Zeitschrift-Artikel: Markus Spieker - faithbook (Ein Journalist sucht den Himmel)

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Titel: Markus Spieker - faithbook (Ein Journalist sucht den Himmel)
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Markus Spieker - faithbook (Ein Journalist sucht den Himmel)

Vortext

Text

Der Journalist und Historiker Markus Spieker ist nicht nur in Sachen Promis, Popkultur, Politik usw. „up to date“, sondern kennt sich auch in der Literatur, in der Philosophie, in Bunyans „Pilgerreise“ und nicht zuletzt in der Bibel aus. Als „bodenständiger Parlamentsberichterstatter“ plädiert er in diesem Buch für eine „blaue Revolution“, für die „Richtungsänderung unseres Denkens weg vom Asphalt, über die Mauer der Endlichkeit hinweg, in die Ewigkeit“ (S.14). Sein neuestes Buch versteht er als einen „Leitfaden für Dilettanten“. Er meint, man könne sein Buch auch schlichter „Himmel für Dummies“ nennen. Da er sich berufsmäßig in den Niederungen der Politik und sonstiger Eitelkeiten tummelt und darin auskennt, sich aber primär für den Himmel interessiert, gelingt es ihm mit seiner literarischen Begabung, sowohl „Dummies“ wie „Promis“ in ihrer Sprache und auf ihrem Niveau anzusprechen. Was sein eigenes Christsein betrifft, so versucht die Balance in einer gelebten „dynamischen Orthodoxie“ zu halten. Darunter versteht er das Gleichgewicht zwischen „traditionsbewusster Rechtgläubigkeit und Zukunfts- und Menschenzugewandheit“. Dazu zwei merk- und denkwürdige Zitate: „Dynamische Orthodoxie ist, wenn man geht und trotzdem steht!“ (S. 126).
„Die ‚dynamisch orthodoxen Kirchen‘ haben Außenwände, die einer Membrane gleichen: durchlässig für Fremde und offen für Input, aber nach außen so dicht wie möglich gegen Versuchungen und Anfeindungen“ (S.138).
Spieker liebt Wortspiele: „Bald haben wir´s geschafft. Und bis dahin schaffen wir was“ (S. 143). Und wenn er vom Himmel schwärmt, ringt er nach aussagekräftigen Bildern und Worten und kreiert Begriffe wie „Der Himmel ist Seinsverlängerung. Seinserweiterung. Seinssteigerung“ (S. 154). Er ironisiert und provoziert: „Ich träume davon, dass diese Pfarrer nicht nur dazu aufrufen, die Welt grüner zu machen, sondern das sie das Blaue vom Himmel versprechen“ (S.88). Oder: „Wir Christen waren mal gut. Konstruktiv statt restaurativ. Trendsetzer statt Museumswärter. Michelangelo. Bach. Rembrandt. Vorbei“ (S. 131). Nicht selten spottet er auch über sich selbst. Das macht den Autor sympathisch und sein Anliegen glaubwürdig. Somit ist diese Neuerscheinung eines der wenigen Bücher, das man völlig ahnungslosen und diesseitsorientierten „Dummies“ wie „Promis“, aber auch allen evangelikalen „Fundis“ und „Luschis“ in die Hand geben kann in der gewissen Hoffnung, dass es ohne „Gähn- oder Wutattacke“ und mit einer neuen Sehnsucht nach dem Himmel bis zur letzen Seite gelesen wird.

Nachtext

Quellenangaben

Johannis, gb., 160 S., € 9,95