Zeitschrift-Artikel: Martin Erdmann: Der Griff zur Macht(Dominionismus

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Titel: Martin Erdmann: Der Griff zur Macht(Dominionismus
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Martin Erdmann: Der Griff zur Macht(Dominionismus

Vortext

Text

Wenn der Inhalt dieses aktuellen und offensichtlich gut dokumentierten Buches der Wirklichkeit entspricht, dann hätten wir eine sowohl schlüssige wie auch erschütternde Erklärung für einige rasante Entwicklungen in der gegenwärtigen evangelikalen Szene.
Der Autor hat eine Menge an Literatur gelesen und Fakten analysiert. Er belegt die Tatsache, dass führende Evangelikale durch den Einfluss und die Unterstützung von weltweit agierenden, nichtchristlichen, meist humanistischen Strategen, Medienmogulen und Milliardären mit starkem politischen Einfluss zu Wegbereitern des sog. „Dominionismus“ wurden.
Unter „Dominionismus“ versteht man die Vorstellung und Strategie, dass die Gemeinde sich nicht als Fremdkörper mit einer himmlischen Zielsetzung und Berufung verstehen soll, sondern als eine Institution, die gezielt alle kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche durchdringt und besetzt, um das „Reich Gottes“ auf Erden – ähnlich einer „Theokratie“ – auszubreiten, damit schließlich Jesus Christus als König regieren und herrschen kann.
Der Dominionismus umfasst vier Hauptzweige:
1. Eine neue apostolische Reformation (Charismatische Bewegung und Missiologie von C.P. Wagner etc.),
2. Ganzheitliche Mission (Lausanner Bewegung, Billy Graham, Bill Bright etc.),
3. Globale Transformation (Rick Warren, Bill Hybels etc.) und
4. Emergent Church (Brian McLaren, Erwin McManus etc.).
Der Autor zeigt auf, wie diese Bewegungen von Anfang an von scheinchristlichen New- Age-Denkern geprägt wurden und welchen Einfluss der Management- Guru Peter Drucker und seine Sozialphilosophie auf Rick Warren und viele andere neoevangelikale Initiativen hat.
Auch wenn M. Erdmann vor allem die Ursprünge und die Entwicklung der Bewegung in den USA ausführlich schildert, so wird doch auch deutlich, dass der Einfluss der Emerging- Church auf die Evangelikalen durch deutsche Protagonisten (Tobias Faix, Johannes Reimer etc.) und ihre Veröffentlichungen deutlich zugenommen hat.
Dieses Buch ist nicht unbedingt populär geschrieben und stellt einige Anforderungen an den Leser. Doch ist es von größter Aktualität und Wichtigkeit, um bestimmte gegenwärtige
Entwicklungen zu verstehen, biblisch zu beurteilen und einordnen zu können. Das endzeitliche Babylon und sein vielschichtiges Netzwerk scheint Konturen anzunehmen …

Nachtext

Quellenangaben

Betanien, Pb., 288 S., € 12,90