Zeitschrift-Artikel: Mein Zeugnis als ehemaliger Adventistenprediger

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Titel: Mein Zeugnis als ehemaliger Adventistenprediger
Typ: Artikel
Autor: Horst Georg Sch
Autor (Anmerkung):

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Titel

Mein Zeugnis als ehemaliger Adventistenprediger

Vortext

"Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre"
1. Tim. 4,16

Als ehemaliger Prediger der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) kann ich heute ohne Bitterkeit und Nachgeschmack erklären, daß die ST A dieses Bibelwort nicht begriffen haben. Meine Erkenntnis über viele Jahre ist, daß die Lehre der ST A nicht so biblisch und richtig ist, wie sie selbst das meinen.

Text

Werdegang

Ich bin als Sohn adventistischer Eltern Mitte des Krieges geboren und infolge der Einflüsse des Elternhauses und der örtlichen Adventistengemeinde in der DDR geprägt worden. Schon frühzeitig wuchs in mir der Wunsch, dem Herrn als Verkündiger zu dienen. Die örtliche Gemeinde empfahl mich zum Predigerstudium in Friedensau bei Magdeburg und 1968 wurde ich als hauptamtlicher Prediger angestellt. In dieser Tätigkeit wirkte ich 22 Jahre bis 1990 in mehreren Stadtgemeinden.
1976 bekam ich die Aufgabe, in leitender Jugendarbeit und von 1986-1990 als Evangelist in Sachsen tätig zu sein. Viele Jahre habe ich die Lehre der STA vertreten und bin früher aller Kritik, daß die ST A eine Sekte sei, entgegen getreten. Ich lebte mit vielen anderen in der Illusion, daß die Adventisten mehr Bibelerkenntnis hätten als andere Gläubige, weil sie die Sabbat-Wahrheit erkannt haben.

Krise

Mein Elternhaus und die Verwandschaft waren über mehrere Generationen STA. Ab Mitte der 80iger Jahre wurde ich durch das Wirken des Geistes und durch eigene Sündenerkenntnis zum Zerbruch geführt. Auch das Studium geistlicher Bücher trug ebenfalls dazu bei, hellhörig und aufmerksam zu werden. Ich hoffte, daß die Prediger und Gemeinden meines Gebiets für echtes geistliches Leben zu gewinnen wären, stieß dabei aber auf mehr Skepsis als auf Resonanz. Ich forschte und betete um Klarheit und es war ein nicht geringes Unterfangen, bis mir von meinem gnädigen Herrn Schritt für Schritt die Augen geöffnet wurden. Ich konnte in dieser Zeit nur mit meiner Frau über die inneren Prozesse sprechen.

Trennung

Der lehrmäßige Sichtungsprozeß und mein Ringen zog sich bis zum Februar 1990 hin. Dann erfolgte meine freiwillige Kündigung als Prediger der STA. Nach langem Zögern kam es auf unsere Bitte zu einem offiziellen Gespräch mit einem leitenden Bruder. Nach dem Austritt, einige Zeit später, folgte absolutes Schweigen. Unter den Gläubigen verbreitete sich das Gerücht, daß wir uns als Familie der okkulten Sekte der Lorenzianer angeschlossen hätten. Wir mußten mit dieser üblen Nachrede ebenso leben, wie es andere Austretende vor uns zu allen Zeiten auch erlebt haben.

Neuorientierung

Je größer der Abstand zur STA wurde, um so klarer erkannten wir die Konturen der Irrlehre. Solange man jeden Tag aktiv drin steht, will man manchesmal das eine oder andere nicht so wahr haben. Beschämt und in tiefer Demut mußte ich das feststellen und mich als jahrelanger Verkündiger in vielen biblischen Lehrfragen revidieren.
Durch die Gnade Gottes ist es mir aufgegangen, wo ich lehrmäßig gestanden habe und es bekümmert mich jetzt, daß ich als Student nicht genauestens die Grundlagen der STA überprüft habe, sondern das Lehrgut einfach voll übernahm, z.B .: die Frage des Ruhetags.
Sie stellt in übertragener Form eine "Decke" nach 2.Kor.3,14ff dar, die Mitglieder der STA nicht bis ins Heiligtum Gottes vordringen läßt. Solange ein Adventist aufgrund der Aussagen der HI. Schrift und durch das Wirken des Geistes nicht von dieser Form der Gesetzlichkeit und der Werkgerechtigkeit freigeworden ist, geht es ihm ähnlich wie dem Volk Israel. Er spricht vom Herrn, aber er hat Ihn nicht bzw. wird als Einzelner nicht von Ihm ergriffen. Das Bemühen um Leben mit Christus ist ein Treten auf der Stelle, aber das wird im allgemeinen nicht erkannt. Gewiß gibt es auch unter den Adventisten gerettete Kinder Gottes. Manche Gläubige machen sich viele Gedanken um Lehrfragen und laufen zu den verschiedensten kirchlichen und charismatischen Veranstaltungen, weil sie um ihre geistlichen Defizite wissen oder sie zumindest erahnen. Die meisten Mitglieder haben nicht das Zeugnis des Geistes, daß sie gerettet sind, weil die wesentlichen Voraussetzungen der Bekehrung, der Wiedergeburt und der Heilsgewißheit fehlen. Sie kennen dadurch nicht die tiefe Freude und den Frieden, den das neue Leben mit Christus in sich birgt. Das falsche Lehrgefüge macht es ihnen schwer, diese Erlebnisse mit Jesus Christus zu haben. In der Öffentlichkeit werden heute einige Punkte der ursprünglichen Hauptlehre kaum noch genannt oder von manchen nicht einmal gekannt. Trotzdem gehören sie zu den Säulen des Lehrgebäudes und es ist nicht korrekt, sie zu verschweigen oder zu verdrängen, ohne öffentlich Buße darüber zu tun, was die Adventpioniere als Hauptlehre hochgehalten haben.

Die falschen Lehren der STA

An dieser Stelle ist es um der Wahrheit willen erforderlich, die Irrlehren und die falschen Lehrpunkte beim Namen zu nennen. Es muß Klarheit für alle geschaffen werden, die diese Zeilen lesen und vielleicht wie ich innerhalb oder außerhalb der STA ihre Fragen auf dem Herzen haben. Erst der Durchblick im Gestrüpp der verschiedenen Lehren, befähigt zu einem neutestamentlichen christlichen Leben in Freiheit wie es Paulus in Gal.5 deutlich erklärt.

1. Prophetie

Die STA stellen die Behauptung auf: Ellen Gould White (1827-1915) ist die von Gott berufene Botin für die Endzeit. Mit ihren rund 2000 Visionen hat sie als Frau und Mutter von 4 Kindern die STA von Anfang an entscheidend geprägt und beeinflußt. Sie wird von den STA als "Geist der Weissagung" nach Off.19,10 bezeichnet. Das weltweit treibende Element sind die in vielen Sprachen erschienenen "inspirierten" Schriften und zahllosen Bücher. Zur Taufe eines neuen Mitglieds oder zur Ordination eines Predigers ist es erforderlich, daß öffentlich ein Bekenntnis zu ihren "Grundsätzen" abgegeben wird. Es entsteht dadurch eine Verschleierung, die man nicht als harmlos bewerten kann. Alle Irrlehren wurden letztlich von ihr "gesehen" und als richtig gedeutet. Ihre eigene unfrisierte, aus dem 19.Jhr. stammende Biographie macht deutlich, wer sie wirklich war und was biblisch nicht nachvollziehbar ist. Die Ablehnung ihrer Person und der visionär hochgehaltenen Sonderlehren, würden zu großen Konsequenzen innerhalb der STA führen. Mit vollem Recht muß gesagt werden, daß nicht der HI. Geist durch sie sprach, sondern Geister von unten. Beim Lesen ihrer Bücher wird bei vielen ein Geist der Angst erzeugt. Für sie ist die STA die Gemeinde der Übrigen, die gerettet werden. Ein maßloser Anspruch, der sich nirgends in der Bibel rechtfertigen läßt und ihre Person in einem eigenartigen Licht erscheinen läßt.

2. Wiederkunftserwartung

Der Name Adventist kommt von Advent und soll auf die Nähe des Kommens Jesu hinweisen. Doch bis heute bezeugen weder die Lehre noch das praktische Leben bezeugen diese Hoffnung. In dem falschen Parusieverständnis haben die Entrückung, das 1000 jährige Reich und auch Israel keinen Platz. Die entsprechenden Bibelstellen im AT und NT werden anders ausgelegt. Aus dieser Sicht geschieht die Aufnahme der Gläubigen in den Himmel erst dann, wenn der Herr sichtbar für die ganze Erde erscheint. Das Reich des Messias wird restlos abgelehnt und nach Off.20 ist bei den STA 1000 Jahre absolute Ruhe auf einer Erde ohne Menschen. Aus diesem Grund sei der Satan gebunden, weil niemand mehr zur Verführung lebt. Sämtliche Nationen sind tot und damit im Grabe. Man überträgt die 1000 Jahre auf den Himmel. Israel habe als Volk seine Chancen seit der Verwerfung Jesu verspielt. Die neutestamentliche Gemeinde sei das geistliche Israel. Das heutige Volk bleibt nach ihrer Sicht verworfen und die ständige Sammlung der Juden seit 1948 ist für die STA ohne Bedeutung. Mit der biblischen Formulierung "Der Herr kommt bald" wird ständig zum Zeugendienst, zur Aktivität und zur Betriebsamkeit aufgerufen, aber mit einer unkorrekten Füllung. Es geht immer um eine weltweite Mitgliederwerbung, die bei allen Sekten zu finden ist. So erfährt die biblische Adventhoffnung eine Verdrehung und Verstümmelung, aufgebaut auf eine historische, aber unhaltbare Offenbarungsauslegung, die vielen in den STA-Reihen arg zu schaffen macht.

3. Der Sabbat

Das 4. Gebot ist der Dreh - und Angelpunkt als sichtbares Zeichen gegenüber der gesamten Christenheit. Alle Texte aus dem AT in bezug auf Israel werden für die Adventisten verbindlich. Dazu kommen die zahlreichen Texte aus dem Leben Jesu, die diesen Gedanken scheinbar erhärten. Alle Hinweise der Erfüllung in der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen werden widerlegt und führen im Gespräch allenfalls zu Disputationen, denn Frau White hat die besondere Bedeutung des 4.Gebots oftmals in Visionen gesehen . Die völlige Überbetonung des jüdischen Sabbbats, die Außenstehende so verwundert, hängt mit dem falschen Israelverständnis zusammen.
Der Sabbat wurde in der Gründerzeit um 1845 von den Siebenten-Tags-Baptisten übernommen und visionär bestätigt. Die grundsätzliche Haltung zum Gesetz ist damit gekoppelt. Der Galaterbrief erfährt darum eine völlig andere Interpretierung. Der Sabbat bleibt, nur die Beschneidung hat aufgehört. Nach adventistischer Lesart gibt es nur das Gesetz und das Evangelium. Die STA lebt lehrmäßig voll im AT. Früher nahmen sie um des Ruhetages willen in Schule, Beruf und Armee große Repressalien auf sich, heute verflacht das mehr und mehr. Trotzdem wird die strikte Einhaltung des 7.Tages auch heute noch gefordert.

Nachtext

(Schluß in der nächsten Ausgabe)

Quellenangaben