Zeitschrift-Artikel: Auf der Suche nach dem Paradies

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Titel: Auf der Suche nach dem Paradies
Typ: Artikel
Autor: Gerrit Alberts
Autor (Anmerkung):

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Titel

Auf der Suche nach dem Paradies

Vortext

Text

1. Meuterei auf der Bounty

Fürchte Jahwe, mein Sohn, und den König.
Mit Aufrührern laß dich nicht ein.
Spr 24,21

Es war der 28. April 1789. Kapitän Bligh fuhr aus tiefem Schlaf auf. Was war da? Stand die Tür offen? Er ließ sie stets nur angelehnt, damit der Offizier der Wache ihn jederzeit erreichen konnte. "Was ist?" fragte er in die Dunkelheit und richtete sich auf. Da fiel der Schein einer Laterne durch die offene Tür, und er sah Fletcher Christian vor sich stehen. Er hielt einen kurzen Säbel in der Hand.

"Was ist los, Mt Christian?" fragte Bligh abermals, nun ungehalten über die Störung und den ungewohnten Auftritt. Christian stieß den Kapitän auf sein Lager zurück und rief: "Rühren Sie sich nicht, Kapitän Bligh, oder Sie sind ein toter Mann!"

Ein ungläubiges Staunen lag auf Blighs Gesicht. Wieso? Was ging hier vor? Dann traf ihn der Gedanke wie ein Blitz. Meuterei! (Sachse, a.a.0.,S. 109f.).

So begann die bekannteste See-Meuterei der abendländischen Geschichte, nämlich die auf dem englischen Handelsschiff "Bounty".

Das Schiff fuhr im Auftrag der britischen Krone. Es sollte von den Tahiti-Inseln im Pazifik Ableger des Brotfruchtbaums in die Karibik, Mittelamerika, bringen. Die nahrhafte Frucht dieser Pflanze sollte dort zur Ernährung der Sklaven beitragen. Die Fahrt nach Tahiti dauerte 10 Monate und war sehr beschwerlich, weil z.B. starke Winde verhinderten, daß das Schiff um Kap Hoom herum den kürzeren Weg nehmen konnte. So mußte die Route um das Kap der Guten Hoffnung gesegelt werden. Es kam zu Spannungen zwischen der Mannschaft und Kapitän Bligh. Bligh war zwar ein ausgezeichneter Seefahrer, neigte aber zum Jähzorn und besaß wenig Einfühlungsvermögen. Während des halbjährigen Aufenthalts auf Tahiti entstanden zahlreiche und freundschaftliche Kontakte zwischen den Seeleuten und den Eingeborenen der Insel, besonders mit dem weiblichen Teil der Bevölkerung. Die Mannschaftsdisziplin litt sehr darunter. In der Folge verschärften sich die Spannungen zwischen dem Kapitän und Teilen der Mannschaft.

Zu Beginn der Rückfahrt versuchte Bligh mit harter Hand die Ordnung wiederherzustellen. Da brach die Katastrophe herein: Die Meuterer setzten den Kapitän mit 18 seiner Getreuen in die Barkasse (ein offenes Beiboot), mit erbärmlich wenig Lebensmitteln, einem Kompaß und einem Sextanten, sowie einigen Waffen und dem Logbuch der Bounty versehen. Das kam fast einem Todesurteil gleich. Doch Bligh vollbrachte eine schier unglaubliche seemännische Meisterleistung. Er führte das völlig überladene Boot 3700 Seemeilen weit bis zur nächsten Siedlung von Europäern. Es handelte sich dabei um Timor, eine holländische Siedlung in Indonesien.

1 Auf der Suche nach dem Land des Friedens

Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, ...
Spr 14,12 und 16,25

Wie es oft nach Revolutionen geschieht, so meinten auch die Meuterer, mit dem Tyrannen das Haupthindernis für ein glückliches Leben losgeworden zu sein. Sie fuhren voller Hoffnung nach Tahiti zurück, 16 von ihnen entschlossen sich, dort zu bleiben. Sie wurden später durch die Besatzung eines englischen Kriegsschiffes festgenommen.

Fürchte Jahwe,
mein Sohn,
und den König.
Mit Aufrührern
laß dich nicht ein.
Spr 24,21

Der Anführer der Meuterer jedoch und acht seiner Gefährten stachen am 21. September 1789 aus Furcht vor der Todesstrafe, die ihnen aufgrund der Meuterei drohte, in See. Sie wurden von sechs eingeborenen Männern und zwölf Frauen begleitet. Zu den letzteren gehörten auch die Freundinnen, die sie während ihres ersten halbjährigen Aufenthalts in Tahiti kennengelernt hatten. Sie suchten eine abgelegene unbewohnte Insel. Dort hofften sie, den Rest ihres Lebens in Frieden verbringen zu können, ohne je wieder einen anderen Europäer zu Gesicht zu bekommen.

3. Das erhoffte Paradies erweist sich als Land des Schreckens

. . . aber sein Ende sind Wege des Todes.
Spr 14,12 und 16,25

Tatsächlich fanden sie nach drei Monaten im weiten Pazifik ein Eiland, das genau ihren Vorstellungen entsprach. Pitcairn war eine Insel mit Wasser, Holz, fruchtbarem Boden und vielen Früchten. Sie war umgeben von vielen Klippen, einer gefährlichen Brandung und hatte keinen guten Ankerplatz. Da sie außerdem noch auf den damals gebräuchlichen Seekarten falsch eingezeichnet war, wähnten sie sich dort sicherer als an sonst irgendeinem Platz auf der Erde. Die Bounty wurde verbrannt, damit sie nie in Versuchung kämen, zurückzusegeln.

Trotz der guten landschaftlichen Situation erfüllte sich der Traum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht. Die Meuterer hatten nicht bedacht, daß sie ihre eigene Bosheit und Schuld mit in das schöne Land brachten. Außerdem erwies sich das Land der Freiheit auf Dauer als eintöniges Gefängnis.

Fletcher Christian, der sich sehr nach einem Leben mit seiner Maimas gesehnt hatte, zog sich oft tagelang in eine einsame Höhle zurück und starrte auf das Meer hinaus, gequält von Depressionen, Schuldgefühlen und der Vorstellung, Kapitän Bligh und die anderen in den Tod geschickt zu haben.

Die Meuterei auf der Bounty fand in demselben Jahr wie die französische Revolution statt. Ähnlich wie die Revolutionäre in Frankreich wurden auch die Meuterer der Bounty, die gegen Unterdrückung und Willkür aufgestanden waren, selbst zu Unterdrückern. Sie teilten als die Weißen das Land unter sich auf, nahmen jeder eine Frau und ließen die Männer von Tahiti und Tofua für sich arbeiten.

Als eines Tages die Frau eines Weißen tödlich verunglückte, nahmen die Weißen einem Eingeborenen seine Frau und gaben sie dem Witwer. Der nächste Aufruhr folgte. Dieses Mal erhoben sich die polynesischen Männer gegen die Europäer, bemächtigten sich der Schußwaffen und töteten fünf der neun Weißen. Auch Fletcher Christian fiel diesem Aufstand zum Opfer.

Die vier überlebenden Weißen schlugen zurück und töteten ihrerseits die sechs Farbigen.

Es sollte aber noch schlimmer kommen. Nach vielen Versuchen war es einem der ehemaligen Matrosen gelungen, Schnaps herzustellen. Drei der vier Meuterer verfielen völlig dem Alkohol und machten den Frauen und den inzwischen geborenen Kindern das Leben zur Qual. Denen blieb nichts anderes übrig, als sich in den Bergen zu verschanzen und sich mit Waffengewalt zu verteidigen.

Als einer der drei Trunkenbolde in trunkenem Zustand zu Tode stürzte, schwor sich John Adams, einer der Überlebenden, nie wieder einen Tropfen Alkohol anzurühren. Er zerstörte auch die Gerätschaft für die Schnapsbrennerei. Einer der beiden anderen Meuterer versuchte ihn aus Verdruß darüber umzubringen. Dies gelang nicht, denn Adams tötete seinerseits den Angreifer.

4. Der Weg zum Frieden

Er sendet sein Wort und heilt sie.
Ps 107,20

John Adams war ein Krimineller, der angeheuert hatte, um dadurch der Verfolgung durch die Justiz zu entgehen. Er hatte den Namen "Alexander Smith" angenommen. Doch sein Leben sollte bald eine einschneidende Veränderung erfahren.

Während vieler Wochen der Trennung von seiner Familie wegen der Alkoholexzesse streifte er in den Wäldern von Pitcaim umher. Schließlich schlich er sich eines Tages zu seinem Haus zurück. Die Frauen und Kinder wähnte er in ihrem Lager in den Bergen. In der Meinung, das Haus sei leer, wollte er die Tür öffnen. Es kam aber ein kleiner Junge aus dem Haus heraus, der vor Entsetzen über seinen Anblick laut aufschrie und hinstürzte. Adams hob ihn auf, versuchte ihn zu trösten und fragte nach seinem Namen. Der Junge schrie aber wie am Spieß. Schließlich kam Sarah, seine Frau, mit einem Gewehr in Händen an die Haustür. Sie schrie: "Laß das Kind los, du Vieh!"

"Sarah!", rief er entsetzt. "Ich bin's. Alex!"

Sie starrte ihn an, als ob er ein Geist wäre.

"Los!", sagte er, "drück ab! Es ist besser so!"

Sie ließ das Gewehr sinken und kam langsam auf ihn zu. "Alex!" sagte sie leise. "Was ist aus dir geworden?!"

"Ich will nur meine Axt holen, Sarah", sagte er, "ich gehe gleich wieder. Seit Wochen lebe ich von Wurzeln und Beeren im Wald. Ich kann nicht mehr ...

Sie trat zu ihm und strich ihm das Haar aus der Stirn. "Komm!" sagte sie.

"Nein, laß, Sarah, ich gehe wieder. Ich bin kein Mensch mehr. Hier, nimm das Kind. Wem gehört es?"

Er gab ihr den Jungen, der still geworden war.

"Es ist George, dein Sohn!" sagte sie und lächelte traurig. "Aber nun komm, wir wollen essen. Du bist heimgekehrt, Alex."

John Adams, der sich Alexander Smith nannte, und der schwerkranke Edward Young waren die einzigen Überlebenden von den 15 Männern, die mit der Bounty nach Pitcairn gekommen waren. Alle anderen waren in der Zwischenzeit gestorben, die einen ermordet, die anderen durch eigene Schuld umgekommen. Das war aus dem glücklichen Land von Fletcher Christian geworden, in das er sie führen wollte.

Bei den beiden Männern befanden sich 10 Frauen und 22 Kinder. Tief erschüttert von all dem Schrecklichen, das geschehen war, suchten sie nach einem Weg, der endlich zum Frieden auf der Insel führen sollte. Eine Bibel und ein Gebetbuch, das Mr. Young von der Bounty mitgenommen hatte, wurden ihnen dabei zur entscheidenden Hilfe.

Mr. Young nutzte den Rest an Zeit und Kraft, der ihm noch geblieben war, um John Adams Lesen und Schreiben zu lehren. Mr. Adams, nach dem Tod von Mr. Young der einzige erwachsene Mann auf der Insel, arbeitete tagsüber verbissen auf den Feldern, um die Frauen und Kinder zu ernähren. Nacht für Nacht las er in der Bibel. Vieles verstand er zunächst nicht. Aber nach und nach gingen ihm die Augen auf. Er sah, daß es für jeden Menschen eine Möglichkeit der Umkehr zu Gott und des Neubeginns gibt. Dabei ist unerheblich, wie arm und von aller Welt verlassen man ist.

Täglich trafen sich die Bewohner von Pitcairn zwischenzeitlich zum Beten. John Adams berichtete von dieser Zeit: "Ich richtete das Wort Gottes vor ihnen auf wie ein Haus, langsam, Stein auf Stein. Es war ein mühsames Werk, aber es machte mich glücklich wie nichts zuvor in meinem Leben. Ich lehrte sie lesen und schreiben und ein Leben nach der Heiligen Schrift. Ja, das tat ich, John Adams, ein unwissender Matrose. Denn es steht geschrieben: 'So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Wie tief ein Mensch fallen kann, daß habe ich an mir selbst erlebt. Doch keiner fällt so lief, daß er für Gottes Gnade unerreichbar wäre. Auch das habe ich erfahren.'"

Langsam wichen die Schrecken der Vergangenheit aus ihren Seelen. Die Angst machte der neuen Hoffnung Platz. Das Licht hatte die lange Nacht besiegt.

5. Die Situation heute

Die Güte Jahwes ist von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, welche ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskinder hin.
Ps 103,17

Heute leben noch 54 Nachkommen der Meuterer auf Pitcairn (Stand 1989). Viele haben die ca. 2,5 km lange und 1,5 km breite Insel wegen Übervölkerung und mangelnder Perspektiven verlassen. Noch immer sind die Insulaner tiefgläubige, gottesfürchtige Menschen. Kriminalität ist für sie ein Fremdwort. Es existiert zwar ein Gefängnis, dessen Bau vor 100 Jahren von der englischen Regierung veranlaßt wurde, doch bis zum heutigen Tage wurde es überhaupt noch nicht benutzt. Ein Journalist, der die Insel 1989 besuchte, bemerkte dazu: "So gesehen erscheint uns zivilisationsgewohnten Menschen das Leben auf Pitcairn wie im Paradies" (Yacht 11/89, S. 33).

Die Güte

Jahwes ist von

Ewigkeit zu

Ewigkeit über

die, welche

ihn fürchten,

und seine

Gerechtigkeit

auf

Kindeskinder

hin.

Ps 103,17

6. Schlußfolgerungen

Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Micha 6, 8 (nach Luther)

Die Geschichte der Meuterer der Bounty zeigt, daß sich auf einer schlimmen Tat nichts bleibend Gutes aufbauen läßt: "Was der Mensch sät, das wird er auch ernten" (Gal 6, 7).

- kein Mensch so tief fallen kann, daß er für Gottes Gnade unerreichbar wäre. Das Evangeliumvom gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus kann auch den verkom-mensten Menschen ändern.

- ein Land des Friedens nicht in erster Linie von äußeren Beschafungen abhängig ist, sondern von veränderten, gereinigten Herzen. Es entsteht weder auf einer idyllischen Südseeinsel noch in einer "freien" Gesellschaft ohne "Unterdrückung", sondern dort, wo man sich Gottes Herrschaftunterordnet.

- Gottes Wort, die Bibel, den Weg zu einem glücklichen und friedlichen Zusammenleben aufzuzeigen vermag.

Nachtext

Quellenangaben

Quellenangaben:

Sachse, Günter, Die Meuterei auf der Bounty,
München 1989

Löffler, Yörk, Landfall auf Pitcairn - Die Enkel der Bounty -, in:Yacht 11/1989, S. 24 - 34