Zeitschrift-Artikel: VISIONEN - 3. Teil (Schluß) - Visionen im NT DAS GESICHT DES KORNELIUS

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Titel: VISIONEN - 3. Teil (Schluß) - Visionen im NT DAS GESICHT DES KORNELIUS
Typ: Artikel
Autor: Andreas Steinmeister
Autor (Anmerkung):

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Titel

VISIONEN - 3. Teil (Schluß) - Visionen im NT DAS GESICHT DES KORNELIUS

Vortext

Text

Dieses Gesicht war sehr genau:

a)die Mitteilung, daß die Gebete erhört wor­den waren

b)Nennung des Namens Petrus, der zu ihm kommen sollte

c)Kennzeichnung des Ortes, wo Petrus zu finden war

Alles dieses bestätigte sich genauestens.
Ähn­liches erlebte Petrus, der um die 6. Stunde auf
dem Dache seines Hauses war, um zu beten. Eine Entzückung kam über ihn und er sah den Himmel geöffnet und ein großes leinenes Tuch herabkommen. In diesem Tuch befanden sich allerlei reine und unreine Tiere. Gott offen­barte ihm hiermit, daß er sich der Nation an­nehmen und ohne Voruteile zu Kornelius gehen solle.

Wir lesen:
a) eine Stimme geschah zu ihm (Apg.10,13)
b) er sah ein Gesicht (Apg. 10,17)
c) er sann über das Gesicht nach (Apg.10,19)
d) der Geist sprach zu ihm (Apg. 10,19) Der Geist sprach sehr deutlich zu Petrus.

„Siehe drei Männer suchen dich. Stehe aber auf, gehe hinab und ziehe mit ihnen, ohne irgend zu.zweifeln, weil i c h sie gesandt habe."

Beide Gesichte, das des Kornelius und des Pe­trus, erwiesen sich als echt und trafen genau ein. Petrus erzählt diese Begebenheit in Jerusa­lem und alle reagieren positiv. „Als sie dies

gehört hatten, beruhigten sie sich und verherr­lichten Gott ..." (Apg.11,18).

Die Beurteilung der Gesichte und die Auswir­kung wurden als göttliches Wirken von allen anerkannt. Es gab keine Zweifel.

In Apg. 16,9 erscheint dem Apostel Paulus
in der Nacht ein Gesicht: „Ein gewisser mace?

donischer Mann stand da und bat ihn und sprach:
Komm herüber nach Macedonien und hilf uns".

Wie reagierte der Apostel darauf?

1.   er wurde beunruhigt, wie wir wahrschein­lich aus 2. Kor. 2,15 entnehmen können

2.   er teilte das Gesicht seinen Begleitern mit

3.   alle zusammen schlossen, daß der Herr ihn gerufen habe.

Der Apostel teilte das Gesicht also anderen mit und überließ den andern auch die Beur­teilung.

Das Wort „schließen", griech. sybibazo, heißt auch „beweisen" (Apg.9,22), „unterweisen" (1.Kor. 2,19), „mit etwas verbinden" (Eph.4,16), „vereinigen" (Kol. 2,2), „zusammenfügen"

(Kol. 2,19); es bedeutet also: zusammen eine Sache gleich sehen.

Eine weitere Erfahrung machte der Apostel Paulus in Korinth: „Der Herr aber sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir übles zu tun; denn ich habe ein großes Volk in der Stadt." (Apg. 18.9-10)

Der Herr stand zu seiner Verheißung. Die Verse

12 bis 17 beweisen das. Aufgrund dieses Gesichts hielt der Apostel sich 1 1/2 Jahre in Korinth auf und verkündigte freimütig das Evangelium. Aus allen Begebenheiten wird deutlich, daß Gott nach Pfingsten zu ganz bestimmten Personen in schwierigen Umständen durch Gesichte redete. Das bleibt eine unbestrittene Tatsache. Wer hatte Gesichte? Ananias, ein relativ unbekannter Christ in Damaskus; Paulus auf dem Weg nach Damas­kus für eine besondere Berufung und in Apg. 16, um in einem anderen Land das Evangelium zu verkündigen. In Korinth wurde dem Apostel durch ein Gesicht Mut zugesprochen. Petrus lernte durch ein Gesicht seine Vorurteile gegen­über den Nationen abzubauen.

Im 11. und 16. Kapitel beurteilen andere Gläu­bige gleichsam die Quelle der Gesichte. Ein ein­mütiges positives Ergebnis ist die Folge. Wir wol­len kurz zusammenfassen, inwiefern Gott durch Gesichte in der früheren Versammlung wirkte:

1) Durch Gesichte wurden besondere Auf­träge erteilt
2) Mit dem Gesicht war immer das Wort ver­bunden

3) Durch Gesichte sprach der Herr seinen Knech­ten Mut zu
4) Durch Gesichte zerstreute Gott Vorurteile

5) Gesichte wurden von anderen beurteilt
6)
Jedesmal war es klar, daß Gott redete, denn das, was geschehen und gehört wurde, traf ein.

7) Niemals lesen wir, daß Frauen Gesichte hatten

8) Niemals wurden durch Gesichte einzelne Sünden von Ungläubigen oder gar Gläu­bigen geoffenbart.

9) Objektive Wirklichkeit und subjekitves Erleben z.B. von Petrus nicht klar unter­schieden werden: "Er meinte aber, ein

Gesicht zu sehen!" (Apg. 12,9)

10) Gesichte führen nie zu einer Zwangs­handlung, also zu einem Verhalten, das der christlichen Freiheit widerspricht. (Vgl. Apg. 10,17; 16,10)

4,5. Sollen Christen danach streben, Gesichte oder Träume zu bekommen? Weder der Herr Jesus, noch die Apostel in den Briefen fordern dazu auf. In den Briefen lesen wir nur einmal von Gesichten und zwar in 2. Kor. 12,1:

„... denn ich will auf Gesichte und Offenbar­ungen des Herrn kommen!" Was bedeutet das?

d)Eine Vision kann nur das eine Ziel haben, den Herrn zu verherrlichen, im Wort Gottes zu gründen und von der eigenen Person abzulenken.

e)Wenn Gesichte oder Träume zur eigenen Erbauung und Glaubensstärkung gegeben werden, so sollte man sie möglichst für sich behalten.

Die Leitung des Gläubigen geschieht wesentlich nicht durch Gesichte und Träume, sondern durch den Heiligen Geist (Rö. 8,14; Gal. 5,18)

Gesichte sind Überbleibsel aus dem AT, die im Übergang zum christlichen Glauben, teilweise den Aposteln gegeben wurden. Eigentlich sollte der Heilige Geist jedoch die Gläubigen leiten und dieser wirkt durch den menschlichen Geist (Rö. 8,16; 1.Kor. 2,12; Apg. 13, 2+4; 15,28; 16 6+7; 20,23; 21,4+11).

Wir lehnen also nicht grundsätzlich Träume und Gesichte ab, sondern mahnen nur zu ge­nauer Prüfung. Wenn jemand hauptsächlich durch Gesichte oder Träume geleitet wird, so lebt er fleischlich und niemals geistlich. Der Herr leitet uns nicht durch sichtbare Erscheinungen, sondern durch seinen guten Heiligen Geist, der in uns wohnt, so daß wir sagen können: AEs hat dem

Heiligen Geist und uns gut geschienen." (Apg. 15, 18)

Aus Joh. 16, 12-15 wird uns die Wirkungsweise des Heiligen Geistes von dem Herrn Jesus selbst mitgeteilt:

er leitet in die ganze Wahrheit

er redet über das, was er von dem Herrn hört er verkündigt das Kommende

er verherrlicht den Herrn Jesus, i idem er von ihm nimmt und es uns verkündi'dt.

In Johannes 14, 26 erinnert der Herr seine Jünger
daran, daß der Sachwalter „euch alles lehren

und euch an alles erinnern wird, was ich euch gesagt habe" und in Joh. 15,26 sagt der Herr:

„... der Geist der Wahrheit, der von clirri Vater ausgeht, so wird er von mir zeugen."

Zusammenfassend dürfen wir aus diesen Stellen folgendes ableiten:

1)Der Heilige Geist erinnert die Gläubigen an die Aussprüche Jesu zur Zeit Seines Erdenlebens - das finden wir in den 4 Evan­gelien (vgl. Joh. 14,26).

2)Der Heilige Geist leitet in die ganze Wahr­heit, indem er von dem Herrn Jesus nach seiner Himmelfahrt nimmt und es uns verkündigt - das sind die Ratschlüsse Gottes

Der Apostel erzählt in den Versen 2-10 von einem Menschen in Christo, der in den 3. Himmel entrückt wurde und dort unaussprechliche Worte hörte. Er selbst war diese Person. Dort erlebte er wunderbare Dinge, durfte sie aber anderen nicht mitteilen, damit er sich nicht überhebe. Deswegen wurde ihm auch ein Dorn für das Fleisch gegeben. Dasselbe würde er gern noch einmal erleben. Vielleicht hatte er den Herrn und seine Herrlichkeit gesehen. Wir wissen es nicht. Es war ein persönliches Erlebnis und diente seiner persönlichen Auferbauung in all den Problemen und Sorgen, in welchen er stand. (2. Kor. 11,23-33)

Niemals kann diese Stelle angeführt werden, um das Streben nach Gesichten zu rechtfertigen, denn es handelt sich nicht um eine Aufforderung an andere, sondern um einen persönlichen Wunsch des inspirierten Schreibers.

Wenn die Heilige Schrift uns also nicht auf­fordert, danach zu streben, so sollten wir es auch unterlassen.

Aber wenn jemand Visionen bekommt, was dann? Tatsächlich soll das in letzter Zeit häufig vor­gekommen sein, so daß viele Gläubige verun­sichert wurden. Wir wollen deshalb Prüfsteine erarbeiten, womit wir diese Gesichte beurteilen können.

a)    Das Gesicht sollte verschiedenen Geschwi­stern, die in der Schrift zuhause sind, genau mitgeteilt werden.

b)   Wenn das Gesicht grundsätzlichen Anord­nungen der Schrift widerspricht, sollte es sofort abgelehnt werden.

c)              Sollte die betreffende Person intensiv davon überzeugt sein, so sollte man mit ihr beten 22                                             und den Herrn um Weisung fragen.

in Bezug auf seine Versammlung, auf das ewige Leben, auf alle geistlichen Segnungen, die wir besonders in den Briefen wieder-finden (vgl. besonders Eph. 1,1-4,16; Kol. 1,5-3,4; 1.Joh. 1,1-4; 4,9-5,20; Röm. 16, 25-27; 1. Kor. 2,7; 4,1; 1.Tim. 3,9; 3,16 usw.).

 

3)Der Heilige Geist verkündigt das Kommende, d.h. dasjenige, was zukünftig ist, u.a. das prophetische Wort, wie wir es teilweise in den Briefen und in der Offenbarung finden (vgl. 1.Tim. 4,1; Offb.).

Wir lesen an keiner Stelle, daß der Geist Gottes durch Sichtbares leiten möchte, deshalb ge­braucht der Herr auch Begriffe, wie „leiten, erinnern, reden, verkündigen, zeugen". Wer also iuf Gesichte und Träume wartet, hat die gött­liche Leitung in der Haushaltung des Christen­tums nicht verstanden.

Natürlich bedeutet das nicht, daß Gott heute keine Gesichte und Träume benutzen kann, aber wir sollten diesem keinen besonderen Wert bei­messen. Er tut es dann, wenn wir vielleicht so

starrköpfig geworden sind, daß wir das leise und sanfte Reden des Geistes nicht mehr verstehen und uns nur noch „Zaum und Zügel" bändigen können (vgl. Ps.32,8-9 Elb .Übers.).

Wir wollen also dem Herrn Jesus und seinem Wort gehorsam sein, indem wir ein heiliges Leben zu führen wünschen und dem Geist Gottes Raum geben, uns so zu leiten, wie ER will. Welch ein Friede wird uns dann erfüllen, welch ein erfüll­tes Leben werden wir dann genießen, wie groß wird die Person des Sohnes Gottes dann in unseren Augen, ja, wie wird das Wohlgefallen Gottes dann auf uns ruhen. Wollen wir den Weg des Gehorsams nicht den vielen Irrwegen der Visio­näre vorziehen?

Laßt das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehret und ermahnt ...

Und der Friede des Christus regiere (ent?
scheide) in euren Herzen, zu welchem ihr
auch berufen worden seid in einem Leibe.

Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder
im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus,
danksagend Gott, dem Vater durch ihn. Ko1.3

Nachtext

Quellenangaben