Zeitschrift-Artikel: Die Bedeutung der Zeichen und Wunder in der Bibel - WERDEN UNGLÄUBIGE DURCH ZEICHEN UND WUNDER ÜBERFÜHRT ? 2. Teil

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Titel: Die Bedeutung der Zeichen und Wunder in der Bibel - WERDEN UNGLÄUBIGE DURCH ZEICHEN UND WUNDER ÜBERFÜHRT ? 2. Teil
Typ: Artikel
Autor: Benedikt Peters
Autor (Anmerkung):

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Titel

Die Bedeutung der Zeichen und Wunder in der Bibel - WERDEN UNGLÄUBIGE DURCH ZEICHEN UND WUNDER ÜBERFÜHRT ? 2. Teil

Vortext

Text

Um diese Frage zu beantworten, wollen wir einen Blick in die Evangelien tun. Hier werden die Juden nicht mehr als das erlöste Gottesvolk wie in 2. Mose angesehen, son­dern als ein "böses, ehebrecherisches Geschlecht", als "Schlangenbrut", nicht als Kinder Abrahams, sondern Satans (Matth. 3,7; 12,39; Joh. 8,44). Besonders im Jo­hannesevangelium kommt das deutlich zum Ausdruck. Zum vornherein wird da klargemacht, daß Jesus in Sein Eigenes kam, diese Ihn aber nicht annahmen. Aus diesem Grund ist in diesem Evangelium auch immer wieder vom "Fest der Juden" die Rede. Nicht mehr von "Festen Jahwes", wie sie noch ursprünglich geheißen hatten. Sie waren zu einem rein menschlichen Anlaß geworden, den der Heilige Geist nicht mehr mit "Jahwe", dem Gott Israels, verbinden kann. So sind die Juden für uns ein Beispiel von der Wirkung des Dienstes Jesu — und dazu gehören auch die Zeichen, die er tat — auf ungläubige Menschen.
Die Verse 20, 30-31 gelten diesbezüglich als Schlüs­selverse des Johannesevangeliums: "Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf daß ihr glaubet, daß Jesus der Chri­stus ist, der Sohn Gottes, und auf daß ihr glaubend Leben habet in seinem Namen."

Hier steht es doch! ist man versucht auszurufen. Jesus tat Zeichen, um in den Hörern und Zuschauern Glauben zu erzeugen. Bei oberflächlicher Betrachtung dieser Verse — wie des Johannesevangeliums überhaupt — könnte man das tatsächlich meinen. Jetzt steht aber: ". . . diese sind geschrieben, auf daß ihr glau­bet . . . " Wie wir noch sehen werden, weckten die Zeichen Jesu außer in Ausnahmefällen keinen rettenden Glauben, sondern stellten vielmehr den Unglauben der Juden unter Beweis. Hingegen sind schon zahllose Menschen durch das Lesen des Johannesevangeliums zum rettenden Glau­ben an den Sohn Gottes gekommen.
Von allen Zeichen, die der Herr Jesus tat, ließ der Heilige Geist nur eine bestimmte Auswahl niederschreiben (20, 30; vgl. auch 21, 25), nämlich solche, die in besonderer Weise die Herrlichkeit des Sohnes Gottes offenbaren, um dadurch im Leser lebendigen Glauben zu wecken. Das ist die eigentliche Aussage dieser Schlüsselverse. Folgende Stellen im Johannesevangelium scheinen zu zeigen, daß die Menschen durch Zeichen gläubig und dadurch gerettet wurden: 2,23; 3,2; 6,2.14; 7,31; 11,45; 12,18. Darum wol­len wir sie kurz der Reihe nach betrachten.
Joh. 2,23: "Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Feste, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat." Dieser Vers scheint wirk­lich deutlich zu sein. Jetzt wird aber im Vers 24 erklärt, was für ein Glaube gemeint ist: "Jesus selbst aber ver­traute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte." Er sah in ihre Herzen hinein und wußte, daß es nur toter Glaube war, wie ihn auch die Dämonen besitzen (Jak. 2,19). Durch solchen Glauben konnte es zu keinem Verhältnis der Juden mit Jesus kommen.

Joh. 3,2: "Rabbi, wir wissen; daß du ein Lehrer bist, von Gott gesandt, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm." So lautet das schöne Bekenntnis des Nikodemus über Jesus. Aber Jesus ant­wortet auf dieses "Glaubensbekenntnis", daß Nikodemus noch so weit vom Reich Gottes entfernt ist, daß er es nicht einmal sehen kann! (V.3) Dann spricht Jesus bis Vers 21 über Seine Sendung und den Glauben zur Er­rettung. Aufgrund dieser Belehrung hat sich Nikodemus wahrscheinlich bekehrt (vgl. Kap. 6,50-51; 19,39)

Joh. 6,2: "Es folgte ihm eine große Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat." Warum folgten sie Ihm? Wollten sie Seine Jünger werden? Jesus tut an ihnen das Zeichen der Mehrung der Brote.

Darauf lesen wir in Joh. 6,14: "Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: 'Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll'." Also folgten sie Ihm, weil sie in Ihm den Propehten er­kannten! So möchte man meinen. Jesus aber sagt: "Ihr suchet mich, weil ihr von den Broten gegessen habt, und gesättigt worden seid" (V. 26). Darum wollten sie Ihn auch zum König machen. Einen besseren hätten sie sich nicht wünschen können. Den hätte heute jede atheistische Nation als Führer akzeptiert. Ein Mann mit solchen Fähig­keiten! Einer, der Kranke heilen und für Nahrung in Über­fluß sorgen kann. Da wäre man alle Probleme los. Daß die Juden tatsächlich nur an materielle Vorteile dachten, beweist ihre Reaktion auf die darauffolgende Predigt Jesu. Er legt dar, was Er mit der Speisung der 5000 hatte aussagen wollen, nämlich: "Ich bin das Brot des Lebens." Hier tut er Seinen wahren Prophetendienst. Er verkündigt das Wort. Da laufen Ihm die Leute davon, die Ihn noch kurz vorher als den großen Propheten gerühmt hatten (Joh. 6,60-66). Ähnlich will man heute nur noch Pro­pheten mit Wundergaben. Wer aber das Wort Gottes kom­promißlos verkündet, den will man nicht hören.

Joh. 7,31: "Viele aber von der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommt, wird er etwa mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat?" Wiederum lesen wir, daß die Menschen aufgrund der Zei­chen an Jesus glaubten. Aber wir müssen auch hier fragen: Was war das für ein Glaube? In Kapitel 8 in den Versen 31-59 wird uns genaue Auskunft gegeben: "Jesus nun sprach zu den Juden, welche ihm geglaubt hatten: 'Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger' " (V. 31). Wahrhaftig, also nicht nur dem äußeren Bekenntnis nach. In der darauffolgenden Rede des Herrn zeigt sich, wieviele an Seinem Wort bleiben wollen. Jesus offenbart den Juden, wer sie sind: Vom Teufel (V.44); und "darum höret ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid" (V. 47). Darauf antworten die gleichen Leute, die Ihn unter dem Eindruck der Zeichen, die er tat, Messias ge­nannt hatten: "Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und einen Dämonen hast" (V. 48).- Dann sagt ihnen Jesus, wer Er ist: "Ehe Abraham ward, bin ich" (V. 57), also der Ewige. "Da hoben sie Steine auf, damit sie auf ihn würfen." Das war also ihr Glaube an den Messias!

Joh. 11,45: "Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was er getan hatte, glaubten an ihn." Inzwischen haben wir gelernt, zu fragen: Was für ein Glaube ist gemeint? Auch für die nächste Stelle:

Joh. 12,18: "Darum ging ihm auch die Volksmenge entgegen, weil sie hörten, daß er dieses Zeichen getan hatte." Warum gingen sie Ihm wohl entgegen? Auf alle Fälle nicht, weil sie Ihm so glauben wollten, "wie die Schrift es sagt" (7,38). Denn wir lesen im gleichen Kapitel, daß die Leute Jesus nicht verstehen und seine Auffor­derung, an das Licht zu glauben, solange es da ist, offen­sichtlich in den Wind schlagen. Denn es folgt der traurige Satz: "Dies redete Jesus und ging hinweg und verbarg sich vor ihnen" (V. 36). Und dann folgt der niederschmet­ternde Kommentar, der die Auswirkungen all Seiner an den Juden geschehenen Zeichen zusammenfaßt:

Joh. 12,37: "Wiewohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn." Warum? Ihre Herzen waren verstockt (V. 38-40). Verstockte

Herzen werden auch durch Zeichen nicht erweicht. Wer nicht glauben will, wird durch Zeichen nicht überführt, vielmehr wird sein Unglaube um so deutlicher offenbar. Die Zeichen geschehen zum Gericht. Das wußte Jesaja, "weil er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete" (V.41; vgl. Jes. 6). Wer die Herrlichkeit des Herrn gesehen hat, kennt die Menschenherzen. Darum klagt eben Jbsaja: "Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?"

(Jes. 53.1). Er sah den Unglauben. Durch das Kommen Jesu wurde er bestätigt. Wir hatten uns anfänglich gefragt, ob die Erlösten nicht durch Zeichen und Wunder im Glauben gestärkt und Zweifler und Unglaubende überführt würden. Mit erstaunlicher Deutlichkeit zeigt uns die Bibel durch die Beispiele des erlösten Israel und der ungläubigen Juden, daß Zeichen diesem Zweck nicht im geringsten dienen. Damit dürfte auch klar sein, daß Zeichen nicht die Exi­stenz Gottes beweisen sollen. Hat Gott sich nicht über­deutlich durch die Schöpfung (Ps. 19,1-3; Röm. 1,19-20), das Gewissen, Sein Wort und die Sendung Seines Sohnes geoffenbart? Eine Zeichenforderung wäre eine glatte Leugnung dieser Tatsachen, eine offene Herausforderung an Gott.

Wozu aber gab Gott Zeichen und Wunder? Zur Beant­wortung dieser Frage wollen wir zunächst as Auftreten von Zeichen und Wundern in der Heilsgeschichte (1) betrachten. Wer die Bibel daraufhin aufmerksam liest, wird feststellen, daß Zeichen sparsam — in Perioden —nach Plan — auftreten.

a) Sparsam
Weder Henoch, der mit Gott wandelte, noch Noah, der Prediger der Gerechtigkeit, noch Abraham, der Vater des Glaubens, taten Zeichen oder waren mit Wunderkräf­ten ausgerüstet. Dennoch war Henoch ein geistlicher Mann, und Noah hatte gewiß eine überaus ernste Botschaft an seine Zeitgenossen zu richten. Abraham wird als Vorbild für alle Glaubenden dargestellt (Römer 4). Zeichen wirken zu können hat also nichts mit besonderer Geistlichkeit oder großem Glauben zu tun! Und gerade das will man uns heute vielfach weismachen.Der erste Mann in der Geschichte der Erlösten, der Zeichen tut, ist Mose. Man beachte, daß er nach 2700 Jahren Menschheitsgeschichte auftritt! Auch durch seinen Nachfolger Josua geschehen Zeichen. Danach verstreichen wieder 700 Jahre, bis Elija und Elisa auftreten und Zeichen tun. Nicht einmal David tut Zeichen, und er war ein Mann nach dem Herzen Gottes. Offensichtlich lag es Gott nicht am Herzen, in seiner Zeit Zeichen zu geben.
Es verstreichen wiederum Jahrhunderte, bis durch die Hand Jesu erneut große Zeichen geschehen. Selbst Johannes der Täufer, von dem Jesus bezeugt, er sei "mehr als ein Prophet" (Math. 11,19), tut keine Zeichen, wie Joh. 10,41 ausdrücklich sagt.
Zeichen sind in der Gesamtheilsgeschichte selten. Wieso? Weil sie ihren Aussagewert durch ihren Seltenheits­wert besitzen.
(1) Literaturempfehlung: "Gebetsheilungen, Zungen­reden, Zeichen und Wunder im Lichte der Schrift" von H.L. Heijkoop; Ernst Paulus Verlag, Neustadt

2. Auch von daher muß man sich fragen: Welchen Aussagewert besitzt heute noch eine zeichenhaft gesche­hene Heilung, wenn an allen Ecken und Kanten Geist-heiler und Handaufleger dasselbe tun? Als Jesus in Markus 2 den Lahmen heilte, staunten die Menschen: "Niemals haben wir es also gesehen!" und in Joh. 9,32 lesen wir: Von Ewigkeit her ist es nicht erhört, daß jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan habe." Was Jesus tat war damals erstmalig und einmalig, und darum war es ein wirkliches Zeichen. Jetzt lesen wir aber in Offen­barung 13,3, daß das Heilungswunder ein Paradewunder des Feindes sein wird, das dem Tier die Anbetung der ganzen Welt sichert!
Aus diesem Grund können Zeichen unmöglich die Normalausstattung eines jeden Gläubigen sein. Selbst in den heilsgeschichtlichen Perioden, in denen Gott durch Zeichen wirkte, waren nur einzelne mit solchen übernatür­lichen Gaben ausgestattet. "Haben alle Wunderkräfte?" fragt der Apostel, oder das "Zeichen" (1. Kor. 14,22) der Sprachenrede? Natürlich nicht. In der Apostelgeschichte taten fast ausschließlich die Apostel Wunder. Die einzigen Ausnahmen waren Stephanus und Philippus, welche aber die Apostel persönlich durch Handauflegung beauftragt hatten. Wohl deshalb spricht Paulus von "Zeichen des Apostels" (2. Kor. 12,12). Er will damit sagen, die Zeichen sind spezifisch apostolisch. Die Zeichen traten sparsam auf, und zwar nicht nur zeitlich, sondern auch in der Verteilung auf die Gläubigen gesehen.

John Wesley sagte in einer Predigt über die Apo­stelgeschichte, nachdem er die Frage offen gelassen hatte, ob Gott heute noch durch Zeichen redet: "Aber das ist zu beachten wichtig, daß sie sogar in den Anfangszeiten der Kirche von Gott nur mit sparsamer Hand ausgeteilt worden sind . . . Vielleicht nicht einer unter tausend, wahrscheinlich keiner, abgesehen von den Lehrern der

Kirche, und von denen nur einige wenige."

(Wesley, Predigten; herausgegeben von Dr. Ernst Sommer; Anker Verlag, Frankfurt a. M., S. 84)

b)
In Perioden
Dazu ein Zitat aus John Stotts "Baptism and Full­ness", Pp. 97,98: 'Wenn wir herauszufinden suchen, wo die biblischen Wunder vorkommen, entdecken wir, daß sie sich in der Schrift ansammeln wie Sterne am nächt­lichen Himmel. Es gibt vier große Konstellationen. Sie häufen sich zuerst um Mose, als zweites um Elija, Elisa und die Propheten, drittens um den Herrn Jesus selber und viertens um die Apostel. Nun, dies sind die vier Haupt­perioden der Offenbarung: Das Gesetz, die Propheten, der Herr, die Apostel." Diese vier Anhäufungen von Wun­dern in der Heilsgeschichte läßt unzweideutig folgern, daß sie

c)
nach göttlichem Plan
geschahen. Das entspricht völlig dem Wesen des Gottes der Harmonie und des Friedens. Er ist kein Gott der Un­ordnung.

In einem "Tohu wa Bohu" hinein sprach Gott Sein Wort der Allmacht und schuf in 6 Perioden eine Welt wunderbarer Ordnung und Harmonie. Diese gottgewirkte Ordnung in allen Naturabläufen ist es, die Seine Weisheit und Herrlichkeit verkündet (Ps. 19,1). Gott schuf alle Pflanzen und Lebewesen "nach ihrer Art". Überall be­gegnen wir dieser wunderbaren Ordnung, die auf deri Genius des Schöpfers schließen und uns ahbeten läßt. Sollte es sich mit dem Heilshandeln Gottes in der Ge­schichte der Menschheit anders verhalten? Nein, auch hier führt Gott den Menschen nach Ablauf von 6 Heils­perioden (auch Tage genannt: 2. Kor. 6,2; Matth. 24,37) in den siebten Tag der Ruhe und des Friedens ein: ins Tausendjährige Reich.

Nachtext

Quellenangaben