Zeitschrift-Artikel: Hoffnung f

Zeitschrift: 139 (zur Zeitschrift)
Titel: Hoffnung f
Typ: Artikel
Autor: Viktor Leskow
Autor (Anmerkung):

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Titel

Hoffnung f

Vortext

„Am Tag des Wohlergehens sei guter Dinge; aber am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen wie jenen hat Gott gemacht, damit der Mensch nicht ausfindig mache, was nach ihm geschehen wird.“                                                                                                                             (Prediger 7,14)

Text

Friede sei mit Euch, liebe Geschwister,

ich grüße Euch mit der Liebe Jesu Christi, unseres Retters! […] Den Bagger (Traktor), den Ihr finanziert habt, haben wir inzwischen komplett zusammengebaut.
Damals hatte ich Euch bereits Fotos geschickt, nachdem wir ihn in seine Einzelteile zerlegt hatten, um einige alte Teile gegen neue zu ersetzen. Nun wartet er auf seine Stunde …
Wir sind sehr dankbar für Eure Hilfeleistung, denn wir leben hier nach wie vor in Dürftigkeit. Das Volk ist einfach und arm und es wird nicht zugelassen, dass sich jemand materiell hocharbeitet.
Die Regierung gräbt alles unter sich. Die Rente hat man hier um 500 Rubel erhöht, das sind etwa 13€. Aber vor dieser Anhebung sind die Preise für Lebensmittel, Benzin, Miete usw. gestiegen. Als Kinderzulage bekomme nicht ich, sondern meine Frau 1700 Rubel, das sind etwa 50€. Um es mit den Worten der Regierung zu sagen: „Das soziale Niveau ändert sich.“ Allerdings nur bei denen, denn bei uns einfachen Leuten hat sich nichts geändert …
Überall herrscht Lüge. Vor den letzten Präsidentschaftswahlen hat man damit geworben, dass die Preise nicht steigen werden. Aber es macht nichts – wir leben und weil wir wissen, dass Gott uns nicht verlassen wird, murren wir auch nicht.

Wir dürfen wieder in die Gefängnisse!
Neben den beschriebenen traurigen Entwicklungen gibt es aber auch erfreuliche Nachrichten:
Wir können wieder in den Gefängnissen predigen! Drei Jahre wurden wir nicht mehr in die Gefängnisse hineingelassen. Damals wurde uns gesagt: „Ihr existiert illegal, betet nicht rechtmäßig und lest in der Bibel – deshalb dürft ihr auch nicht in die Vollzugsanstalten gehen und predigen. Ihr bewegt euch außerhalb des Gesetzes!“
Aber jetzt haben wir die Wohltätigkeitsstiftung „Hoffnung“ gegründet und ein Siegel bekommen und gelten als Personen des öffentlichen Rechts. Im Namen dieser Stiftung dürfen wir nicht nur in die Gefängnisse, sondern auch in Bildungs-Einrichtungen, in Altenheime und Kinderheime gehen.
Auch die „Brüderhäuser“ und „Schwesternhäuser“, die wir unterhalten, waren nicht als rechtmäßig anerkannt und mit den Menschen, die sich dort befinden, durften wir keine geistliche und pädagogische Arbeit tun. Mit der Stiftung „Hoffnung“ haben wir nun aber auch offiziell das Recht und wir können sogar Literatur über die Stiftung empfangen!
So sieht es aus, und Ihr merkt, auch wir ändern uns ein wenig. Aber auch unsere registrierten
Baptisten haben sich sehr geändert, denn die Ökumene hat sie überschwemmt!
Selbst die götzenanbetenden Orthodoxen sind ihre „Brüder“ geworden! Aber lassen wir das Traurige …

Es geschehen noch Wunder!
Stellt Euch vor, in unsere Gemeinde ist ein Mann gekommen: ohne Hände, ohne Augen und ohne
Ohren! Er war ein erfolgreicher Unternehmer. Zu seiner Arbeitsstelle fuhr er immer an unserem Bethaus vorbei. Gott kannte er damals nicht, er war damit beschäftigt, seinen Reichtum zu vermehren.
Aber überall gibt es Neider und die haben keinen Bogen um ihn gemacht. Sie schickten ihm eine „Tonband-Kassette“, er nahm sie – aber es war eine Bombe, die in seinen Händen explodierte. Seitdem lebt er ohne Hände, ohne Augen und mit einem verunstalteten Gesicht.
Plötzlich, etliche Jahre später, erinnerte er sich an unser Bethaus. Zu dieser Zeit hatte seine Frau ihn schon verlassen und er war sehr einsam. Mitfühlende Menschen hatten ihm geholfen und auch der Sozialdienst. Aber nun wurde er in unsere Gemeinde gebracht und er hat sich tatsächlich bekehrt! Der Herr hat ihn zu neuem Leben erweckt und nun ist er bei uns. Inzwischen ist er ein guter Prediger und liebt es, die „Brüderhäuser“ zu besuchen. Ich habe ihn gebeten, sein Zeugnis aufzunehmen, damit wir euch diese dramatische Lebensgeschichte auch zur Verfügung stellen können.

Noch eine gute Nachricht …
Eine gute Nachricht habe ich fast vergessen: Wir erfahren immer wieder, dass die „Brüderhäuser“
der Gemeinde zum Segen sind, denn es ist immer gut, wenn die Gemeinde das Elend der Hoffnungslosen vor Augen hat und die Notwendigkeit der Evangelisation erkennt.
Aber wie soll man den schmutzigen, stinkenden Obdachlosen predigen, ohne sie vorher anzuziehen und zu waschen? Aber nun sitzen sie mit uns in der Gemeinde, zwar tätowiert, aber
gewaschen, sauber und nüchtern und hören zu.
Das ist ein gutes Evangelisations-Feld!
Inzwischen fahren wir durch ganz Sibirien und sprechen in den Gemeinden von der Notwendigkeit
solcher Arbeit, damit auch andere Brüder und Schwestern für diesen Dienst gewonnen werden. Wir freuen uns, dass wir hier und da Gehör finden. So hat uns zum Beispiel die Gemeinde in Omsk eingeladen, von dieser Arbeit zu berichten. Aber wir erleben auch Ablehnung – besonders von den deutschen Mennoniten.
Wir beten für sie!
Im nächsten Brief schicke ich euch das Zeugnis von dem Invaliden Sergej Kusmitschew.
Bis dahin bleibt unter der Führung unseres Herrn!

Euer Bruder
Viktor Leskow 

Nachtext

Quellenangaben