit getragen wurde. In einem Artikel vom 11. März 2009 „Der tragische Skandal einer billigen Gnade“ stellte er die Praxis der „Wiederherstellung“ in diesem Fall in Frage und sprach von „fundamentalen Schwächen“ in diesem Prozess. In dem Vorgehen bezüglich Bentleys sah Grady einen Missbrauch von Gnade – „billige Gnade“ (greasy grace). Überdies brachte er zum Ausdruck, dass er keine Anzeichen wahrer Reue bei Bentley sah. Und schließlich wies er in seinem Artikel darauf hin, dass Shonnah Bentley, die erste Ehefrau Bentleys, überhaupt nicht angesprochen wurde.8 Rick Joyner schrieb seinerseits einen Brief an J. Lee Grady und griff ihn sowie alle Kritiker von Bentley scharf an. In diversen Videos sind Joyners immer hitziger werdenden und oftmals unbiblischen Aussagen dokumentiert (im Internet unter youtube.com oder auf der Webseite von Rick Joyner9 abrufbar). Unter anderem sagte er, es sei besser, „ein falscher Prophet als ein harter Richter zu sein“10. In Rick Joyners fünftem Video zur Wiederherstellung von Todd Bentley, welches am 21. März 2009 auf seiner Webseite veröffentlicht wurde, war Bill Johnson zu Gast11. In diesem Video wurden die Kritiker Bentleys als gnadenlose Pharisäer und Bentley als ein armes Opfer seiner gescheiterten Ehe dargestellt. Am 18. März 2009 veröffentlichte Grady in seiner wöchentlich erscheinenden Kolumne ‚Fire in my Bones‘ seinen Artikel „Keine krummen Touren mehr im Dienst des Herrn“, in welchem er zwar nicht namentlich auf Bentley einging, aber dennoch ein klares Bekenntnis zu einer biblischen Gemeindezucht verfasste. Hier einige Auszüge: „Die vielen moralischen Verfehlungen von heute lassen verwirrte Christen zurück. Gibt es überhaupt einen Grund, einen geistlichen Leiter abzusetzen? Sind wir Pharisäer, wenn wir fordern, dass geistliche Leiter für eine Zeit in den Hintergrund treten, um ihr Fehlverhalten zu verarbeiten und charakterlich wieder gefestigt zu werden? Es ist an der Zeit, auf einige selbstverständliche Regeln erneut aufmerksam zu machen: Es gibt eindeutige Maßstäbe

1. für christliche Leiter. Der Apostel Paulus machte deutlich, dass es eine Bewährungsprobe für neutestamentliche Leiter gibt. In 1Tim 3,2-7 sagt er, dass ein Leiter 1. untadelig, 2. Mann einer Frau, 3. nüchtern, 4. besonnen, 5. sittsam, 6. gastfrei, 7. lehrfähig sein muss, 8. dem eigenen Haus gut vorsteht, 9. ein gutes Zeugnis draußen hat und 10. kein Neubekehrter ist. In seinem Brief an Titus führt Paulus eine ähnliche Liste auf und fügt weitere Maßstäbe an; er darf 1. nicht eigenwillig und 2. nicht streitsüchtig sein und 3. nicht schändlichem Gewinn nachgehen. Es fällt auf, dass lediglich eine dieser Eigenschaften („lehrfähig“) etwas mit der Salbung zu tun hat. Paulus sagt nirgends, dass ein Leiter folgende Merkmale aufweisen muss: prophezeien, die Kranken heilen, Visionen sehen, mit Engeln sprechen, Spendengelder mobilisieren … oder die Zuhörerschaft in Verzückung bringen. Ferner führt er auch keine akademischen Voraussetzungen an. Alleine der Charakter ist entscheidend … Geistliche Leiter mussten in sexueller Reinheit wandeln. Sie mussten sich an die biblische Definition von Ehe halten und in diesem Zusammenhang treu sein.

2. Jene Leiter, welche diese Maßstäbe nicht erfüllten, wurden aus ihrem Amt entfernt. Wenn Paulus von seinen Leitern Charakter einforderte, dann folgt daraus, dass sie ihr Amt niederlegen mussten, wenn sie sich auf einem dieser Gebiete schuldig machten – zumindest solange, bis sie nach einer Zeit der Rehabilitation charakterlich wiederhergestellt waren. Wenn Leiter fielen, ermahnte Paulus die Gemeinden, dass man „sie vor allen zurechtweist, damit auch die übrigen Furcht haben“ (1Tim 5,20 Rev. Elb., nach der NASB: „Furcht haben, zu sündigen“). Ihre Sünde wurde nie klein geredet, entschuldigt oder unter den Teppich gekehrt. Diese strikte Vorgehensweise war keine Option – und Paulus warnte Timotheus davor, parteiisch zu sein. Er sagte ihm: „Befolge diese Dinge ohne Vorurteil“ (1Tim 5,21). Biblische Gemeindezucht darf nicht nachlässig geübt werden. Wir können nicht den einen Leiter wegen Ehebruch absetzen und den anderen mit Samthandschuhen anfassen, nur weil er unser Freund ist. So schmerzlich es sein mag, einen begabten Leiter absetzen zu müssen, so muss es dennoch getan werden, um die Ehrfurcht vor Gott zu wahren.

3. Die Gemeinde wird nicht gedeihen, wenn es keine Gemeindezucht unter Leitern gibt. Paulus warnte Timotheus eindringlich, irgendeinen Leiter zu früh einzusetzen. Er schrieb: „Die Hände lege niemand schnell auf, und habe nicht teil an fremden Sünden“ (1Tim 5,22). Mit anderen Worten, Leiter ziehen das Gericht Gottes auf sich, wenn sie einen Leiter ordinieren, der die biblischen Maßstäbe nicht erfüllt. Wenn es zur Sitte wird, dass man unbewährte Leiter in den Dienst einsetzt, wird Verderben in der Gemeinde Wurzel fassen, und wir werden letztlich Gottes zurechtbringendes Gericht erfahren …

Wir können nicht unsere eigenen Regeln aufstellen. Ich bete, dass die geistlichen Leiter der unabhängigen Gemeinden von heute mit ihren krummen Touren aufhören und die biblische Ordnung wiederherstellen.“12

Charakter ist wichtiger als Charisma!

J. Lee Grady ist unumwunden zuzustimmen, wenn er sagt, dass Charakter wichtiger ist als Charisma und dass die „biblische Ordnung wiederhergestellt“ werden muss. Doch kann es der charismatischen Bewegung noch gelingen, sich dieser „Epidemie moralischen Verfalls“ (Sheets) oder der „vielen moralischen Verfehlungen“ (Grady) zu entledigen? Von jeher war die charismatische Bewegung anfälliger für Sensationsgier, Wundersucht und Personenkult als nichtcharismatische Bewegungen. Letztlich geht es um die grundsätzliche Frage, ob nicht die Charismatik an sich (einschließlich der gemäßigten Strömungen) das charismatische Element zu sehr in den Mittelpunkt gestellt hat und damit immer gefährdet ist, eine Dynamik auszulösen, die sehr leicht aus dem Ruder laufen kann? Wenn die Charismen des Herrn in einer derartigen Bewegung wichtiger geworden sind als der Herr der Charismen, müssen zuerst die Ursachen (falsche charismatische Ausrichtung) erkannt und bekämpft werden, ehe man der Symptome, wie sie Sheets und Grady so zutreffend beschrieben haben, Herr werden kann. Keine Bewegung ist frei von Sünden und Verfehlungen, aber keine Bewegung der evangelikalen Geschichte hat einen derartigen moralischen Niedergang erlebt wie die charismatische Bewegung. Appelle oder der Ruf zur Buße und Heiligung von führenden charismatischen Leitern, wie ernsthaft sie auch gemeint waren, vermochten weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart eine Trendwende einzuleiten.

Fazit

Die Lakeland-Erweckung zog eine Debatte innerhalb der charismatischen Bewegung nach sich, welche sich unter anderem mit dem Thema der Gemeindezucht (insbesondere unter geistlichen Leitern) auseinandersetzte. Diese Diskussion ließ die tiefen Gräben offenbar werden, die in den charismatischen Gruppierungen vorhanden sind. Die Unversöhnlichkeit von zwei sich so widersprechenden Positionen, welche von völliger Kritiklosigkeit und der Ablehnung möglicher Konsequenzen für die Ausübung des geistlichen Dienstes im Falle moralischer Verfehlungen bis hin zu dem Ruf nach biblischer Beurteilung und dem (befristeten oder völligen) Ausscheiden aus dem geistlichen Dienst reichen, hat lediglich die innercharismatische Spaltung in dieser Frage deutlich gemacht und lässt für die Zukunft erwarten, dass diese Gräben noch offenkundiger werden. Erschreckend ist, dass C. Peter Wagner und Rick Joyner, welche äußerst populär sind, derartig viele Anhänger um sich scharen, auf welche die von Grady und Sheets beschriebene Leichtgläubigkeit und mangelnde Gründung in Gottes Wort zutreffen. Mit der charismatischen Leichtgläubigkeit geht allzu oft die (Sehn-)Sucht nach dem „Übernatürlichen“ und nach „geistlichen“ Erfahrungen einher. Wer die Entwicklung der charismatischen Bewegung im letzten Jahrzehnt aufmerksam verfolgt hat, muss leider zu dem Schluss kommen, dass sich diese Tendenzen auch weiterhin verfestigen und ausweiten werden. Viele geistliche Leiter unter Charismatikern, die bereit sind, ihren Zuhörern übernatürliche Manifestationen und (pseudo-)geistliche Erfahrungen zu bieten, genießen schon jetzt eine Art „geistliche Immunität“ (zumindest in den Augen der Menschen, nicht jedoch in den Augen Gottes!), die es ihnen erlaubt, sich in jede nur erdenkliche moralische Verirrung zu begeben, ohne dass dies schwerwiegendere Konsequenzen für sie hat. Sie haben eine „Form der Gottseligkeit“ und sind dennoch „im Blick auf den Glauben unbewährt“ (2Tim 3,5,8). Deren Anhänger sind es, welche „die gesunde Lehre nicht ertragen, und nach ihren eigenen Lüsten sich selbst Lehrer anhäufen werden, weil es in ihren Ohren kitzelt, und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren …“ (2Tim 4,3- 4, s. auch 1Tim 4,1-6; 2Tim 3,1-9)). Angesichts der Entwicklung der charismatischen Bewegung muss man ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung ziehen, ob die zahlreichen Paulus-Worte bezüglich der Endzeit (2Thess 2,7-12; 1Tim 4; 2Tim 3-4) nicht auch in dieser Bewegung ihre Erfüllung finden. Dutch Sheets kritische – obgleich moderatere – Charakterisierung der charismatischen Bewegung im Jahre 1998 in seinem Buch The River of God (dt. Ausgabe Der Strom Gottes: Asaph Verlag, 1999, insbesondere Kapitel 7 & 8, S. 131-172) benannte schon vor über zehn Jahren die gleichen Probleme,13 die wir heute in dieser Strömung in verschärfter Form beobachten. Vor mehr als einem Jahrzehnt glaubte Dutch Sheets, Anzeichen für eine beginnende Umkehr und Heiligung unter Charismatikern zu erkennen; diese Annahme hat sich als trügerisch erwiesen. Berücksichtigt man die Schärfe der Erklärung Sheets zu Lakeland, wird ersichtlich, wie betroffen er über den geistlichen und moralischen Tiefstand der charismatischen Bewegung sein muss – ein mehr als deutliches Zeichen für den Zustand dieser Bewegung. Es bleibt zu befürchten, dass auch J. Lee Gradys mutige und klare Worte nicht verhindern werden, dass es auch in Zukunft zu viele „krumme Touren im Dienst des Herrn“ geben wird.

„Die aber auf ihre krummen Wege abbiegen, die wird der HERR dahinfahren lassen …“ (Ps 125,5)

Nachtext

Quellenangaben

1 Lewis Drummond, Spurgeon – Prince of Preachers, Kregel Publications,
Grand Rapids, 1992, S.366.
2 J. Lee Grady, Life after Lakeland – Sorting out the Confusion, 13. August
2008. URL:http://fireinmybones.com/index.php?col=081308~Life+After+La
keland%3A+Sorting+Out+the+Confusion.
3 Die Ordinationszeremonie ist im Internet auf YouTube in einer vierteiligen
Dokumentation unter folgenden Web-Adressen (in englischer Sprache) einzusehen:
1) http://www.de.youtube.com/watch?v=nVdY9ufJmz8&feature=related.
2) http:// www.de.youtube.com/watch?v=-A05WQYi7aQ&feature=related.
3) http:// www.de.youtube.com/watch?v=Gjl5wKso9eU&feature=related.
4) http:// www.de.youtube.com/watch?v=jAnNSiZfgvI&feature=related.
4 J. Lee Grady, Life after Lakeland – Sorting out the Confusion, 13. August
2008. URL:http:// www.fireinmybones.com/index.php?col=081308~Life+Aft
er+Lakeland%3A+Sorting+Out+the+Confusion.
5 Dutch Sheets, A Statement and Appeal Regarding Lakeland. 21.August, 2008.
URL: http://www.etpv.org/2008/asaarl.html.
6 J. Lee Grady, Life after Lakeland – Sorting out the Confusion, 13. August
2008. URL:http://www.fireinmybones.com/index.php?col=081308~Life+Aft
er+Lakeland%3A+Sorting+Out+the+Confusion.
7 Jerrell Miller, The 100 Day Revival. In: The Remnant International, März 2009,
S.15.
8 J. Lee Grady, The Tragic Scandal of Greasy Grace. URL:http://www.charismamag.
com/index.php/fire-in-my-bones/20005-the-tragic-scandal-ofgreasy-
grace.
9 URL:http://www.morningstarministries.org/.
10 URL:http://www.youtube.com/watch?v=rLe2ojhUIr0&feature=related.
11 URL: http://www.morningstarministries.org/Groups/1000040651/Morning-
Star_Ministries/Media/VIDEO_Todd_ Bentleys/ VIDEO_Todd _Bentleys.
aspx.
12 J. Lee Grady, No more Monkey Business in the Ministry. URL:http://charismamag.
com/index.php/fire-in-my-bones/20080-no-more-monkeybusiness-
in-the-ministry.
13 Dutch Sheets, Der Strom Gottes, Asaph Verlag, 1999.