Zeitschrift-Artikel: "Wilde Gänse legen keine zahmen Eier"

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Titel: "Wilde Gänse legen keine zahmen Eier"
Typ: Artikel
Autor: Charles Haddon Spurgeon
Autor (Anmerkung):

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Titel

"Wilde Gänse legen keine zahmen Eier"

Vortext

Text

Eine Mutter hat große Verantwortung, ob sie auch die ärmste im Lande sein mag, denn sehr viel hängt von ihr ab. […]
Kleine Kinder verursachen ihrer Mutter Kopfweh, aber wenn sie ihnen ihren eigenen Willen lässt so werden sie ihr Herzweh verursachen, sobald sie zu großen Kindern heranwachsen.
Törichte Zärtlichkeit verdirbt viele, und Nichtbestrafung der Fehler verdirbt noch mehr. Gärten, die nie gejätet werden, erzeugen wenig, was des Einsammelns wert ist; nur begießen und nicht hacken wird eine schlechte Ernte geben.
Ein Kind kann zu viel Mutterliebe genießen und im Verlauf der Zeit wird sich’s zeigen, dass es zu
wenig genoss!
Schwachherzige Mütter ziehen dickköpfige Kinder auf; sie schaden ihnen fürs ganze Leben, weil sie fürchten, ihnen weh zu tun, während sie jung sind. Seid in eure Kinder vernarrt – und ihr werdet Narren aus ihnen machen. Ihr könnt ein Kind so überzuckern, dass es jedem zuwider ist. Die Jacken der Jungen haben dann und wann ein wenig Ausklopfen nötig, und die Kleider der Mädchen werden umso besser, wenn man sie gelegentlich abstäubt. Kinder ohne Züchtigung sind wie Felder, die nicht gepflügt werden. Die allerbesten Füllen müssen doch zugeritten werden. Nicht, dass wir übertriebene Strenge wünschten; grausame Mütter sind gar keine Mütter – die, welche immer schlagen und tadeln, sollten selbst getadelt werden. […]
Gute Mütter sind ihren Kindern sehr teuer. Es ist keine Mutter in der Welt wie unsere eigene Mutter. Jede Frau ist in den Augen ihres eigenen Sohnes eine schöne Frau.
Wenn fromme Frauen ihre Kleinen zum Heiland führen, so segnet der Herr Jesus nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Mütter. Selig sind unter den Frauen, die ihre Söhne und Töchter in der Wahrheit wandeln sehen.
Wer es für leicht hält, Kinder zu erziehen, hat nie ein Kind gehabt. Eine Mutter, die ihre Kinder recht erzieht, hätte es nötig, weiser als Salomo zu sein, denn dessen Sohn erwies sich als ein Narr. Einige Kinder sind von früh an verdorben; keine werden vollkommen geboren, aber einige haben einen doppelten Teil von Unvollkommenheiten.
Tut was ihr wollt mit manchen Kindern, sie werden nicht besser – an einigen Kindern scheint alle Mühe umsonst. Solche Fälle sollen uns zu Gott treiben, denn Er kann Mohren weiß waschen und des Pardels Flecken austilgen.
Es ist klar: Was für Fehler unsere Kinder auch haben, wir sind doch ihre Eltern und können nicht den Stamm tadeln, dem sie entsprossen.
Wilde Gänse legen keine zahmen Eier. Was von einer Henne kommt, wird sicher in der Erde scharren. Das Kind einer Katze wird nach Mäusen jagen. Jedes Geschöpf folgt seiner Art. Wenn wir schwarz sind, können wir unsere Sprösslinge nicht tadeln, weil sie dunkel sind. Lasst uns unser Bestes an ihnen tun und den mächtigen Herrn bitten, seine Hand ans Werk zu legen. Gebetskinder werden zu Dankeskindern heranwachsen; Mütter, die vor Gott über ihre Söhne geweint haben, werden eines Tages ein neues Lied ihrethalben singen. Einige Füllen zerbrechen oft den Halfter und werden nachher im Geschirr ganz ruhig. Gott kann diejenigen zurechtbringen, die wir nicht bessern können, deshalb sollen Mütter nie an ihren Kindern verzweifeln, so lange sie
leben. Sind sie weg von euch über See? Gedenkt daran, der Herr ist dort wie hier. Verlorene Söhne mögen umherirren, aber sie sind niemals dem großen Vater aus den Augen, selbst wenn sie noch fern von ihm sind.
Lasst die Mütter streben, das Haus zum glücklichsten Ort der Welt zu machen. Wenn sie immer mäkeln und murren, werden sie ihre Macht über die Kinder verlieren, und die Kinder werden in Versuchung kommen, ihre Abende auswärts zu verbringen.
Das Haus ist der beste Platz für Söhne und für Männer, und eine gute Mutter ist die Seele des Hauses. Das Lächeln auf dem Gesicht der Mutter hat viele auf den rechten Pfad gelockt – die Furcht, Tränen in ihre Augen zu bringen, hat manchen Mann von bösen Wegen zurückgerufen.
Der Junge mag ein Herz von Eisen haben, aber seine Mutter kann ihn wie ein Magnet halten […]
Oh, Mutter, groß ist deine Macht: Siehe zu, dass du sie für ihn brauchst, der an seine Mutter dachte, selbst in den Kämpfen des Todes.

Nachtext

Quellenangaben

Aus: C.H. Spurgeon „Es sind nicht alles Jäger, die das Horn blasen“