Zeitschrift-Artikel: Reiner Zufall...?

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Titel: Reiner Zufall...?
Typ: Artikel
Autor: Michael Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Reiner Zufall...?

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Text

Wie in unserem aufgeklärten Zeitalter jeder weiß, entstand das Leben zufällig, durch eine Höherentwicklung aus chemischen Substanzen über primitive Lebensformen bis hin zu hochqualifizierten Lebewesen. Das ist mit Mutation und Selektion völlig erklärbar. Das kommt vielleicht nicht so oft vor, aber mit genügend Zeit und Material (sprich Milliarden von Jahren und Milliarden von Galaxien) ist es sogar zu erwarten, daß irgendwo im Universum Leben entsteht. Das ist doch ganz logisch! Oder?

Machen wir eine kleine Testrechnung.

Betrachten wir den Menschen. Zur Vereinfachung gehen wir von folgenden Annahmen aus:

Nehmen wir an, der Mensch ist nur die Summe seiner Moleküle, Leben ist nur eine Zusammenstellung von toter Materie, und der gesamte Bauplan des menschlichen Körpers ist in den menschlichen Genen enthalten.

Die Gene können mit einem Programm verglichen werden, das nicht in Form von Bits und Bytes, sondern in Form von Nucleinsäurebasen abgespeichert wird. Enzyme übernehmen die Rolle des "Interpreters", der den Code versteht und ausführt. Nehmen wir an, sowohl Code als auch Programm und Interpreter entstehen zufällig. (Informatiker bitte weghören! Warum soll bei einem Computerabsturz nicht auch mal zufällig ein Programm entstehen, das sich selber reproduzieren und dadurch die Möglichkeit bekommen kann, durch weitere zufällige Veränderungen sogar noch intelligenter zu werden? Auch wenn man genaugenommen Nachricht und Speichermedium auseinanderhalten müßte, schließlich kann normalerweise z.B. die Bedeutung eines Liebesbriefes nicht in der Chemie von Papier und Tinte gefunden werden, und wer kyrillische Buchstaben lesen kann, versteht deshalb noch nicht die russische Sprache...)

Nehmen wir an, nicht nur Aminosäuren (die Grundbausteine, aus denen alle Zeilen letztendlich aufgebaut sind) können sich zufällig bilden, sondern auch Enzyme' und alles Drum und Dran

'Enzyme bestehen aus Hunderten bis Zehntausenden von Aminosäuren.
was zu ihrer Reproduzierung nötig ist; nehmen wir außerdem an, daß diese Verbindungen nicht wieder zerfallen, bevor sie zur nächsten Mutation zur Verfügung stehen.

Nehmen wir an, zur Entstehung des menschlichen Körpers sind etwa 100 evolutionäre Mutationen notwendig. (Vernachlässigen wir mal, daß unser Körper aus über 200 Knochen besteht, Gewebe, Haut, aus vielen Organen, aus unzähligen Muskeln, aus verzweigten Nervensystemen, aus einem komplexen Verdauungsapparat, hormonellen Kreisläufen, und der gigantischen Schaltzentrale, dem Gehirn... Vernachlässigen wir auch die recht hohe Zahl der Gene?)

Nehmen wir an, jede dieser Mutationen tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10 auf. (Vernachlässigen wir mal, daß alle Bestandteile unseres Körpers sehr komplizierte und perfekt optimierte Strukturen haben. Um nur ein paar zu nennen: die Zusammensetzung von Blut, Aufbau und Sensorik des Auges, das Gehirn mit seinen Milliarden von Hirnzellen, die vielen chemischen Zusammenhänge, der Aufbau einer Zelle als Miniaturkraftwerk... - und das alles in einer winzigen befruchteten Eizelle gespeichert!)

Ist der Zufall wahrscheinlich ...

Daraus läßt sich leicht errechnen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß ein Mensch unter den gegebenen Annahmen irgendwann zufällig entsteht, immerhin (1:10)"=,1:101w beträgt.'

'Die menschliche DNA besteht aus 3x10" Nucleotidpaaren ("Buchstaben"). Werner Gitt, "In 6 Tagen vom Chaos zum Menschen" 'Dean Overman "A Case Against Accident and Self Organisation" (1998):

(Es ist bestimmt nicht so wichtig, daß es entsprechend auch 101'')-1 mißlungene Versuche geben würde, und daß um uns herum fast kein "Evolutions-Abfall" zu sehen ist. Auch in den Fossilien fehlen sie bestimmt nur zufällig. Und schließlich gibt es doch den Archäopterix 4l Seien wir auch mal nicht so genau bei der Betrachtung der Perfektion und Schönheit der Millionen von Arten anderer Lebewesen um uns herum.)

Also, 1 zu 10"'", das ist doch gar nicht mal so schlecht. Aber was bedeutet diese Zahl eigentlich?

Im Universum gibt es geschätzt 10" Elektronen.' Seien wir großzügig und gehen davon aus, daß bestimmt noch ein paar mehr Sterne entdeckt werden (kürzlich waren es wieder ein paar in 10 Milliarden Lichtjahren Entfernung), und nehmen wir mal an, es gebe im Weltall 108" Erden wie die unsere. (Vergessen wir mal gerade, daß bisher" erst zwei Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt wurden. Vergessen wir auch, wie einzigartig die Bedingungen auf der Erde sind, um überhaupt Leben zuzulassen: Richtiger Abstand von der Sonne, Erddrehung mit passender Frequenz gegen zu große Hitze-und Kälteunterschiede, angemessene Schwerkraft, Anwesenheit von Wasser und anderen nötigen Stoffen...

und hat er genügend Zeit

Gehen wir weiter davon aus, daß das Universum 10 Milliarden Jahre alt ist (109. (Untersuchen wir besser nicht, wo es denn überhaupt herkam; oder wie es zum Beispiel bei der Entstehung von Sternen aus Gasen dazu kam, daß die Ausdehnung von Gasen durch deren Anziehung überwunden werden konnte, obwohl die Abstoßung Größenordnungen höher ist als die Anziehung, wie es bei jedem platzenden Luftballon schön hörbar ist... Beschäftigen wir uns auch nicht mit solchen Kleinigkeiten wie geologischen und astronomischen Hinweisen auf eine ziemlich junge Erde.) Nehmen wir an, so viel Zeit hätte auch unser intelligenter Zufall. (Auch wenn genaugenommen die Planeten ja erst einmal entstehen und abkühlen müssen, aber das sind ja Peanuts.) Nehmen wir schließlich noch an, daß die Wiederholrate unseres Mutationsexperiments ein Jahr beträgt (beim Menschen dauert das zwar deutlich länger, bei Tieren und Pflanzen kommt es aber manchmal hin, und bei sehr kleinen Lebewesen kann es durchaus schneller gehen).

Somit haben wir auf unseren "vielen perfekten Planeten" in der langen Versuchsphase 108" x 1010 = 109" Versuche, einen halbwegs gelungenen Menschen hinzubekommen. Und damit ist die Wahrscheinlichkeit, daß es bei irgendeinem dieser Versuche klappt, immerhin schon 1 : 1010" x 1090 = 1 : 1010 - fast so gut wie beim Lotto.

'Hugh Ross nennt in "Earth, the Place for Life" 33 solcher Beispiele für die Exaktheit, mit der unser Planet konstruiert wurde, um menschliches Leben zu ermöglichen. 'Wahrscheinlichkeit für 6 Richtige beim Lotto: 1:1,4 x 107

 

Nachtext

Quellenangaben