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Zeitschrift-Artikel: Salomo, der Geliebte des Herrn

Zeitschrift: 72 (zur Zeitschrift)
Titel: Salomo, der Geliebte des Herrn
Typ: Artikel
Autor: Benedikt Peters
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 158

Titel

Salomo, der Geliebte des Herrn

Vortext

Text

Salomos Geburt und Jugend

Die Umstände, die zu Salomos Geburt führten, müssen ihn beständig daran erinnert haben, daß dort, wo die Sünde sich mächtig erwies, die Gnade noch viel mächtiger geworden ist (Röm 5,20). Auf welchem Weg kam doch Bathseba in das Leben Davids! Und nach welch demütigenden Geschehnissen wurde sie endlich Mutter Salomos, oder Jedidjahs, des "Geliebten des HERRN", wie er von Gott selbst genannt wurde (2Sam 12,24-25)!

Gnade - das ist die einzig wirkliche Kraft zur Heiligkeit, wie wir an Stellen wie Röm 6,14; 2Tim 2,1 und anderen lernen. Und als solche erwies sie sich auch im Leben Salomos. Er war noch "jung und zart" (1Chr 29,1), als sein Vater ihn für die Nachfolge auf den Thron und den Bau des Tempels vorbereitete. Und als er bereits König geworden, war er noch immer "ein kleiner Knabe" (1Kö 3,7). Aber er war bereits von Gottesfurcht erfüllt; Gottes Gnade an ihm war nicht vergeblich gewesen. Sie hatte ihn bewegt, Gottes Liebe mit Liebe zu beantworten und Ihn und Seine Weisheit von Jugend auf zu suchen:

"Ich liebe, die mich lieben, und die mich frühe suchen, werden mich finden" (Spr 8,17). Das schrieb Salomo aus Erfahrung; und ebenfalls aus Erfahrung gibt er als alter Mann noch dem Jüngling den Rat: "Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend." (Fred 12,1)

Salomos Weisheit

Der Weg, auf dem Salomo seine stupende Weisheit erlangte, mit der er als König in Jerusalem regierte, ist ein an Klarheit nicht zu übertreffendes Vorbild für alle, die ihm nacheifern wollen; und er ist darüber hinaus ein beredtes Zeugnis für einen Menschen, der Gott fürchtete und die Seinen liebte.

Salomo war König geworden - ja, aber nicht König irgend eines Volkes. Er war von Gott zum Haupt und Führer über das Volk Gottes gesetzt worden - des einzigen Volkes, unter dem der Gott des Himmels selbst wohnte, des einzigen Volkes, das der Ewige sein Eigentum aus allen Völkern nannte (2Mo 19,5). Die ungeheure Bürde der Würde, König gerade dieses Volkes zu sein, lastete dem noch jugendhaften Thronfolger Davids schwer auf Herz und Gemüt. Er muß sich schon länger danach gesehnt haben, diesem seinem Volk, dem er nun vorstehen mußte, auch in Weisheit dienen zu können; und er muß dabei an seinem hoffnungslosen Zukurzkommen gelitten haben. Daß solche Gedanken in seinem Herzen waren, kam an den Tag, als ihm Gott in einer Nacht erschien und ihn aufforderte: "Bitte, was ich dir geben soll." (1Kö 3,5)

Man bedenke: Einen Wunsch frei, wie im Märchen. Nur war es kein Märchen. Was würde Salomo bloß wünschen? Was hättest du gewünscht? Gibt es etwas, was das Innerste zuverlässiger ans Licht bringt, als eine solche Frage? Und hier hat Salomo vielleicht die wirklich größte Stunde seines Lebens. Der junge Mann erweist sich als vollkommen auf der Höhe seiner Berufung. Wer von den Erlösten des Herrn könnte von sich sagen, er sei das, oder er sei es wenigstens für nur kurze Zeit gewesen? Salomo muß nicht Bedenkzeit erbeten, sondern antwortet ohne zu zögern: "Du hast deinen Knecht zum König gemacht an meines Vaters statt, und ich bin ein kleiner Knabe, ich weiß nicht aus und einzugehen; und dein Knecht ist in der Mitte deines Volkes, das du erwählt hast, eines großen Volkes, das nicht gezählt noch berechnet werden kann vor Menge. So gib denn deinem Knecht ein verständiges Herz, um dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gutem und Bösem; denn wer vermöchte dieses dein zahlreiches Volk zu richten?" (1Kö 3,7-9)

Salomo beweist hier, daß er alle Voraussetzungen besitzt, um weise zu werden:

"Er erkennt seine Hilflosigkeit und Unfähigkeit.

"Seiner Unfähigkeit steht eine für ihn viel zu große Aufgabe gegenüber: das Volk ist einerseits groß, aber was die Verantwor-tung unerträglich macht, ist die Tatsache, daß es Gottes Volk ist.

"Aus dieser doppelten Einsicht zieht Salomo die einzig richtige Konsequenz: Er wendet sich an Gott, vertraut auf Ihn mit seinem ganzen Herzen und stützt sich nicht auf seinen Verstand noch auf sein Vermögen. (Spr 3,5-7)

Salomo schätzt den Wert der Weisheit höher als jedes andere Gut (Spr 2,4; 3,1415), denn er erbittet sich nicht, was dem Menschen gewöhnlich als das Wertvollste erscheint.

Auf diesem Weg kommt die Weisheit in sein Herz, um die er gebeten hatte (vgl. Spr 2,1-6); und weil er zuerst nach dieser getrachtet, bekommt er auch, worum er nicht gebeten hat: Reichtum und Ehre (1Kö 3,11.13; Spr 3,16; vgl. Mt 6,33). In Mk 4,24 lehrt Er, der selbst die Weisheit in Person ist: "Sehet zu, was ihr höret, mit welchem Maße ihr messet, wird euch gemessen werden; und es wird euch hinzugefügt werden."

Diese Wahrheit hatte Salomo selbst befolgt, bevor er sie später lehrte: Er hatte von seinem Vater David gehört, und er hatte dem Gott, von dem David kündete, sein Herz weit gemacht: "Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und laß deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen" (Spr 23,26). Salomo gab seinem göttlichen Vater sein Herz. Entsprechend vergalt ihm Gott: "Gott gab Salomo Weisheit und sehr große Einsicht und Weite des Herzens, wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist." (1Kö 4,29)

Diese Weisheit, welche Salomo zum Weltwunder seiner Zeit und bis auf den heutigen Tag zu dem sprichwörtlichen Weisen schlechthin machte, zeigte sich bereits unmittelbar danach - in dem gerechten Urteil, das er über jene zwei Huren fällte (1Kö 3,16-28). Es war übrigens ein Urteil, das sich meilenweit von dem unterschied, was man heute im Volksmund ein "salomonisches Urteil" nennt. Dieses ist meist nicht mehr als ein lauer Kompromiß; hier aber geschah beiden Parteien kompromißlose Gerechtigkeit. Jahre später schrieb Salomo: "Tiefes Wasser ist der Ratschluß im Herzen des Mannes, aber ein verständiger Mann schöpft ihn heraus." (Spr 20,5)

In der Tat: Salomo vermochte das, was im Herzen dieser beiden Frauen war, herauszuschöpfen. Wie war er dabei zu Wege gegangen? Oder besser: Was hatte er in diesen beiden Menschen angesprochen, das unmittelbar Farbe zeigte und so das Herz der Betreffenden offenbarte? Welches war das Wort, das sich wie ein Lackmusstreifen, ins Herz der Gefragten getunkt, verfärbte? Beide Frauen waren Huren. War Salomo ein exemplarischer Weiser, dann waren diese beiden ebensolche Sünder (vgl. Lk 7,37); die beiden waren aber auch noch etwas mehr: Sie waren Mütter geworden. Mit seiner Frage verstand es Salomo, diese zweite Natur anzusprechen, und prompt wurde die wahre Mutter offenbar.

Hieraus läßt sich für uns mühelos folgende Analogie herleiten: Auch wir sind Sünder von Natur; aber wir sind durch die neue Geburt auch etwas anderes geworden: Kinder Gottes. Die Weisheit des Weisen angesichts ähnlich undurchschaubarer und daher nicht zu entscheidender Fälle besteht darin, die göttliche Natur des Erlösten anzusprechen. Geschieht das in Weisheit, dann reagiert diese unfehlbar auf das Wort der Weisheit; sie gibt sich zu erkennen und macht die Herzen offenbar.

Salomos tiefer Fall

Die Gnade ist - richtig verstanden und richtig angewandt - die stärkste Kraft zur Heiligung. Falsch verstanden oder falsch angewandt läßt sie den Menschen in Schande und Sünde versinken. Hatte Paulus klagen müssen, daß die Galater sich von der kräftigen Gnade zu den hilflosen Elementen des Gesetzes kehrten, mußte Judas von Leuten sprechen, welche "die Gnade Gottes in Ausschweifung verkehren." (Jud 4)

Salomo, der von Gott so reiche Gnade empfangen hatte, strauchelte und stürzte ebenso. Er wandte sich in seinem Herzen von dem ab, aus dessen Hand alles kommt, vom Quell aller Gnade. Damit wurde er zur hilflosen Beute der Sinnlichkeit, welche den Menschen durch die Sinne an das Geschaffene und Vergängliche bindet. Beispielhaft dafür steht seine Verfallenheit an die heidnischen Frauen, die sein Herz neigten (1Kö 11,4). Wie schmerzlich ist es, solch eine Veränderung zu lesen von einem Mann, dessen Herz einst so weit gewesen war für Gott und für Seine Gedanken. Und wie bitter, wenn wir bedenken, daß Salomo in besseren Jahren selbst gelehrt hatte: "Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens" (Spr 4,23). Und hatte er nicht selbst erfahren, wie die Weisheit einen Menschen "von dem fremden Weibe" (Spr 2,16) zu erretten vermag, und den Jüngling daher gedrängt, nach Weisheit zu trachten, damit er nicht eine Beute der Hure werde (Spr 5,16; 6,24-25; 7,24-27). So lernen wir denn an Salomo die ernste Wahrheit: "Wer zu stehen sich dünkt, sehe zu, daß er nicht falle." (1Kor 10,12) Wir lernen, daß der Mensch, auf sich gestellt, zu allem fähig ist, daß es daher Torheit, ja, Wahnsinn ist, sich je klug und stark genug zu dünken, um die beständige Abhängigkeit von Gott nicht mehr nötig zu haben. Daß wir es begriffen: Die unablässige Abhängigkeit von unserem Herrn ist unser Glück; die Unabhängigkeit von Ihm ist unser Unglück. So, wie wir den Herrn aufgenommen haben, als hilf- und rechtlose Bankrotteure, so sollen wir auch weiterhin in Ihm wandeln. (Kol 2,6)

Salomos Ende

Kam Salomo nach seinem tiefen Fall wieder zurecht? Die Bibel gibt uns hierauf keine eindeutige Antwort. Mehrere Indizien aber sprechen dafür, daß Salomo so endete, wie er als König angefangen hatte: als ein Heiliger Gottes.

"Gott, der den Anfang und das Ende sieht, hatte bei der Geburt Salomo den Namen Jedidjah, "Geliebter des HERRN", gegeben. Sollte Er ihm diesen Namen gegeben haben, wäre Salomo als ein Verworfener geendet?

"Er wird in seiner Geschichte als ein überaus klares Bild auf den Messias dargestellt. Sollte jemand, der als Abgefallener endete, gewürdigt sein, in seinem Leben den vorzuschatten, der der Abglanz der göttlichen Herrlichkeit und der Abdruck Seines Wesens ist?

"Man beachte auch den abschließenden Kommentar zu seinem Leben: "Und das Übrige der Geschichte Salomos und alles, was er getan hat, und seine Weisheit, ist das nicht geschrieben in dem Buche der Geschichte Salomos?" (1Kö 11,41). Es wird zusammenfassend und abschließend auf seine Weisheit und nicht auf die vorübergehende Torheit seiner Sünde verwiesen.

"Wie anders wollen wir die Entstehung des Buches Prediger erklären, wenn nicht als das Zeugnis eines Mannes, der nach Jahren des Haschens nach Wind wieder zur von Gott geschenkten Weisheit zurückgekehrt ist (Pred 12,9-14)?

"Und trägt nicht der Kommentar über die Gefahr verführerischer Frauen in Pred 7,26 den Stempel jener Betroffenheit, die aus der eigenen bitteren Erfahrung stammt? Sollten wir daher nicht am ehesten annehmen, das Buch sei entstanden, nachdem der Schreiber wieder sein alleiniges und volles Genüge in Gott gefunden hatte?

"Es findet sich in 2Chr 11,17 ein Satz, der Salomos Weg mit dem seines Vaters gleichsetzt: "Drei Jahre lang wandelten sie auf dem Wege Davids und Salomos." Im Rückblick wird also der gesamte Weg Salomos wie der gesamte Weg Davids bewertet.

Charles Bridges urteilt in seinem trefflichen kleinen Kommentar zum Buch Prediger (erstmals erschienen 1859): "Dies alles vor Augen, urteilen wir, er sei ein Kind jenes Bundes gewesen, der auch die Zuchtrute für sein verkehrtes Handeln vorsah (vgl. 2Sam 7,14-15 mit 1Kö 11,25-26), während er gleichzeitig ein glückliches Ende sicherstellte. Wenn nun wohl seine Sonne in einer Wolke unterging, sollte nicht gerade das die Züchtigung des Kindes sein, dessen mithin, der nicht verworfen wird?"

Nachtext

Quellenangaben