Zeitschrift-Artikel: Weiß man es wirklich nicht besser?

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Titel: Weiß man es wirklich nicht besser?
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 278

Titel

Weiß man es wirklich nicht besser?

Vortext

Text

"Billy Graham ruft Wehkirchenrat zur Umkehr auf"
so lautete eine fettgedruckte Schlagzeile im "Evangelischen Allianzbrief" September '83.

Unter dieser Überschrift wird dann ausgeführt, daß Billy Graham auf der Internationalen Konferenz für reisende Evangelisten in Amsterdam einen dringenden Aufruf an den Weltkirchenrat gerichtet habe. Am Schluß des Artikels wird erwähnt, Graham habe eine Einladung zur Vollversammlung des Weltkirchenrates abgelehnt. Warum Graham abgelehnt hat, wird nicht erwähnt, so daß der Leser den Eindruck gewinnen kann, als wollte sich der amerikanische Evangelist von der Ökumene distanzieren...

"Idea" vorn 21.12.1983 berichtet unter der Überschrift "Billy Graham, kein Freund des Weltkirchenrates", daß der Präses des Gnadauer Verbandes gegenüber dem Chefredakteur der Wochenzeitung "Unsere Kirche", Gerhard Stoll, geäußert hat, daß Graham harte Kritik am Weltkirchenrat ausgesprochen habe. Ihn als Freund der Genfer Organisation hinzustellen, widerspräche den Tatsachen.

Etwas verwirrt ist man dann, wenn man die "idea"- Dokumentation "Amsterdam '83" liest, in welcher Graham selbst zu Wort kommt und einen ganz anderen Eindruck hinterläßt:

"Dr. Philip Potter, der Generalsekretär des Rates, lud mich freundlicherweise nach Vancouver ein, um mehrmals während der Konferenz zu sprechen. Leider machten mir frühere Terminvereinbarungen es unmöglich, daran teilzunehmen. Dazu gehört auch diese Konferenz in Amsterdam. Als wir das Datum dieses Treffens vor zwei oder drei Jahren festlegten, haben wir bedauerlicherweise nicht das Datum des Treffens in Vancouver in Betracht gezogen. Ich bin sehr dankbar für die freundlichen Telegramme, die mir Grüße übermittelten, und die Zusagen der Fürbitte für uns von führenden Vertretern des Weltkirchenrates, einschließlich eines Telegrammes von Generalsekretär Dr. Potter.

Eine Anzahl Teilnehmer wird direkt von dieser Konferenz nach Vancouver reisen. Einige Mitglieder meiner Organisation sind als Beobachter dort .

Graham führt dann weiter aus, daß er bisher an jeder Vollversammlung, außer in Nairobi, teilgenommen hat und auch 1948 bei der Gründung des Weltkirchenrates dabei war. Abschließend ruft er den Weltkirchenrat auf, die Verkündigung des rettenden Evangeliums an die erste Stelle zu setzen.

Wer diese Ausführungen ohne Vorurteil liest, kann darin keine "harte Kritik" am Weltkirchentag erkennen, sondern vielmehr ein Bedauern, nicht als Redner dabei sein zu können.

Auch der folgende Brief Grahams an Potter, der in der Zeitschrift "Sword and Trowel" vom 20.12.1983 veröffentlicht wurde (ein Blatt der Baptisten in England, welches übrigens von Spurgeon gegründet wurde), läßt von einer harten Kritik am Weltkirchenrat nichts erkennen:

"Lieber Philip,

ich danke Dir herzlich für Deine freundlichen Grüße an mich und die Intern. Konferenz für Reise-Evangelisten, die unserer Versammlung von 4.000 Evangelisten aus über 130 Nationen übermittelt wurden.

In den zehn Tagen hier in Amsterdam sind wir von Gott reich gesegnet worden, als wir über unsere Berufung, als Evangelisten das Evangelium Christi zu verkündigen, nachdachten.

Wie ich Dir bereits deutlich gemacht habe, bedaure ich zutiefst, daß es mir nicht möglich sein wird, die Einladung als Teilnehmer und Sprecher in der sechsten Versammlung anzunehmen, da mich Verpflichtungen hindern. Dies wird aber nur die zweite Versammlung sein, die ich seit 1948 in Amsterdam versäumt habe. Bitte sei versichert, daß ich täglich für Dich und für Eure Zusammenkünfte beten werde. Möge Gott Eure Überlegungen segnen und leiten, und möge Gott die sechste Versammlung dazu verwenden, den Kirchen der Welt einen neuen Auftrag zu geben, das Evangelium Jesu Christi mit Freimütigkeit und Liebe in Wort und Tat zu verkündigen.

Brüderlich, Dein Billy Graham"

Nein, Billy Graham hat weder Potter noch die Vollversammlung zur gewiß nötigen Buße gerufen, sondern seine freundschaftliche, ja sogar brüderliche Verbundenheit mit diesem antichristlichen System ausgedrückt. Traurig, aber wahr.

Nachtext

Quellenangaben