Zeitschrift-Artikel: Der Nutzen von gewöhnlicher"Stiller Zeit"

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Titel: Der Nutzen von gewöhnlicher"Stiller Zeit"
Typ: Artikel
Autor: Jon Bloom
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Titel

Der Nutzen von gewöhnlicher"Stiller Zeit"

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Text

Eine persönliche Stille Zeit ist keine Zauberei. Das wissen wir – die meisten zumindest. Und dennoch sind wir versucht zu glauben, dass wir wahrhaft euphorische Momente der verzückenden Gemeinschaft mit dem Herrn haben werden, wenn wir nur das Geheim-Rezept heraus nden und die richtige Mischung aus Bibellese und Gebet anwenden. Wenn das aber nicht passiert, muss wohl unser Rezept falsch sein, oder? Die Gefahr dieser Fehlvorstellung ist, dass sie chronische Enttäuschung und Entmutigung her- vorrufen kann. Wir werden zynisch, geben auf oder hecheln nur durch die Stille Zeit um unser Schuldgefühl zu mindern, da sie bei uns anscheinend ohnehin nicht funktioniert. Unser Verlangen nach enger Gemeinschaft mit Gott ist uns von Ihm selbst gegeben. Es ist gut sie sich zu wünschen, darum zu bitten und sie zu erstreben. Gelegentlich gibt uns der Geist einen wunderbaren Geschmack davon – und eines Tages wird diese Sehnsucht bis zum Überfluss gestillt werden (Ps 16,11). Aber Gott hat noch andere Ziele mit uns in der Disziplin der täglichen Zeit der Stille – beim Bibellesen und Gebet. Hier sind einige davon: 1. „Seelen-Übung“ 1Kor 9,24; Röm 15,4 Wir trainieren unseren Körper, um unsere Muskelkraft und Ausdauer zu steigern, die generelle Gesundheit zu fördern und über üssiges Gewicht zu verlieren. Stille Zeit ist wie ein Training für unsere Seele. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von zügelloser Ablenkung und nutzlosem Haschen nach Wind hin zu Gottes Absichten und Verheißungen. Wenn wir diese Übung vernachlässigen, wird unsere Seele verkümmern. 2. „Krafttraining“ Röm 12,2 Unser Körper entwickelt sich gewöhnlich unserem Training entsprechend. Laufen formt ihn auf die eine, Krafttraining auf eine andere Art. Das gleiche gilt für die Seele. Sie wird sich gemäß der Art und Weise verändern, wie wir sie trainieren (oder nicht trainieren). Daher kann es hilfreich sein, die Trainings-Methoden zu variieren. Lies durch die Bibel in dem einem Jahr, verweile in einem Buch und lerne es in einem anderen Jahr auswendig. Oder nimm dir einige Monate Zeit, um über Texte zu einem bestimmten Thema nachzudenken, das dich beschäftigt, und darüber zu beten usw. 3. „Kampftraining“ Eph 6,10-17 Soldaten müssen sich einem harten Training unterziehen, um ihre Waffen immer besser ken- nenzulernen, damit sie – wenn sie sich plötzlich im tobenden Kampf befinden – instinktiv wis- sen, wie sie ihre Waffen gebrauchen müssen. So ähnlich lässt uns eine tägliche Übung mit dem „Schwert des Geistes“ (Eph 6,17) zu geschickteren geistlichen Kämpfern werden. 4. „Seh-Übung“ 2Kor 4,18; 5,7 Jesus möchte wirklich, dass wir ihn sehen und genießen. Denn Genuss kommt durch das Sehen. Aber nur die Augen des Glaubens sehen ihn. Blinder Glaube ist ein Widerspruch – zumindest biblisch. Glaube ist nicht blind – Unglaube ist blind (Joh 9,38-41). Glauben heißt eine Wirklichkeit zu sehen, die physische Augen nicht sehen können, und darauf zu reagieren (1Petr 1,8). Und „Glaube kommt aus der Verkündigung, und die Verkündigung kommt aus dem Wort Gottes“ (Röm 10,17). Wenn wir also Jesus genießen wollen, müssen wir ihn in seinem Wort entdecken. Glaube ist ein Geschenk (Eph 2,8) – und darauf angelegt, genährt zu werden. Die Stille Zeit ist ein wichtiges Mittel, unsere Augen des Glaubens zu trainieren. Es sind Augen, mit denen wir die Herrlichkeit Jesu in seinem Wort sehen können und wir müssen uns angewöhnen, mit unseren Gefühlen auf das zu reagieren, was diese Augen sehen. Halte weiter Ausschau nach seiner Herrlichkeit. Jesus wird dir Emmaus-Momente schenken (Luk 24,31-32). 5. Kultivierung von Freude Ps 37,3-4; Jak 4,8; Ps 130,5 Wenn sich ein Pärchen verliebt, gibt es ein hormonelles Feuerwerk. Aber nach der Hochzeit muss die Freude aneinander gep egt werden. Das konstante, treue, verbindliche, absichtliche Streben nach dem Wohl des Anderen in guten und schlechten Tagen, in Armut und Reichtum, Krankheit und Gesundheit kultiviert die Fähigkeit, eine tiefe Freude am anderen zu empfinden, welche die der „Feuerwerks-Phase“ weit übersteigt. So ähnlich ist die Stille Zeit ein Mittel, mit dem wir unsere Freude an Gott pflegen können. An vielen Tagen mag sie gewöhnlich erscheinen. Aber wir werden über die kumulierende Kraft überrascht sein, welche die Stille Zeit mit sich bringt und über ihre Fähigkeit, unsere Liebe zum Herrn und die Erkenntnis von ihm zu vertiefen. Es gibt noch viele weitere Nutzen – man könnte die Liste sicherlich ergänzen. Aber das Fazit lautet auf jeden Fall: Gib deine Stille Zeit nicht auf. Hetz auch nicht einfach durch. Lass sie nicht durch andere Verpflichtungen ausgefüllt werden. Stein auf Stein – und ein Gebäude wächst. Übung auf Übung – und ein Abschluss kommt in Sicht. Pinselstrich auf Pinselstrich – und ein Gemälde entsteht. Deine Stille Zeit mag heute den Anschein von Gewöhnlichkeit gehabt haben, aber Gott vermag etwas Außergewöhnliches dadurch zu gestalten. Bleib dran. Der Prozess braucht Zeit – suche keine Abkürzung!

Nachtext

Quellenangaben

„Six bene ts of ordinary daily devotions“; http://www. desiringgod.org/blog/posts/six-bene ts-of-ordinary-daily- devotions (20.09.2013) • Übersetzt von William Kaal