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Zeitschrift-Artikel: Über das Beten zum Heiligen Geist

Zeitschrift: 73 (zur Zeitschrift)
Titel: Über das Beten zum Heiligen Geist
Typ: Artikel
Autor: Benedikt Peters
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 214

Titel

Über das Beten zum Heiligen Geist

Vortext

Text

Frage:

Ist es richtig, zum Heiligen Geist zu beten? Was kann man dafür, was dagegen sagen?

Antwort:

Ein häufig gebrauchtes Argument dafür lautet: Wir glauben an einen dreieinigen Gott; an Gott, den Vater, an Gott, den Sohn, und an Gott, den Heiligen Geist. Wir beten den Vater an, wir beten den Sohn an, wir beten darum auch den Heiligen Geist an.

Das klingt zwar überzeugend und vor allem logisch. Dennoch will ich dem zuerst einen prinzipiellen Einwand und danach zwei biblische Einwände entgegenhalten:

a) Gottes Logik ist nicht immer "logisch"

Die Logik ist keine unter allen Umständen zuverlässige Führerin in den Dingen, die Gott betreffen. Logischem Empfinden ist die ganze Botschaft vom Kreuz anstößig, eine glatte Torheit, wie der Apostel in 1Kor 1,18 sagt: "Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen." Was Gott durch seinen Geist offenbart, ist dem natürlichen Verstand, und mag er noch so geschult sein, nicht einsichtig und darum nicht annehmbar: "Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit" (1Kor 2,14). Auf logischem Denken beruhendem Gerechtigkeitssinn ist die Vorstellung anstößig, daß ein Gerechter bestraft werden soll für die Ungerechten, und daß Ungerechte ganz ohne ihr Dazutun, ganz nach dem freien Wohlwollen eines anderen, von ihrer Schuld befreit werden sollen. Verließen wir uns nur auf unsere Logik, könnten wir keine Christen sein. Auch daß eine Person gleichzeitig drei Personen sein soll, geht gegen alle Denkgesetze. Und noch etwas, das gegen unsere Logik geht, das unserem Thema aber schon recht nahe kommt, denn es hat etwas mit den verschiedenen Bestimmungen der drei Personen der Gottheit zu tun:

Der Sohn war von Ewigkeit her dazu verordnet, Mensch und damit Opferlamm zu werden (1Pe 1,20). Er wurde in der Fülle der Zeit Mensch; seine Mutter heißt daher "Mutter Jesu" (Joh 2,1); einmal heißt sie -und das hat dort seinen ganz bestimmten Grund - "Mutter meines Herrn" (Lk 1,43). Sie heißt aber nie "Mutter Gottes", so sehr menschliches Denken das forderte, ist Er doch Gott. Der Titel "Gottesgebährerin" ist vielmehr eine Bezeichnung, die zu dem Gott so furchtbar entehrenden Götzendienst des Marienkultes gehört.

Gottes Logik ist höher als unsere, zuweilen widerspricht sie der unsrigen. Daher wagen wir nur dem zu folgen, was die Bibel sagt. Wo diese gesprochen hat, sprechen wir auch; wo sie schweigt, schweigen wir.

b) Ein biblisches Argument aus dem Schweigen

Die Bibel schweigt in der Tat bezüglich der Anbetung des Heiligen Geistes. Finden sich zahllose Gebete und Loblieder an Gott, den Vater, und ebensoviele an den Herrn, den Ewigen - und das heißt vielfach eindeutig an den Sohn Gottes - so findet sich in der Tat nicht ein einziges solches Gebet, kein einziges Loblied in der ganzen Bibel, das an den Heiligen Geist gerichtet ist. Das ist zugegebenermaßen ein sogenanntes "argumentum e silentio", ein Argument aus dem Schweigen. Aber das Schweigen ist nicht ohne Stimme für uns.

Dazu kommt noch dies: Der Herr Jesus, der vollkommene Mensch, betete stets zum Vater, nie zum Heiligen Geist. Die Apostel beteten meist zum Vater, zuweilen auch zum Herrn Jesus (Joh 20,28; Apg 6,59; siehe auch 1Kor 1,2), nie zum Heiligen Geist. Im Buch der Offenbarung, wo der ganze Himmel - die Engel und die vierundzwanzig Ältesten rings um den Thron - anbetet, wo die Märtyrer unter dem Altar und wo der inspirierte Schreiber, Johannes, beten, findet sich nicht eine einzige Stelle, wo sich die Anbetenden an den Heiligen Geist wenden. Das ist sicher bemerkenswert.

c) Ein biblisches Argument aus der Lehre über Gott

Sodann sagt die Bibel etwas über die Werke Gottes und über das Zusammenwirken des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Erlösung, Gericht und Vollendung. Wir lernen aus Gottes lebendigen Aussprüchen, daß es durchaus nicht beliebig ist, welches Wirken wir welcher Person der Gottheit zuschreiben. Wir bekennen, daß der Sohn für uns zum Opferlamm wurde, und beten Ihn deswegen an; wir beten nicht den Vater dafür an, daß Er für uns in den Tod ging. Wir beten Ihn dafür an, daß Er den Sohn gab. Und doch könnte jemand folgenden logisch nicht widerlegbaren Gedankengang aufbauen: Christus ist Gott offenbart im Fleisch; in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kot 2,9); also starb auch der Vater für uns. Wir sehen, daß eine für unsere Welt stimmige Logik, die sagt, A und B und C sind gleichwertig, folglich sind sie auch in den Aussagen, die über sie gemacht werden beliebig austauschbar, uns hier ganz in die Irre führt.

Und jetzt kommen wir zum Werk des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist kam an Pfingsten auf die betende Jüngerschar und ließ sie erkennen: Gott hat Jesus zum Herrn und Christus gemacht (Apg 2,1.36). Der Heilige Geist wurde den Glaubenden gegeben, damit sie den erhöhten und verherrlichten Herrn erkännten. Durch ihn verstehen wir: "Jesus ist Herr" (1Kor 12,3). Sodann wurde der Heilige Geist uns als unser Sachwalter gegeben. Er kam, um den Jüngern Beistand, Fürsprecher und Tröster zu sein. So viel sagte der Herr den Jüngern kurz vor Seinem Weggang (Joh 14,16). Der Heilige Geist ist es, der uns im Gebet beisteht:

"Desgleichen aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie sich's gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß." (Rö 8,27)

Er hilft unserer Schwachheit im Gebet auf. Er ist es, der sich sogar für uns verwendet. Wir beten also mit seiner Hilfe und durch ihn bewegt zu Gott. Wie Judas sagt: "Betend im Heiligen Geist, ehaltet euch selbst in der Liebe Gottes." (Jud 20.21) Wir beten durch den Heiligen Geist, wir beten im Heiligen Geist, aber wir beten nicht zu Ihm. Ein Bruder sagte mir einmal: "Es ist wie beim Telefonieren; ich brauche beim Gebet jemanden, der mich mit dem Himmel verbindet, und das ist der Heilige Geist. Ich brauche eine Telefonleitung, dann kann ich mit meiner geliebten Frau telefonieren. Ich bin dankbar für die Leitung, aber ich werde mich im Gespräch nie an die Leitung wenden."

Der Heilige Geist ist, wie ein bekannter Bibellehrer einmal sagte, wie ein Scheinwerfer. Er will den von Gott erwählten Gegenstand unseres Glaubens anleuchten, den Herrn Jesus. Er will sich nicht selbst anleuchten; er will nicht, daß wir unsere Aufmerksamkeit auf ihn richten, unser Vertrauen auf ihn setzen, ihn anbeten. Genau das sagte der Herr Jesus über den Dienst des verheißenen Sachwalters:

"Er wird nicht aus sich selbst reden... Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen." (Joh 16,13.14)

Manchmal geschieht die Anbetung des Heiligen Geistes in unschuldiger Weise; so in älteren Kirchenliedern, und das soll uns nicht zu sehr aufregen. Aber es muß uns auffallen, daß diese Beispiele so selten sind, daß wir sie suchen müssen, und das zeigt, daß die Dichter dieser schönen alten Lieder richtig dachten und glaubten. Wir gehen dabei eindeutig über das hinaus, was geschrieben steht. Meine Sorge ist nun die, daß wir, indem wir die Aufmerksamkeit auf den Heiligen Geist lenken, der in uns wohnt, die Aufmerksamkeit auf unsere eigene Geistlichkeit lenken, daß wir, wenn wir den Heiligen Geist anbeten, unsere eigene Frömmigkeit feiern. Das wäre in der Tat schrecklich, weshalb Gott uns davor bewahre! Denn Er hat vom heiligen Salböl gesagt:

"Wer desgleichen macht, um daran zu riechen, der soll ausgerottet werden aus seinen Völkern." (2Mo 30,38)

C. H. Spurgeon sagte einmal: "Ich schaute auf den Herrn Jesus - da flog mir die Taube ins Herz. Ich schaute auf die Taube - da flog sie wieder weg."

Nachtext

Quellenangaben