Zeitschrift-Artikel: Bücher, durch die ich gesegnet wurde

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Titel: Bücher, durch die ich gesegnet wurde
Typ: Artikel
Autor: Hermann Grabe
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1345

Titel

Bücher, durch die ich gesegnet wurde

Vortext

Text

Der nun schon vor vielen Jahren heimgegangene Evangelist Albert Winterhoff wollte, sobald er in den Himmel kam, den Propheten Habakuk aufsuchen. Der hatte es ihm nämlich besonders angetan.

Liederbücher

Ich habe dasselbe oft von Paul Gerhard gesagt. So bin ich durch alle Liederbücher gesegnet worden, in denen Lieder von ihm stehen. Natürlich sind es nicht nur seine Lieder, die mir auf dem Glaubensweg geholfen haben; aber eben doch immer wieder auch sie. Auf meinem langen, oft mühsamen Weg durch die Finsternis dieser Gott vergessenden Welt, haben zahllose Lieder des Glaubens in vielfacher Weise mein Herz berührt. Da ging es nicht nur um Trost, sondern um die ganze Bedeutungsbreite des großen neutestamentlichen Wortes parakale, das eigentlich „beiseiterufen“ bedeutet und mit allen Formen ungefähr 140 mal vorkommt. In der alten Elberfelder Bibel musste es mit sechs verschiedenen Wörtern wiedergegeben werden. Diese sechs Ausdrücke (trösten, ermuntern, zureden, bitten, in jemand dringen und ermahnen) sind sozusagen die Rundumversorgung unseres himmlischen Vaters und umfassen das gesamte Spektrum dessen, was Er uns zu sagen hat, wenn Er uns diskret und unter Ausschluss der Öffentlichkeit beiseite nimmt, um zu unserem Herzen zu reden. Wie oft habe ich daher nur leise mitgesungen oder blieb ganz still, wenn ich fühlte, dass ich gemeint war, oder wenn ein vollmundiges Bekenntnis mit meiner Praxis nicht übereinstimmte. Andererseits wurde mein Herz immer wieder durch ein Lied getröstet und zum Lob unseres ewig gepriesenen Herrn bewegt. Was könnte ein Buch Besseres bewirken? Vielleicht ist es eine Schwäche von mir, dass ich den verdichteten, komprimierten und in Versmaß gepressten Botschaften der Lieder besonders zugetan bin; aber dann denke ich, dass wir im Himmel ein ewig neues Lied singen werden. Und da ist unser Singen hier eine schöne Vorübung. Ein unbekannter Dichter drückte es so aus:

Wie mancher vollendete Sänger
Durch Gnade zum Himmel gebracht,
sagt dann von den lieblichen Liedern:
„Die lernte ich einst in der Nacht.“
Und mancher der großen Choräle,
der jubelnd durch´s Vaterhaus klingt
entstieg einer weinenden Seele,
die schluchzend ihr Heimweh besingt.

Kommentar zum NT

Ein weiteres Buch, in dem ich gern lese, ist der Bibelkommentar für Gläubige von William Mac- Donald. Obwohl im englischen Original nur einbändig, zeichnet er sich durch eine überreiche Fülle an Erklärungen aus. Viele Zusammenhänge macht er deutlich, die dem schlichten Bibelleser entgehen würden, und vor allem zeigt er, dass die Heilige Schrift ein großes Thema hat: Sie will Jesus Christus, den Sohn Gottes, verherrlichen und zeigen, dass wir ohne Ihn weder leben noch selig sterben können. Immer wieder gelingt es dem Schreiber, die biblischen Texte und Fakten aus der historischen Ferne und theologischen Höhe herab und dem Leser nahe zu bringen. Ein sehr markantes Beispiel für diese Kunst findet sich in der Einführung zum Propheten Jesaja: „… und der Prophet, der das Meiste zu dem Libretto (von Händels Messias) beigesteuert hat, war ein hebräischer Schreiber, der sieben Jahrhunderte vor der Menschwerdung seines Messias lebte“, und dann fügt MacDonald hinzu: …“und Händels und deines und meines (Messias).“ Diese Kunst des immer wieder überraschenden Nahebringens geistlicher Einsichten hat der Schreiber sicher in der jahrzehntelangen Schule dessen gelernt, von dem Elihu im Buch Hiob sagt: „Wer ist ein Lehrer wie Er?“ Bei allen Erklärungen hat man das Empfinden, MacDonald habe nicht nur den biblischen Text, sondern auch gleichzeitig einen interessierten, vielleicht manchmal zweifelnden Fragesteller im Blick. Ihm will er, so gut es geht, Klarheit verschaffen, damit er wieder freudig seine Straße zieht und auch anderen helfen kann, ein Überwinderleben zu führen. Ich finde, dieser Kommentar gehört in jedes Christenhaus!

Robert Cleaver Chapman, der Mann, der Jesus lebte

Dies ist ein Buch, das in kaum überbietbarer Klarheit zeigt, was Gottes Gnade aus einem Menschen machen kann. Auch Robert Chapman wird nicht ohne Fehler gewesen sein; aber ich habe noch nie von einem Menschen der neueren Kirchengeschichte gelesen, der so „erfolgreich“ in die Schule dessen gegangen ist, der gefordert hat: „Lernt von Mir! Denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ Und in Robert Chapman hat sich auch in erstaunlichem Maß das Versprechen des Herrn erfüllt, dass ein Sanftmütiger und von Herzen Demütiger Ruhe für seine Seele finden wird. Man wird von der Liebe zu Gott, zu den Heiligen und zu den Verlorenen tief beschämt, die R. Chapmans Denken, Reden und Handeln bestimmte. Besonders deutlich wird das in den quälenden Auseinandersetzungen, denen er nicht ausweichen konnte, und bei denen er immer für Frieden unter den Gläubigen eintrat. John Nelson Darby sagte von ihm: „Er lebt, was wir predigen.“ Der biblischen Forderung, nicht auf das Eigene, sondern auch auf das der anderen zu sehen, wird in seinem Leben beispielhaft entsprochen und mit großer Selbstdisziplin durchgehalten. Besonders wichtig wurde mir, dass R. Chapman nicht nur für kurze Zeit, wie in einem riesigen Kraftakt, dies Christus ähnliche Leben führte. Er wurde von dem Herrn begnadet, mindestens 70 Jahre lang (von seinem Umzug nach Barnstaple bis zu seinem Heimgang) ein beständig helles Licht für die Ungläubigen und ein starker Trost und eine belastbare Stütze für die Gläubigen zu sein.

Nachtext

Quellenangaben