Zeitschrift-Artikel: Nicola Vollkommer: Am Rande der gefrorenen Welt

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Titel: Nicola Vollkommer: Am Rande der gefrorenen Welt
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Nicola Vollkommer: Am Rande der gefrorenen Welt

Vortext

Die Geschichte von John Sperry, Bischof der Arktis

Text

Diese außergewöhnliche Lebensgeschichte führt den Leser in eine Welt und Kultur, die kaum jemand kennt und in Lebensbedingungen, die für uns Europäer kaum vorstellbar sind: Es ist die Welt der Eskimos in den 50-70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die oberhalb des nördlichen Polarkreises leben. Bei Temperaturen bis zu -50 Grad, in einer Gegend, wo es bis auf sechs Wochen im Sommer, in denen die Sonne fast 24 Stunden am Tag scheint, ansonsten nur wenige Stunden am Tag hell wird und im Winter sechs Wochen lang fast gar kein Tageslicht zu sehen ist.
Die Menschen wohnten dort in Iglus, lebten ausschließlich von der Jagd und kommunizierten in einer Sprache, in der es kein Wort für Baum, Schaf oder Acker gab – und auch keines für Liebe. Um das nächste Dorf zu besuchen, das meist nur aus wenigen Iglus bestand, musste man oft Hunderte von Kilometern per Hundeschlitten bewältigen und war dem Tod ausgesetzt, wenn unterwegs ein Unfall geschah oder die Huskys die Nerven verloren und einander in Stücke rissen. Ein Gebiet ohne Post, ohne Telefon, ohne Arzt. Iglus aus Eis ohne Dusche, ohne Heizung aber immerhin mit einem Topf als Toilette, der in der Nacht von einem zu anderen gereicht wurde …
Eine Kultur – vom Geisterglauben beherrscht – in der unerwünschte Mädchen nach der Geburt einfach der Eiseskälte ausgesetzt wurden und in der alte Menschen, die nicht mehr produktiv und damit eine Belastung waren, vor die Tür gesetzt wurden oder die freiwillig gingen und nicht wiederkamen.
Gott bereitete John Sperry zu, um diesen Menschen das Evangelium zu verkündigen und die Bibel in ihre Sprache zu übersetzen, die bisher noch unerforscht war. Der 23jährige John Sperry betrat 1946 als US-Soldat die Trümmer von Hiroshima, ein halbes Jahr nachdem die erste Atombombe diese Stadt zerstört hatte. Der erschütternde Eindruck dieser Geisterstadt weckte in ihm die Bereitschaft, als Missionar in eine Gegend zu gehen, wohin sonst keiner zu gehen bereit wäre – wenn Gott ihn dazu berufen würde. Vier Jahre später war er bei den Eskimos, und wenige Jahre danach wagte eine junge „Betty“, diesem Mann das „Ja-Wort“ zu geben und ihm in die Eiseskälte zu folgen.
Etwa 19 Jahre lang lebten sie mit ihren Kindern unter den Eskimos, teilten mit ihnen das Leben und wurden diesen Menschen Freunde, Wegweiser zu Christus und geistliche Eltern. Die Erlebnisse, Entbehrungen, Nöte und Freuden dieses Ehepaares und die Früchte ihrer Arbeit kann man in diesem Buch nachlesen, das ihre Nichte, die Autorin dieses Buches, überaus eindrücklich
und bewegend geschildert hat.

Nachtext

Quellenangaben

SCM Hänssler, geb., 282 S., € 14,95