Heinz Böhm: "Die Generation der Hoffnungslosen" Eine Auseinandersetzung zwischen atheistischer Weltanschauung und christlichem Glauben
Text
Böhm entwirft ein sehr anschauliches Bild der nihilistischen Hoffnungslosigkeit der modernen Welt. Zur Sprache kommen dabei die Dichter Hemingway, Sartre und Camus, sowie die Philosophen Feuerbach und Marx (hier vermisse ich Schopenhauer und Nietzsche). Ausführlich wird der Hoffnungsentwurf Ernst Blochs erörtert. Er erweist sich als ein „durch und durch humanistischer Sozialismus" (S.142), der die Erwartung einer „heilen Welt" in die Möglichkeit des Menschen verlegt (S.136).
Die schonungslose Offenheit der atheistischen Dichter und Philosophen stellt für den Gläubigen eine Herausforderung dar. „Werden die Glaubenden in ihrer Hoffnung auf Gott so bewegt, wie die Dichter durch ihre Hoffnungslosigkeit erschüttert werden? . . . Erweist sich die Hoffnung als eine verwandelnde Kraft — oder bleibt alles in einer frommen Sprache stecken?" (S.9 f).
Einen biblisch fundierten Hoffnungsentwurf legt der nur wenig bekannte Theologe Paul Schütz vor; ihm ist der größte Teil der Studie Böhms gewidmet. Die Hoffnung des Christen richtet sich nicht auf den Menschen, sondern auf Gott, der sie als Gnadengabe (Charisma) dem Glaubenden gewährt. Schütz wendet sich entschieden gegen das Entmythologisierungsprogramm der modernen Theologie (sh. vor allem 5.172-1 79, S.1 92f.). Doch auch solchen Evangelikalen, die auf historische Sicherung ihres „Glaubens" bedacht sind, hat er ein Wort zu sagen: „Gott will, daß der Glauben auf Seinen Christus hin sicherungslos gewagt werde. Wahrscheinlich steckt darin höchste Weisheit, die wir ahnen können. Er hat so Seinen Christus jeder menschlichen Diskussion entzogen. Als gesicherte Geschichtstatsache wäre Christus nicht nur in die Geschichte eingegangen, sondern auch ihr verfallen." (S.197).
„Die Zuversicht der Urgemeinde, daß "der auferstandene Herr die Verheißung Seiner Wiederkunft einlösen werde, erwuchs ihnen aus der Gegenwart des lebendigen, anwesenden Herrn" (S.189) — und nicht aus einer banalen Berufung auf historische Tatsachen und prophetische Berechnungen.
Da mir die Schriften von Paul Schütz nicht bekannt sind, heiße ich mit dem oben Besagten nicht schon alles gut, was dieser Theologe geschrieben hat.
Böhms „Generation der Hoffnungslosen" ist ein Buch, das sich wohltuend von den zahlreichen dilettantischen Zugriffen auf geistesgeschichtliche Zusammenhänge abhebt, die augenblicklich in der evangelikalen Literatur ihr Unwesen treiben.
Besonders denkenden jungen Christen, die sich an Schule und Universität mit Atheismus und Nihilismus konfrontiert sehen, sei es von Herzen zur Lektüre empfohlen.
Quellenangaben
Telos-Paperback 1161
208 S., DM 17.80