Zeitschrift-Artikel: Frage zu christlicher Musik

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Titel: Frage zu christlicher Musik
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Frage zu christlicher Musik

Vortext

Text

"Können Sie uns eine Aufstellung der Bands und Solosänger erarbeiten, die für uns Christen nicht gefährlich sind?"

R.W.

Ich bin nicht sicher, ob es dem Fragesteller um sog. "weltliche" oder "christliche" Bands und Sänger geht. Da aber auch von einer anderen Seite gefragt wurde, ob wir nicht - nachdem wir die "christliche Rockmusik" recht kritisch beleuchtet haben - mal positiv etwas über christliche Musik schreiben könnten, möchte ich mich in meiner Antwort auf christliche Gruppen beschränken.

Eine Liste möchte ich allerdings nicht anfertigen. Ein?
mal, weil ich kein TÜV solcher Gruppen und Personen bin und sein möchte, zum anderen, weil eine solche Li­ste mit großer Wahrscheinlichkeit laufend korrigiert werden müßte. Die Geschichte vieler Sänger und Bands, die einmal gut gestartet, aber später jämmerlich unter­gegangen sind, macht mich da vorsichtig.

Lieber möchte ich einige Kriterien nennen, nach denen ich solche, die vorgeben, dem Herrn mit ihrer musikali­schen Begabung dienen zu wollen, beurteilen würde. –

Es geht mir dabei nicht in erster Linie um einen beson­deren musikalischen Stil. Ich glaube nicht, daß es eine Stilrichtung in der Musik gibt, die an sich ungefährlich ist. Andererseits kann ich den Einsatz von Schlagzeug und Elektrogitarre nicht pauschal verurteilen. Mir ist die Person des Sängers, sein geistliches Leben, viel wichtiger als seine Musik, die bestenfalls Ausdruck sei­ner inneren Haltung ist.

Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Es wird sich wohl kaum jemand aufregen, wenn in einem Chor, der gefühlvoll "Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt . . ." singt, einige mitsingen, die in der Sün­de leben, bzw. deren Leben das Gegenteil von dem aus­drückt, was sie im Lied bekennen. Andererseits käme sicher von einigen Leuten Protest, wenn jemand, dessen Lied mit seinem Leben übereinstimmt, einen ungewohn­ten Musikstil benutzt, um sein Anliegen auszudrücken.

Die folgenden Kriterien beginnen mit Äußerlichkeiten, die aber eine bestimmte innere Haltung deutlich ma­chen, um dann zum Kern der Sache zu kommen.

1. Wie steht man zum Geld?

Solche, die für ihren Einsatz Geld, Spesen usw. fordern oder erwarten, würde ich sofort ablehnen.
Mit der Verbreitung des Evangeliums sind Opfer an Zeit, Geld und Kraft verbunden. Wer wirklich ein evan­gelistisches Anliegen hat, wird kein Opfer scheuen. Wenn aber nun das Gegenteil der Fall ist, wenn man versucht, seine Kosten zu decken oder gar Gewinn zu machen, wird aus dem Zeugnis ein Auftritt, eine Show ohne Glaubwürdigkeit.

Es gibt Sänger und Gruppen, die drei- und vierstellige Summen pro Auftritt fordern und denen ich deswegen keine geistliche Motivation zutraue. Das geistliche Er­gebnis nach einer solchen Vorstellung ist in den meisten Fällen: "Außer Spesen nichts gewesen!"

Ich bin überzeugt, daß der überwiegende Teil aller Sän­ger und Gruppen sofort ihren "Dienst" einstellen wür­den, wenn man die unsinnige Kosten- und Kilometerpau­schale abschaffen würde. (Dieser Grundsatz trifft natür­lich auch auf die Verkündiger des Evangeliums zu!)

 

2. Wird etwas von „Nachfolge" sichtbar?

Es geht nicht darum, daß Äußerlichkeiten überbetont werden sollen. Dennoch sollte jeder Sänger ein Vorbild im Sinne von 1. Tim. 4,12 sein. Gerade Sänger und Ver­kündiger werden schnell zu Leitbildern, an denen sich Jüngere orientieren.

Leider habe ich oft festgestellt, daß viele solcher "christlichen" Musiker nicht einmal in Randfragen wie Nikotin usw. eine entschiedene, vorbildliche Position be­ziehen. Auch die Haltung zum anderen Geschlecht ist oft auffallend lasch und würde mir eine Zusammenar­beit unmöglich machen.

3.   Welche Motivation ist zu erkennen?

Es ist eine traurige Tatsache, daß viele dieser Musiker und Sänger nicht in der Lage sind, ein seelsorgerliches Gespräch zu führen, weil ihre Stellung zum Herrn und zur Bibel unklar ist.

Sind sie von einer Leidenschaft durchdrungen, Seelen zu Christus zu führen?

Dementsprechend werden die Lieder, das Auftreten und die Ausstrahlung entweder auf den Herrn hinweisen oder ihre eigene Person groß machen. Nichts ist widerli­cher, als wenn Christen einem christlich getarnten Star-Kult erliegen und das Anliegen des Heiligen Gei­stes zu einer Perversion verzerren.

Zu William Booths Zeiten mußten die christlichen Musi­ker damit rechnen, bei ihren Auftritten mit faulen Eiern, Tomaten und toten Ratten beworfen zu werden. Halbherzige Christen wagten sich damals mit ihren In­strumenten nicht in die Öffentlichkeit.

Heute werden solche Musiker und Sänger oft mit Ap­plaus bedacht und Autogrammwünschen bedrängt. Für die geistliche Entwicklung dieser meist jungen Leute wä­re es gewiß besser, einige Jahre die Erfahrungen eines Mose in der Wüste, oder eines David in der Verfolgung zu machen, als im Rampenlicht der Öffentlichkeit beklatscht zu werden. Viele haben für dieses Linsengericht der Ehre und Anerkennung ihre Liebe und Hingabe zum Herrn eingetauscht. Das traurige Ende mancher Gruppen mit wohlklingenden Namen ist davon ein Zeugnis.

Der Stellenwert der Musik in der Evangelisation

Mein Eindruck ist, daß Musik und Gesang unter uns Chri­sten einen zu hohen Stellenwert haben.

Wir lesen im NT an keiner Stelle, daß die Jünger Jesu mit Pauken und Trompeten ihre Evangelisationen um­rahmt haben. Ein Paulus mit Fiedel und Flöte auf dem Areopag scheint mir unvorstellbar.

Auch wenn man an die erste Periode der Erweckungsbe­wegung denkt, an Personen wie Whitefield, Wesley oder an die Herrnhuter, dann stellt man fest, daß damals die Menschenmassen durch das Wort Gottes gewonnen wur­den, und daß ein musikalisches Rahmenprogramm die Botschaft nur entschärft hätte.

Erst am Ende des vergangenen Jahrhunderts begann der Einzug der Sänger und Musiker in die Evangelisation, und heute ist eine größere Evangelisation ohne sie kaum denkbar.

Wir müssen uns darüber im klaren sein: je mehr Musik und Gesang, desto mehr Einfluß auf die Seele, - egal, ob nun "So wie ich bin . . ." oder "we shall overcome . . ." gesungen wird. Wenn in einer auf diese Weise stimulier­ten Atmosphäre dann noch zur Bekehrung aufgefordert wird, oder gar der "Altarruf" ertönt, kann man sicher sein, daß sich die Schar der christlichen Mitläufer an diesem Abend vermehrt. Ob diese "Bekehrten" dann aber die oft rauhe, unsentimentale Wirklichkeit der Nachfolge Jesu ohne musikalische Untermalung ertragen können, wird sich zeigen.

Nichts also gegen entschiedene Christen, die mit Leben, Wort und Lied Zeugen Jesu sind. Alles aber gegen Bands, Sänger und Chöre, die ihren Nachholbedarf an Ehre und Anerkennung durch eine christliche Show decken möchten und damit den endzeitlichen Ausver­kauf biblischer Werte musikalisch begleiten.

Kann man damit rechnen, daß diese Musiker die Verkündigung des Evangeliums betend begleiten?

Vor 130 Jahren bestimmte der Däne S. Kierkegaard den "Professor der Theologie" als Richtpunkt innerhalb der Christenheit. "Im gleichen Maße, wie der 'Professor' für das Höchste gehalten wird, im gleichen Maße ist man im Christentum am stärksten irregeführt."

Heute würde ich daran anlehnend sagen: "An der Art, wie man über den "christlichen Musiker" urteilt, kann man den Standort der Christenheit erkennen und das Ur­teil über das Christentum."

       

Nachtext

Quellenangaben