Zeitschrift-Artikel: Jürgen Mette: Alles außer Mikado

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Titel: Jürgen Mette: Alles außer Mikado
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Jürgen Mette: Alles außer Mikado

Vortext

Text

Wer bisher angenommen hat, dass ein von Parkinson geprägter Lebensbericht ein mehr oder weniger tristes Klagelied sein muss, der wird hier eines Besseren belehrt. Ausgezeichnet formuliert, mit geistreichen Wortspielen gespickt („Was ist, wenn das Trostbuch auf den Markt kommt und der Tröster inzwischen nicht mehr ganz bei Trost ist?“), mit großer Offenheit, Humor, Selbstironie und einem freimütigen Bekenntnis der eigenen Eitelkeiten und Marotten schildert Jürgen Mette seine Begegnung mit „Herrn P.“.
Er lässt an den Veränderungen teilhaben, welche diese Krankheit für den „stilsicheren Extrovertierten“ mit sich bringt, der sich auf den großen Bühnen und in den Vorständen der evangelikalen Welt zu Hause fühlt: Willow Creek, Evangelische Allianz, Bibellesebund, Marburger Medien, Tabor usw.
Man wird das Buch in einem Rutsch lesen und immer wieder überrascht sein. Öfters muss man schmunzeln, manchmal aber auch den Kopf schütteln und die Stirn runzeln, wenn er z.B. die „vitale Vielfalt der christlichen Kirche“ rühmt und protestiert, wenn die „Einheit in der Vielfalt beklagt und bekämpft wird“.
Als „Brückenbauer“ ist der Autor ein Meister des Spagat. Er liebt sowohl J.S. Bach wie Xavier Naidoo, Martin Luther wie „Bruder Lorenz“, Paul Gerhard wie Herbert Grönemeyer. Er erscheint in einem Andachtsbuch zwischen Margot Käßmann und Präses Nikolaus Schneider, bekennt sich zur Bibel als „universale Werteordnung“ und hat gleichzeitig Zweifel, ob es sich bei Hiob bei aller Wertschätzung um eine „historisch-authentische Biografie“ handelt.
Dennoch – er „möchte im Namen des Heilandes einen kleinen Beitrag zur Heilung des Landes leisten […] als zitternder Zeuge einer inneren Heilung, die ein wankendes Leben trägt“.
Ein Buch, das tröstet und erbaut, anregt, provoziert und den Kopf schütteln lässt, aber letzten Endes doch dem die Ehre gibt, der die an Ihn Glaubenden – wenn auch zitternd, hinkend oder
stolpernd – sicher über die Ziellinie ihres Lebens bringen wird.

Nachtext

Quellenangaben

GerthMedien, geb., 188 S., € 14,99