Zeitschrift-Artikel: Es war ein wunderbares Leben

Zeitschrift: 121 (zur Zeitschrift)
Titel: Es war ein wunderbares Leben
Typ: Artikel
Autor: William MacDonald
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1247

Titel

Es war ein wunderbares Leben

Vortext

»Die Messschnüre sind mir gefallen auf liebliches Land; ja, mir wurde ein schönes Erbe zuteil.«

Psalm 16,6

Text

Mit Dankbarkeit darf ich feststellen, dass die Güte und Treue des Herrn mich alle Tage meines Lebens geleitet haben und dass mein Kelch überfließt (Ps 23,5-6). Ich bin ein zufriedener Mann, d.h. ich habe im Herrn Jesus Christus eine vollkommene und vollständige Erfüllung gefunden. Er tränkte meine durstige Seele und füllte mein hungriges Herz mit lauter guten Dingen (Ps 107,9). Nicht dass ich missverstanden werde, ich bin nicht zufriedengestellt in dem, was ich selbst bin. Meine eigenen geistlichen Errungenschaften waren immer wieder enttäuschend und mein eigener Dienst für den Herrn unbrauchbar. Aber an Ihm kann ich keine Fehler finden. Alles, wonach mein Herz sich sehnt, finde ich in Ihm. Ich wurde unendlich reich. Zunächst wurde ich ein Kind Gottes und damit Erbe Gottes und Miterbe Christi. Alles ist mein, ich aber bin des Christus, Christus aber ist Gottes (1Kor 3,22-23). Das ist der wahre Reichtum, der Erfüllung bringt. Aber ich bin auch in einer anderen Beziehung reich, nicht im Überfluss meines Besitzes, sondern in der Zufriedenheit mit dem, was ich habe, in der Genügsamkeit. Wie Hudson Taylor habe ich den Luxus genossen, wenig zu besitzen, für das ich sorgen muss. Ich versuchte, so zu sein, wie der Mann aus Galiläa, der vollkommene Mensch. Diese Freiheit von Begierden brachte mir eine Zufriedenheit, die mit Geld nicht zu kaufen ist. Ich kann Gott nie genug für Sein fürsorgliches Handeln in meinem Leben danken. Ich danke Ihm für die Gabe der Gesundheit. Mehr als einmal rettete Er mich in meiner Kindheit vor dem Tod. Einmal ging es mir so schlecht, dass sich selbst meine Mutter vom Bett abwandte, um den Todeskampf nicht mit ansehen zu müssen. Dann danke ich Ihm für das Geschenk, sehen zu können. Wenn es nur nach dem Urteil der Ärzte ginge, müsste ich blind sein. Aber Gott tat in Seiner großen Güte das Unmögliche und machte mich fähig, mehr Bücher zu lesen, als es der Durchschnitt aller gut sehenden Menschen wahrscheinlich tat. Am meisten aber danke ich Ihm für das Geschenk des ewigen Lebens. Gott sandte Seinen geliebten Sohn als meinen Stellvertreter ans Kreuz und gab mir durch den Glauben an Ihn die Vergebung all meiner Schuld. Das werde ich nie verstehen können. Ich preise Gott für Seine bewahrende Kraft, die mich auf dem Weg der Nachfolge gehalten hat. Seine Güte allein hat mich getragen bei all meiner Schwachheit und in all den Versuchungen von innen und außen. Ich werde immer sehr dankbar sein, dass ich einem solch großen Herrn dienen darf. In Ihm habe ich nicht jemanden gefunden, der nimmt, was er nicht hingelegt hat und erntet, wo er nicht gesät hat (Luk 19,21). Vielmehr fand ich in Ihm einen Meister, der mitfühlend, geduldig, vergebend und großzügig ist. Wie der hebräische Sklave möchte ich sagen: „Ich liebe meinen Herrn ... ich will nicht frei ausgehen.“ (2Mo 21,5). Ich denke an die wunderbaren Gebetserhörungen. Es ist so erstaunlich, dass der große Gott meine Gebete hört und sie auf so herrliche Weise beantwortet. Und das auf eine Art und Weise, die jeden Zufall oder Wahrscheinlichkeit ausschließt. Auch kann ich all die Schätze nicht vergessen, die ich in der Heiligen Schrift gefunden habe. Kein Goldsucher in der Zeit des grossen Goldfiebers kann sich mehr über seine gefundenen Gold-Nuggets gefreut haben, als ich über neu entdeckte biblische Wahrheiten. Dann denke ich auch an die nicht endenwollende Güte des Herrn, wie Er mein Leben reich gemacht hat durch die Gemeinschaft und Freundschaft Seiner Familie. „Der aus dem Staub emporhebt den Geringen, aus dem Schmutz den Armen erhöht, um ihn sitzen zu lassen bei Edlen, bei den Edlen Seines Volkes.“ (Ps 113,7-8) Ich darf mit einem alten Heiligen sagen: „Ich verkehrte mit den Edlen der Erde.“ Welch ein Segen waren die Menschen Gottes für mich! Heißt das, dass es in meinem Leben kein Leid gab? Natürlich nicht. Auch daran hatte ich meinen Anteil. Aber nichts kam durch Zufall oder schicksalhaft. Alles war zweckdienlich, erziehend und disziplinierend. Krankheit und Unvermögen stellten sich ebenfalls ein: Wie Paulus betete auch ich dreimal um die Entfernung eines Stachels aus meinem Fleisch; aber der Dorn wurde nicht entfernt Andere Male betete ich um die Wiederherstellung von Dingen, von denen ich annahm, dass ein Leben ohne sie unmöglich wäre: Aber sie wurden nicht wiederhergestellt. Es wäre aber Sünde, wenn ich mich beschweren wollte. Immer wieder kam ich zu der Feststellung, dass Seine Gnade genügt, und dass Seine Wege die besten sind. Wenn ich mir die Bestandteile meines Lebens selbst aussuchen könnte, so möchte ich sie nicht anders haben, als Er sie für mich geplant hat. Gegen Kritik und Verleugnung war ich nicht immun. Vieles davon war richtig, der Rest gereichte zu Seiner Ehre, zu meinem Besten und hoffentlich zum Segen für andere. Selbst Verrat verhalf mir dazu, Gemeinschaft mit Seinen Leiden zu erhalten, was sonst wahrscheinlich nie möglich gewesen wäre. Das Plus-Konto überwog das Minus-Konto bei weitem. Oft denke ich an das Vorrecht, für den Herrn Nordamerika, Europa und Asien bereist zu haben. Wo immer ich auch hinkam, ich traf Kinder Gottes. Das waren Menschen, die ich nie zuvor gekannt hatte; dennoch waren unsere Herzen sogleich in Liebe verbunden. Sie nahmen mich auf wie einen Engel des Herrn, und diese Gemeinschaft der Liebe wird niemals enden. Obwohl ich kein eigenes Zuhause und keine Familie hatte, durfte ich die Realität Seiner Verheißung erfahren, in dem ich hundert mal mehr empfangen habe: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Land (Mk 10,30). Alles, was ich feststellen kann, ist dies: Es war ein wunderbares Leben. Es gibt keine Aschenbrödel-Geschichte wie die meine! Ich war mir der Fürsorge des Herrn bewusst, Seiner Bewahrung und Leitung bei jedem Schritt, den ich tat. Ich sah Ihn in den sonderbarsten Lebensumständen wirken. Gott hat alles zum Guten mitwirken lassen. So ist nun auch mein Zeugnis, dass alle Seine Wege lieblich sind und alle Seine Pfade voller Frieden (Spr 3,17). Oft kommt die Frage vor mir auf: „Was möchte ich im Leben noch haben, was ich noch nicht besitze?“ Die Antwort ist immer die gleiche: „Nichts!“ Mein Herr hat alles für mich gut gemacht. Was bleibt, ist der Schmerz in meinem Herzen über all die Menschen um mich her, die immer noch leere, vergeudete Leben leben. Ich bin traurig, dass für den größten Teil der Menschheit die Summe aller Furcht und Hoffnung nichts als Träume sind – leere Träume.

Nachtext

Quellenangaben

(Auszug aus „Haschen nach Wind‘‘)