Zeitschrift-Artikel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil3

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Titel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil3
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil3

Vortext

Und es geschah, als der HERR den Elia im Sturmwind zum Himmel au ahren lassen wollte, da gingen Elia und Elisa von Gilgal fort. Und Elia sagte zu Elisa: Bleib doch hier! Denn der HERR hat mich nach Bethel gesandt. Elisa aber sagte: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und sie gingen nach Bethel hinab. Da kamen die Söhne der Propheten, die in Bethel waren, zu Elisa heraus und sagten zu ihm: Hast du erkannt, dass der HERR heute deinen Herrn über deinen Kopf hin wegnehmen wird? Er sagte: Auch ich habe es erkannt. Seid still! Und Elia sagte zu ihm: Elisa, bleib doch hier! Denn der HERR hat mich nach Jericho gesandt. Er aber sagte: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und sie kamen nach Jericho. Da traten die Söhne der Propheten, die in Jericho waren, zu Elisa und sagten zu ihm: Hast du erkannt, dass der HERR heute deinen Herrn über deinen Kopf hin wegnehmen wird? Er sagte: Auch ich habe es erkannt. Seid still! Und Elia sagte zu ihm: Bleib doch hier! Denn der HERR hat mich an den Jordan gesandt. Er aber sagte: So wahr der HERR lebt und deine Seele lebt, wenn ich dich verlasse! Und so gingen sie beide miteinander. Und fünfzig Mann von den Söhnen der Propheten gingen mit und blieben abseits stehen, als die beiden an den Jordan traten. Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte [ihn] zusammen und schlug auf das Wasser. Und es teilte sich hierhin und dorthin, und die beiden gingen hinüber auf dem Trockenen. Und es geschah, als sie hinübergegangen waren, da sagte Elia zu Elisa: Bitte, was ich für dich tun soll, bevor ich von dir weggenommen werde! Elisa sagte: Dass mir doch ein zweifacher Anteil von deinem Geist (gegeben) werde. 2Kö 2,1-9

Text

Wir haben mit diesem Kapitel einen Lebensabschnitt Elias und Elisas vor uns, der buchstäblich merkwürdig ist und eine Fülle praktischer Lektionen für die Nachfolge unseres Herrn beinhaltet. Wir können eine Menge lernen, wenn wir die Beziehung zwischen Elia und Elisa auf unsere Beziehung zu unserem Herrn Jesus anwenden, können darin aber auch ein sehr positives Beispiel für gute Beziehungen zwischen jung und alt und ein vorbildliches Miteinander der Generationen erkennen. › Bewegende Abschiedsszenen Zunächst einige Gedanken über Elia, der nun vor dem endgültigen Ende seines Dienstes und dem triumphalen Abschluss seiner irdischen Lebensstrecke stand. Gott hatte ihm – und auch seinen „Propheten-Söhnen“ – auf eine uns unbekannte Weise deutlich gemacht, dass er nicht sterben, sondern – ähnlich wie Henoch (1Mo 5,24; Hebr 11,5) – in die Gegenwart Gottes entrückt werden würde. Elia sollte nicht auf einem Krankenlager sein Leben beenden, sondern „im Sturmwind gen Himmel auffahren“. Ein Ausleger schrieb dazu treffend: „Ein langsames Hinscheiden an Arteriosklerose hätte zu diesem Mann nicht gepasst. So ist auch der Schluss seines Lebens nicht ein sanftes Andante, sondern ein ungeheuer großes Presto.“1 Auch am letzten Tag seines Lebens ist Elia einer, der „vor dem Angesicht Gottes steht“ und deutliche Wegweisung bekommt, von Gilgal nach Bethel, von dort nach Jericho und schließlich an den Jordan zu gehen. An diesen geschichtsträchtigen Orten, an denen Gott sich vor Jahrhunderten in seiner Heiligkeit, Gnade und Macht geoffenbart hatte – die aber inzwischen für ihren Götzendienst bekannt waren – traten junge Männer hervor, die hier „Söhne der Propheten“ genannt werden. Sie gehörten zu den siebentausend, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt hatten und die von Elia offensichtlich unterrichtet, angeleitet und geistlich betreut wurden. Die warmherzige Bezeichnung „Söhne“ macht deutlich, dass es hier nicht nur um eine Lehrer-Schüler-Beziehung ging – wo mehr oder weniger distanziert Theologie doziert wurde – sondern um eine sehr persönliche, vertraute Beziehung, in welcher Elia eine Anzahl geistlicher Söhne geprägt hatte. › Eine vaterlose Generation? In einer Zeit, wo geistliche Väter und Mütter im Volk Gottes bitter nötig sind und von nicht wenigen jungen Christen dringend gesucht werden, sollte diese Beobachtung für die ältere Generation unter uns eine Herausforderung sein um sich der Frage zu stellen: Bin ich jüngeren Christen ein geistlicher Vater, bzw. eine geistliche Mutter? Versuche ich bewusst Einfluss auf junge Christen in meiner Umgebung zu nehmen, um ein Stück meines Lebens mit ihnen zu teilen und Jüngerschaft vorzuleben in Theorie und Praxis? Interessant ist, dass mit dem Tod des Königs Ahasja und der Bemerkung über ihn endet: „... er hatte keinen Sohn“ (2Kö 1,17) – während in unserem Kapitel der letzte Tag eines Propheten vorgestellt wird, der viele „Söhne“ hatte. Welch ein Trost muss das für Elia gewesen sein, die Wertschätzung und Liebe dieser „Söhne“ als eine Frucht seines sturmbewegten Lebens vor Augen zu haben und mit diesen Eindrücken in die Ewigkeit zu gehen! › Lieber einsam als gemeinsam? Wir können nur ahnen, was Elia veranlasste, seinen jungen Freund drei Mal aufzufordern zurückzubleiben, als Gott ihn nach Bethel, Jericho und an den Jordan befohlen hatte. Wollte Elia die letzten Stunden seines irdischen Lebens ungestört und nur in der abgeschiedenen Gemein- schaft mit Gott verbringen? Oder war Elias Aufforderung nur ein Test, wie es mit der Treue Elisas bestellt war, der bekannt hatte: „Ich will dir nachfolgen“ (1Kö 19,20)? Wird Elisa auf seine Bitte wie Orpa reagieren und mit vielen Tränen Abschied nehmen (Rt 1,14), oder wird er ähnlich wie Ruth antworten: „Wohin du gehst, will ich gehen und wo du weilst, will ich weilen, dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst, will ich sterben und daselbst will ich begraben werden!“ (Rt 1,16-17) › Elisa wird flügge ... Über die vergangene Zeit, die Elisa mit Elia verbrachte, wird uns nicht viel mitgeteilt. Wir wissen nicht, wie viele Jahre Elisa in der Gemeinschaft mit dem Propheten verbrachte. Wir lesen nur kurze Bemerkungen seiner Tätigkeit: „er folgte ihm“, „er diente ihm“, „er goss Wasser auf die Hände Elias“. Diese Zeit war offensichtlich für Elisa eine Schule des Gehorsams und der Unterwürfigkeit. Aber nun stand der Abschied bevor und ein neuer Lebensabschnitt sollte für den bisherigen Jünger beginnen. War Elisa schon bereit, eigenverantwortlich Entschei- dungen zu treffen? In der Aufforderung des Elia „bleibe doch hier ...“ liegt nicht so sehr ein Befehl, sondern viel- leicht auch eine prüfende Frage oder Bitte, die deutlich machen sollte, wie es um Elisas Loyalität und auch um seine geistliche Reife bestellt war. Die dreimalige Antwort des Elisa wird Elia unendlich erfreut haben: „So wahr der Herr lebt“ – dieses Bekenntnis deutet an, dass Elisa sich nun vor Gott verantwortlich fühlt und die folgenden Worte „wenn ich dich verlasse!“ zeigen, dass sein wachsendes Bewusstsein von Eigenverantwortung ihn nicht in Distanz zu Elia trieb, sondern im Gegenteil immer mehr in die Gemeinschaft mit dem alten Propheten führte. Genau diese Haltung wäre für unsere Zeit ein großes Geschenk: Eine junge Generation hingegebener, lernwilliger junger Geschwister, deren Bewusstsein der eigenen Verantwortung vor Gott sie nicht in die Separation führt, um jugendspezifische Aktionen möglichst mit allen Registern der Provokation zum Ärger der älteren Generation durchzuführen, sondern eine einsatzfreudige, ideenreiche und lernbereite Schar junger Christen, die den Segen, den Rat und die Korrektur erfahrener älterer Geschwister unbedingt sucht und achtet. Umgekehrt ergibt sich die Frage: Wo finden wir ältere, im Dienst für den Herrn erfahrene Brüder und Schwestern, die innerlich jubeln, wenn junge Leute sich entschlossen, aber bescheiden abnabeln, um erste Glaubensschritte im Dienst für den Herrn zu wagen und gleichzeitig die Gebete, die Begleitung und den Rat der älteren Generation suchen? › Gesegnete Gemeinschaft Drei Mal wird in den Versen 6 – 8 betont: „... so gingen sie beide miteinander“, „... sie beide traten an den Jordan“, „... sie beide gingen hinüber“. Die übrigen Söhne der Propheten in Bethel und Jericho traten mit ihrem theoretischen Wissen um die bevorstehende Himmelfahrt des Elia hervor. Fünfzig dieser klugen Männer folgten immerhin Elia und Elisa bis an den Jordan und beobachteten aus der Ferne die Szene, wie Elia mit seinem Mantel auf die Wasser des Jordan schlug und damit einen Weg durch die Fluten bahnte. Aber nur Elisa blieb in enger Gemeinschaft mit seinem Meister und erlebte das Wunder am Jordan hautnah. Diese Szene ist ein trauriger Spiegel von uns, die wir bekennen, dem Wort Gottes zu glauben und Nachfolger unseres Herrn zu sein. Viele von uns haben das Panorama der Heilsgeschichte Gottes mit seiner Gemeinde und dem Volk Israel im Kopf gespeichert und können es vielleicht sogar jederzeit lückenlos abrufen und auch Vorträge darüber halten oder Skizzen dazu erstellen. Aber leider geht das Wissen um Gottes zukünftige Pläne nicht automatisch vom Kopf in die Hände und Füße – und vor allem nicht ins Herz. Biblisches Wissen kann man sich aneignen ohne in herzlicher Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus und für ihn zu leben. Warren Wiersbe schreibt dazu treffend: „Das Kennzeichen eines wahren Schülers der Heiligen Schrift ist immer ein brennendes Herz, und niemals allein ein mit Wissen angefüllter Kopf (Lk 24,32).“2 Als in der frühen „Brüdergeschichte“ in England der bekannte „Apostel der Liebe“, Robert C. Chapman, von einigen Freunden J.N. Darbys wegen angeblich falscher Lehren angeklagt wurde, reagierte Darby darauf mit deutlichen, aber auch sehr selbstkritischen Worten: „Lasst diesen Mann in Ruhe; er lebt, was ich lehre!“ Und später sprach er über Chapman dieses schöne Zeugnis aus: „Wir reden über die himmlischen Örter, aber Robert Chapman lebt in ihnen.“3 „Sie beide gingen hinüber auf dem Trockenen“ (Vers 8). Gemeinsam durchschritten sie den Jordan, den Fluss des Todes, der typologisch das Gestorbensein mit Christus symbolisiert (Gal 2,20). Wenige Stunden später wird Elisa nach der Entrückung Elias diesen Weg alleine zurückgehen. In der Kraft dessen, der seinen Meisters berufen hatte, wird er den Jordan teilen, um dann in Israel als ein Segensträger Gottes den Nöten seines Volkes zu begegnen. › Die Abschlussprüfung Kurz vor der Himmelfahrt des Elia ndet noch ein letztes Gespräch dieser beiden Propheten statt. Beide wussten, dass nun die Abschiedsstunde gekommen war und so liegt eine ernste und heilige Stille über diesem letzten Gespräch: „Bitte was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde!“ (Vers 9). Elisa darf einen letzten Wunsch an Elia aussprechen, der einerseits mit einer für uns schwer vorstellbaren Spannung den Moment seiner Entrückung erwartet, aber andererseits in dieser Stunde Verantwortung für seinen jungen Freund und Nachfolger fühlt. Elisa soll sein Herz öffnen und mit seinem Wunsch deutlich machen, welche Gesinnung er hat, was er in der Gemeinschaft mit Elia gelernt hat und welche Lebensziele er hat. Mit welch’ innerer Spannung wird Elia auf die Antwort gewartet haben, die dem abschiedsbereiten Mann Gottes zeigen wird, wofür das Herz des Elisa schlägt und ob er die entscheidende „Reifeprüfung“ bestehen wird. Die Wünsche unserer Herzen – um die unsere Gedanken kreisen, die unsere Phantasie füttern und die sich manchmal selbst in unseren Träumen widerspiegeln – machen deutlich, was wirklich unser Lebensinhalt und unser Lebensziel ist. „Gedankenblüten zeigen, wo wir verwurzelt sind!“, p egte der 1970 verstorbene Straßen-Evangelist Wolfgang Dyck zu bemerken. Vor einem frommen Publikum werden wir natürlich nur vor Frömmigkeit triefende Wünsche präsentieren: „Wir möchten ein Segen sein“, „Wir möchten den Herrn verherrlichen“, „Wir möchten Christus ähnlicher werden“ usw. Aber dort, wo uns keiner sieht und niemand beobachtet, da wird allein vor Gott offenbar, was unser Herz erfüllt, und welche geheimen Wünsche wir vor Menschen verbergen. Salomo hatte als junger König in einer solchen Nachtstunde einen Wunsch frei. Gott war ihm im Traum erschienen mit der erstaunlichen Aufforderung: „Bitte, was ich dir geben soll“ (1Kö 3,5). Seine bewegende und sehr beschämende Antwort ist uns gut bekannt: „So gib deinem Knecht ein verständiges Herz, um dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gutem und Bösem; denn wer könnte dieses dein zahlreiches Volk richten?“ (1Kö 3,9). Ein Studium der Wünsche und Bitten, die in der Bibel an Gott oder den Herrn Jesus gerichtet wurden, ist äußerst interessant und aufschlussreich. Denken wir nur an die Bitte der Jünger Jakobus und Johannes, die auf die Frage des Herrn: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“, ihr Herz öffneten und angesichts der übrigen Jünger ungeniert wünschten, einen besonderen Ehrenplatz zur Rechten oder Linken des Herrn in der Herrlichkeit einnehmen zu dürfen (Mk 10, 35-37). Auf der anderen Seite nden wir in den Psalmen ein sehr bewegendes Gebet Davids: „Eines habe ich vom Herrn erbeten, danach will ich trachten: zu wohnen im Haus des Herrn alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Lieblichkeit des Herrn und nach ihm zu forschen in seinem Tempel.“ (Ps 27,4) Mose bat den Herrn, nachdem sich das Volk Israel am Fuß des Berges Sinai versündigt und um das goldene Kalb getanzt hatte: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!“ (2Mo 33,18) Aber wir dürfen uns auch an Jim Elliot erinnern, der 1948 als junger Missionar im Alter von 21 Jahren betete: „Herr, zünde an den toten Reisighaufen meines Lebens, gib, dass ich auflfamme und für dich verbrenne. Verzehre mein Leben, Herr, denn es ist dein. Ich trachte nicht nach einem langen Leben, sondern nach einem erfüllten, gleich dir, Herr Jesus.“4 Was wird Elisa in dieser Sternstunde seines Lebens wünschen? Ein langes Leben? Materiellen Wohlstand? Ein glückliches Ehe- und Familienleben? Achtung und Aner- kennung im Volk Gottes? Darüber werden wir – so Gott will – in der nächsten Ausgabe von „Fest &treu“ nachdenken.

Nachtext

Quellenangaben

Quellenangaben: 1 Hans Dannenbaum, Elia – der Mann der vor Gott stand, Gladbeck: Schriftenmissions-Verlag, 1975, S. 60. 2 Warren W. Wiersbe, Sei anders; Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2007, S. 21. 3 R.C. Peterson, Robert C. Chapman – der Mann, der Christus lebte, Bielefeld: CLV Verlag, 2000, S. 127. 4 Elisabeth Elliot, Im Schatten des Allmächtigen – das Tagebuch Jim Elliots, Bielefeld: CLV Verlag, 2008, S. 280.