Zeitschrift-Artikel: Zum Heimgang von Martin Fellinger

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Titel: Zum Heimgang von Martin Fellinger
Typ: Artikel
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Titel

Zum Heimgang von Martin Fellinger

Vortext

"...wenn Christus nicht Dein Leben ist, dann ist Sterben für Dich totaler Verlust!"

Text

Am 10. Oktober 1992 fand in Aschach (Österreich) eine nicht alltägliche Gedenkfeier statt. Über 600 Menschen kamen zu der Beerdigung eines jungen Mannes zusammen, den Gott im Alter von 21 Jahren in die Ewigkeit gerufen hat.
Von Geburt an war Martin gehbehindert und als junger Mann auf den Rollstuhl angewiesen. 1991 stellte sich zudem heraus: er hatte Krebs!
Chemotherapie — Bestrahlung — Tumoroperationen. Im Juni 92 folgte sogar eine Morphium-Therapie, weil die Schmerzen nicht mehr zu ertragen waren.
Wenige Tage vor seinem Tod sprach Martin mit der Nachtschwester im Krankenhaus über den Glau­ben an Jesus Christus und sagte: "... wenn Christus nicht Dein Leben ist, dann ist Sterben für Dich tota­ler Verlust! Für mich ist Christus mein Leben!"
Diese tiefe Beziehung zu Jesus Christus gab ihm Kraft, trotz aller Schmerzen ein freudiger, dankbarer Jünger Jesu zu sein, der nicht mit seiner Situation haderte, sondern jede Minute seines Lebens Gott zur Verfügung stellen wollte.
Im Blick auf seinen herannahenden Heimgang hat­te er einen Rückblick auf sein Leben verfaßt, der wunschgemäß auf der Rückseite seiner Todesanzei­ge abgedruckt wurde und ein ergreifendes Zeugnis von dem Grund seiner Freude und seines Friedens ablegt:

Ein dankbarer Rückblick auf mein Leben mit Gott

In der 4. Klasse der Hauptschule habe ich die wichtigste Entscheidung für mein Leben getroffen. Diese Entscheidung ist die Grundlage meiner Freude und meiner Dankbarkeit Gott gegenüber für das Leben, das Er mir geschenkt hat.
Durch meine Behinderung habe ich viele Dinge nicht machen können, die ich gern getan hätte, z.B. Sport treiben und Tanzen gehen, und mit Mädchen war es auch schwierig. Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellte sich mir deswegen sehr eindringlich. Was bringt es wirklich, 60 oder 70 Jahre auf der Welt zu leben, zu sterben und das war's dann. Ich dachte, wenn das wirklich alles ist, dann hat es für mich in meiner Lage keinen Sinn zu leben.

Und in diese Situation hat Gott hineingesprochen. Meine Eltern nahmen mich zu einer christlichen Ver­anstaltung mit, wo verschiedene Themen beleuchtet wurden. Am meisten aber hat mich angesprochen, daß Jesus Christus dem Leben wirklich Sinn geben kann. Jesus sagt in der Heiligen Schrift, daß man zu Ihm kommen soll, weil Er sinnerfülltes, ja ewiges Leben geben kann und möchte.
Aber da gab es ein Problem in meinem Leben: meine Sünden, meine Schuld trennten mich von Gott. Gott ist heilig und gerecht und kann deswegen keine Gemeinschaft mit Sündern haben. Mir wurde aber gleichzeitig ein Ausweg gezeigt: Jesus Christus will und kann mir meine Sünden vergeben, weil Er an meiner Stelle für meine Sünden ans Kreuz ging und dort für mich starb. Aber ich muß ganz persönlich mein Vertrauen auf Ihn und sein Opfer am Kreuz legen und Jesus Christus mein Leben bestimmen las­sen.
Da habe ich gebetet und zu Jesus Christus gesagt: "Wenn das wirklich alles stimmt, dann mache aus meinem Leben was Du willst." Dann bin ich nach Hause gegangen und habe gewußt, daß ich nun eine Beziehung mit Gott habe, weil mir meine Sünden vergeben worden sind und Gott etwas Neues mit mir begonnen hat.
Ich habe damals — ich war 15 Jahre alt — nicht viel mehr verstanden. Aber ich weiß noch genau, daß ich sicher war, daß ich ewiges Leben (das ist die Bezie­hung mit Gott) habe und ich wußte, wenn ich sterbe, bin ich bei Gott. Ich war voller Freude deswegen und diese Freude und die Gewißheit, eines Tages bei Jesus Christus zu sein, sind bis jetzt geblieben und bewegen mich, Gott für alles dankbar zu sein.
Früher fühlte ich mich durch meine Behinde­rung den anderen Menschen unterlegen und um diese Schwäche auszugleichen, hatte ich ein um so größeres Mundwerk. Ich sagte recht arge Din­ge, ich war aggressiv und haßte manche Leute. Doch Jesus Christus gab mir die Kraft, das alles abzulegen und die Menschen echt gern zu haben, weil Jesus auch mich liebt und so nimmt, wie ich bin.
Sogar jetzt erlebe ich tiefe innere Freude und Frieden, obwohl ich im Rollstuhl sitze und Krebs habe. Ich freue mich jeden Tag von neuem, weil ich ein Kind Gottes, weil ich erlöst bin. Ich kann mich freuen über die große Liebe meines Herrn und Heilandes, der für mich am Kreuz gestorben ist. Auch jetzt, wo ich dem Tod gegenüberstehe, ist mir mein Herr Jesus ganz nahe, ja vielleicht näher als zuvor. Ich kann getrost vorwärts schau­en zu dem Tag hin, an dem Er mich in Seine Herrlichkeit holen wird, denn ich weiß, wenn ich sterbe, komme ich in den Himmel, ich werde bei Jesus sein und alles verstehen.
Wenn Du diese Zeilen liest, ist dieser Tag für mich schon gekommen und ich darf in Gottes Herrlichkeit leben. Ich wünsche mir von Herzen, daß auch Du diese Entscheidung, die ich mit 15 Jahren getroffen habe, triffst und wir uns in Sei­ner Herrlichkeit wiedersehen werden.

Aschach, im Sommer 1992

Nachtext

Quellenangaben