Zeitschrift-Artikel: Adoniram Judson Niedergeworfen – aber nicht besiegt

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Titel: Adoniram Judson Niedergeworfen – aber nicht besiegt
Typ: Artikel
Autor: Christoph Grunwald
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Titel

Adoniram Judson Niedergeworfen – aber nicht besiegt

Vortext

„Lass uns weiterreisen und nach oben schauen. Wir werden bald dort sein. So sicher, wie ich diese Zeilen schreibe oder du sie liest, wir werden bald dort sein. Wir werden vielleicht noch etliche mühselige Schritte gehen müssen, aber ganz sicher werden wir zuletzt dort ankommen. Und je länger und mühsamer der Weg ist, desto süßer wird unsere Ruhe sein.“ Adoniram Judson1 „Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen, gegenüber der Herrlichkeit die an uns geoffenbart werden soll.“ Paulus, Röm 8,18

Text

Die Reise auf der Faneuil Hall war äußerst angenehm und die Überfahrt verlief ohne Zwischenfälle. Während Adoniram sich wieder intensiv der Arbeit am Wörterbuch widmete, war Emily damit beschäftigt, die für sie ganz neue Erfahrung einer Seereise zu erleben und zu beschreiben. Als nach vier Monaten die Küste Indiens in Sicht kam, genoss sie die neuen Farben, Gerüche und Geräusche in vollen Zügen. Sie waren nicht mehr weit von ihrem Ziel entfernt, als Adoniram sie auf einen einzelnen Baum am Strand aufmerksam machte. Ein „Hopia“-Baum, der etwas isoliert an der Küste stand. Adoniram hatte ihn selbst dort gepflanzt, am Grab seiner ersten Frau, Ann Judson, die 1826 verstorben war. Zwanzig Jahre war das nun schon her. Vor zehn Jahren hatte er Sarah Boardman geheiratet – und auch sie schon gehen lassen müssen. Ihr Tod lag noch nicht ganz ein Jahr zurück. Und nun stand er hier an der Reling der Faneuil Hall mit seiner dritten Frau, Emily, und betrachtete die vorbeigleitende Küste des Landes, in dem er so viel verloren, so viel gelitten hatte. Aber dennoch – er liebte dieses Land und vor allem die Menschen darin. Trotz aller Schicksalsschläge und den zahlreichen Verlusten hatte Judson sich nie der Verbitterung hingegeben. Er hatte gelernt alles vertrauensvoll aus den Händen dessen zu nehmen, der in seiner souveränen Weisheit die Wege des Menschen lenkt und bestimmt: „Warum sind die, die uns am kostbarsten waren, die am meisten Qualifizierten und dem Werk nützlichsten aus unseren Armen gerissen und ins Grab geworfen worden [...] ? Weil unendliche Weisheit und Liebe es so wollten. Weil es das Beste für uns und das Beste für sie und das Beste für die Sache und das Beste für die Interessen der Ewigkeit ist. Und gepriesen sei Gott, wir wissen es, und sind dankbar und jubeln und sagen ‚Ehre sei Gott‘.“2 › Zurück in Burma Die Burmesen empfingen Judson und die neue „Mamma“ voller Freude und Begeisterung. Einige kamen schon in einem kleinen Boot zur Faneuil Hall und begrüßten die Judsons überschwänglich. Emily – die kein Wort burmesisch konnte – stand verlegen lächelnd und knicksend vor den dunkelhäutigen, bärtigen und mit Turbanen behüteten Männern und hörte auf die gluckernden Laute, die die Gruppe in einem nicht enden wollenden Schwall hervorbrachte. Sie war völlig überfordert und bemerkte vielleicht erst jetzt, worauf sie sich eingelassen hatte. Sie lief in ihre Kajüte, warf sich auf das Bett und begann – völlig entgegen ihrer Natur und ihren Prinzipien – hemmungslos zu weinen. Adoniram war ihr rasch gefolgt, tröstete sie und betete mit ihr. Drei Tage später gingen sie an Land. Sie bezogen das Haus, in dem Adoniram schon früher mit Sarah und den Kindern gewohnt hatte. Für Emily begann nun ein völlig ungewohntes Leben. Während sie in den USA als erfolgreiche „Fanny Forester“ nur für sich selber sorgen musste, war sie von heute auf morgen Mutter zweier Kleinkinder und musste plötzlich einen Haushalt führen. Sie merkte, dass ihre idealistischen Traumvorstellungen vom Missionarsleben der harten Alltagsrealität weichen mussten: „Ich denke, es hat noch nie eine so blutige Anfängerin in Haushaltsführung wie mich gegeben; und dann die Kinder, und die Sprache, und die 1001 anderen zu erledigenden Dinge! Ich hatte erwartet, einen Schnellstart in der Sprache hinzulegen, sie gleichsam im Sturm zu erobern, dann eine Gruppe von Einheimischen um mich zu versammeln, und in ‚wahrhaft apostolischem Stil‘ zu arbeiten beginnen [...] Aber ich fange an, mich mit meinen kleinen Routinearbeiten zu versöhnen. Der Mensch, der große Dinge gut tun will, muss sich täglich an kleinen Dingen üben; und diejenige, die die Hilfe des Allmächtigen bei wichtigen Taten begehrt, muss sich täglich und stündlich daran gewöhnen, nach Seinem Willen in den geringsten Dingen des Lebens zu fragen.“3 Adoniram übernahm wieder die Leitung der Missionsarbeiten, predigte oft in der Gemeinde der Eingeborenen und beschäftigte sich die übrige Zeit mit dem Wörterbuch. Aber er war unzufrieden. Nicht mit seinem neu gewonnen Familienglück – das genoss er in vollen Zügen und bekundete Emily sehr häufig, wie glücklich er mit ihr sei – aber mit seinen Aufgaben. Inzwischen waren 24 Missionare in Maulmain und Umgebung stationiert. 24! Während in Burma selbst kein einziger Missionar war.b) Adoniram war sogar der Ansicht, dass in Maulmain zu viele Missionare seien. Die Hälfte würde die Arbeit besser und effektiver machen, schrieb er an das Board of Mission – gleichzeitig mit der Bitte keine weiteren Missionare mehr zu senden. Er richtete seine Blicke erneut auf Rangoon. Im Januar 1847 reiste er den Irrawaddy flussaufwärts und erkundigte sich in Rangoon über die Aussichten die Arbeit dort erneut aufzunehmen. Er traf sich mit alten Bekannten in der Verwaltung, die ihm wohlgesonnen waren. Ihm wurde gestattet zurückzukehren, aber strengstens untersagt unter den Einheimischen missionarisch aktiv zu sein. Judson mietete ein Stockwerk eines großen, dunklen Backsteinhauses und holte seine Familie nach. › In der Fledermausburg Emily taufte das neue Heim umgehend „Fledermausburg“. Das Gebäude hatte keine Fenster, nur vereinzelte Maueröffnungen, die nachts mit großen Planken zugestellt wurden. Es war muffig, feucht und vor allem – bewohnt: „Tausende und Abertausende von Fledermäusen, die uns tagsüber relativ wenig mit ihrer grillenartigen Musik stören, aber in der Nacht – oh, wenn Du nur ihr wüstes Treiben hören könntest! [...] Wir sind ‚gesegnet‘ mit einer reichlichen Menge an Kakerlaken, Käfern, Eidechsen, Ratten, Ameisen, Moskitos und Bettwanzen. Alle Holzteile wimmeln von letzteren, und die Ameisen marschieren in Scharen im ganzen Haus umher [...] Vielleicht zwanzig haben dieses Blatt überquert, seit ich zu schreiben begonnen habe. Nur eine einzige Kakerlake hat mir einen Besuch abgestattet, aber die Vernachlässigung durch diese Kameraden wurde völlig aufgewogen durch eine ganze Kompanie schwarzer Insekten von der Größe Deiner kleinen Fingerspitze – Invasoren, die keinen Namen haben.“4 An einem Tag machten Judsons mit einigen Helfern Jagd auf die Fledermäuse und erlegten über 250 Stück – nur um resigniert festzustellen, dass sie damit nur einen Bruchteil der Meute erledigt hatten ... Aber trotz allem – sie waren glücklich. Judson schrieb später, im Rückblick auf die Zeit in Rangoon: „Meinen Aufenthalt in Rangoon, obwohl in einiger Hinsicht mühsam und beschwerlich, sehe ich als einen der hellsten Flecken, eine der grünsten Oasen in der mannigfaltigen Wüste meines Lebens an. [...] Wenn diese Welt so freudvoll ist, wie muss der Himmel sein?“5 Es war das Zusammensein mit Emily, was Judson zu dieser Einschätzung kommen ließ. Anders kann eine solche Bemerkung kaum erklärt werden. Besonders der Start in Rangoon war nicht einfach. Adoniram und Emily besuchten die alten Wirkungsstätten – das Grab von Little Roger, der hier vor über dreißig Jahren gestorben und begraben worden war, der Teich, in dem der erste birmanische Christ getauft wurde, die Ruinen des Missionshauses – die teilweise bedrückenden Erinnerungen machten selbst Adoniram anfänglich zu schaffen. Dann aber ging es zunächst aufwärts. Adoniram arbeitete unentwegt am Wörterbuch, während Emily sich um Kinder und Haushalt kümmerte. › Schwierigkeiten Anfang März erhielten sie die Nachricht, dass ihr Haus in Maulmain von einem Brandstifter angezündet worden war. Familie Stevens, die vorübergehend dort gewohnt hatte, kam mit dem Schrecken davon, aber ein Großteil von Judsons Besitz, einschließlich wertvoller Bücher und einiger Bibelmanuskripte, wurde zerstört. Auch viele persönliche Dinge wurden Opfer der Flammen. Adoniram hatte inzwischen die Geschwister in Rangoon – entgegen der Anweisungen der Regierung – gesammelt. Es waren noch etwa zwanzig übrig, die die Wirren der letzten zwei Jahrzehnte überstanden hatten, aber sie waren weit zerstreut und nur wenige davon6 schienen wirklich „lebendigeGlieder“ zusein. Sie versammelten sich mit nur vier Burmesen, nach einiger Zeit kamen Interessierte dazu, bis die Gemeinde bald aus fast 20 Personen bestand. Dann aber wurden ihre Aktivitäten entdeckt und gemeldet. Da der regierende Gouverneur „das grausamste, blutdürstigste Monster“7 war, das Adoniram je in Burma kennengelernt hatte, war es zu gefährlich sich weiter zu versammeln. Die Aussichten auf wirksame Missionsarbeiten waren viel dunkler, als sie sich diese vor wenigen Wochen vorgestellt hatten. Emily wurde krank und magerte aufgrund konstanter Lebensmittelknappheit stark ab. Die birmanische Fastenzeit hatte begonnen und diesmal durften auch Ausländer kein Fleisch essenb), weshalb die Judsons wochenlang nur von Reis und Obst leben mussten, bis ihre Körper gegen diese einseitige Ernährung rebellierten. Emilys Gesundheitszustand verschlechterte sich von Tag zu Tag – und dann traf es auch Adoniram. Er bekam ganz plötzlich starke Magenschmerzen und in der Nacht wurde klar, dass er an einer schweren Entzündung des Dickdarms litt – was zur damaligen Zeit eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellte. Auch mit Edward stimmte etwas nicht. Er schrie ab und zu beim Spielen plötzlich vor Schmerzen auf, ließ sich von Emily trösten – und spielte dann weiter wie gehabt. Nach einigen Tagen wurden bei ihm am ganzen Kopf rote Pusteln festgestellt – Ekzeme, die Adoniram später mit einer Injektionsnadel aufstechen musste. Auch Henry wurde von einem heftigen Fieber ergriffen, so dass bald die ganze Familie krank lag. Sowohl Emily als auch Adoniram waren mit ihren körperlichen Kräften am Ende – als die Kinder eines Nachts schrien, stürzte Emily auf dem Weg zu ihnen zweimal der Länge nach zu Boden und kroch anschließend bäuchlings erst zu Adoniram, der vor Schmerzen stöhnte, dann zu den Kindern. Obwohl Emily fest damit rechnete, dass Edward und sein Vater bald sterben würden, erholten sich alle Familienmitglieder wieder ein wenig. Sie fassten den Entschluss nach Maul-main zurückzukehren, sobald sie eine Schiffspassage buchen konnten. Sie verließen Rangoon am 31. August 1847 und trafen sechs Tage später an der Missionsstation ein. › Die letzten Jahre Schon vor ihrer Abreise wussten sie, dass Emily schwanger war. Sie brachte am Heiligabend 1847 Adonirams zweite Tochter, Emily Frances, zur Welt. Das Jahr 1848 war ein glückliches und ruhiges Jahr. Emily und Adoniram genossen die gemeinsame Zeit mit sich und den Kindern, machten ausgiebige Spaziergänge und Ausritte und gingen den gewohnten Arbeiten in der Mission nach. Anfang 1849 schloss Adoniram sein zweites großes Werk ab. Das Wörterbuch war fertig. Über sechshundert Seiten fasste die Ausgabe. Es war genauso wie man es von Adoniram erwartet hatte – nahezu perfektc). Im Frühjahr 1849 wurde Emily erneut krank – so krank, dass alle die Hoffnung auf eine Genesung aufgaben. Nur der behandelnde Arzt war optimistischer und sollte Recht behalten. Nach und nach stabilisierte sich ihr Zustand und im September 1849 hatte sie wieder eine halbwegs normale Konstitution. Allerdings hatte Adoniram sich erkältet und zeigte nach wenigen Tagen einen schmerzhaften Husten, an den sich ein erneuter Ausbruch der Ruhr und ein hartnäckiges Fieber anschlossen. Nach einigen Wochen erholte sich Adoniram zwar wieder einigermaßen, aber er erhielt den ausgezeichneten Gesundheitszustand der letzten Jahre nicht mehr wieder. Er war dauerhaft geschwächt. Wenn er sich unbeobachtet wähnte, hielt er sich beim Gehen an Möbeln oder Türen fest, sein Gesicht war oft schmerzverzerrt, manchmal schlief er stundenlang, er wurde blass – er war alt geworden. Adoniram war inzwischen 61. Er war der älteste aktive Missionar in Indien. Er hatte viele seiner jüngeren Mitstreiter überlebt. Seine Mitarbeiter und natürlich auch seine Frau merkten, dass es dem Ende zuging. Judson selbst wollte das nicht so wahr haben. Nicht, dass er sich vor dem Tod fürchtete – im Gegenteil, er wäre gerne in seine himmlische Heimat aufgebrochen, aber er sah die Arbeit. Er sah all die Dinge, die noch getan werden mussten, die er selbst gerne noch tun wollte. Dennoch schien es so, dass er sich – ob bewusst oder unbewusst – auf seinen Heimgang vorbereitete. Er verbrachte viele Stunden im Gebet und im Nachdenken über seinen Herrn: „‚Wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben‘ (Joh 13,34) war das Gebot, welches kontinuierlich in seinem Sinn war, und oft murmelte er – wie unbewusst: ‚wie ich euch geliebt habe‘ – ‚wie ich euch geliebt habe‘ – bis er plötzlich ausrief: ‚Oh, die Liebe Christi! Die Liebe Christi!“8 Seine Kräfte ließen stetig nach. Nach einem Sturz verbrachte er die meiste Zeit auf dem Sofa. Seine Füße schwollen langsam an – jeder wusste, was das zu bedeuten hatte. Aber Adoniram setzte seine Hoffnungen noch einmal auf eine Seereise, die ihm der Arzt verordnet hatte. Emily, mit ihrem zweiten Kind schwanger, versuchte Adoniram zum Bleiben zu bewegen, aber seiner Ansicht nach wäre es fahrlässig gewesen, diese Chance nicht zu nutzen. Wenn etwas helfen könne, dann das. Wenn er bleiben würde, würde er ganz sicher sterben. Wenn er führ, hätte er wenigstens eine kleine Chance. Also wollte er es versuchen. › Es sind so wenige, die so mühsam sterben Im April schiffte er sich auf der Aristide Marie ein – er musste in einer Sänfte auf das Fahrzeug getragen werden. Emily konnte ihn aufgrund der Schwangerschaft nicht begleiten. Es wurde entschieden, dass Bruder Ramney und ein einheimischer, treuer Freund mit Adoniram fahren sollten. Am 6. April lief die Aristide Marie auf das offene Meer. Adoniram ging es kurzzeitig besser – aber seine Schmerzen kamen und gingen. Seine linke Seite begann zu schwellen und kurz darauf erbrach er sich regelmäßig unter heftigen Schmerzen. Er redete nur noch selten, wenn, dann flüsternd. In einer erneuten Schmerzattacke stieß er hervor: „Wie wenige gibt es wohl, die solche Qualen leiden – die so mühsam sterben!“9 Zwei Tage später hatte er seinen mühsamen Kampf zu Ende gekämpft, sein Ziel erreicht. Am Ende schlief er ruhig und ohne äußere Anzeichen von Schmerzen ein. Ramney schloss seine Augen und wollte bis zum nächsten Tag mit der Beerdigung warten, womit der Kapitän jedoch nicht einverstanden war. Der Schiffszimmermann fertigte eine Kiste aus rohen Brettern, in die die Leiche gelegt wurde. Der grob gezimmerte, mit Sand beschwerte Sarg glitt über die Backbord-Reling, durchstieß die Wasseroberfläche und versank mit einem gurgelnden Geräusch langsam in der pechschwarzen Dunkelheit des Bengalischen Meeres. Es wurde kein hörbares Gebet gesprochen, kein Choral gesungen, keine Ansprache gehalten, als am 12. April 1850 die sterblichen Überreste von Dr. Adoniram Judson auf 13° nördlicher Breite und 93° östlicher Länge dem Indischen Ozean übergeben wurden. Zehn Tage später brachte Emily ihr zweites Kind zur Welt, es starb bei der Geburt. Emily erfuhr erst vier Monate später, dass ihr Mann seinen Lauf vollendet hatte. Sie reiste mit den drei übrigen Kindern zurück in die USA und begann mit dem Präsidenten des Brown College, Francis Wayland, die „offizielle“ Biografie ihres Mannes zu erstellen. Ihr körperlicher Zustand war jedoch dauerhaft geschwächt. Sie erkrankte an Tuberkulose und starb nur wenige Monate später, am 1. Juni 1854. › Nachwort Adonirams Einfluss – seine Wirkung auf seine Zeitgenossen und seine Nachwelt – ist kaum zu ermessen. Als er am 13. Juli 1813 zum ersten Mal das Königreich Burma betrat, gab es dort keinen einzigen Jünger Jesu. Bei seinem Tod umfasste die einheimische Gemeinde über 7.000 getaufte Gläubige. Zahlreiche burmanische Christen waren zu diesem Zeitpunkt selbst schon beim Herrn. Es gab 63 Gemeinden unter den Burmesen und den Karen, 163 Missionare, einheimische Pastoren und Assistenten. Die Burmesen hatten eine Bibel in ihrer Sprache und die nachfolgenden Missionare konnten sich auf das ausgezeichnete Wörterbuch stützen. Von den 4% (nominellen) Christen im heutigen Myanmar sind nur 1% römisch-katholisch, von den anderen 3% (ca. 1,7 Mio. Menschen) gehören die meisten zur größten protestantischen Denomination im Land – den Baptisten.10,e) Sie versammeln sich in knapp 5.000 Gemeinden.11 In den USA hatten Judson und seine vier Freunde die Bildung der ersten Missionsgesellschaft mitinitiiert. Durch Judsons übertritt zu den Baptisten war eine zweite, große Organisation entstanden, die noch zu Adonirams Lebzeiten Missionare in alle Welt aussandte und beeindruckende Ausmaße erlangte. Auch die amerikanische Episkopalkirche, die Methodisten und die Presbyterianer bildeten schon kurz nach den Aufbrüchen der jungen Brüder eigene Missionsgesellschaften und verwiesen dabei auf das Vorbild des Pastorensohnes. Zahlreich sind die Zeugnisse derer, die durch die Biografie und das standhafte Ausharren Judsons motiviert wurden, selbst in die Mission zu gehen und/oder unter Leiden auszuharren und ihrem Herrn zu dienen. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn Edward Judson am Ende seiner Biografie bemerkt: „Bis der Tag kommt, an dem sich jedes Knie beugen und jede Zunge den Namen Jesu bekennen wird, werden christliche Herzen nicht aufhören sich von denen inspirieren zu lassen, die ihre Ruheplätze unter dem Hopia-Baum in Amherst, an dem steinigen Strand von St. Helena und unter den Wellen des indischen Ozeans fanden.“12

Nachtext

a) Maulmain lag im britisch kontrollierten Gebiet Burmas. b) was lt. Adoniram das erste Mal seit etwa 50 Jahren war und sie deshalb völlig überrascht traf (Wayland, Vol. II, S. 300). c) Das Wörterbuch kann noch heute online als Reprint bestellt werden. Inwiefern es jedoch noch genutzt wird, ist dem Autor nicht bekannt. Adoniram hatte den englisch-birmanischen Teil fertig gestellt und beabsichtigte noch den umgekehrten Teil zu verfassen, aber hatte dazu keine Gelegenheit mehr. d) CIA-Factbook (https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/bm.html; 20.11.2014) e) Die Quellen zur heutigen Situation streuen breit. Hulse (2007) nennt 5,2% Protestanten, mit den Baptisten als größte Denomination mit 1,5Mio. Mitgliedern. Die p ngstlerische Bewegung ist mit 123.000 „Assemblies of God“ vertreten. (Hules, Ellis, Adoniram Judson and the Missionary Call, Chapel Library, Florida, 2007 ) „Operation World“ gibt die Anzahl der nominellen Christen mit 8,98% und der Evangelikalen mit 5,0% an. Die Zahl der Christen wächst seit 1950 kontinuierlich an (http://www.operationworld.org/myan, 20.11.2014). Ähnliche Zahlen (8,8% Christen, 5,1% Evangelikal nennt das joshuaproject. Von den ca. 19 verschiedenen Karen-Gruppen zählen sich die Mehrheit bei mehr als 7 Gruppen zu den Christen gehörig (http://joshuaproject.net/countries/BM, 20.11.2014))

Quellenangaben

1 Wayland, Vol. II. S. 329 2 Wayland, S. 281 3 Anderson, S. 473, Übersetzung Alois Wagner 4 Anderson,S.478,ÜbersetzungAloisWagner 5 Wayland, S. 295 6 Wayland, S. 285 7 Wayland, S. 289 8 Wayland, S. 338 9 Wayland, S. 351 10 CIA-Factbook (https://www.cia.gov/library/publications/the-world- factbook/geos/bm.html; 20.11.2014) 11 Stand 2012 (http://en.wikipedia.org/wiki/Protestantism_in_Burma; 20.11.2014) 12 Edwards,S.560