Zeitschrift-Artikel: H

Zeitschrift: 139 (zur Zeitschrift)
Titel: H
Typ: Artikel
Autor: Charles Haddon Spurgeon
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1029

Titel

H

Vortext

»Und die Kühe, die hässlich von Aussehen und mager an Fleisch waren, fraßen die Kühe, die schön von Aussehen und fett waren.« (1Mo 41,4)

Text

Pharaos Traum hat sich schon zu oft in den Erlebnissen meines wachen Zustandes erfüllt. Meine Tage träger Ruhe haben alles, was ich in den Wochen emsigen Fleißes zu Stande gebracht hatte, schrecklich verwüstet.
Meine Zeiten frostiger Kühle haben die ganze belebende Glut meiner Begeisterung und meines Feuereifers zum Erstarren gebracht und meine Anwandlungen weltlichen Sinnes haben mich aus den errungenen Fortschritten in einem göttlichen Leben wieder weit zurück geschleudert. Ich lernte, wie nötig es ist, mich zu hüten vor mageren Gebeten, mageren Lobliedern, magerem Gehorsam und mageren Herzenserfahrungen, denn sie fressen das Fett meines Trostes und meines Friedens.
Wenn ich das Gebet auch nur während der allerkürzesten Frist vernachlässige, verliere ich alle geistige Frische, die ich schon erlangt habe. Wenn ich nicht neue Vorräte vom Himmel beziehe, verzehrt sich das alte Korn meiner Scheune bald in der Hungersnot, die über meine Seele hereinbricht.
Wenn die Raupen der Gleichgültigkeit, die Heuschrecken der Weltlust und die Blattläuse der Selbstgefälligkeit mein Herz ganz kahl und öde gemacht haben, und meine Seele daraufhin anfängt zu welken, dann ist all mein früheres Gedeihen und Wachstum in der Gnade und alle meine vorige Fruchtbarkeit in einem gottseligen Leben umsonst.
Wie sollte ich mich doch so ernstlich hüten vor den hässlichen, mageren Tagen, vor den fressgierigen Stunden! Wenn ich Tag für Tag dem Ziel meiner Sehnsucht zu eilte, ich würde es bald, bald erreichen. Aber häufige Verirrungen halten mich noch in weiter Ferne zurück von dem Preis meines erhabenen Berufes und berauben mich der Siegesfrüchte, die ich schon erkämpft hatte.
Der einzige Weg, auf welchem alle meine Tage zu „fetten Kühen“ werden können, ist der, dass ich sie „auf die rechte Weide“ führe, dass ich meine Zeit zubringe in der Gemeinschaft des Herrn, in seinem Dienst, unter seinen Augen, in seiner Furcht und auf seinen Wegen.
Warum sollte nicht jedes folgende Jahr reicher sein an Labung, Leben, Liebe, Lob und Lust? Ich bin den himmlischen Hügeln näher und sollte darum meinem Herrn ähnlicher werden.
O Herr, halte den Fluch der Hässlichkeit fern von mir; gib, dass ich nicht ausrufen muss: „Wie mager, wie mager, wehe mir!“ Sondern möge ich „fett“ werden in deinem Haus, damit ich deinen Namen preise!

Nachtext

Quellenangaben

(Aus: C.H. Spurgeon, „Tauperlen und Goldstrahlen“)