Zeitschrift-Artikel: Freiheit hinter Gittern

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Titel: Freiheit hinter Gittern
Typ: Artikel
Autor: Günter Möbius
Autor (Anmerkung):

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Titel

Freiheit hinter Gittern

Vortext

Text

Ich heiße Günter Möbius, bin 24 Jahre alt, habe den Be­ruf des Schornsteinfegers erlernt und denselben bis auf die Unterbrechungen durch meine Haftstrafen eigentlich auch immer ausgeübt. Seit Juni 1982 bin ich nun zum dritten Mal wegen Vergehens gegen das Betäubungsmit­telgesetz in Haft.

Durch einen Mitgefangenen, der die Bücher verwaltet und abends immer verteilt, bin ich hier in der Vollzugs­anstalt zum Glauben gekommen. Er hat mir Glaubensbü­cher und -zeugnisse zu lesen gegeben und auch einige Gespräche mit mir geführt. Ebenso hat er mich sonn­tags nachmittags immer zu sich in die Büchereizelle ein­geladen, wo wir dann ungestört über gewisse Dinge, Fra­gen und Probleme reden konnten. Na - auf jeden Fall merkte ich mit der Zeit, daß er auch wirklich meinte, was er sagte, und auch danach lebt. Ausschlaggebend war für mich die Tatsache, daß dieser Mitgefangene ei­nen intelligenten Eindruck machte, weshalb ich zu der Überlegung und Erkenntnis kam, seine Reden nicht als "Verrücktheit eines Irren" abzutun, sondern ich begann zu überlegen.

Ich "kaute" die Bücher durch, wobei mein Interesse und meine Neugierde immer mehr wuchsen. Ich ging dann auch zum Bibelgesprächskreis, in dem ich aber nun nicht mehr bin, da ich zur Arbeit im Arbeitssaal einge­setzt wurde. Ich empfand es schließlich als unbefriedi­gend, nur zu l e se n, - ich begann zu beten, also mit Gott zu reden.

Der Mitgefangene lieh mir zur Anstalts­bibel noch seine Scofield-Bibel, mit Kommentaren. Gott hat derart durch Sein Wort und auch durch die oben er­wähnten Zeugnisse zu mir gesprochen, daß ich IHN als Realität erkennen und anerkennen mußte, insbesondere, daß der Herr Jesus für mich, d.h. für meine Schuld und Sünde am Kreuz von Golgatha gestorben ist und damit meine Schuld und Sünde auf Sich genommen hat. Auf­grund dieser Erkenntnis habe ich den Herrn als meinen persönlichen Heiland angenommen und bin meines Heils gewiß. Ich will nun ein Leben mit dem Herrn führen und mich in Seinen Dienst stellen.

Bisher besaß ich immer nur eine Leihbibel von der An?
stalt und leihweise eine Scof ield-Bibel von meinem o.e. Mitgefangenen, der sie natürlich für seine Übersetzungs­arbeiten benötigt. Ich betete um den Besitz einer eige­nen Bibel. Mein Mitgefangener konnte es bewerkstelli­gen, daß ich von jemandem, mit dem er korrespondiert, eine Bibelübersetzung mit Erläuterungen bekam. - Eine ganz klare Gebetserhörung, wenn man bedenkt, daß ich für diese Bibel nichts zu zahlen hatte.

Mit dieser Bibel ist noch eine ganz tolle Sache verbun­den, die ich unbedingt erzählen muß: diese Übersetzung wurde mir von dem stellvertretenden Anstaltsdienstlei­ter überreicht, als ich gerade von meiner Mutter Besuch hatte, bei dem ein Beamter anwesend war. Meine Mut­ter sah natürlich die Bibel und fragte mich, was mit mir los sei. Ich erzählte von meinem Gesinnungswandel im Beisein des Beamten. Meine Mutter wurde echt hell­hörig und sagte, daß sie sich auch dafür interessiere und sich deshalb eine Bibel kaufen wolle.

Zu Ihrer Information möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich täglich für meine Familienangehörigen bete, also für meine Mutter, meine Schwester, meine Freundin, in dem Vertrauen, daß der Herr auch s i e zum Glauben kommen und errettet werden läßt.

'Hier habe ich noch einen weiteren Mitgefangenen kennengelernt, der mit dem ersterwähnten als Haus- und Klosettreiniger sowie als Küchengehilfe zusammenarbei­tet, was der erstgenannte Mitgefangene neben seiner Bü­chereiarbeit noch macht. Der weitere Mitgefangene ist hier auch zum Glauben gekommen. Es ist bereits klar, daß wir miteinander Kontakt pflegen werden, um zusam­men in Baden-Württembergs und/oder Deutschlands Ge­fängnissen neben unseren eigentlichen Berufen zu evan­gelisieren. Der erster wähnte Mitgefangene wird vor mir entlassen und wird mich also betreuen, während ich mich irgendwo in Haft oder in Therapie befinden werde.

Ich bin froh und dankbar, daß ich diesen Bücherwart ge­troffen habe. Wenn mir etwas unklar ist, kann ich mit ihm über alles reden.

Falls Sie diesen meinen Bericht in einer Ihrer Zeitschrif­ten abdrucken möchten, können Sie es gerne unter An­gabe meines Namens tun, weil ich der Meinung bin, man kann es nicht laut genug sagen, daß der HERR lebt, und
dazu gebe ich auch in aller Öffentlichkeit meinen Namen her.

 

 

Nachtext

Quellenangaben