Zeitschrift-Artikel: Die Führung Gottes - der etwas andere Ansatz

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Titel: Die Führung Gottes - der etwas andere Ansatz
Typ: Artikel
Autor: Philip Yancey
Autor (Anmerkung):

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Titel

Die Führung Gottes - der etwas andere Ansatz

Vortext

Text

 

 

Aus: BODE VAN HET HEIL IN CHRISTUS, BODE-EXPRES, DEZEMBER 1997, S. 10; ÜBERSETZUNG: MARCEL VERWAAI.

" Für welche Stelle soll ich mich entscheiden?

" In welche Kirche soll ich gehen?

" Wäre es eine gute Idee, noch ein Kind zu kriegen?

Solche und ähnliche Fragen bereiten uns oft Kopfzerbrechen. Und wenn wir unsere Beziehung zu Gott einigermaßen ernst nehmen, suchen wir selbstverständlich nach Seiner Führung. Aber wie eigentlich? Sollten wir Gideon zum Beispiel nehmen und bei jeder Entscheidung in unseren' Garten ein Vließ ausbreiten?

Manche Christen geben uns den Rat, nach einer tiefen mystischen Bestätigung zu suchen, bevor wir entscheiden, was wir tun, während uns andere wiederum ans Herz legen, die Bibel zu studieren und danach selbst eine Entscheidung zu treffen. Aber wer kann uns helfen, sich für die richtige Methode zu entscheiden?

Aus verschiedenen Gründen halte ich die üblichen Ansätze für unbefriedigend und verwirrend. Sie lassen meist wesentliche Fragen zur Souveränität Gottes und zu Seiner Geneigtheit, in menschliche Angelegenheiten einzugreifen, unbeantwortet. Ich habe versucht, die Frage des Sich-Entscheidens beiseite zu setzen und eine grundlegendere Frage anzugehen: Auf welche Art führt ein unendlicher Gott endliche Menschen? In meinem Versuch zu ermessen, wie Er dies tun könnte, habe ich mich auf ein wunderschönes, wenn auch sehr kompakt geschriebenes philosophisches Werk namens >Inkarnation und Immanenz< gestützt, das von einer Lady Oppenheimer verfaßt wurde. Sie beginnt ihren Abschnitt zum Thema der Führung Gottes damit, zu untersuchen, wie wir andere Menschen um Führung bitten. Daraufhin erwähnt sie drei Reaktionen, die wir uns dabei wünschen.

Unterstützung suchen

Erste Option: Manchmal bitten wir andere um ihren Rat, weil wir wissen, daß sie die Entscheidung, zu der wir ohnehin geneigt sind, unterstützen werden. Mitarbeitern in Großunternehmen liegt das besonders. Sie holen sich Rat von denen, die ihre Lieblingsprojekte unterstützen werden.

Für Kinder gilt dies noch viel mehr: Sie wissen instinktiv, wer von den Eltern am meisten mithelfen wird und bitten daher gerade diesen Elternteil um seine Zustimmung.

Es leuchtet ein, daß diese beliebte Technik kein brauchbares Modell für die Suche nach der Führung Gottes ist. Es wäre gotteslästerlich, Ihn um Unterstützung zu bitten für Pläne, die wir schon längst geschmiedet haben.

Weisheit suchen

Zweite Option: Manchmal gehen wir zu bestimmten Menschen, weil wir wirklich bereit sind zu hören, was wir tun sollen. "Ich weiß nicht, für welche Universität ich mich entscheiden soll - bitte sagt es mir", sagt der zweifelnde Teenager zu seinen Eltern.

Professionelle Betreuer werden häufig mit diesem Menschentyp konfrontiert; gerade die Unentschlossenheit ist der Grund, weshalb sie Hilfe suchen. Solche Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach weisen Eltern, die ihnen alle wichtigen Entscheidungen abnehmen. Ein vernünftiger Betreuer wird aber davor zurückschrecken, die Rolle der Eltern zu übernehmen. Was der Ratsuchende braucht, ist nicht eine gute Beratung, sondern die Reife, selbst Entscheidungen zu treffen. Die Entgegnungen des Betreuers verschaffen uns einen wichtigen Einblick in die Fragen zum Thema Führung. Wenn es um moralisch neutrale Angelegenheiten geht - zu denen sich die Schrift nicht äußert -, warum teilt Gott uns in solchen Fällen nicht mit, welche Entscheidung die richtige ist? Vielleicht würde eine solche Reaktion die menschliche Freiheit unvermeidlich in Gefahr bringen, was Gott seit dem Garten Eden bis auf den heutigen Tag sorgfältig vermieden hat. Er ist nicht so sehr darauf aus, unser Leben zu lenken, sondern Er verlangt vielmehr danach, daß wir Ihm unser Leben in Gehorsam und im Dienst hingeben.

Suchen nach einem offenen Ohr

Dritte Option: Manchmal möchten wir einfach >laut denken< in der Gegenwart eines Zuhörers, der uns wohlgesinnt ist. Manche therapeutische Schulen sind voller Begeisterung über diesen Ansatz. Der Betreuer nickt bedeutungsvoll, formuliert die Fragen seines Klienten neu aus und hilft ihm, ohne richtungweisend aufzutreten, eine bestimmte Position einzunehmen.

Auf den ersten Blick gleicht diese Methode unserer Art, in der wir in unseren Gebeten zu Gott nahen. Aber es gibt auch entscheidende Unterschiede: Wenn wir beten, sehen wir keinen, der zuhört und nickt, und wir hören keine Person, die unsere Meinung neu formuliert.

Oppenheimer legt diese Frustration wie folgt aus: >Man kann nicht ewig dankbar sein für Stille. Ein guter Zuhörer ist nicht jemand, von dem wir vermuten, daß er sich heimlich davongestohlen hat.< Und von einem allwissenden Gott möchten wir Führung erhalten, nicht nur Sympathie.

Thronverzicht

Die obengenannten Beispielsfälle menschlicher Führung sind unzulänglich, wenn es darum geht, Aussagen zu machen über einen unendlichen Gott, der endliche Menschen führt. Wenden wir uns einer gesunden Form der zweiten Möglichkeit zu: Hören wollen, was man tun soll.

Wir holen uns Rat von Sachverständigen auf dem Gebiet des Rechts oder der Medizin und sind bereit, für ihre Beratung einen hohen Preis zu zahlen. Nun, ist ein allwissender Gott nicht der durchaus perfekte Sachverständige? Warum ist Seine Führung dann soviel unklarer als die eines Rechtsanwalts oder Arztes?

An diesem Punkt kommt der Unterschied zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit ins Spiel. Ich gehe zu einem Rechtsanwalt oder einem Arzt, um seinen Sachverstand in Anspruch zu nehmen. Ich verlange von ihm, daß er in Büchern nachschlägt, sich mit seinen Kollegen abstimmt und seine Datenbanken durchforstet, um die bestmögliche Beratung >zusammenzukratzen<. Nachdem er mir unter Einsatz all seiner Fähigkeiten geholfen hat, übermittelt er mir das Ergebnis und daraufhin entscheide ich, was ich mache.

Bei Gott sieht das anders aus. Sein Wissen ist unbeschränkt. In gewissem Sinne würden wir ein unfaires Spiel treiben, wenn wir alle Tatsachen über die Zukunft wüßten. Unser Glaube und unser Gehorsam wären bedeutungslos, wenn wir das unvermeidliche Ergebnis einer bestimmten Handlungsweise kennen würden. Die menschliche Freiheit würde sich in nichts auflösen.

C.S. Lewis macht mit aller Vorsicht eine Bemerkung zu Gottes >Zögern<, direkt einzugreifen:

"Es scheint, als ob Er das nicht selbst tut, was er möglicherweise an seine Geschöpfe delegieren kann. Er gebietet uns, langsam und mangelhaft das zu tun, was Er vollkommen und im Nu bewirken könnte... Vielleicht verstehen wir nicht ganz, wie schwer es ist -wenn wir das so sagen dürfen -, den ›freien Willen< endlicher Menschen gleichzeitig mit der göttlichen Allmacht bestehen zu lassen."

Eine intime Beziehung

Wir verstehen es zu sagen, was Führung nicht ist, aber es ist wesentlich schwieriger, sie positiv zu definieren. Vielleicht sehen wir Führung zu viel als eine Technik und zu wenig als Aspekt einer Beziehung. Die erste und dritte Option sind als Technik, um zu einer Entscheidung zu gelangen, unbefriedigend, aber vor dem Hintergrund einer Beziehung sehen diese Optionen ganz anders aus. Die intimste Beziehung, die ich kenne, ist die Ehe. Allerdings muß ich sagen, daß in einer Ehe die zweite Option von Oppenheimer selten ist. Ich wende mich fast nie meiner Frau zu, um zu hören, was ich tun soll, aber in der Intimität unserer Beziehung gehe ich oft zu ihr, um Unterstützung bei meinen eigenen Entscheidungen zu finden und weil ich einen einfühlsamen Zuhörer brauche.

Manchmal kommt es vor, daß ich es in der Eile versäume, ihr etwas Wichtiges oder Angenehmes zu erzählen; vielleicht wurde ein Artikel von mir zur Veröffentlichung freigegeben oder habe ich eine Auszeichnung erhalten. Wenn meine Frau dann später dahinterkommt, sieht sie mich beleidigt und manchmal empört an und sagt: "Das hast du mir gar nicht erzählt!" Sie ist schockiert, wenn ein Kollege oder Nachbar etwas eher weiß als sie. Und dazu hat sie gute Gründe. Sie hat das Recht - das gesetzlich verankerte Recht - die wichtigste menschliche Person in meinem Leben zu sein, und dieses Recht umfaßt alle wichtigen Aspekte meines Lebens. Sie soll mehr von mir wissen als wer auch immer - ihre Eifersucht ist angemessen und sogar rührend. Ich habe gelernt, daß die Kommunikation an sich wichtiger ist als ihr Inhalt.

Die Bibel gibt uns wenig ausdrückliche Hinweise zur technischen Seite der Führung Gottes, zeigt uns aber um so mehr darüber, auf welche Weise wir eine Beziehung der Liebe zu Ihm pflegen sollen. Was meine Frau und ich über Intimität entdecken, ist ein Abbild der Intimität, um die es bei Gott geht. Er sehnt sich danach, daß ich immer, wenn ich eine Entscheidung treffe, bewußt Seine Gegenwart empfinde. Das Scheinwerferlicht der Führung verschiebt sich von der Technik zur Beziehung hin.

Erschütternd aufrichtig

Wenn ich einen Bibelabschnitt über die Führung Gottes empfehlen müßte, würde ich nicht Gideon oder Paulus bringen. Statt dessen möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Psalmen lenken - und zwar auf alle hundertfünfzig.

Die Psalmen habe ich schätzen gelernt während einer Reise nach Colorado, in dem aufreibendsten und sorgenreichsten Jahr meines Lebens. Ich reiste dorthin um dem Trubel im Büro zu entfliehen, so daß ich letzte Hand an das Manuskript eines neuen Buches legen konnte, ohne von anderen Beschäftigungen abgelenkt zu werden. Auch hatte ich Bedürfnis nach Führung im Blick auf wichtige Entscheidungen für die Zukunft.

Ich nahm mir vor, jeden Morgen rechtzeitig aufzustehen und den Tag mit dem Lesen von zehn aufeinanderfolgenden Psalmen zu beginnen. Bis dahin hatte ich nie mehr als einen Psalm auf einmal gelesen. Ich empfand es als erschütternd, zehn nacheinander durchzuarbeiten.

In manchen Psalmen dankte und pries man Gott in höchster Jubelstimmung. Sie rühmten Seine ewige Liebe, seine Errettung, seine klare Führung in den alltäglichen Dingen. Andere Psalmen wiederum, die >einfach so< dazwischen standen, griffen Gott an wegen Seiner scheinbaren Abwesenheit, weil Seine Führung fehlte und Er Seine Verheißungen vergessen zu haben schien. Am Anfang kam mir diese Inkonsistenz bizarr vor, wie wenn die hebräischen Redakteure mit absichtlicher Ironie die Reihenfolge festgestellt hätten.

Nach einigen Tagen, als ich mir mit diesen Gegensätzen keinen Rat wußte, fing ich an, die Psalmen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich suchte nicht länger nach besonderen Hinweisen. Statt dessen fing ich an, mir die Psalmen als eine Art geistliches Tagebuch anzusehen: Aufzeichnungen von Menschen, die eine intime Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ernst nahmen.

Die Autoren waren erschütternd aufrichtig; sie registrierten nicht nur alles Gute aus der Liebesbeziehung, sondern auch die gewaltigen Enttäuschungen. Um ein komplettes Bild von diesem emotionalen Chaos zu erhalten, muß man die ganzen hundertfünfzig dieser Lieder lesen. Derjenige, der als der Schreiber vieler Psalmen gilt, wird >ein Mann nach dem Herzen Gottes< genannt. Jetzt begreife ich, weshalb. David nahm Gott ernst. Er nahm Gott in jeden großen oder kleinen Erfolg, in jeden großen oder kleinen Mißerfolg hinein. Er fuhr Gott an, erhöhte Ihn, zweifelte an Ihm, pries Ihn, fürchtete Ihn, liebte Ihn. Aber was auch geschah, Gott war immer in Davids Gedanken.

David praktizierte Gottes Gegenwart in den alltäglichen Einzelheiten. Und er nahm sich Zeit, einen poetischen Bericht zu führen über die Intimität, die es zwischen ihm und Gott gab. Die Psalmen vermitteln keine Lehrsätze, sondern zeigen, wie man eine Beziehung unterhält.

Den Zeitraum, in dem die Psalmen geschrieben wurden, betrachteten die Propheten in späteren Zeiten als das Goldene Jahrhundert Israels. Und in ihren unaufhörlichen Vorwürfen gegen ihre ungehorsamen Zeitgenossen lautete ihre Anschuldigung: "Ihr habt Gott vergessen."

Keine magische Problemlösung

Ich glaube, daß die meisten Fragen zur Führung Gottes auf einem Mißverständnis beruhen. Sie zeigen die anspruchsvolle Ungeduld der Menschen, die den Weg des geringsten Widerstands gehen und aus ihrer Beziehung zum allmächtigen Gott kurzfristig Nutzen ziehen wollen.

Aber das ist eine Unmöglichkeit. Gottes Führung kann man nicht auf einen Dreistufenplan reduzieren. Die einzige Möglichkeit ist eine das ganze Leben dauernde Suche nach Intimität zu einem Gott, der manchmal nahe, manchmal weit weg erscheint, manchmal liebevoll und manchmal vergeßlich empfunden wird.

Wir können wenig Sympathie aufbringen, wie Lewis sagte, für die >Probleme< Gottes in Seiner Allmacht. Aber Gott möchte nicht unsere Sympathie, sondern Er möchte, daß wir Ihn lieben und uns heilig vornehmen, Ihn von Tag zu Tag ernst zu nehmen, was auch geschehen mag. Sollte es eine Formel für Führung geben, dann ist diese die einzige.

Führt Gott? Ja, ich glaube daran, daß Er das tut. Meistens mit viel Feingefühl, denke ich. Er bringt uns Gedanken, spricht durch ein nagendes Gefühl des Unbefriedigt-Seins, regt uns an, eine bessere Entscheidung zu treffen als wir sonst getan hätten, bringt verborgene Versuchungen an die Oberfläche und ändert vielleicht sogar bestimmte Umstände. Gott leistet uns in Seiner Führung konkrete Hilfe, aber in einer Art und Weise, die unsere Freiheit unversehrt läßt.

Allerdings meine ich, daß die ganze Thematik der Führung Gottes, die Scharen von Menschen zu Konferenzen hinzieht und den Verkauf zahlloser Bücher garantiert, stark überschätzt wird. Das Thema verdient nicht mehr von unserer Aufmerksamkeit als die Bibel ihm widmet.

Der Soziologe Bronislaw Malinowski unterscheidet zwischen Magie und Religion. Wir reden von Magie, wenn Götter manipuliert werden, um unsere Wünsche zu erfüllen; von Religion ist die Rede, wenn wir uns selbst ihrem Willen unterwerfen.

Wahre Führung kann niemals Magie sein, sondern sollte unter Malinowskis Definition von Religion fallen, und wird sich daher im Bereich der Beziehung des Christen mit seinem Gott abspielen. Und wo es diese Beziehung gibt, wird Gottes Führung nicht zum Selbstzweck, sondern ist sie nur eines der Mittel, die Gott anwendet, um unseren Glauben zu nähren.

Subtil und indirekt

Gottes Führung wird für mich oft erst sichtbar, wenn ich Monate und Jahre später zurückblicke. Da bekommt alles seinen Platz und wird deutlich, daß Gott gewirkt hat. Aber in dem Moment, wo ich eine Entscheidung treffe, verwirrt sie mich und bin ich unsicher. Fast alle Führung in meinem Leben war subtil und indirekt.

Zum Beispiel erinnere ich mich an einen Kreuzweg in meiner Laufbahn. Als ich für Campus Life arbeitete, schwankte ich ständig zwischen zwei Möglichkeiten, die sich nicht miteinander verbinden ließen. Auf der einen Seite faszinierten mich Management, Marketing und Budgetierung, auf der anderen Seite die Verfassertätigkeit und führende Position auf redaktionellem Gebiet.

Monatelang versuchte ich beides, aber ich konnte keinen Entschluß fassen. Beide Gebiete appellierten an meine Interessen und gaben mir Gelegenheit, Gott zu dienen, und in beiden Arbeitsbereichen war ich mit Freude tätig. Die meisten Berater ermutigten mich zum Management, da die Organisation es benötigte. Ich betete, bekam aber keine konkrete Führung.

Nach einer kurzen Zeit fiel mir etwas auf: Ich bekam Schlafstörungen. Auf den ersten Blick meisterte ich die Managerrolle ganz ordentlich und blieb auch gesund. Aber oft ergriff mich die Schlaflosigkeit in einer Art, daß ich nachts nur eine oder zwei Stunden Schlaf finden konnte. Es dauerte fast ein ganzes Jahr, bevor ich ein weiteres Muster entdeckte: Arbeitete ich an Schreibprojekten, konnte ich gut schlafen, aber bei den Managementaufgaben lag ich nachts wach. Ich versuchte es noch ein paar Monate zu ignorieren; es war so überdeutlich, daß es fast komisch wurde. "Könnte das die Führung Gottes sein?", so fragte ich mich.

Es änderte sich nichts. Letztlich zog ich die Schlußfolgerung, daß die Botschaft der Schlaflosigkeit der einzige Hinweis war, den ich bekommen würde. Im Nachhinein staune ich, wie unzweideutig Gottes Führung in diesem Fall war.

Falsche Blickrichtung

Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich Gottes Hand in diesen und vielen anderen Entscheidungen. Sie passen alle in ein bestimmtes Muster hinein. Aber seinerzeit schienen sie mir alle genauso gewöhnlich und alltäglich wie jedes andere Ereignis in meinem Leben. Dieses Muster hat sich so oft wiederholt, und klare Führung in bezug auf die Zukunft habe ich so selten erlebt, daß ich geneigt bin zu sagen, daß unsere Blickrichtung falsch war. Ich habe immer gedacht, daß man nach vorne sehen sollte, wenn man Führung sucht. Wir beten, hoffen und erwarten, daß Gott uns offenbart, was wir zu tun haben. Aber wenn ich meine persönlichen Erfahrungen nehme, ziehe ich die Schlußfolgerung, daß ich mich auf das Heute konzentrieren sollte. Wie sieht es mit meiner Beziehung zu Gott aus? Wenn sich die Umstände zum Guten oder zum Bösen ändern, werde ich dann Vertrauen und Gehorsam zeigen? Für mich wird Gottes Führung nur sichtbar, wenn ich zurückblicke. Zum heutigen Zeitpunkt ist meine Zukunft unklar. Mein Heute besteht in einem täglichen Kampf, mehr Worte zu Papier zu bringen, und im Verlangen nach Wachstum in der Beziehung zu Gott selbst. Aber wenn ich die Vergangenheit betrachte, sehe ich endlich eine Struktur.

Gott arbeitet am Leben Seiner Kinder wie an einem großen Gemälde. Aber aus unserer Sicht bekommt das Gemälde erst Gestalt, wenn genug Zeit vergangen ist.

Erst dann können wir zurückblicken und die Farben und Formen ansehen, die auf das Tuch aufgetragen wurden. Würden wir das Muster bereits von vornherein sehen können, wie bei >Malen nach Zahlen<, wäre für Glauben und Vertrauen kein Platz mehr. Und außerdem: Gott malt nicht nach Zahlen.

ABDRUCK MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON IDEA-BULLETIN NEDERLAND

Nachtext

Quellenangaben