Zeitschrift-Artikel: Adrian Plass: Die steile Himmelsleiter - Eine ehrliche Biographie

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Titel: Adrian Plass: Die steile Himmelsleiter - Eine ehrliche Biographie
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang B
Autor (Anmerkung):

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Titel

Adrian Plass: Die steile Himmelsleiter - Eine ehrliche Biographie

Vortext

Brendow, Pb., 219 S., DM 18.80

Text

Man fragt sich vor Beginn der Lektüre, was wohl die Autobiographie eines noch nicht vierzig Jahre alten Engländers beinhalten mag, dessen beiden folgenden Bücher bereits auch in Deutschland bekannt wurden und auf ein geteiltes Echo gestoßen sind. Positiv ist zu sagen, daß es sich um den ehrlichen, selbstkritischen Lebensbericht eines Mannes handelt, der nach einer ziemlich chaotischen Kindheit und Jugend seine Bekehrung erlebt hat und als Christ in einer charismatischen Umgebung aufwächst. Bekannte Männer wie David Watson und Michael Harper haben sein Leben geprägt und so ist es selbstverständlich, daß Träume, Zungenreden, Zungensingen sowie eine ökumenische Grundhaltung dieses Buch durchziehen. Dennoch - vielleicht auch gerade deshalb - kommt es im Jahr 1984 bei ihm zu einem Nervenzusammenbruch, den er als Ergebnis eines krampfhaften, von Gruppennormen und Rollenspielen gekennzeichneten Christsein deutet, in welchem er sich "wie eine winzige Person in einer großen Schauspielergruppe vorkam" (S. 174). Sein Wunsch war nun "nackt in die dunklen Gewässer einer risikoverseuchten, säkularen Welt zu tauchen", aus der ihn dann Gott, wie das Ende des Buches zeigt, herausgeholt hat. Absicht des Autors ist sicherlich, Lesern in ähnlichen Lebenssituationen aus Zwängen und frommer Heuchelei zu befreien. Insofern ist dieses Buch auch ein interessanter kritischer Beitrag zur charismatischen Frömmigkeit, deren mancherorts verbreitete Unaufrichtigkeit und Aufgeblasenheit sich einige satirische Bemerkungen von Adrian Plass gefallen lassen muß.
Für mich war diese Lebensgeschichte auch deswegen interessant, weil sie - bis auf die zu lobende Aufrichtigkeit - das Leben und Denken vieler heutiger Evangelikaler wiederspiegelt: eine positive Haltung zu den Lehren und Praktiken der röm.-kath. Kirche (z.B. S. 8, 165-165), eine grundsätzlich positive Haltung zur Charismatischen Bewegung, ein weithin undiszipliniertes Leben was Bibelstudium und Gebet betrifft, eine unbiblische Beurteilung der jüdischen Religion (S. 128-142) und die Vorstellung eines Jesus, der einen sich zu Lebzeiten ausdrücklich nicht als Christ bezeichnenden Mann nach seinem Tod lächelnd in die Ewigkeit aufnimmt (S . 107-109).

Nachtext

Quellenangaben