Zeitschrift-Artikel: Die Bürger des Reiches Gottes

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Titel: Die Bürger des Reiches Gottes
Typ: Artikel
Autor: William MacDonald
Autor (Anmerkung): übersetzt von Marita Lindner

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Titel

Die Bürger des Reiches Gottes

Vortext

Text

 

Christen sind Fremdlinge mit Auftrag und Ziel

Im Gegensatz dazu sind die Gläubigen Fremdlinge und Pilger auf der Erde
(1.Pe 2,11).
Die Welt bietet für sie eine gute Schule, aber ein armseliges Heim. Sie wandern durch die Welt ihrer eigentlichen Heimat entgegen, entschlossen, nichts von dem Wesen der Welt anzunehmen. So erinnerte Jesus seine Jünger daran, daß sie zwar in der Welt, aber nicht von der Welt sind (Jo 17,11.14.16). So wie Er, sind auch sie in der Welt (1Jo 4,17). Paulus vergleicht sie mit Botschaftern Christi, die sich im Auftrag Gottes an die Menschen wenden (2Ko 5,20).

In diesem Zusammenhang schrieb Vance Havner:

"Als Jakob auf Josefs Einladung hin mit seinem ganzen Haus nach Ägypten kam, ließen sie sich im Land Gosen nieder. Jetzt lebt die Gemeinde als Gottes Volk, das zum himmlischen Königreich gehört, in Ägypten - das heißt in dieser Welt -, ist aber nicht von dieser Welt. Sie bildet eine geistliche Kolonie des himmlischen Reichs. Nicht etwa, daß Erdenbürger auf dem Weg in den Himmel wären, sondern Himmelsbürger sind auf dem Weg durch diese Welt als Pilger und Fremdlinge, als Ausländer und Heimatlose, ein heiliges Volk innerhalb der Nationen: die Familie Gottes."

J.G. Deck beschrieb die wahre Stellung der Gläubigen im folgenden Gedicht:

Einst nur Erdenbürger waren wir,
zur Kindschaft berufen, Gott, von dir,
pilgern wir zu einer himmlischen Stadt,
wo Gott uns das Erbe bereitet hat.

Fremde und heimatlos in der Welt,
die uns nur ein Grab bereitgestellt;
doch dein Kreuz hat uns von Fesseln befreit,
du selbst bist unser Schatz in Ewigkeit.

Philip Hacking sagte, daß wir wie Abraham berufen sind, von der Welt auszugehen, weil wir anders sind. Und doch sollen wir als Salz und Licht wieder in die Welt gehen.

Christen lieben weder die Welt noch was in der Welt ist, sondern sind darauf aus, den Willen Gottes zu tun. Sie wissen nämlich: Wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit (2Jo 2,15-17). Genau genommen sind sie

Nonkonformisten, die sich weigern, die Forderungen dieser Welt als Maßstab zu akzeptieren oder ihr gleich zu werden. Die Gesellschaft fordert Konformismus. Wenn du ihre Anforderungen nicht erfüllst, bestraft sie dich; wenn du ihre Anforderungen übertriffst, verfolgt sie dich. Sie erwartet eine graue, eintönige, angepaßte Konformität. Aber der Christ wird von ihr weg nach oben gezogen. Er geht nicht mit ihr im Gleichschritt, sondern folgt einem anderen, fernen Rhythmus. Er ist kein Echo mehr, sondern eine eigenständige Stimme. Er ist keine Marionette mehr, sondern eine Persönlichkeit Der Herdentrieb ist gebrochen."

Das Leben des Christen ist voller ernster Konflikte.
Ronald Dunn schrieb dazu:

"Es ist kein Sport, den man von der Tribüne aus in sicherem Abstand beobachtet. Wir stehen mitten im Kampf und sind persönlich in den Konflikt hineingezogen, ob wir es nun merken, oder nicht."

Der Christ lebt nicht in friedlicher Koexistenz oder einer sicheren Phase der Entspannungspolitik, sondern steht in einem ausgebrochenen Krieg mit dem Reich Satans. Er bezeugt, daß ihre Werke böse sind (Jo 7,7) und er verkündet die Botschaft von der Versöhnung: Der sündige Mensch kann durch das Werk des Erlösers am Kreuz von Golgatha mit Gott versöhnt werden. Dort hat Gott, der Vater, "den, der Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm" (2Ko 5,21). Während der Christ von der Welt abgesondert leben soll, soll er sich doch nicht abkapseln. Die Trennung, von der die Bibel spricht, meint nicht ein Mönchsdasein. Jemand drückte es so aus: "Der Christ soll in der Welt leben, aber er soll nicht zulassen, daß die Welt in ihm lebt."

Ein Gedicht von Isaac Watts erinnert uns, daß "diese schändliche Welt kein Freund der Gnade ist, die uns zu Gott bringt." Im Gegenteil, sie steht uns mit unerbittlicher Feindschaft gegenüber und möchte jedes göttliche Prinzip auslöschen, für das wir eintreten. Sie versucht, die Schöpfung durch Evolution zu erklären. Durch Abtreibung leugnet sie die Heiligkeit menschlichen Lebens. Durch Scheidung aus jedem befiehlgen Grund bewirkt sie den Zusammenbruch des familiären Zusammenhalts. Die Reinheit der ehelichen Verbindung wird durch vorehelichen Verkehr zerstört Homosexualität und lesbische Praktiken werden als akzeptabler und alternativer Lebensstil angesehen. Die Ordnung der göttlichen Gebote für Gemeinde und Familie wird durch militanten Feminismus lächerlich gemacht. Christentum und Staat sind so weit voneinander entfernt, daß Gott und Christus im öffentlichen Leben überhaupt nicht mehr erwähnt werden. Unzucht, Pornographie, Nacktheit, Schmutz und Gewalt werden freundlich toleriert. Betäubt und empfindungslos trotzt die Welt jedem göttlichen Gesetz und taumelt ihrem Verderben in der Feuersglut entgegen.

Das Leben des Christen ist kein Sport,
den man von der Tribüne aus
in sicherem Abstand beobachtet.
Wir stehen mitten im Kampf
und sind persönlich in den Konflikt hineingezogen,
ob wir es nun merken,
oder nicht.

Der Weg zur Wende

Es gibt einen Weg, um von der Welt ins Reich Gottes überzuwechseln. Er ist bekannt als geistliche Neugeburt. Wenn ein Mensch seine Sünden bekennt und Jesus Christus als seinen Herrn und Erlöser annimmt, gehört er der Welt nicht mehr an. Er hat seine Abstammung, seine Staatsbürgerschaft und seinen Herrn gewechselt. Er verdeutlicht diese Veränderung durch die Wassertaufe. Das Untertauchen bedeutet: "Als Christus starb, starb auch ich. Da Christus der Sünde und der Welt gestorben ist, bin ich für sie auch tot." Wenn er aus dem Wasser wieder heraussteigt, zeigt er die Absicht, ein neues Leben als Untertan des wahren Königs zu führen.

Verfolgt um der Gerechtigkeit willen

Christen brauchen nicht schockiert zu sein, wenn sie den Haß der Welt erfahren (1Jo 3,13). Das Neue Testament ist voller Hinweise darauf (Jo 15,18-19). Der Heiland hat nie versprochen, daß das Leben eines Gläubigen ohne Verachtung, Spott oder Verfolgung verlaufen werde. Ganz im Gegenteil. Er versichert den Seinen, daß sie Drangsal erfahren werden (Jo 16,33). Nur ein oberflächliches Evangelium verspricht ein zustimmendes Lächeln der Welt und eine sorglose Existenz.

Die Welt haßt Christus, und so ist es nur natürlich, wenn sie Seine Nachfolger auch haßt (Jo 15,18). Der Jünger kann auf Erden keine bessere Behandlung erwarten, als sie sein Herr erfahren hat (Jo 15,20). "Die Welt hatte für den Herrn ein Kreuz, und man kann nicht erwarten, daß sie Seinen Jüngern Kronen aufsetzt", sagte Spurgeon.

Wo man dich hat gehaßt,
kann auch mein Heim nicht mehr sein.
Wo du gelitten hast,
sind deine Leiden und Freuden mein.
Demütig und stark in dir,
kann Schmach und Schande ich ertragen,
denn du warst geschmäht, hast das Kreuz getragen

S. P. Tregelles

Christen als Witzfiguren und Prügelknaben

Die Welt liebt das ihre (Jo 15,19), solche, die am gleichen Strang ziehen. Für Gläubige, die anders sind, hat sie nur Verachtung übrig.

Christen sind nicht bereit, sich von der Welt prägen zu lassen. Dies erklärt, warum durch Fernsehen und Kino so oft antibiblische Vorurteile verbreitet werden, und warum Radio und Presse alles Christliche lächerlich machen. Kürzlich beobachtete Patrick J. Buchanan:

"Wir leben in einer Zeit, wo es verboten ist, Schwarze zu verspotten, wo Antisemitismus einen Politiker kaltstellt, aber wo es als beliebter Sport gilt, die Christen lächerlich zu machen; und Filme, die sich über Jesus Chri-stus lustig machen, gelten als besonders fortschrittlich."

David Hesselgrave fügt dem noch hinzu:

"Ungeachtet der bequemen Umstände, in denen die meisten Christen heute leben, besteht die nüchterne Tatsache, daß das zwanzigste Jahrhundert eine furchtbare Feindschaft gegen die Sache Christi und seiner Nachfolger entwickelt hat. Darüber hinaus erscheinen bereits Zeichen der Verfolgung am Horizont. Es gibt tatsächlich viele Merkmale einer zunehmenden Opposition, die sich besonders gegen Menschen richtet, die den christlichen Glauben verbreiten."

Weltmenschen mögen in vielen Punkten verschiedener Ansicht sein, aber in der Feindschaft gegen Christus stimmen sie überein. Pharisäer und Saddo zäer, Juden und Heiden, Pilatus und Herodes haben eine gemeinsame Basis in ihrem Haß gegen das neutestamentliche Christentum.

Wie viele andere, so konnte auch Lenin die Christen nicht ertragen, die trotz Androhung von Strafe und Tod an ihrem Herrn und an ihrem Glauben festhielten. Er hielt sie für eine massive Bedrohung seiner politischen Ziele. Andererseits verachtete er Namenschristen und halbherzige Christen, weil er wußte, daß er sie in der Hand hatte. Er hatte recht. Treue zum König der Könige befähigt den Christen, gegen die Macht anderer Herrscher festzustehen.

Christen brauchen nicht schockiert zu sein, wenn sie den Haß der Welt erfahren.

Nur ein oberflächliches Evangelium verspricht ein zustimmendes Lächeln der Welt und eine sorglose Existenz.

"Je mehr sich die Gemeinde der Weltanpaßt, so ausschauen, so reden und handeln will, umso mehr wird sie von der Welt verachtet werden. Denn die Welt kann die Gemeinde in jedem Punkt übertreffen - außer darin, das Vorbild Jesu auszuleben. Das und nur das ist unsere Bestimmung, und nur darin liegtunsere Stärke."

Ein neubekehrter Mensch ist oft so enthusiastisch und so übersprudelnd vor Freude im Herrn, daß er glaubt, seine ungläubigen Verwandten und Freunde müßten sich Christus sofort anvertrauen, wenn sie das Evangelium zum ersten Mal hören. Sta ttdessen sticht er in ein Wespennest voller Feindschaft (Mt 10, 34-36). Seine Familie beschuldigt ihn: Du denkst wohl, daß Du besser bist als wir. Sie würden ihn ganz freundlich behandeln, wenn er ein Drogensüchtiger, ein Trinker oder ein Sexfreak wäre. Aber mit dieser Veränderung in seinem Leben kommen sie nicht zurecht. Seine Freunde verachten ihn, weil er ihre wilden Parties nicht mehr mitfeiert (1Pe 4,4). Er ist anscheinend über Nacht übergeschnappt.

Der Verlauf der Front

Wenn die Welt einen bekennenden Christen liebt, ist das der Beweis dafür, daß er sich niemals wirklich bekehrt hat (Jo 15,19). Wenn ein Mensch vorgibt, ein Christ zu sein, und dennoch die Weit liebt, beweist dies, daß die Liebe des Vaters nicht in ihm ist (1Jo 2,15b). Jakobus behauptet schlichtweg: "Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen! Wißt ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes." (Jak 4,4). Der Verlauf der Front ist deutlich aufgezeigt.

Es ist ein trauriger Tag für einen Christen, wenn er in der Welt beliebt wird. Es bedeutet, daß er seine Botschaft so verfälscht hat, daß das Ärgernis des Kreuzes verschwunden ist. Es kann auch bedeuten, daß seine Lebensweise sich nicht von der seiner Umwelt abhebt: er wird nicht verachtet Er befand sich im Strom, anstatt gegen den Strom zu schwimmen. Wie ein Chamäleon hat er sich an seine Umgebung angepaßt. Dadurch fällt er unter den strengen Urteilsspruch des Erlösers: "Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen Propheten" (Lk 6,26).

Gottes Volk braucht sich nicht vor dem harmlosen Stirnrunzeln der Welt zu fürchten. Wir folgen dem nach, der die Welt überwunden hat (Jo 16,33), und wir haben teil an Seinem Sieg. Der, welcher in uns ist, ist größer, als der, welcher in der Welt ist (1Jo 4,4). Das ist unsere Garantie für Energieversor gung. Der Glaube befähigt uns, die Leere der Welt zu erkennen. Sie ist nur ein flüchtiger Schatten und gibt nichts Beständiges. Sie kann keine dauerhafte Zufriedenheit ver-mitteln, sondern bietet nur die kurzlebigen Freuden der Sünde.

Wir sollten uns eigentlich freuen, wenn wir von der Welt verachtet und abgewiesen werden: Wenn uns ein Universitätsprofessor wegen des Glaubens verhöhnt; wenn unsere Arbeitskollegen uns nicht für voll nehmen; wenn unsere eigene Familie uns als weltfremd verspottet. Die meisten von uns werden niemals wegen ihres Glaubens eingesperrt, geschlagen, gesteinigt oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dagegen ist es doch eine Kleinigkeit, mit Worten geschmäht zu werden. Wie die ersten Jünger, sollten wir voller Freude sein, "daß wir gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu tragen" (Apg 5,41).

J. G. Deck hatte recht, als er die folgenden Zeilen niederschrieb:

Wo man Dich haßt,
wolln wir nicht länger daheim sein;
geduldig in Deinen Spuren wandelnd
wohin wir Deine Leiden und Freuden schmecken;
wir wollen demütig, aber stark in Dir
die dunkelsten Stunden der Schmach und Schande ertragen,
denn Du wardst geschmäht und gekreuzigt.

Wer ist hier der Idiot?

Die Prinzipien des Gottesreichs sind der Welt ein Rätsel (1Jo 3,1b). Petrus schreibt; "Hierbei befremdet es sie, daß ihr nicht (mehr) mitlauft in demselben Strom der Heillosigkeit, und sie lästern" (1Pe 4,4). Unsere Maßstäbe und Ziele sind ihr fremd. Es kann gar nicht anders sein, weil wir nicht von der Welt sind, so wie Christus nicht von der Welt war.

Dostojewski beschreibt eine ähnliche Situation besonders geschickt in seinem Buch 'Der Idiot'. Die aristokratische Gesellschaft seiner Zeit war besessen von Prestigedenken und von Hunger nach Macht, Sex und Besitz. Es ging ihnen nicht um die Wahrheit. Sie waren dauernd in erbitterte Machtkämpfe verstrickt, oder sie vergnügten sich mit zweideutigem Geplauder. Es gab endlosen Klatsch, aber keinen echten Adel der Gesinnung.

Von dieser Szenerie hob sich Fürst Mischkin mit seiner offenkundigen Andersartigkeit ab. Er kümmerte sich weder um seine gesellschaftliche Stellung, noch um Reichtum, Herrschaft oder um die Eroberung der feinen Damen. Wodurch er aber auffiel, war seine wahrhaft edle Seele.

Gottes Volk

braucht sich

nicht vor dem

harmlosen

Stirnrunzeln

der Welt zu

fürchten.

Wir

folgen dem

nach, der die

Welt

überwunden

hat und haben

teil an Seinem

Sieg.

Denn welcher in

uns ist, ist

größer, als der,

welcher in der

Welt ist. Das ist

unsere Garantie

für

Energieversorgung

Aber diese christliche Persönlichkeit war so unweltlich, daß die Zeitgenossen sie nicht verstehen konnten. In ihrer geistigen Verwirrung hegten sie eine Haß-Liebe für ihn. Einerseits konnten sie nicht anders, als sein schlichtes Wesen zu bewundern, und doch ärgerten sie sich über ihn, weil sein Edelmut sie in ein schlechtes Licht stellte. Er war schlichtweg ein Sonderling in der Gesellschaft. Seine mangelnde Anpassung und sein unübliches Benehmen ließen nur einen Schluß zu: er ist ein Idiot

Die Frage ist damals wie heute: "Wer ist hier der Idiot?"

"Der Gegensatz zwischen dem Reich Gottes und dem Reich des Menschen ist offenkundig. im ersteren wird Macht durch Liebe ausgeübt, im letzteren durch Gewalt. Hier führt man durch Dienen, dort durch Unterdrükkung. Bei Gott zählen geistliche Werte - Gerechtigkeit, Frieden und Freude; im Reich des Menschen dreht sich alles um weltliche Pläne wie Selbstverwirklichung, Habgier und gesellschaftlicher Aufstieg."

Auszug aus dem Buch: W. McDonald: "Von der Welt durch Welten getrennt-Das Reich Gottes und das Reich dieser Welt", CLV. Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Frühjahr '95.

Nachtext

Quellenangaben