Zeitschrift-Artikel: Die Gaben an die Gemeinde (Teil 1)

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Titel: Die Gaben an die Gemeinde (Teil 1)
Typ: Artikel
Autor: Ralf Müller
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Titel

Die Gaben an die Gemeinde (Teil 1)

Vortext

Text

Geistliche Gaben werden hauptsächlich an vier Stellen in der Bibel erwähnt: in Epheser 4, Römer 12 und 1. Korinther 12 und 14. Die einschlägigen Bibeltexte können in zwei Gruppen unterteilt werden. Diese Unterteilung erfolgt hier zuerst nach der Art der Gabe. In 1Ko.12 und 14 sowie Rö.12 bestehen die Gaben in gewissen Tätigkeiten, in Eph 4 sind die Gaben Personen, die durch die Bezeichnung beschrieben werden.

In 1Ko 12 und 14 sowie Rö 12 sind die Tätigkeiten Gnadengaben. In Eph 4 sind die Personen Geschenke an die Gemeinde Gottes (s. Eph 4,8) und ein Beweis der Fürsorge des Herrn Jesus dafür, daß Er der Gemeinde alles Notwendige für ihr Wachstum zum Haupt hin (Eph 4,11-16) und für das Zunehmen ihrer für den Bräutigam bestimmten Schönheit (Eph 5,26) erhält. Im ersten Teil einer Reihe über Geistesgaben an die Gemeinde soll die Bedeutung der Gaben der Apostel und Propheten auf dreierlei Weise gezeigt werden: (1) Eine allgemeine Beschreibung, wie jeder Gläubige etwas von dem in Eph 4,11 Beschriebenen tun kann, dann (2) die Weise, wie der Herr Jesus Christus selbst die Wesenszüge der Personen-Gaben getragen hat, und (3) Beispiele für Personen, die solche Gaben in der Bibel gewesen sind.

Personen-Gaben und allgemeine Tätigkeit

Jede der Personen-Gaben in Eph 4,11 muß unterschieden werden von allgemeinen geistlichen Tätigkeiten, die jeder Gläubige tun kann, und in gewissen Bereichen auch tun muß. Als Beispiel sei das Lehren und das Weissagen (Prophezeien) angeführt. Kennzeichnend in Eph 4,11 ist, daß dort Personen beschrieben werden, die einen Auftrag haben, der ihr ganzes Leben umfaßt. Dies soll jeweils mit einer kurzen Beschreibung deutlich gemacht werden.

Bei jeder der Personen-Gaben kann man feststellen, daß der Herr Jesus selbst auf diese Weise entweder zu Israel gekommen ist oder jetzt auch zu den Gläubigen steht. Das soll anhand einschlägiger Bibelstellen gezeigt werden.

Die Spezialisierung der Personen bedeutet keinesfalls ein Abgehobensein von der Gemeinde. Das Wesen der Personen-Gaben liegt darin, daß sie der Gemeinde geschenkt sind und ihre Dienstrichtung von Christus her zu der Gemeinde hin ist, damit die Gemeinde zu Christus hin wächst. Das bedeutet, daß sie sich nicht in erster Linie mit theoretischen Dingen ohne Nutzen für die Gemeinde beschäftigen (z. B. Lehren als wissenschaftliche Tätigkeit, die lediglich theoretisch-theologische Themen ergründet), sondern auf das praktische Gemeindeleben ausgerichtet sind. Durch ihre Tätigkeit muß und soll die Beziehung der Gläubigen mit Christus, dem Haupt, vertieft werden. Ein anderes Ergebnis aus Tätigkeiten der Personen-Gaben ließe einen Rückschluß auf einen Fehlgebrauch zu.

Allgemein lassen sich die Personen-Gaben in zwei Gruppen unterscheiden. Zunächst sind da die Gaben der Apostel und Propheten, welche die Grundlage der Gemeinde gelegt haben, deren Arbeit also erfüllt ist (Eph 2,20; 3,5; Kol 1,25b). Sie bilden die Grundlage der Gemeinde durch das Wort Gottes, das Gott durch sie gegeben hat, und haben auch direkte verbindliche Autorität (vgl. 1Ko 7,17). Apostel und Propheten gibt es heute nicht mehr.

Dann sind da Gaben, die es heute noch gibt. Das sind die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. Sie wenden auf unterschiedliche Weise das Wort Gottes an, das durch die Apostel und Propheten gegeben worden ist.

Die einzelnen Personen-Gaben kommen in der Regel nicht "reinrassig" vor. Der Evangelist z.B. kann also auch wie der Hirte Schafe aus der Verirrung zur Herde bringen. Der Apostel Paulus war ein bemerkenswertes Beispiel einer Vereinigung verschiedener Aspekte der Personen-Gaben in einer Person (z. B. Kol 1,23; 1Ko 9,7; Apg 20,31; Rö 6,17).

Apostel

1. Allgemein bedeutet das griech. Grundwort "senden" und hat einen reichhaltigen Bedeutungsgehalt (z. B. das allgemeine Senden des Heils an die Völker (Apg 28, 28), das Senden des Heiligen Geistes (1Pe 1,12), von Engeln (Heb 1,14) und von Hilfeleistungen (Apg 11, 33)).

Gesandte im allgemeinen Sinn können alle Gläubigen sein (vgl. z. B. 2Ko 8,23; Petrus 2,25).

2. In Bezug auf den Herrn Jesus: Heb 3,1 - Er ist "der Apostel ... unseres Bekenntnisses", der von Gott Gesandte, um das in den letzten Versen von Heb. 2 beschriebene Erlösungswerk auszuführen.

3. Die Apostel im engeren Sinn, also dem von Eph 4,11, sind zunächst die zwölf vom Herrn Jesus berufenen Apostel (z. 13. Mt 10,2 mit dem Auftrag von Mt 10,16). Sie mußten bestimmte Merkmale erfüllen (Apg 1,21). Matthias trat zu Recht an die Stelle, die Judas freigemacht hat. Paulus war ebenfalls Apostel. Er war aber nicht Ersatzmann für einen der 12 Apostel, der etwa früh getötet worden wäre. Er wurde vom Herrn Jesus selbst berufen (Gal 1,1.12, vgl. 1Ko 15,8). Nur geschah dies in seinem Fall nicht von der Erde, sondern vom Himmel her (Apg 9,1 - 21; 22,7- 21; 26,13 -18). Er ist auch der Apostel, der in besonderer Weise mit dem Geheimnis des Plans über Christus und Seine Gemeinde vertraut gemacht wurde (vgl. Eph 3,8 -11), obgleich es auch für alle Apostel gilt, daß sie - zusammen mit den Propheten - die Grundlage der Gemeinde legten (Eph 2,20; 3,5). Wie die einzelnen anderen Apostel dazu beitrugen, ist eine Untersuchung wert. Nur die folgenden Beispiele seien genannt: Petrus öffnete z. 13. Türen (Mt 16,19; Apg 2,41; 10,44ff; 8,14ff; 11,15). Johannes zeigt in seinen Schriften mehr den Inhalt des Christentums, das ewige Leben, in der Kraft des Heiligen Geistes und der Verbindung mit dem verherrlichten Herrn Jesus auf (Jo 7,39; 13,34f; Jo 14 bis Jo 17; 1Jo 1,1- 4; 2,20.27; 4,11 - 14).

Propheten

1. Propheten sind allgemein Menschen, die Gott sendet, um Sein Wort in eine bestimmte Situation hinein zu offenbaren (1Kö 17,1), einen bösen Zustand aufzudecken und die Konsequenzen eines Verbleibens darin zu zeigen, aber auch die Folgen eines Eingreifens von Gott her. Das kann an den AT-Prophezeiungen untersucht werden. Prophezeien ist allgemein das Reden von Gott zu Menschen (1Ko 14,3; 1Th 5,20), weswegen die Propheten im Alten Testament auch sagten "so spricht der Herr". In der Zeit des Neuen Testaments, als das geschriebene Wort noch nicht vollendet war, umfaßte es auch das Weitergeben neuer göttlicher Offenbarungen (1Ko 14,30-32). Da das Wort Gottes aber durch den Dienst des Apostels Paulus vollendet worden ist (vgl. Kol 1,25), gibt es diese Art der Prophetie heute nicht mehr. Propheten zeigen im AT und im NT regelmäßig einen Zustand auf der Erde so, wie Gott ihn beurteilt (vgl. 2Sam 12,1-15). Die moralische Beurteilung Gottes wird oft erst durch die Prophetie offenbar. Das allgemeine Bild von Prophetie als "die-Zukunft-vorhersagen" ist zu eng, weil die Andeutung der Zukunft in aller Regel nur ein Teil von Prophetie ist (2Sam 12,10-15; vgl. aber -wenn die vorhergesagte Zukunft nicht eintrifft - die "Prophetenprobe" in 5Mo 18,20-22). Die Andeutung der Zukunft ist der Teil der Prophetie, der sich mit den Konsequenzen des Handelns derer beschäftigt, an welche die Prophetie Berichte t ist. Es gab auch im NT Propheten (Apg 11,27. 28; 15,32; 21,10). Da das Wort der Propheten oft unangenehm (weil enthüllend) ist, wird oft versucht, die Wirkung zu abzuschwächen (z. B. Mt 13,57; Apg 7,52; Mt 23,28 - 37).

2. Der Herr Jesus ist der Prophet, den Gott gesandt hat (5Mo 18,15 - 19; Mt 13,57; 21,11; Lk 13,33; Apg 3,22; 7,37). Sein Dienst machte das Volk und seine religiösen Führer offenbar. Er wurde abgelehnt, obwohl beim Volk das Bewußtsein vorhanden war, daß Sein Wirken von Gott her kam (vgl. Mt 21,23-27). Weil auf die Worte Gottes, die Er als Prophet Gottes ausgesprochen hat, nicht gehört wurde, fordert Gott die in 5Mo 18,19 angesprochene Rechenschaft. Das Volk Israel hat in der Geschichte der vergangenen 2000 Jahre deswegen viel durchgemacht. Und die christliche westliche Welt wird in der Zukunft Schweres durchleben, weil sie das geschriebene Wort Gottes nicht ernst genommen hat (vgl. Ofb 3,10).

3. Propheten im Sinne von Eph 4,11 sind Menschen, die besonders die Grundlage für die Gemeinde gelegt haben (Eph 2,20; 3,5). Sie haben durch die prophetischen Schriften (Rö 16,25f) des NT auch Verborgenes offenbart. Nur ist dieses Verborgene nicht etwas auf der Erde, sondern das, was seit Ewigkeiten im Herzen Gottes verborgen war: der Plan Gottes mit der Gemeinde. Sie sind die Schreiber des NT, und dazu gehören auch solche, die keine Apostel sind (z. B. Lukas, Markus, Judas, Jakobus), und haben das geschriebene Wort Gottes, das Neue Testament, niedergelegt. Aber auch die Apostel waren als von Gott benutzte Schreiber im NT Propheten im Sinne von Rö 16,25.26.

(wird fortgesetzt)

Die Gaben beschäftigen sich nicht in erster Linie mit theoretischen Dingen ohne Nutzen für die Gemeinde, sondern sind auf das praktische Gemeindeleben ausgerichtet. Durch ihre Tätigkeit muß und soll die Beziehung der Gläubigen mit Christus, dem Haupt; vertieft werden, Ein anderes Ergebnis ließe einen Rückschluß auf einen Fehlgebrauch zu.

Nachtext

Quellenangaben