Zeitschrift-Artikel: Ein Gruß aus Sibirien

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Titel: Ein Gruß aus Sibirien
Typ: Artikel
Autor: Viktor Leskow
Autor (Anmerkung):

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Titel

Ein Gruß aus Sibirien

Vortext

Text

<p><em>In den vergangenen Jahren haben wir gelegentlich von der Arbeit in Sibirien berichtet, wo eine Anzahl uns gut bekannter, einheimischer Br&uuml;der eine gro&szlig;e evangelistische Arbeit unter Gefangenen verrichtet. Sie besuchen im weiten Umkreis die Gef&auml;ngnisse und Straflager, um dort zu evangelisieren, Literatur zu verbreiten, entstandene Bibelkreise zu unterst&uuml;tzen und auch praktische Hilfe zu leisten.<br />Initiator dieser gro&szlig;en Arbeit ist Viktor Leskow, der selbst als ehemaliger Gewohnheitsdieb und<br />Drogens&uuml;chtiger 13 Jahre in den Gef&auml;ngnissen verbrachte und dort eine radikale Bekehrung erlebte.<br />(Seine spannende Lebensgeschichte kann man in dem Buch &bdquo;Zum Leben befreit&ldquo; nachlesen.)<br />Inzwischen ist Viktor schon viele Jahre verheiratet und Vater einer gro&szlig;en Familie. Er arbeitet als Baggerfahrer und in seiner freien Zeit evangelisiert er mit einer Anzahl Br&uuml;dern seiner Gemeinde &uuml;berall dort, wo sich T&uuml;ren auftun. Am liebsten aber unter Gefangenen.<br />Aus dieser Arbeit in den Gef&auml;ngnissen sind in den letzten Jahren eine Anzahl &bdquo;Br&uuml;der-H&auml;user&ldquo; und &bdquo;Schwestern-H&auml;user&ldquo; in und um Nowosibirsk entstanden, die man hier bei uns &bdquo;Gef&auml;hrdetenhilfen&ldquo; nennen w&uuml;rde. Dort haben ehemalige H&auml;ftlinge, die zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen sind, eine neue Heimat gefunden, wo sie in Gemeinschaft mit Christen geistlich betreut werden, arbeiten und auch Gemeindeanschluss finden.<br />In einem Brief, der im Juli diesen Jahres bei uns eintraf und den wir hier auszugsweise abdrucken, schildert er uns einen lebendigen Eindruck von den Freuden und N&ouml;ten dieser Arbeit:</em></p> <p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;Unterst&uuml;tze mich nach deiner Zusage, so werde ich leben; und lass mich nicht besch&auml;mt werden<br />in meiner Hoffnung!&ldquo; (Ps 119,116)<em>&nbsp;</em></span></p> <p>Friede sei mit Euch, liebe Geschwister!<br />Ich w&uuml;nsche sehr, von Angesicht zu Angesicht mit Euch Gemeinschaft zu haben und nicht &uuml;ber das Papier. Aber hier in Russland werden zur Zeit neue Personalausweise ausgeteilt und aus diesem Grund gibt es keine M&ouml;glichkeit, Deutschland zu besuchen [&hellip;]<br />Bei uns hat der Kampf gegen die S&uuml;nde sehr zugenommen. Eine Versuchung folgt der anderen und das betrifft besonders die christlichen Familien. Viele Kinder gl&auml;ubiger Eltern tun nicht Bu&szlig;e und haben auch nicht vor es zu tun.<br />Andere haben wohl Bu&szlig;e getan, aber denken nicht daran, sich taufen zu lassen. Das betrifft auch meine Familie. Der &Auml;lteste wird 16 Jahre, der Zweite 15 usw. Die Zeit ist wie ein Schall, wie ein Hammerschlag, sie ist so kurz und verfliegt zu schnell [&hellip;]<br />In unserem Dienst geht es voran, es gibt aber auch Misslingen und Verluste. Es gibt r&uuml;ckf&auml;llige<br />Christen, die einst andere belehrt haben, wie man dem Herrn Jesus folgen sollte, aber heute<br />befinden sie sich in einem Zustand, den man nur beweinen kann.<br />Andere bringen bis heute Segen durch ihren Dienst auf Gottes Erntefeld. Zum Beispiel Sergej<br />Zharinow. Das ist der, der fr&uuml;her Aufseher &uuml;ber eine Gef&auml;ngnisabteilung war. Er hat sich mit Gott vers&ouml;hnen lassen und arbeitet nun eifrig mit fr&uuml;heren H&auml;ftlingen. Er hat bei sich ein &bdquo;Br&uuml;der-Haus&ldquo; er&ouml;ffnet. Obwohl seine Tage schon gez&auml;hlt sind, lebt er bis heute in der Hingabe und verbrennt im Feuer des aufopfernden Dienstes f&uuml;r S&uuml;nder. Bei ihm haben die &Auml;rzte Darmkrebs festgestellt und er hat eine Operation abgelehnt [&hellip;]</p> <p><br /><strong><em>Wir leben und arbeiten!</em></strong><br />In unserem Kreis Nowosibirsk wurden uns als Gruppe die Gef&auml;ngnisbesuche verboten. Aber die Arbeit geht trotzdem dort weiter. Den H&auml;ftlingen stehen Besuche zu und so machen wir nun Einzelbesuche. Auch schreibe ich viele Briefe und das ist eine gute Sache. Vieles, was bei direktem Kontakt undurchschaubar scheint, kann durch den Briefverkehr gekl&auml;rt werden.<br />In der Region um Krasnojarsk wurde uns f&uuml;r dieses Jahr wieder eine Genehmigung f&uuml;r den Besuch von 16 Gef&auml;ngnissen erteilt. Gott sei Dank! Der Same wird ges&auml;t.<br />Zusammenfassend kann man sagen: Wir leben und arbeiten. Das ist die Gnade des Herrn, nur seine Gnade!<br />Wie viele meiner Freunde sind nicht mehr am Leben. Auch ich k&ouml;nnte mit ihnen umgekommen<br />sein, aber Gott hat sich &uuml;ber mich S&uuml;nder erbarmt und mich gerechtfertigt. Und wie oft erfahre ich noch heute seine Barmherzigkeit!<br />Ehre sei Ihm und Dank!</p> <p><br /><strong><em>Aber wir haben auch gro&szlig;e Schwierigkeiten &hellip;</em></strong><br />Wir leben in einer Zeit und an einem Ort, wo wir ohne Hilfe von Geschwistern nicht weiterkommen.<br />Der Zuwachs an Gl&auml;ubigen in unserer Gemeinde ist ungebrochen, so dass wir schon seit f&uuml;nf Jahren um die Erweiterung unseres Bethauses beten. Ein &bdquo;Br&uuml;der-Haus&ldquo; haben wir, sogar vier. Ebenso haben wir zwei &bdquo;Schwestern- H&auml;user&ldquo;, &ndash; aber im Bethaus wird es zu eng!<br />Daher haben wir uns entschieden zu bauen! Mit der Hilfe des Herrn werden wir bauen! <br />Doch dadurch entsteht andererseits eine riesige Not. Bisher hat uns die Gemeinde unterst&uuml;tzt und uns die n&ouml;tigen Mittel f&uuml;r die Besuche und Fahrten zu den Gef&auml;ngnissen zugeteilt.<br />Aber jetzt flie&szlig;t alles, oder so gut wie alles, in die Vorbereitungen zum Bau des Bethauses.<br />Eine Fahrt durch das Krasnojarsk-Gebiet mit dem Besuch der 16 Gef&auml;ngnisse innerhalb von 12<br />Tagen kostet uns umgerechnet etwa 600 Euro (20.000 Rubel). Aber jetzt sind einfach keine Mittel mehr vorhanden.<br />Dort ist ein Bruder in Not. Er hat ein &bdquo;Br&uuml;der- Haus&ldquo; er&ouml;ffnet, vier M&auml;nner leben bei ihm zu Hause &ndash; manchmal sieben! Doch um sie zu speisen und zu unterhalten fehlt es an Kraft und M&ouml;glichkeiten. Aber dieser Dienst darf nicht aufh&ouml;ren!</p> <p><br /><strong><em>Es wird schwieriger, die Herzen zu erreichen!</em></strong><br />Neben den Gef&auml;ngnisbesuchen haben wir jetzt den Dienst in Kleinst&auml;dten und entfernten D&ouml;rfern erneuert. So viele Menschen leben und haben Christus nicht in ihren Herzen. Das Zeugnis wird heute viel schlechter aufgenommen als noch vor 10-15 Jahren. Das Volk ist geistlichen Fragen gegen&uuml;ber verh&auml;rtet und gleichg&uuml;ltig geworden und es wird schwieriger, die Herzen zu erreichen. Es ist die letzte Zeit und die Menschen neigen immer mehr dazu, die Gnadenlehren abzulehnen [&hellip;]<br />Das alles liegt mir auf dem Herzen Euch mitzuteilen. M&ouml;ge der liebende Vater alle unsere gemeinsame Not stillen und Euch reichlich belohnen. M&ouml;ge Eure Arbeit reichen Segen denen bringen, welchen Ihr dient.<br />In Liebe zu Euch allen,<br />Euer Viktor Leskow</p>

Nachtext

Quellenangaben