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Zeitschrift-Artikel: Wie man "feurige Kohlen" sammelt

Zeitschrift: 83 (zur Zeitschrift)
Titel: Wie man "feurige Kohlen" sammelt
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 132

Titel

Wie man "feurige Kohlen" sammelt

Vortext

Text

Robert Cleaver Chapman (1803 - 1902), der "Patriarch aus Barnstaple", war eine der originellsten und beeindruckensten Persönlichkeiten der sog. "Brüderbewegung" im letzten Jahrhundert.

Er wurde 99 Jahre alt und überlebte damit alle frühen Weggenossen und Freunde wie J.N. Darbt' Georg Müller und andere. Es gibt einige Spötter, die vermuten, Chapnian sei deswegen so alt geworden, weil er zeitlebens unverheiratet geblieben ist, aber ich vermute eher, es lag daran, daß er jeden Morgen um 3.30 Uhr aufzustehen pflegte, um dann in die neben seinem Bett stehende Badewanne zu steigen, die mit kaltem Wasser gefüllt war.

Auf diese Weise fit für den Tag verbrachte dieser Mann Gottes die nächsten Stunden in Gemeinschaft mit Gott, bis seine anderen Hausgenossen sich bequemten, aus den Federn zu kriechen und er sich dann dem Dienst der Liebe an seinen Nächsten widmen konnte.

Chapman war ein begnadeter Seelsorger, vollmächtiger Schriftausleger, eifriger Evangelist (mit 98 Jahren hielt er noch Straßenpredigten!), vor allem aber ein "Apostel der Liebe", dessen Lebensmotto lautete: "Es gibt sehr viele, die Christus predigen, aber nicht so viele, die Christus leben. Mein Ziel soll sein, Christus zu leben!"

Wenn man ihn im Armenviertel der Stadt aufsuchte, wo er ein kleines Haus gemietet hatte, ahnte man wohl kaum, daß dieser Mann aus einem sehr reichen Elternhaus stammte und vor seiner Bekehrung ein angesehener Anwalt beim "Allgemeinen und Königlichen Gerichtshof" in London war. Doch mit seiner Bekehrung erlebte er eine "Umwertung aller Dinge", und so gab er kurze Zeit später seinen Beruf auf und verschenkte sein Privatvermögen, um seine Zeit völlig dem Herrn zur Verfügung zu stellen. Das hatte auch zur Folge, daß er so etwas wie eine "Jüngerschaftsschule" oder "Gefährdetenhilfe" in seinem Haus gründete, wo immer eine Anzahl Gäste für kürzere oder längere Zeit kostenlos wohnen konnten, die von Chapman geistlich wie leiblich liebevoll versorgt wurden. Die Gäste - oft müde gewordene, ausgelaugte Christen - hatten nun im Hause Chapman Anschauungsunterricht, wie es aussieht, im Vertrauen auf Gottes Verheißungen zu leben und in Liebe zu dienen.

Aus dem Leben und Dienst dieses gesegneten Mannes gibt es eine Anzahl Anekdoten, von denen wir die folgende hier wiedergeben möchten.

Wolfgang Bühne


Eines Tages besuchte ihn unerwartet ein Verwandter, der einmal sehen wollte, wie er lebte. Dieser Mann kam am Bahnhof an, wo er eine Kutsche mietete, die ihn zu Chapmans Haus bringen sollte. Als sie vor Chapmans Haus anhielten, fragte er ganz erstaunt den Kutscher: "Ich hatte sie doch gebeten, mich zum Haus von Herrn Chapman zu fahren."

"Nun", antwortete der Mann, "das habe ich getan. Er wohnt hier."

Der Besucher war sehr verwundert und läutete. Gleich wurde die Tür geöffnet und Chapman begrüßte ihn freundlich.

"Robert, was in aller Welt machst du hier?" rief der Besucher erstaunt.

"Ich diene dem Herrn an dem Ort, an den Er mich geschickt hat."

Voller Fragen betrat der Besucher das Haus.

"Aber wie kannst du leben? Hast du wenigstens Geld auf dem Konto?"

"Ich vertraue einfach nur dem Herrn und sage Ihm, was ich nötig habe. Er hat mich noch nie im Stich gelassen. Dadurch wächst mein Glaube und das Werk geht weiter."

Nun war die Neugier des Besuchers geweckt. Er öffnete die Tür zur Speisekammer, aber da war nicht viel drin. Er bat darum, etwas einkaufen zu dürfen, was Chapman ihm gerne gestattete, allerdings nur, wenn er in einem ganz bestimmten Geschäft einkaufen ginge.

Als der Verwandte den Laden gefunden hatte, wurden die Augen des Besitzers immer größer, als er tausend Dinge verlangte. Als die Bestellung immer noch größer wurde, wurde der Verkäufer immer dankbarer und freundlicher und als schließlich alles zusammengesucht und alles bezahlt war, wollte er sich dem Kunden gefällig erweisen und sagte:

"Wenn Sie mir die Adresse geben könnten, dann würde ich Ihnen die Waren ins Haus liefern."

"Bitte liefern Sie alles bei Herrn Robert C. Chapman ab", bat der Kunde.

"Aber - das muß ein Irrtum sein!"

"Nein, nein", lautete die Antwort, "Herr Chapman hat mich extra gebeten, zu ihnen zu gehen."

Der Mann war völlig niedergeschmettert, denn er hatte seit Jahren Chapman beschimpft und ihn bekämpft. Schon kurze Zeit später kam er in das Haus Chapmans, wo der erstaunte Besucher sah, wie der Kaufmann reumütig vor dem Mann Gottes kniete, ihn um Vergebung bat und sein Leben dem Retter Jesus Christus anvertraute."

 

Nachtext

Quellenangaben

Aus: FRANK HOLMES: "ROBERT CLEAVER CHAPMAN - EIN MANN GOTTES", CVD/CLV