Zeitschrift-Artikel: Matthew Henry – Sein Leben und Einfluss (Allan Harman)

Zeitschrift: 144 (zur Zeitschrift)
Titel: Matthew Henry – Sein Leben und Einfluss (Allan Harman)
Typ: Buchbesprechung
Autor: Christop Grunwald
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 110

Titel

Matthew Henry – Sein Leben und Einfluss (Allan Harman)

Vortext

Text

Matthew Henry – dieser Name ist unwiderruflich mit dem inzwischen nun schon fast 300 Jahre alten Kommentar zur gesamten Bibel verknüpft. Wäh- rend dieser Kommentar zwar durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt, dürfte das in Bezug auf das Leben des Autors wohl kaum zutreffen. Das Buch beginnt mit einem ausgesprochen interessanten Überblick über das puritanische Zeitalter und zeichnet anschlie- ßend das Leben Matthew Henrys nach. Den Schluss bilden vier Kapitel über Matthew Henry als Prediger, als Kommentator, als Autor und seinen Einfluss auf die Evangelikalen. Vor allem der biografische Teil des Buches ist flüssig und unkompliziert zu lesen. Dabei wird besonders die Beziehung zwischen Matthew und seinem Vater hervorgehoben, was den interessantesten Teil des Buches darstellt. Philip Henry wurde selbst noch von der letzten Generation Puritaner beeinflusst und gab dieses Erbe seinem Sohn weiter. Insgesamt ist Philip Henry fast die schillerndste und faszinierendste Person dieses Buches – der positive Einfluss, den er auf die Entwicklung seiner Kinder hatte, scheint wirklich immens gewesen zu sein. Matthew Henrys Leben ist im Grunde genommen kein spektakuläres oder besonders spannendes Leben – verglichen z.B. mit den abenteuerlichen Schilderungen von Missionaren auf Kannibalen-Inseln. Wenn seine Schwester bezeugt, dass sie im ausgehenden 17. Jhdt erst mit über 20 Jahren das erste Mal einen Betrunkenen sah und einen Fluch hörte, dann gewinnt man ein Bild von der behüteten Atmosphäre, in der die Henrys aufwuchsen. Auch im weiteren Verlauf seines Lebens bewegt sich – von einigen schweren familiären Schicksalsschlägen abgesehen – alles auf normalen Bahnen. Aber gerade in dieser Normalität liegt vielleicht das große Vorbild: die meisten von uns sind schließlich berufen, in der spießigen Routine des Alltags Christus treu nachzufolgen. Der Autor dieser Biografie gibt sich im Vorwort als ein Verehrer Henrys zu erkennen. Das Buch selbst ist daher weni- ger das Ergebnis einer konkreten Forschungsarbeit, als vielmehr der jahrelangen Beschäftigung mit der Person Henrys. Diese Biografie ist der Versuch, das Leben eines Menschen, der einem ans Herz gewachsen ist, einem anderen nahezubringen – und das gelingt dem Autor! Nach der Lektüre hat man das fröhliche Gefühl, in Henry einen alten Bekannten zu finden, zu dem man plötzlich eine gewisse Beziehung hat. Wer sich davon nicht stören lässt, dem sei dieses Buch herzlich empfohlen!

Nachtext

Quellenangaben

3L, Pb., 216 S, € 12,20