Zeitschrift-Artikel: Letzte Worte grosser M

Zeitschrift: 62 (zur Zeitschrift)
Titel: Letzte Worte grosser M
Typ: Artikel
Autor: A. F.
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1102

Titel

Letzte Worte grosser M

Vortext

Ein eindringliches Erlebnis vom Ernst unseres Auftrags

Text

Freitag Nachmittag.
Wie jede Woche stehen wir mit unserem Büchertisch am Marktplatz in Attendorn. Wir sind gewöhnlich drei bis fünf junge Leute, die auf diese Weise mit Passanten über das Evangelium ins Gespräch kommen wollen. Heute verteilen wir neben unseren ausgelegten, evangelistischen Büchern die Schrift "Letzte Worte großer Männer'' - ein Traktat mit überlieferten Sterbensworten bekannter Persönlichkeiten: Gottesleugner bekennen die Wertlosigkeit ihres Lebens, Mächtige erkennen im Angesicht des Todes ihre Ohnmacht, "Erleuchtete" ringen um mehr Licht. Letzte Worte - die aufschlußreiche Bilanz des eigenen Lebens, toternste Eingeständnisse, ein letzter Aufschrei vor dem "Zuspät".
Ich reiche die Schrift einem älteren Mann - vielleicht fünfundsiebzig. Er ist gut aufgelegt. ''Was ist das?" "Das sind die Aussagen bekannter Leute kurz vor ihrem Tod." "Hör mal, mein Junge, ich möchte noch zwanzig Jahre leben - verstehst Du - damit ich das wieder rauskriege, was ich einbezahlt habe." Lachen! Wir unterhalten uns eine Weile über den Glauben, den´Tod und das Danach. Aber mein Gegenüber macht sich immer nur darüber lustig. Als spräche ich mit einem Teenager, erzählt er mir von seinem ausgefüllten Leben. Er versprüht einen ansteckenden Humor. Nicht viele alte Menschen sind so originell und fröhlich. Aber irgendwie gelingt es nicht, ernsthaft mit ihm über Gott zu reden. Er wendet sich zum Gehn. "Was werden denn mal Ihre letzten Worte sein?" frage ich noch schnell. Zum ersten Mal scheint er ein wenig zu Überlegen. Doch seine Schlagfertigkeit läßt nicht lange auf sich warten: "Herrgott, mach mich selig! - vielleicht, haha!"
Noch hat er es nicht ausgesprochen, als er vom Bordstein auf die Straße tritt. Lautes Reifenquietschen, ein hastiges Lenkmanöver und innerhalb einer Sekunde trennt mich ein dahergeschossenes Auto von meinem Gesprächspartner! Ich will noch schreien, aber alles geht viel zu schnell. Mit einem erschreckten Sprung hat der Alte wie durch ein Wunder die andere Straßenseite erreicht und steht völlig konsterniert und bleich am Straßenrand. Zwei Passanten schimpfen den Mann aus: "Wenn Sie nicht so alt wären, wir würden Ihnen den Hintern noch dazu versohlen. Haben Sie denn das Auto nicht gesehen? Also - einfach so über die Straße zu laufen ... "
Ich bin zunächst wie gelähmt. Wie schrecklich schnell hätte dieser Mann tot sein können. Mir ist ganz klar, daß ich jetzt unbedingt zu ihm hinübergehen muß. Als ich dann bei ihm stehe, flüstert er nur: "Das waren ja beinahe wirklich meine letzten Worte... "

Nachtext

"Nur ein Schritt ist zwischen mir und dem Tod."
1.Sam. 20.3

Quellenangaben