Zeitschrift-Artikel: Josef der Zimmermann aus Nazareth

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Titel: Josef der Zimmermann aus Nazareth
Typ: Artikel
Autor: Armin Lindenfelser
Autor (Anmerkung):

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Titel

Josef der Zimmermann aus Nazareth

Vortext

Text

Eigenartigerweise berichtet uns die Bibel nicht sehr viel über Josef, den einfachen Zimmermann aus der Stadt Nazareth in Galiläa. Nur wenige Ausleger der Bibel haben über den Mann etwas geschrieben, den Gott unter allen Männern, die je auf dieser Erde gelebt haben und leben, ausgesucht hat, damit er Pflegevater des Messias würde.

Welche Charaktereigenschaften müßte nach Ihrer und meiner Meinung ein Mann aufweisen, dem wir unsere Kinder anvertrauen würden? In den wenigen Mitteilungen, die wir in der Bibel über Josef haben, wird er als ein Mann mit hervorragenden Charaktereigenschaften geschildert. Die Wahl Gottes fiel nicht zufällig auf diesen Mann. Wir leben heute in einer Zeit der Verunsicherung, was unsere Rollen als Mann und Frau betrifft. Die Kräfte und Mächte, die hinter der Entwicklung unserer Gesellschaft stehen, sind eifrig bestrebt, die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verwischen. Traditionelle Normen, die seit Jahrhunderten für das Rollenverständnis von Mann und Frau verbindlich waren, werden lächerlich gemacht und zum Teil erbittert bekämpft. Nicht alle dieser Normen darüber, was einen Mann und was eine Frau kennzeichnet, sind auch biblische Normen. Teilweise wider-sprechen die gesellschaftlichen Rollenverständnisse sogar dem Bild von Mann und Frau, wie es in Gottes Wort vermittelt wird.

Wir haben als Christen am Ende des 20. Jahrhunderts wie zu allen Zeiten von Gott her nicht den Auftrag, für ein traditionelles Bild von Mann und Frau zu kämpfen. Unsere Verantwortung besteht darin, Mann- und Frausein nach biblischem Muster zu verwirklichen. Um uns zu einem gottgefälligen Verständnis vom Mannsein und vom Frau-sein zu verhelfen, gibt uns Gott in der Bibel männliche und weibliche Vorbilder. Die meisten Dinge in unserem Leben lernen wir als Menschen durch das Vorbild anderer.

Josef ist ein solches von Gott gegebenes Vorbild. Er besaß viele Eigenschaften, die einen Mann, wie Gott ihn sich vorstellt, kennzeichnen sollen. Es ist gut, wenn wir - Männer und Frauen - unser Rollenbild von dem "was einen Mann ausmacht" anhand der Persönlichkeit des Josef aus Nazareth überprüfen. In einer späteren Ausgabe von "Fest und Treu" wollen wir uns anhand des Vorbilds von Maria, der Mutter Jesu, Gedanken über die Eigenschaften einer Frau nach dem Herzen Gottes machen.

Was sind also die Eigenschaften eines Mannes, dem Gott seinen Sohn anvertrauen konnte?

Praktische Gerechtigkeit (Mt 1,19)

Sein Leben war in Übereinstimmung mit den Geboten Gottes: Er war gerecht. Die Zahl der Gerechten, also derer, die in praktischer Gerechtigkeit (in Übereinstimmung mit Gottes Geboten) lebten, war immer klein.

Gott schätzt Männer, die nicht nur von Gerechtigkeit reden, sondern gerecht sind und auch so leben.

Besonnenheit und Geduld (Mt 1,20ff)

Er machte sich zuerst Gedanken über die Situation, in die ihn Gott stellte. Diese Haltung führte zum klaren Reden Gottes in die Schwierigkeiten seines Lebens hinein. Bei allen Problemen, mit denen Josef konfrontiert war, sehen wir, daß er sich immer noch niederlegen und schlafen konnte. Der Gott, der Menschen in Sicherheit ruhen läßt, redet in der Ruhe zu seinem Knecht.

Gott schätzt es, wenn Männer sich aus der von Ihm geschenkten Ruhe heraus Gedanken machen und Er sie führen kann. Er hat Freude an der Geduld seiner Heiligen.

Hören auf Gott (Mt 1,20ff; 2,13ff)

Er muß ein offenes Herz für die Stimme Gottes gehabt haben - ähnlich wie Samuel, der gebetet hat: "Rede Herr, dein Knecht hört!"

Gott schätzt Männer, die offene Ohren und Herzen haben, mit denen Er so reden kann, wie ein Mann mit seinem Freund redet (2Mo 33,11).

Gehorsam (Mt 1,24)

Er gehorchte der Stimme Gottes durch den Engel; und zwar konsequent und ohne Zögern. Dieser Gehorsam dem Auftrag Gottes gegenüber machte ihn ausgesprochen mobil. Gott redet, und Josef zieht mit seiner Familie um. Übrigens zeigt uns Matthäus 2,22, daß Josef sich in diesen schwierigen Situationen durchaus gefürchtet hat. Doch seine Ehrfurcht Gott gegenüber war größer als die Furcht vor den Menschen.

Gott schätzt es, wenn Männer und Frauen bereit sind, konsequent auf Sein Wort hin zu gehorchen, auch wenn dieser Gehorsam Verlust der vertrauten Umgebung und von Menschen mit sich bringt.

Selbstdisziplin (Mt 1,24)

Erst nach der Geburt des Herrn Jesus hatte er geschlechtlichen Umgang mit seiner Frau, die er wohl schon einige Monate zu sich in sein Haus aufgenommen hatte. Nach der Verheißung im Alten Testament "sollte die Jungfrau empfangen und gebären" (Jes 7,14). Um dieses Ausspruchs Gottes willen war er bereit, seine Geschlechtlichkeit zu disziplinieren.

Gott schätzt Männer, die ihre Geschlechtlichkeit zu beherrschen lernen, weil sie Gottes Gedanken über Sexualität kennen und akzeptieren.

Treu als Ehemann

In Matthäus 1 und Lukas 2 wird gezeigt, daß er als Mann besorgt war um die Ehre seiner Verlobten. Obwohl Josef genau wußte, daß er keinen geschlechtlichen Umgang mit Maria hatte, war er um ihretwillen bereit, das Verlöbnis zu lösen, damit sie der Steinigung entgehen konnte, die durch das Gesetz für den Fall eines Geschlechtsverkehrs mit einem anderen Mann geboten wurde.

Josef war bereit, die Verantwortung für seine Frau zu übernehmen. Er anerkannte dadurch - formaljuristisch gesehen - den erstgeborenen Sohn Jesus als seinen Nachkommen an (siehe das Geschlechtsregister in Mt 1,1-17).

Er sorgte dafür, daß seine Ehefrau die Gebote Gottes im Hinblick auf ihre Reinigung erfüllte (Lk 2,22-24).

Die Ehe von Josef und Maria scheint sehr harmonisch gewesen zu sein. Gott schenkte ihnen nach der einzigartigen Geburt von Jesus Christus noch mindestens sechs weitere Kinder (Mt 13,55ff).

Gott schätzt Männer, die ihre Ehefrauen ehren, auch in schwierigen Umständen zu ihnen stehen und um das geistliche Wohl des anderen besorgt sind.

Vorbildlich als Vater und Erzieher (Mt 13,55ff; Lk 2)

Er war bereit, von Gott die Erziehung einer großen Kinderschar anzunehmen. Jesus wuchs im Kreise einer Reihe von Halbbrüdern und Halbschwestern auf. Zwei dieser Brüder sollten in der Entwicklung der christlichen Gemeinde später eine große Rolle spielen. Der in den Evangelien erwähnte Jakobus ist mit Jakobus, einem Führer der Gemeinde in Jerusalem (z.B. Apg 15) und dem Schreiber des Jakobusbriefes identisch. Judas, ein anderer Bruder des Herrn, ist der Schreiber des nach ihm benannten Briefes. Die Brüder des Herrn Jesus sind nach 1Kor 9,5 verheiratet gewesen. Der erste Kirchengeschichtsschreiber, Eusebius, berichtet von Nachkommen des Judas, die im ersten Jahrhundert auch in Palästina gelebt haben.

Josef besuchte als treuer Israelit regelmäßig (alljährlich) die Feste des Herrn in Jerusalem. Diese Regelmäßigkeit scheint sich auch auf die Söhne ausgewirkt zu haben. Johannes erwähnt ausdrücklich in seinem Evangelium, daß auch die Brüder Jesu zu den Festen nach Jerusalem hinaufgingen.

Dort stellte er gemäß dem Gesetz seinen Erstgeborenen im Tempel des Herrn dar. Jesus wuchs im Haus Josefs auf und machte dieselben Wachstumsstufen vom Kind zum Erwachsenen durch, die alle Menschen durchlaufen.

Lukas 2,52 zeigt das auf: Und Jesus nahm zu an Weisheit (= geistige, psychische Entwicklung) und Größe (= physische Entwicklung) und an Gunst bei Gott (= geistliche Entwicklung) und Menschen (= soziale Entwicklung).

Als kleines Kind wurde Jesus mit großer Entschiedenheit von Josef bewahrt und gepflegt.

Als Jugendlicher (im Alter von zwölf Jahren) hatte der Sohn schon eine gewisse Freiheit und Mündigkeit, wie auch in Lukas 2 gezeigt wird. Doch war er freiwillig untertan. Später lernte der Erstgeborene den Beruf seines Pflegevaters, worin die Harmonie der Vater-Sohn-Beziehung sichtbar wird.

Gott schätzt es, wenn Männer ihre Kinder aus Gottes Hand nehmen und sie für ihre eigentliche Bestimmung - Männer und Frauen Gottes zu sein - erziehen. Jeder christliche Vater soll für seine Kinder ein Abbild des himmlischen Vaters sein, ein Erzieher zum Guten. Gott freut sich an der Harmonie einer christlichen Familie, in der nicht nur vom Christsein geredet wird, sondern in der man als Christen miteinander lebt.

Der Zimmermann aus Nazareth

Wenn wir aufmerksam das Neue Testament lesen, werden wir noch weitere Eigenschaften und Vorzüge dieses Mannes finden. Wie sehr unterscheidet sich das Bild dieses Mannes von dem, was uns heute als "männliche Vorbilder" in den weltlichen und pseudochristlichen Medien vorgestellt wird.

Josef war der Mann, den Gott erwählt hat, das erste Lachen und Weinen, das erste Wort von Jesus zu hören, er durfte die ersten unsicheren Schritte des "Erstgeborenen aller Schöpfung" sehen. Josef wird ihn die ersten Gebete des jüdischen Volkes gelehrt haben. Er durfte als Lehrherr die Hand des Sohnes am Hobel führen und hat sicher voller Stolz auf die ersten Ergebnisse der Holzarbeiten unseres Herrn gesehen. 30 Jahre lebte der, der "das Licht der Welt" ist, verborgen vor den Augen der Menschen im Haus Josefs von Nazareth.

Wir wissen nicht genau, wann Josef gestorben ist. Wahrscheinlich lebte er zu der Zeit, als Jesus Christus in seinen öffentlichen Dienst eintrat, bereits nicht mehr. In den Evangelien werden während der öffentlichen Tätigkeit des Herrn Jesus nur noch seine damals ungläubigen Geschwister und seine Mutter Maria erwähnt. Erst nach der Auferstehung unseres Herrn sehen wir die Fa milie aus Nazareth in der Gemeinschaft mit den Gläubigen (Apg 1,13).

So still, wie Josef in das Licht der Geschichte Gottes eintrat, um dem Herrn in einzigartiger Weise zu dienen, so verschwindet er auch wieder aus unseren Augen, um einem größeren Mann nach dem Herzen Gottes Platz zu machen: Jesus aus Nazareth,dem Sohn des Zimmermanns.

Nachtext

Quellenangaben