Zeitschrift-Artikel: 3. Leserbrief - christliche Popmusik

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Titel: 3. Leserbrief - christliche Popmusik
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3. Leserbrief - christliche Popmusik

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Lieber Wolfgang,

aufgrund des Artikels über Popmusik in der letzten „FuT" Ausgabe fühle ich mich sehr gedrängt, Dir einiges zu schreiben.
Der Autor wirft m. E. hier so vieles durcheinander, daß ich garnicht auf alles eingehen kann und will, denn er bemüht sich an keiner Stelle um eine ideologiefreie Analyse des Phänomens Popmusik. Lediglich was die Beurteilung des Schwachsinns aus der COGO betrifft, sind wir einer Meinung.

Für den Schreiber gibt es nur die Popmusik, die Teil einer „Gegenkultur" sein soll. Hier wird doch mit Halbwahrheiten gearbeitet, was ja bekanntlich schlimmer ist als Unwahrheiten. Die Popmusik gibt es schlicht und ergreifend gar nicht. Obwohl ich kein Spezialist bin, weiß sogar ich, aus wievielen zum Teil gegensätzlichen und grundverschiedenen Elementen sich die Popmusik zusammensetzt…

Kein vernünftiger Mensch wird bestreiten, daß es in der PopmUsik auch besorgniserregende und schlimme Tendenzen gibt. Dazu zähle ich z.B. insbesondere die Disco-Musik, die es auf nichts anderes anlegt, als den Leuten das Denken abzugewöhnen. Es gibt natürlich auch tragische Fälle, wie die zitierten Jan is Joplin oder Jimmy Hendrix.

Es gibt aber eben auch christliche Gruppen, die diese Musik als eine Ausdrucksform gebrauchen, um die christliche Botschaft klar und deutlich zu verkündigen. Ich persönlich habe dies einmal bei der Gruppe Theophiles gehört. Vielleicht wäre es auch ganz gut, wenn man sich einmal mit der Rolle der Musik und des Tanzes im alten und neuen Testament befaßt - ich bin sicher, man kommt dabei zu ganz erstaunlichen Ergebnissen.

Laß mich noch eins zu der Definition der sogenannten „Gegenkultur" schreiben. Der Autor meint sehr richtig, daß in großen Teilen dieser Gegenkultur (auch hier darf man den Begriff nicht verallgemeinern - es gibt auch andere Gruppen z.B. die sog. Popperl) die bürgerlichen Werte wie Wohlstand, Leistung und soziales Prestige kritisch durchleuchtet und zum Teil abgelehnt werden. Etwas später schreibt der gleiche Autor, daß die Rockphilosophie darauf konzpiert wäre, alle Gewissenbarrieren abzubauen. Ist etwa Kritik an den o.a. Werten mit einem Abbau der Gewissensbarrieren gleichzusetzen?

Ich möchte doch auf die vielen Popmusiker hinweisen (genannt seien stellvertretend Bob Dylan und Joan Baez), die im Gegenteil versucht haben, daß Gewissen der Leute zu schärfen und zu sensibilisieren. Denk doch nur an die gesellschaftliche Wirkung dieser beiden Sänger während der Vietnam-Kriegszeit. Hier sind tatsächlich Gewissenbarrieren gebrochen worden und die Aufgabe christlicher Popmusik ist es meiner Meinung nach, reihenweise Gewissenbarrieren zu durchbrechen - bei denjenigen nämlich, die ein reines Gewissen haben, weil sie es nie benützen.

Wir sollten uns davor hüten, die Dinge vorschnell zu dämonisieren, damit stehlen wir uns aus der Verantwortung. Wenn Paulus schreibt, daß das Böse in den Dingen ist, nehme ich das für mich persönlich auch in Bezug auf die Popmusik an. Paulus fordert uns auch auf, alle Dinge zu prüfen, ob sie gut oder schlecht seien und erst dann zu einem Urteil zu kommen. In diesem Artikel stand das Urteil schon fest, bevor mit der Prüfung überhaupt erst begonnen wurde. Im weltlichen Bereich nennt man das Ideologie.

Soweit meine etwas impulsiven und sicherlich nicht logisch durchkonstruierten Gedanken.

Sei für heute herzlich gegrüßt,

Dein Raimond Schmidt

PS.: Ich bin übrigens, aus rein musikalischen Gründen, gar kein besonderer Freund der Popmusik

Nachtext

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