Zeitschrift-Artikel: Warum man in die Ukraine übersiedeln sollte

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Titel: Warum man in die Ukraine übersiedeln sollte
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Warum man in die Ukraine übersiedeln sollte

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Text

Im November 1994 und im Frühjahr dieses Jahres konnten wir in Irpen (bei Kiew) und in Tschernovzi (an der Grenze von Moldawien) Bibelkonferenzen durchführen und Gemeinden besuchen.

In beiden Fällen wurden die Konferenzen mit Seminaren der Emmaus-Fernbibelschule verbunden, die seit 1993 von Andreas Reh in der Ukraine und neuerdings auch in anderen GUS-Staaten aufgebaut wurde.

Die wirtschaftlichen und politischen Probleme nehmen im Osten stark zu. Aber andererseits stellt man fest, daß das geistliche Interesse sowohl bei Christen wie Nichtchristen nach wie vor groß ist. Die Türen sind immer noch weit offen und wenn auch in manchen großen Städten eine geistliche Sättigung festzustellen ist, besteht doch besonders in den kleineren Städten und Dörfern eine große Offenheit für das Evangelium und auch für biblische Unterweisung.

Das ist sicher ein Grund dafür, warum die Emmausarbeit in diesen Ländern sehr dankbare Aufnahme findet und sich in kurzer Zeit stark ausgeweitet hat.

Andreas Reh ist im September 1992 mit seiner Familie nach Irpen in der Ukraine übergesiedelt. Seine Heimatgemeinde in Deutschland, die Christliche Gemeinde in Pirmasens, hat ihn für diese Arbeit "ausgesondert" und steht hinter ihm und seinem Dienst.

Nach der letzten Konferenz in Tschernovzi habe ich Andreas einige Fragen gestellt, um den "Fest und treu"-Lesern einen Einblick in die Möglichkeiten und Schwierigkeiten dieser wichtigen und gesegneten Arbeit zu geben.

W.B.: Andreas, was hat Dich und Deine Frau Monika bewogen, ausgerechnet in die Ukraine überzusiedeln?

A.R.: Es war schon seit langem unser Wunsch, in die Mission zu gehen. Nach meinem Studium an der FTA in Gießen und einem Kurs bei den Wycliff-Bibelübersetzern wurde unser Interesse irgendwie auf den Osten gerichtet. Wir hörten von Wycliff-Mitarbeitern, die nach Petersburg ausreisen sollten und schließlich hörten wir durch Hans Scheib von Euren Kontakten und der CLV-Literaturarbeit im Osten. Im Febr. 1992 bin ich dann mit zu einer Konferenz nach Kiew gefahren, konnte dort sehr schnell Kontakte knüpfen und bekam den Eindruck, daß der Herr uns dort haben wollte. Dann ging alles sehr schnell: Ein halbes Jahr später zogen wir als Nachbarn von Bruder Franz Schomeiko in ein kleines Haus ein, das sehr günstig gekauft werden konnte.

W.B.: Wie kam es zu Deiner Mitarbeit bei "Emmaus"?

A.R.: Kurz nach meiner Bekehrung im Jahr 1980 lernte ich im Bibelkreis unseres Gymnasiums zum ersten Mal die Emmaus-Bibelkurse kennen. Diese Kurse haben mir damals sehr geholfen und mein geistliches Leben geprägt. Seitdem fühle ich mich mit dieser Arbeit verbunden und war natürlich sehr überrascht, als ich 1992 feststellte, daß CLV einige Kurse in russischer Sprache herausgegeben und verbreitet hat. Als später Martin Vedder mit der ZAM die Koordination und den Aufbau dieser Arbeit übernahm, war ich auf ihren Wunsch gerne bereit, meine Zeit und Kräfte in diesen Dienst zu stellen.

W.B.: Worin besteht Deine Arbeit?

A.R.: Ich versuche in verschiedenen Regionen Geschwister zu finden, die geeignet und bereit sind, als Instruktoren mit den Emmaus-Kursen (die übrigens kostenlos angeboten werden) unter Nichtchristen zu arbeiten. Mit diesen Instruktoren treffe ich mich in Abständen und wir führen Konferenzen durch, um sie zu schulen und um unsere Erfahrungen auszutauschen. Unsere Hauptgebiete sind bisher die Ukraine, Westrußland und Moldawien, aber neuerdings habe ich auch Sibirien, Sachalin und Tadschildstan besuchen können, wo jetzt auch mit den Kursen gearbeitet wird.

W.B.: Welche Reaktionen hat Deine Kontaktsuche ausgelöst?

A.R.: Nun, die Emmaus-Kurse sind leicht zu verstehen und einfach zu korrigieren. Jeder Christ, der den Herrn lieb hat und seine Bibel etwas kennt, kann daher mitarbeiten. Eine weitere Voraussetzung ist, daß jeder Mitarbeiter die Kurse selbst durchgearbeitet hat und inhaltlich dahinter steht. Da es in den GUS-Staaten viele Geschwister gibt, die gerne für den Herrn arbeiten möchten, war es nicht so schwer, in kurzer Zeit eine Anzahl von Mitarbeitern zu bekommen.

W.B.: Welche Verbreitung hat die Arbeit inzwischen gefunden?

A.R.: Wir haben z.Zt. ca. 200 Instruktoren und ca. 3.800 Studenten bzw. Kursteilnehmer (Tendenz steigend). Bisher stehen sechs verschiedene Kurse zur Verfügung, sieben weitere sind in Vorbereitung. Die Arbeit geschieht vor allem in Gefängnissen, Schulen, Waisenhäusern, Sanatorien und auch durch Zeitungsannoncen. Manche Instruktoren haben bis zu 50 Kursteilnehmer, die sie betreuen.

W.B.: Welche Ziele hast Du Dir für die Zukunft gesteckt?

A.R.: Zunächst einmal suche ich Brüder, welche bereit sind, die Arbeit in der Ukraine selbständig zu koordinieren, damit ich mich um die Verbreitung der Kurse in den anderen GUS-Staaten kümmern kann. Ein weiteres Ziel ist, mitzuhelfen, daß in diesen Ländern Gemeinden nach neute-stamentlichem Muster entstehen. Dafür möchte ich mich in Zukunft gerne mehr einsetzen und wir beten für weitere Ehepaare, die das gleiche Anliegen haben und bereit sind, mit uns diese Gemeindeaufbauarbeit in einer Stadt zu beginnen, wo es keine Gemeinde gibt.

W.B.: Mit welchen Schwierigkeiten hattet ihr bisher zu kämpfen?

A.R.: Ein zeitraubendes und nervendes Problem ist nach wie vor, ein Visum für die Einreise in ein Land der GUS-Staaten zu bekommen. Überhaupt der Umgang mit den Ämtern ist hier sehr frustrierend. Anfangs hatten wir auch Probleme mit dem Einkauf von Lebensmitteln usw., aber inzwischen kann man hier fast alles kaufen. Probleme entstehen durch die zunehmende Kriminalität und die Mafia. Wir sind inzwischen auch bestohlen worden. Aber davon abgesehen ist die Ukraine eines der günstigsten Missionsländer. Die Menschen sind sehr offen, geographisch ist dieses Land nicht sehr weit von Deutschland entfernt und man kann hier sehr billig leben. Um eine Familie mit Kindern zu unterhalten (incl. Miete, Auto, Versicherung usw.) braucht man nur ca. 1.200 DM.

W.B.: Vielen Dank, Andreas! Wir hoffen, daß Deine Informationen viele Ehepaare veranlassen, darüber nachzudenken und zu beten, ob der Herr sie in der Ukraine oder den anderen GUS-Staaten gebrauchen möchte.

Wir wünschen Dir und Monika viel Freude, geistliche Kraft und Gottes Segen für Eure Aufgaben.

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