Zeitschrift-Artikel: Die Sonne - Symbol und Wirklichkeit

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Titel: Die Sonne - Symbol und Wirklichkeit
Typ: Artikel
Autor: Matthias Kremer
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Titel

Die Sonne - Symbol und Wirklichkeit

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Text

Die Sonne - strahlendes Symbol für Wärme, Wohlbehagen, Licht! Man verläßt nach Stunden mühsamer Arbeit ein tristes Büro oder Fabrikgebäude, tritt ins Freie und wird von der Sonne umstrahlt. Wohlige Wärme durchdringt uns; Lichtfluten hellen unser Gemüt auf; wir fühlen uns einfach wohl. Manche werden darüber zu regelrechten "Sonnenanbetern", die es genießen können, stundenlang nichts anderes zu tun, als nur am Strand liegend sich von den Strahlen unseres irdischen Lebensspenders bescheinen zu lassen.

Wenn in Zukunft keine Sonne mehr nötig sein wird, weil die "Herrlichkeit Gottes" und "das Lamm" - der Herr Jesus - (Offb 21,23; 22,5) uns umstrahlen, werden wir uns mit Sicherheit nicht weniger wohl fühlen als in der jetzigen Sonne. "In" der Sonne zu sein, ist ein Genuß - wieviel mehr Genuß liegt darin, "im" Herrn Jesus zu sein, für den die Sonne ja nur ein Symbol ist.

Ganz ähnliche Gedanken finden wir im Buch Prediger, Kapitel 11,7: "Und süß ist das Licht, und wohltuend den Augen, die Sonne zu sehen." Diesen Vers schrieb König Salomo nach seinen vergeblichen Versuchen, wahre Befriedigung in den verschiedensten Bereichen "unter der Sonne" (ein Schlüsselbegriff im Buch Prediger), also allein auf der Erde zu finden. Mit den immer wiederkehrenden Wendungen "es ist alles ganz eitel" sowie "es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind" bringt Salomo sein Fazit zum Ausdruck: Echte Erfüllung gibt es unter der Sonne nicht.

Deshalb sollten wir uns nicht nur für die Dinge unter der Sonne interessieren (denn "unter" spricht von einem niedrigen Niveau), sondern uns mit der Sonne selbst beschäftigen. Die geschaffene Sonne ist nämlich von Gott als eine Art "Brücke" zu höheren Sphären gedacht. Wenn Gott uns als Christen auffordert, uns dafür zu interessieren "was droben ist - nicht für das, was auf der Erde ist" (Kol 3,2) können wir das auch einmal wörtlich verstehen und uns über die Sonne Gedanken machen. Aus den Parallelen zwischen natürlichem und geistlichem "Droben" können wir viel Gewinn ziehen.

Die Bedeutung von Bildern

Bevor wir uns diese Parallelen näher ansehen, möchte ich von der Bibel her aufzeigen, daß es dem Herrn selbst viel bedeutet, wenn wir über diesen Vergleich nachdenken.

In Psalm 19,1 heißt es: "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes ...", und in den Versen 4-6 geht es schließlich in besonderer Weise um die Sonne. Das zeigt, daß der Herr uns durch den natürlichen Himmel -und insbesondere durch die Sonne - die Herrlichkeit Seiner Größe als Schöpfer vorstellen möchte. Aber auch in noch tieferer Hinsicht will uns die sichtbare Sonne "die Herrlichkeit Gottes erzählen": Mit ihren vielfältigen und für uns Menschen so wichtigen Merkmalen läßt sie uns einzelne entsprechende Eigenschaften und Wesenszüge des derzeit noch unsichtbaren Herrn Jesus Christus erahnen. Die unzähligen, offensichtlich nicht zufälligen Parallelen zwischen den Eigenschaften der Sonne und den Wesensmerkmalen Jesu Christi zeigen außerdem, daß dieser Himmelskörper keineswegs zufällig entstanden sein kann (wie die Evolutionstheorie behauptet), sondern vielmehr das Ergebnis eines planenden und zu uns redenden Schöpfers sein muß.

Wie wir anhand der alttestamentlichen Vorausschattungen und Vorbilder wissen, bedient der Herr sich vieler "Bilder", um uns bestimmte Dinge betreffs Seiner Person und seines Werkes am Kreuz leichter erklären zu können. Und gerade die von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel immer wieder vorkommende Sonne sowie die Bundeslade sind meiner Meinung nach die beiden für Ihn selbst wichtigsten Bilder, die Er uns zum besseren Verständnis Seiner Person gegeben hat.

So wird der Herr z.B. in der so bedeutsamen Szene auf dem "Berg der Verklärung" zum einen als die wahre Bundeslade gezeigt (nämlich wie im AT von einer Wolkensäule überschattet) und zum anderen gleichzeitig mit einem wie die Sonne leuchtenden Angesicht. Und sogar am Kreuz in Seinem tiefsten Leiden erfüllte sich die "Bildersprache": Bei Seiner Gottverlassenheit ließ er zuerst die Sonne für drei Stunden verfinstern (u.a. ein Bild Seiner nun beginnenden Leiden unter der Hand Gottes), und am Ende dieser drei Stunden zerriß im Tempel der Vorhang zum Allerheiligsten, und damit wurde der Weg frei zu dem Ort, an dem eigentlich die Bundeslade ihren Platz hatte. Dadurch verdeutlicht Er, daß nun der Zugang zu Ihm, der wahren Bundeslade, freigeworden ist.

Was für einen großartigen Herrn haben wir, der in den drei Stunden der Finsternis unsere Sündenstrafe trug und dabei gleichzeitig in so eindringlichen Bildern zu uns redet!

Wenn sich unser Leben nur um die Dinge "unter der Sonne" dreht, bleibt unser Herz letztlich leer und unerfüllt. Wenn jedoch der Herr uns sein Wort lebendig macht, wird es sein wie bei den Emmaus-Jüngern: "... da brannte ihnen ihr Herz" (Lk 24,32).

Im folgenden sollen nun einige markante Parallelen zwischen der Sonne und unserem Herrn Jesus aufgezeigt werden.

Die Leben spendende Sonne

Der Schöpfer hat alle Lebewesen, einschließlich uns Menschen, in direkte, ununterbrochene Abhängigkeit zu diesem Himmelskörper gesetzt. Von der Sonne geht alle Energie aus, die in irgendeiner Form auf der Erde gebraucht und umgesetzt wird (abgesehen von der technisch gewonnenen atomaren Energie). Die gesamte Nahrungskette sowie unsere fossilen Brennstoffe gehen auf pflanzlich gebundene Sonnenenergie zurück. Alles Licht und alle Wärme, die wir brauchen und nutzen, stammt von der Sonne. Die Sonne steuert Wetter und Klima, und ihre Anziehungskraft hält unseren Planeten auf seiner Bahn. Noch viele Aspekte der Abhängigkeit von der Sonne wären aufzeigbar, aber es wird deutlich: Ohne die Sonne und ihre perfekt aufeinander abgestimmten Eigenschaften und Auswirkungen wäre kein Leben möglich und würde alles vorhandene Leben ein jähes Ende nehmen.

Wie machtlos, armselig und verloren ist das winzige Objekt Mensch doch unter der alles überstrahlenden Sonne! Mit der absoluten Abhängigkeit von diesem Himmelskörper möchte der Herr uns verdeutlichen, wie abhängig alle Menschen von Ihm sind. Die natürliche Abhängigkeit von der geschaffenen Sonne ist bereits zu allen Zeiten von allen Völkern und Kulturen erkannt worden. Leider führte das bei diesen Völkern zum Götzendienst - sie verehrten die Sonne selbst als Gott. Denken wir nur an die Ägypter mit ihren Sonnengöttern (Aton, Chepri, Re und A tum), die Babylonier oder die amerikanischen Mayas, Inkas und Azteken und deren Sonnengötter. Wir erinnern uns z.B. auch an die tragischen Vorfälle bei der Sekte der "Sonnen Lernpier" vor einiger Zeit.

Die "kleine" Sonne

Die Sonne ist eigentlich ein verhältnismäßig unscheinbarer Himmelskörper im Weltraum.

Es gibt bedeutend größere Sterne (z.B. W Cephei mit einem 2300fachen Sonnenradius, in dem unser gesamtes Sonnensystem bis zur Umlaufbahn des Saturn Platz hätte, oder der Doppelstern Alpha Herkules mit seinem Begleiter, der mit seiner Gashülle einen ca. 180.000fachen Sonnendurchmesser aufweist). Und der Stern Eta Carina z.B. leuchtet ca. 4.000 000 mal heller als die Sonne.

Zeugt es nicht von einer unbeschreiblichen Bescheidenheit unseres Herrn, wenn Er als Schöpfer von mindestens 10" Sternen ( = 10.000.000.000.000.000.000.000.000 Sterne-die bis heute im beobachtbaren Teil des Universums ermittelte Gesamtzahl der Sterne) bereit ist, sich mit dieser für Ihn winzigen Sonne zu vergleichen - nur damit wir Menschen etwas von Seiner Größe erahnen können?

Wenn wir nur den Vergleich mit Eta Carina nehmen würden, dann können wir sagen, daß sich der Herr bereits allein mit Seinem Sonnen-Vergleich "millionenfach" erniedrigt hat. Er hätte ja durchaus statt der Sonne einen zigfach helleren und größeren Himmelskörper für die Erde einsetzen können in entsprechend größerem Abstand -um sich dann mit diesem helleren und gewaltigeren Himmelskörper vergleichen zu können. Doch um uns nahe zu kommen, hat er sich klein gemacht.

Wie groß ist aber diese Seine Bereitschaft zur Erniedrigung angesichts der Tatsache, daß Er ja "mit seinem Finger" (Ps 8,3) bzw. durch das Wort Seiner Macht (Ps 33,9/Joh 1,1+3) insgesamt unzählige Sterne von für uns im wahrsten Sinne des Wortes unermeßlicher Größe geschaffen hat, dazu noch die gesamte unsichtbare Welt mit ihren Myriaden von Engeln (Ko11,16)! Erahnen wir, wie wenig wir von der wahren Größe unseres Herrn verstehen?!

Und wie sehr hat Er sich schließlich erniedrigt, als Er sogar bereit war, ein Mensch zu werden und sich damit in naturgemäße Abhängigkeit von dieser für Ihn so winzigen Sonne zu begeben - nur mit dem Zweck, uns als greifbarer Gott zu begegnen und uns zu erretten, bis dahin, daß Er sich am Kreuz sogar mit einem Wurm verglich (Ps 22,6) und sich selbst zu nichts machte (Phil 2,7), um uns zu erlösen. Wenn wir so die Erniedrigung des Herrn erkennen, können wir für uns daraus lernen und zum Ziel setzen, nicht hoch von uns selbst zu denken und somit nicht in Hochmut (die "Sünde Satans" - 1Tim 3,6+Anm./Jes 14,13f) zu fallen. Außerdem sollten wir uns bei Kontakten und Gesprächen immer dem Niveau unseres jeweiligen Gegenübers anpassen - mit dem Ziel, ihn besser für Christus gewinnen zu können.

Die "eine" Sonne

Abgesehen davon, daß die Astronomen unter dem Begriff "Sonne" auch andere Sterne verstehen, gibt es in Gottes Augen nach 1Mo 1,16 neben den unzähligen Himmelsobjekten nur die eine Sonne. Diese Sonne scheint für alle Menschen - jeder Mensch (ungeachtet seiner Nationalität, Kultur, Religion, seines Bildungsstandes, sozialen Status etc.) lebt dank dieser einen Sonne. Will der Herr uns dadurch nicht verdeutlichen, daß es nicht viele Götter oder Religionen gibt, sondern nur den einen Herrn, Jesus Christus? Und daß es keinen anderen Lebensspender gibt und auch in keinem anderen das Heil ist? Denn "in dem Himmel" ist kein anderer Name, in dem wir errettet werden müssen (Apg 4,12). Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen - der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gab zum Lösegeld für alle (1Tim 2,5-6).

Es sind eben nicht die vielen kleinen, von Menschen erhobenen "Stars" am Nachthimmel, die Leben geben, sondern die eine große Sonne, bei deren Erscheinen am Himmel sämtliche "Stars" der Nacht verschwinden ...

Die "große" Sonne

Die Sonne ist ein glühender Gasball von riesigen Ausmaßen. Ihr Durchmesser beträgt 1.392.000 km, das ist fast das 4fache der Entfernung Erde - Mond. Würde man 109 Erdkugeln wie auf einer Perlenschnur aufreihen, käme man damit auf gerade diese Strecke. Und in ihrem Volumen könnten 1.306.000 Erdkugeln untergebracht werden.

Befände sich die Erdkugel in der Mitte der Sonne, dann würde sich der Mond, der die Erde mit einem Abstand von 384.000 km umkreist, auf seiner Bahn noch weit innerhalb der Sonne befinden, da sein Abstand von der Erde nur gut die Hälfte des Radius der Sonne (350.000 km) beträgt.

Die Masse (das Gewicht) der Sonne ist 333.000mal so groß wie die der Erde. Damit bietet sie 99,87% der Masse des gesamten Sonnensystems auf alle Planeten mit ihren Monden sowie alle Kometen teilen sich den Rest von 0,13%. So kann man fast sagen: die Sonne ist das Sonnensystem!

Das soll uns andeuten, wieviel mehr unser Herr im Vergleich zu allem auf der Erde bieten kann und daß er mit Seinen Maßstäben die Alltagserfahrungen unseres Erdendaseins schier sprengt. Daher fordert Er uns auf, nicht Schätze auf der Erde zu sammeln, sondern im Himmel (Mt 6,19f), und uns schon jetzt mit auf Ihn gerichteten Gedanken an himmlische Maßstäbe und Dimensionen zu gewöhnen. "Wen habe ich im Himmel? Und neben dir habe ich an nichts Lust auf der Erde"(Ps 73,25)!

Außerdem soll uns die Ausdehnung dieses "großen Lichtes" (1.Mo 1,16) an verschiedene Aspekte Seiner Größe erinnern. An unzähligen Stellen stellt die Bibel die Größe des Herrn in verschiedenster Hinsicht heraus. Als Anregung zum Bibelstudium sei hier eine kleine Auswahl gegeben:

"        Seine Ämter (Ps 47,2; Hebr 4,14; 10,21; 13,20; Lk 7,16)

"        Seine Eigenschaften (2Mo 15,7; Ps 51,1; 66,3; 69,16; 86,15; 138,5; 147,5; Jes 28,29; Jer 10,6; 32,19; Klgl 3,23; Nah 1,3; Sach 9,17; Joh 15,13; 1Petr 1,3; Jer 36,7)

"        Seine Taten (1Mo 15,1; 2Mo 15,16; Hiob 9,10; Ps 126,2.3; Dan 4,3; Hebr 2,3).

Angesichts der Größe dieses Herrn erscheint es lächerlich zu fragen, wer unter uns der "Größte" ist. Die Tatsache, daß diese eine große Sonne bereit war, in unsere Nähe zu kommen, um uns Licht und Wärme zu geben, sollte ein großes Staunen in uns bewirken und unser Leben durch Freude und Anbetung prägen. Er war bereit, Seine Größe abzulegen und zu dienen - bis in den Tod. Damit ist er unser alles überragende Vorbild.

Da die hier aufgeführten Parallelen zwischen der Sonne und dem Herrn Jesus nur einige wenige von vielen sind, werden wir uns - so Gott will - in einer Fortsetzung mit weiteren Punkten, wie der Anziehungskraft der Sonne, Wärme und Licht, ihrem Platz in der Mitte sowie weiteren faszinierenden Themen beschäftigen.

Nachtext

Quellenangaben