Zeitschrift-Artikel: Deserteur des Lebens - Die Bekehrungssgeschichte eines Legionärs (Schluß)

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Titel: Deserteur des Lebens - Die Bekehrungssgeschichte eines Legionärs (Schluß)
Typ: Artikel
Autor: Kurt Becker
Autor (Anmerkung):

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Titel

Deserteur des Lebens - Die Bekehrungssgeschichte eines Legionärs (Schluß)

Vortext

Text

            

Ich hatte bisher falsch gelebt; ich war sehr weit weg; ich hatte zugeschlagen wie ein Wilder und Er rief mir das zu, was Er uns allen zuruft: „Es tut mir weh! Jeder Hammerschlag - jeder Wunsch, jedes Ziel, jedes Wort und jede Tat ohne mich - all das tut mir weh; aber ich habe euch lieb! Ich habe dich lieb, ich möchte dich annehmen!"
Als mir dann ein Leben angeboten wurde, nämlich d a s Leben, das einem jeden von uns zuge­dacht ist, als ich begriff, daß dieser Jesus Christus auch mich meinte, daß Seine Worte auch mir
galten, und daß Sein Tod auch mein Tod sein kann, so daß durch Seine Auferstehung eine neue Persönlichkeit in mir geboren werden kann, ein neues Leben - als mir bewußt wurde, daß ich jetzt sterben konnte ein für allemal und daß ich jetzt leben konnte ein für allemal - daß dieser Jesus zu mir sagte: "Kurt, du bist ein Versager, aber ich habe dich lieb, ich möchte dich anneh­men, ich möchte euch alle annehmen, kommt!" -  Dieses Angebot erreichte mich während einer Mannöverfahrt, auf der Ladefläche eines LKWs.
Meine Hände hielten ein kleines  Johannesevangelium, in welchem ich während der Fahrt die Kreuzigungsgeschichte las.
Wer die Straßen in Korsika kennt wird verstehen, warum ich jedes Wort siebenmal vor die Augen bekam. Das Bild des Gekreuzigten stand auch noch vor mir, als ich das Evangelium zur Seite gelegt hatte. Ungeduldig erwartete ich den Abend, um ungestört mit diesem Herrn sprechen zu können.
Ich konnte nichts anderes mehr tun, als vor Ihm auf die Knie zu gehen und zu sagen:
„Herr, hier bin ich, ich übergebe Dir mein Leben. Behalte alles von mir Zugefügte, Künstliche, alles
falsch Aufgeputzte und gib mir das, was natürlich ist: Erfülle Du mich und übernimm Du die Herrschaft meines Lebens!"

Wieder kamen mir die Worte Jesu in den Sinn: „Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben." Und wieder sah ich das Kreuz vor mir; dasselbe Kreuz, das uns als Zeichen so gut bekannt, aber als Lebensinhalt verbannt ist. Auf Türmen, an Wänden und am Hals liebt man es, aber in der Tat haßt man es. In Bekenntnissen und Lehrsätzen ist man ein Freund und in der prak­tischen Lebensgesinnung ein Feind des Kreuzes. Vielleicht ist mit nichts in der Welt eine solche Heuchelei getrieben worden, wie mit diesem Kreuz.

Dem einen ist es ein ehernes Götzenbild geworden, dem anderen ein magisches Wunderzeichen, dem dritten ein flammendes Kampfzeichen, dem vierten ein kostbares Schmuckzeichen, dem fünften ein schwarzes Trauerzeichen, dem sechsten ein verhaßtes Ärgernis. Und doch ist es weiter nichts als der Galgen, an dem Christus für mich gestorben ist.
Es erfüllte mich eine tiefe Freude und ich wußte, daß mir vergeben war.

 

 

Ich begann in der Bibel zu lesen und zu verstehen, und mein Gebet ist seitdem, daß Gott mich zu einem Mann macht, der an das Leben glaubt und nach dem greift, was Er ihm bietet, jeder­zeit und nach allem, ohne Hast, aber auch ohne Zögern. Der weiß, daß das,was Er ihm bereit­hält, gut für ihn ist und der weiß, daß es sinnlos ist, auch nur in Gedanken zu begehren, was nicht für ihn gedacht ist. Ein Mann, der an ein nutzvolles Verstreichen eines jeden seiner Tage glaubt, an eine sich lohnende Mühe, und der sich deswegen dem anvertraut, der den Grund aller Dinge beherrscht. Mein Gebet ist, daß Gott mich zu einem Mann macht, der sich zu beherrschen versteht, in seinen Leidenschaften und Interessen, in seinen Forderungen und in seinen Launen; ein Mann, der es versteht zu kämpfen und der gelernt hat zu leiden für alles Gute, für all das, was uns gegeben ist. Der seine Feinde verabscheut und wenn nötig, gewalttätig gegen sie vorgeht, wohl wissend, daß er selbst und das Übel seine einzigen Feinde sind.
Ein Mann, der es lernen möchte, mit aller Gewalt der Aufopferung und aller Regung seiner Gefühle, mit all seiner Intelligenz und seiner Kraft, die ihm geschenkt wurde, Gott, seinen Herrn zu lieben.
Und schließlich ein Mann, der auch zu sterben versteht, der weiß, was es bedeutet, sein Leben herzugeben; es nicht zu verlieren, sondern es gerettet zu haben; der weiß, daß nun das Eindrin­gen der Vergänglichkeit in die Ewigkeit stattfindet.

Nachtext

Quellenangaben