Zeitschrift-Artikel: Fragenbeantwortung

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Titel: Fragenbeantwortung
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Fragenbeantwortung

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Frage: Kannst Du mal etwas darüber schreiben, wie man als Christ den richtigen Lebenspartner findet?

V.K.

Weil diese Frage in letzter Zeit oft gestellt wurde, möchte ich versuchen, einige Hilfen zu geben. Wer allerdings ein fertiges Konzept oder Rezept erwartet, der sollte erst gar nicht weiterlesen.Ich setze zunächst einmal voraus, daß schon Klarheit darüber besteht, daß man heiraten soll (1. Kor. 7). Ebenfalls setze ich voraus, daß dem Leser bekannt ist, daß Gott dem männlichen Teil die Verant­wortung der Wahl und Werbung gegeben hat, und daß es sich hier um die Frage eines Jüngers Jesu handelt.

Also, wen soll ich wählen?
Von der Bibel her, und auch aus der Erfahrung mit jungen Menschen, möchte ich drei "Siebe" empfehlen, welche die Qual (oder das Vorrecht) der Wahl vielleicht etwas erleichtern.

Erstes Sieb: Bekehrt ?

Das sollte eigentlich unter Kindern Gottes selbstverständlich sein, aber leider trifft man immer wieder junge Christen an, die sich mit einem ungläubigen Partner verbinden. Hier hat man von vornherein Gottes Wort gegen sich, auch wenn man dafür betet und damit rechnet, daß der ungläubige Partner sich bekehrt. Ein solches Gebet hat keine Verheißung.
"Seid nicht in einem ungleichen Joche mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft hat Gerech­tigkeit und Gesetzlosigkeit? oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? und welche Übereinstim­mung Christus mit Belial? oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?" (2. Kor. 6,14-15)
Wer sich über diese geistlichen Grundsätze hinwegsetzt, hat den Herrn nicht auf seiner Seite. Das kann mit vielen traurigen Geschichten aus der Bibel und der heutigen Zeit belegt werden.

Zweites Sieb: Bewährt ?

Jemand, der für den Herrn Jesus leben möchte, kann nicht mit der Überzeugung zufrieden sein, daß der "Andere" bekennt, wiedergeboren zu sein. Es sollten auch Früchte des neuen Lebens und nicht nur traditionelle Gewohnheiten sichtbar werden. Handelt es sich um eine Person, an welcher Liebe zum Herrn, Liebe zum Worte Gottes, Liebe zu den Gläubigen und den Verlorenen, Hingabe und Opfer­bereitschaft zu erkennen ist?
In 2. Mose 2,1 lesen wir: " . . ein Mann vom Hause Levi ging hin und nahm sich eine Tochter Levis." Das ist ein hilfreiches Bild für das, was ich meine. Levi heißt übersetzt "anhänglich" und weist hin auf Hingabe an Christus. Der spätere Stamm Levi bekam als Lebensaufgabe den Dienst am Heiligtum. Das deutet auf die Bereitschaft hin, mit allen Kräf­ten zum Dienst für den Herrn und Sein Volk zur Verfügung zu stehen. (Das dieses Bild vom Stamm Levi niemals auf eine Gruppe oder Denomination angewandt werden kann, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden.) Die Wahl wird sicher etwas leichter fallen, wenn diese beiden "Siebe" aufrichtig benutzt worden sind.

John Wesley, der bekannte Erweckungsprediger, hätte sich manche Schmerzen erspart, wenn er dieses zweite Sieb beachtet hätte. Er heiratete eine Schwester (von Spöttern "Frettchen" genannt) mit folgender Begründung: " . . . ich glaube bestimmt, daß ich als verheirateter Mann Gott besser dienen kann. Aus dieser klaren Überzeugung heraus und auf die Ratschläge meiner Freunde hin, heiratete ich wenige Tage später." Diese Frau war mit seinem rastlosen Dienst nicht einverstanden und in ihrer Eifersucht "tat sie alles in ihrem Vermögen stehende, um ihm das Leben zur Qual zu machen." Als sie ihn 1771 verließ, bemerkt Wesley in seinem Tagebuch lakonisch: "Bis heute weiß ich nicht, aus welchem Grund sie mich verließ, um niemals wieder zurückzukehren. Ich habe sie nicht verlassen; ich habe sie nicht fortgeschickt. Ich werde sie nicht zurückholen."

Drittes Sieb: Passend ?

Hier möchte ich sehr vorsichtig sein, denn wir Menschen können schlecht beurteilen, wer zueinander paßt oder nicht. Unter "passend" verstehe ich auch nicht, daß beide z.B. musikalisch sein müssen, oder gleich "klüngelig" oder ordnungsliebend (aus eigener Erfahrung kann ich bezeugen, daß in dieser Be­ziehung Gegensätze sehr segensreich sein können!).
Aber vorsichtig sollte man auf jeden Fall sein, wenn der Mann z.B. 25 und die Frau 45 Jahre alt ist. Auch hier mag es glückliche Ausnahmen geben, aber normalerweise könnte man eine solche Ver­bindung nicht empfehlen.
Ein anderes extremes Beispiel: wenn das Mädchen eine Hochschulbildung hat, der junge Mann aber nur mit Mühe seinen Namen buchstabieren kann, dann ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß der Herr diese Verbindung gewirkt hat. Normalerweise sollte sich die Frau an den Mann lehnen können, sie sollte ihm Hilfe, aber nicht Mutter—Ersatz sein.
Gerade in dieser Frage sollte man viel beten, damit man in der Gemeinschaft mit dem Herrn eine
Weisung bekommt, und das ist sicher die wichtigste Voraussetzung, die man aber nur in der beständigen Nachfolge Jesu und nur nach vielen Prüfungen und Niederlagen bekommen kann.
Auf jeden Fall sollte jeder junge Christ, der vor dieser wichtigen Frage steht, seine Eltern oder auch Seelsorger um Fürbitte bitten. Sicher ist es auch nicht verkehrt, sich von gereiften Christen einen Rat geben zu lassen.
Wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, wo man Klarheit bekommen hat, dann sollte man aber auf keinen Fall das Mädchen erdrücken mit den Worten "das ist der Wille Gottes für uns . . " usw. In dieser Frage hat das Mädchen dieselbe Verantwortung, den Willen Gottes zu erfragen, und es wäre völlig verkehrt, sie zu einer Entscheidung zu drängen, bevor sie klar Gottes Willen
-erkannt hat.
Schwierig wird es allerdings, wenn zwischen gläubigen jungen Leuten "Freundschaften" bestehen und man möglicherweise erst viel später danach fragt, ob der Herr diese Verbindung gewollt hat. Dieses Problem müßte man einmal gesondert behandeln.

 

Diese Versuche einer Antwort ersparen also nicht ein intensives Fragen nach persönlicher Führung. Sicher sollen wir in dieser wichtigen Lebensfrage lernen:
"Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du wandeln sollst;
mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten." (Psalm 32,8)
Diese Erfahrung wünsche ich jedem, der in diesen oder ähnlichen Fragen den Willen des Herrn erkennen möchte.

Nachtext

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